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Goethe!

Goethe! ist ein deutscher Spielfilm des Regisseurs Philipp Stölzl aus dem Jahr 2010. Die Produktion basiert auf einem gemeinsamen Drehbuch Stölzls und der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Inhalt
  3. 3. Entstehung und Gestaltung
  4. 4. Historische Genauigkeit
  5. 5. Veröffentlichung und Resonanz
  6. 6. Auszeichnungen

Überblick

Goethe! ist ein deutscher Spielfilm von Philipp Stölzl aus dem Jahr 2010. Er erzählt als Liebesdrama eine frei gestaltete Episode aus dem Sommer 1772: Der junge Johann Wolfgang Goethe verliebt sich in Charlotte Buff, eine Erfahrung, die später mit dem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers verbunden wird. Die Hauptrollen spielen Alexander Fehling als Johann Goethe, Miriam Stein als Lotte Buff und Moritz Bleibtreu als Albert Kestner.

Der Film dauert 100 Minuten, ist deutschsprachig und wurde in Deutschland produziert. Die Altersfreigabe liegt bei FSK 6 und JMK 6. Regie führte Philipp Stölzl, der auch zusammen mit Christoph Müller und Alexander Dydyna das Drehbuch schrieb. Produziert wurde der Film von Christoph Müller und Helge Sasse; die Musik stammt von Ingo Frenzel, die Kamera von Kolja Brandt und der Schnitt von Sven Budelmann.

Wichtig für das Verständnis ist, dass der Film keine streng historisch genaue Biografie ist. Er verbindet reale Stationen aus Goethes Leben mit Motiven aus Die Leiden des jungen Werthers und gestaltet daraus einen romantischen Liebesfilm über den jungen Goethe.

Inhalt

Zu Beginn fällt Johann Goethe in Straßburg durch das juristische Staatsexamen. Sein Vater will ihn von seinen dichterischen „Flausen“ abbringen und schickt ihn nach Wetzlar, wo er am Reichskammergericht weiter juristisch arbeiten soll.

In Wetzlar bearbeitet Goethe alte Akten für seinen Vorgesetzten Kestner, der im Film den Vornamen Albert trägt. Er freundet sich mit dem Juristen Jerusalem an. Auf einer Tanzveranstaltung lernt Goethe Charlotte Buff, genannt Lotte, kennen und verliebt sich in sie. Lotte ist das älteste von acht Kindern eines Witwers und trägt Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister.

Goethes Liebe scheint zunächst erwidert zu werden. Nach einem Gedichtvortrag werden Goethe und Lotte von starkem Regen überrascht, suchen Schutz in einer Burgruine und werden dort intim. Gleichzeitig wirbt Kestner bei Lottes Vater um ihre Hand. Der Vater sieht in einer Ehe mit Kestner eine sichere Zukunft für Lotte und ihre Familie. Lotte zögert, übernimmt aber immer stärker die Sichtweise ihres Vaters, weil sie das Wohl ihrer Familie im Blick hat.

Goethe hilft Kestner unwissentlich sogar dabei, einen passenden Heiratsantrag vorzubereiten. Erst bei der Verlobungsfeier von Albert und Lotte erkennt er, dass Kestner sein Rivale ist. Goethe ist verzweifelt. Nachdem Jerusalem sich wegen einer unglücklichen Liebe zu einer verheirateten Frau erschossen hat, denkt auch Goethe an Selbstmord, führt diesen Gedanken aber nicht aus.

Durch eine Beleidigung Kestners kommt es zu einem Duell. Goethe darf zuerst schießen, verfehlt aber; Kestner verschießt absichtlich und lässt Goethe wegen unerlaubten Duellierens festnehmen. Im Gefängnis schreibt Goethe Die Leiden des jungen Werthers und schickt das Manuskript an Lotte. Diese sendet es ohne sein Wissen an einen Verlag. Nach Goethes Entlassung reist er mit seinem Vater nach Frankfurt zurück. Dort ist der Roman bereits ein Bestseller; Goethe wird erkannt, gefeiert und auch sein Vater akzeptiert nun stolz seine schriftstellerischen Ambitionen.

Entstehung und Gestaltung

Produzent Christoph Müller erklärte, Goethe! orientiere sich an Filmen wie Amadeus und Shakespeare in Love. Gemeinsam ist diesen Filmen, dass sie weltberühmte Künstler in einer frühen, leidenschaftlichen „Sturm-und-Drang“-Phase zeigen. „Sturm und Drang“ bezeichnet hier eine jugendlich-auflehnende, gefühlsbetonte Haltung, die auch zu Goethes Frühwerk passt.

Gedreht wurde der Film von Ende August bis Ende Oktober 2009, vor allem in Ostdeutschland und Tschechien. Drehorte waren unter anderem Görlitz, Merseburg, Rossbach, Creuzburg, Quedlinburg, Osterwieck, Dresden, Bad Muskau und Krompach. Die Produktion erhielt mehrere Förderungen: 750.000 Euro von der Mitteldeutschen Medienförderung, 450.000 Euro vom Medienboard Berlin-Brandenburg, über eine Million Euro vom Deutschen Filmförderfonds, über 370.000 Euro von der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen und 400.000 Euro von der FFA. Insgesamt kostete die Herstellung sieben Millionen Euro. Auch Michael „Bully“ Herbig beteiligte sich als Koproduzent und finanziell, weil er den Ansatz für einen mainstreamtauglichen Goethe-Film hielt.

