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Gleichgewicht (Wirtschaftstheorie)

Das wirtschaftswissenschaftliche Gleichgewicht kennzeichnet einen Ruhezustand, in welchem Wirtschaftssubjekte keine Veranlassung haben, ihr Marktverhalten …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee des wirtschaftlichen Gleichgewichts
  2. 2. Stabiles, labiles und indifferentes Gleichgewicht
  3. 3. Gesamtwirtschaftliche Ziele und Keynes-Beispiel
  4. 4. Markt-, Geldmarkt- und stationäres Gleichgewicht

Grundidee des wirtschaftlichen Gleichgewichts

Ein wirtschaftswissenschaftliches Gleichgewicht ist ein Ruhezustand: Wirtschaftssubjekte haben keinen Anlass, ihr Marktverhalten zu ändern, weil sie sich optimal an die für sie wichtigen Marktdaten angepasst haben. Als Wirtschaftssubjekte gelten etwa Unternehmen, Staaten, deren Untergliederungen und Privathaushalte.

Eine Verhaltensänderung wird erst durch eine exogene Datenänderung ausgelöst, also durch eine von außen kommende Marktstörung. Das Gleichgewichtskonzept wird je nach Betrachtungsebene unterschiedlich verwendet: für Unternehmen und Haushalte, für Märkte als Marktgleichgewicht, für die gesamte Volkswirtschaft als Allgemeines Gleichgewichtsmodell beziehungsweise gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht und im Außenhandel als außenwirtschaftliches Gleichgewicht. Ein Gleichgewicht ist dabei nicht automatisch ein idealer oder wünschenswerter Zustand; es besitzt lediglich keine eigene Tendenz zur Veränderung.

Stabiles, labiles und indifferentes Gleichgewicht

Beim stabilen Gleichgewicht reagieren endogene Kräfte, also die Marktteilnehmer selbst, auf eine exogene Marktstörung so, dass eine Rückkehr zum vorherigen Gleichgewicht möglich ist. Ein Gleichgewicht muss stabil sein, um ökonomische Bedeutung zu haben; andernfalls lässt sich nicht folgern, dass ein Wirtschaftssystem zum Gleichgewicht strebt.

Ein labiles Gleichgewicht führt nach einer Marktstörung dagegen zu einer fortschreitenden Entfernung vom ursprünglichen Zustand. Es entsteht eine Tendenz zu nicht näher definierbaren Ungleichgewichtszuständen. Bei einem indifferenten Gleichgewicht wird der ursprüngliche Zustand nach einer Störung ebenfalls nicht wieder erreicht, weil Kräfte zur Rückkehr fehlen. Ein instabiles Gleichgewicht ist ebenso unwahrscheinlich wie ein Ungleichgewicht.

Ein stabiles Gleichgewicht ist definitionsgemäß zeitlich beständig, während ein ungleichgewichtiger Zustand nur vorübergehend ist. Beispiel: Liegt der Gleichgewichtspreis bei vollständiger Konkurrenz bei 10 Euro, der aktuelle Preis aber bei 7 Euro, kann – ceteris paribus, also bei sonst gleichen Bedingungen – eine Preissteigerung vorhergesagt werden.

Gesamtwirtschaftliche Ziele und Keynes-Beispiel

Das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht ist in Deutschland nach § 1 StabG ein Staatsziel. Bund und Länder müssen die Erfordernisse dieses Gleichgewichts bei wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen beachten. Ihre Maßnahmen sollen innerhalb der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig Preisniveaustabilität, einen hohen Beschäftigungsstand, außenwirtschaftliches Gleichgewicht sowie stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum fördern. Diese vier Ziele bilden das Magische Viereck. Sie stehen jedoch in Zielkonflikten und können deshalb nicht alle gleichzeitig und gleichwertig erfüllt werden.

Für das Bruttoinlandsprodukt Y, den Konsum C und die Ersparnis S gilt: Y=C+S. Beträgt Y 1000 Euro und C 800 Euro, ist S daher 200 Euro. Werden diese 200 Euro durch Investitionen I verwendet, entspricht das Bruttoinlandsprodukt der effektiven Nachfrage D; es liegt gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht bei Vollbeschäftigung vor.

Betragen die Investitionen dagegen nur 150 Euro, bestehen ex ante Ungleichgewichte: I<S und D<Y. Anpassungsvorgänge senken Y, C und S so lange, bis S=I gilt. Auf einem niedrigeren Niveau entsteht dann ein neues Gleichgewicht mit D=Y. Das erforderliche ex-post-Gleichgewicht I=S wird durch unfreiwillige Lagerinvestitionen hergestellt. John Maynard Keynes erklärte 1936 auf diese Weise, dass ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht auch bei Unterbeschäftigung möglich ist.

Markt-, Geldmarkt- und stationäres Gleichgewicht

Ein bestehendes Marktgleichgewicht kann durch plötzliche Angebotsüberschüsse, Angebotslücken, Nachfrageüberhänge oder Nachfragelücken gestört werden. Auch Verschiebungen von Angebot oder Bedarf auf Teilmärkten können das dortige Gleichgewicht beseitigen.

Auf dem Gütermarkt liegt Marktgleichgewicht vor, wenn Angebotsmenge A und Nachfragemenge D gleich sind: A=D. Bei zu geringem Angebot erhöhen Unternehmer ihre Marktpreise; dadurch sinkt die Nachfrage der Verbraucher. Eine Angebotslücke kann außerdem, erst mittelfristig, eine Produktionssteigerung auslösen. Solche Anpassungen können die Rückkehr zum ursprünglichen Gleichgewicht ermöglichen. Der Preis hat damit eine Markträumungsfunktion: Es gibt weder Überbestände noch Fehlmengen. Ein permanenter Angebotsüberschuss kann dagegen das Preisniveau senken, ohne dass ein Gleichgewicht erwartet werden kann. Dies ist eine Depression; auch Rezession, Aufschwung und Boom sind Störungen.

Auf dem Geldmarkt besteht Gleichgewicht, wenn Geldangebot M und Geldnachfrage L übereinstimmen: M=L. Bei M<L besteht eine Geldlücke, bei M>L ein Geldüberhang. Ein Geldüberhang senkt das Zinsniveau, bis die Geldnachfrage auf das Zinsniveau der Geldmenge gestiegen ist und ein neues Gleichgewicht entsteht. Geldlücke und Geldüberhang wirken auf dem Gütermarkt inflatorisch oder deflatorisch. Zentralbanken beseitigen sie im Rahmen der Geldpolitik durch Steuerung des Geldangebots.

In dynamischen Modellen, etwa der neoklassischen Wachstumstheorie, bezeichnet Gleichgewicht häufig einen stationären Zustand. Dabei verändern sich zentrale Variablen nicht mehr; in der Wachstumstheorie ist dies typischerweise die Kapitalintensität.

Lernvideos zu Gleichgewicht (Wirtschaftstheorie)

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