Beim Szenenbild wurden in Nahaufnahmen keine Kulissen verwendet; historische Fachwerkhäuser in Quedlinburg stellen zum Beispiel das alte Wetzlar dar. Große Stadtansichten entstanden dagegen weitgehend am Computer. Die Stadtbilder greifen nach Aussage des Produzenten häufig Bildmotive von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, auf. Landschaften, besonders auf dem Weg zwischen Johann und Charlotte, beziehen sich auf Caspar David Friedrich. Auch Eindrücke von Pieter Bruegel dem Älteren und Carl Spitzweg werden erwähnt. Die Stadtsilhouetten von Frankfurt und Wetzlar sind jedoch Fantasieprodukte.

In der Filmmusik wird bei Goethes Reise nach Wetzlar und zurück nach Frankfurt das Lied Gretchen am Spinnrade von Franz Schubert aus dem Jahr 1814 zitiert, in einer Orchesterfassung. Der Text stammt aus Goethes Faust.

Historische Genauigkeit

Der Film wirkt durch echte alte Häuser, Requisiten und Kostüme historisch authentisch und greift mehrere reale Details aus Goethes Leben auf. Goethe wurde tatsächlich in Frankfurt am Main geboren, studierte in Straßburg Jura und arbeitete anschließend als Jurist in Wetzlar. Dort lernte er Charlotte Buff kennen. Auch Jerusalem, den Goethe nach einem ersten Kennenlernen in Leipzig in Wetzlar wiedertraf, gab es wirklich; er erschoss sich tatsächlich aus unglücklicher Liebe.

Gleichzeitig vermischt der Film den realen Goethe stark mit der Romanfigur Werther. Einzelheiten wie der Vorname Albert oder der Regen vor dem Aufblühen der Liebe erinnern eher an den Roman Die Leiden des jungen Werthers als an Goethes tatsächliches Leben.

Mehrere zentrale Handlungselemente sind frei erfunden. Goethe fiel in Straßburg zwar durch seine Promotionsprüfung, erhielt aber durch 56 Thesen, die sogenannten Positiones juris, dennoch den Grad eines „Lizentiaten der Rechte“. Damit durfte er als Anwalt arbeiten und kehrte nicht als völlig Gescheiterter zum Vater zurück. Ein Duell mit Kestner gab es nicht, ebenso keine daraus folgende Haft. Auch Goethes Liebe zu Charlotte Buff blieb in Wirklichkeit platonisch, also ohne körperliche Liebesbeziehung.

Der Film will daher weniger eine genaue Biografie sein als eine Mischung aus Biopic, Literaturverfilmung und Entstehungsgeschichte des Werther. Produzent Christoph Müller rechtfertigte etwa das erfundene Duell damit, dass Goethe Kestner zwar nicht duellierte, ihm aber nachweislich den Tod wünschte; das Duell mache dieses Gefühl filmisch sichtbar. Die intime Szene zwischen Johann und Lotte erklärten die Filmemacher damit, dass der Film als romantischer Liebesfilm funktioniere und die „Liebeserwartung“ des Publikums erfülle. Eine weitere historische Ungenauigkeit ist der Kanon Bona nox! KV 561 von Wolfgang Amadeus Mozart: Im Film singt Goethe ihn, obwohl Mozart ihn erst 1788 schrieb, also 16 Jahre nach der Handlung.

Veröffentlichung und Resonanz

Goethe! kam am 14. Oktober 2010 mit 250 Filmkopien in die deutschen Kinos. Bis Ende 2010 sahen ihn über 600.000 Besucher; damit war er in Deutschland der zehnerfolgreichste deutsche Film des Kinojahres. Bis Ende 2011 erreichte er über 740.000 Kinobesucher. Am 18. März 2011 erschien der Film als DVD, Blu-ray Disc und Download.

2013 wurde Goethe! zusammen mit Das Wunder von Bern, Almanya – Willkommen in Deutschland und Der ganz große Traum bei der ersten Deutschen Filmwoche in Nordkorea gezeigt. Diese fand vom 4. bis 8. November 2013 im Taedongmun-Kino in Pjöngjang statt.

Die Kritik reagierte gemischt. Viele Kritiker bemerkten, dass Goethe im Film wie ein Popstar oder Popliterat erscheint. Gelobt wurden häufig Witz, Charme, Tempo, Ausstattung, Kostüme, Bilder und Montagen. Manche fanden, der Film wirke jung, leicht und könne ein junges Publikum zur Goethe-Lektüre anregen. Alexander Fehling wurde für die Darstellung zwischen jugendlichem Überschwang und verzweifelter Todessehnsucht gelobt; auch Miriam Stein wurde teils positiv hervorgehoben.

Kritisiert wurde dagegen die große Freiheit im Umgang mit historischen Fakten. Einige Kritiker meinten, der Film habe mit dem echten Goethe nur wenig zu tun, vereinfache Konflikte und passe die Geschichte zu stark an die Erwartungen eines romantischen Kinofilms an. Auch die vielen erklärenden Elemente, der Musikeinsatz, manche prominenten Nebenrollen und die eingebauten Wiedererkennungsfragmente aus späteren Goethe-Werken wurden kritisch gesehen.

Auszeichnungen

Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) stufte Goethe! als „besonders wertvoll“ ein. Die Website kinofenster.de, betrieben von der Bundeszentrale für politische Bildung gemeinsam mit Vision Kino, zeichnete den Film als „Film des Monats“ Oktober 2010 aus.

2011 erhielt Goethe! vier Nominierungen für den Deutschen Filmpreis: Bester Film, Bester Hauptdarsteller für Alexander Fehling sowie Bestes Szenen- und Maskenbild. Den Preis gewannen die Maskenbildnerinnen Kitty Kratschke und Heike Merker. Miriam Stein erhielt außerdem den New Faces Award als beste Nachwuchsdarstellerin.

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