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Giftpille (Wirtschaft)
Eine Giftpille (englisch poison pill) ist ein abwehrendes Vorgehen von börsennotierten Aktiengesellschaften, die der Gefahr ausgesetzt sind, durch ein …
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Zweck und Grundidee
Eine Giftpille (englisch „poison pill“) ist eine Abwehrmaßnahme börsennotierter Aktiengesellschaften gegen die Gefahr einer feindlichen Übernahme durch ein öffentliches Übernahmeangebot. Sie soll eine Übernahme für den angreifenden Käufer deutlich weniger attraktiv machen oder unmöglich machen, indem sie dessen Strategie schwächt oder aushebelt.
Die im Artikel genannten Angaben sind teilweise nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet. Giftpillen können nicht nur den Angreifer treffen, sondern auch die Leistungsfähigkeit des bedrohten Unternehmens beeinträchtigen.
Abwehrmaßnahmen des Unternehmens
Der Vorstand kann Unternehmensteile, die der Übernehmer vermutlich verkaufen möchte, vorab an Dritte weitergeben und den Zugriff des Erwerbers rechtlich ausschließen, etwa durch ein Stiftungsmodell. Als Beispiel wird Arcelor genannt: Der frisch erworbene kanadische Stahlproduzent Dofasco sollte in eine niederländische Stiftung ausgegliedert werden. Der feindliche Übernehmer wollte das Tochterunternehmen zur Refinanzierung abstoßen oder damit die Übernahme des Gesamtkonzerns bezahlen; dies könnte dadurch vereitelt werden.
Eine Gesellschaft kann außerdem gegenüber Stakeholdern einseitige Willenserklärungen abgeben, die für einen neuen Eigentümer sehr teuer wären. Peoplesoft versprach Kunden, die sich trotz der Oracle-Offerte für Peoplesoft-Produkte entschieden, eine drastische Preisrückerstattung, falls Peoplesoft binnen absehbarer Zeit von Oracle übernommen würde. Dies erscheint besonders nachvollziehbar, wenn ein Interessent erkennen lässt, nach einer Übernahme die Produkte des Wettbewerbers nicht mehr vermarkten zu wollen.
Weiter möglich sind verbindliche Ethik-Standards, Umweltschutzauflagen oder Mitbestimmungsmodelle. Sie können mit dem Geschäftskonzept eines gegensätzlich handelnden neuen Eigentümers nicht vereinbar sein oder ihn so stark belasten, dass sich die Übernahme nicht mehr lohnt.
Kapital, Investitionen und Verschuldung
Eine weitere Strategie ist die Kapitalerhöhung. Die Ausgabe neuer Aktien verteuert den Unternehmenswert. Das Übernahmeziel kann zudem stark in Bereiche investieren, die dem Interessenten mehr schaden als nutzen, oder selbst weitere Wettbewerber kaufen.
Auch eine massive Verschuldung für Akquisitionen, neue Produkte oder Forschung und Entwicklung kann als Giftpille dienen. Sie kann die Eigenkapitalisierung unattraktiv machen; bei Erreichen langfristiger Ziele kann der Unternehmenswert für Aktionäre jedoch wieder steigen. Wenn der Übernahmeinteressent die Schulden und die neue Ausrichtung voraussichtlich nicht tragen will, kann die Maßnahme wirken. Solche Maßnahmen schaden dem bedrohten Unternehmen laut Artikel nur dann nicht, wenn Eigeninteressen des Managements hinter den objektiven Interessen der Aktionäre zurückstehen und die Aktionäre dem Management vertrauen.
Interessen der Aktionäre und verwandte Abwehr
Giftpillen können Eigentümerinteressen verletzen. Deshalb soll die Public Relation beziehungsweise Unternehmenskommunikation Aktionäre über Hintergründe, Ziele und Geschäftsstrategien der Gegenmaßnahmen informieren. Bei breit gestreutem Aktienbesitz sind viele Aktionäre nicht namentlich bekannt; dann bleibt die öffentliche Kommunikation. Ihr Nachteil ist, dass auch der Angreifer die Informationen für seine Marktkommunikation nutzen kann.
Die Eigeninteressen des Managements können den Interessen der Aktionäre widersprechen. Eine Giftpille ist daher auch danach zu beurteilen, ob eine Übernahme durch einen möglicherweise stärkeren Konkurrenten dem Unternehmen insgesamt mehr nützt als die Selbstständigkeit, obwohl Arbeitsplatz- oder Standortverluste drohen können. Dies kann moralische Aspekte der Unternehmensführung betreffen und betrifft immer auch das Corporate Behavior, also das Verhalten eines Unternehmens im Rahmen seines Selbstverständnisses und seiner Ziele im strategischen und operativen Handlungsfeld.
Ähnliche Strategien und Beispiele
Altaktionäre können selbst so viele Aktien kaufen, dass am Markt keine unternehmensbestimmende Mehrheit mehr erhältlich ist. In enger Auslegung ist dies keine Giftpille, sondern streng genommen eine Rück-Übernahme durch die Alteigner.
Eine ähnliche Strategie ist die Suche nach einem Weißen Ritter: einem freundlicheren und kooperativen Übernehmer statt des feindlichen Angreifers, des Schwarzen Ritters. Als Beispiel nennt der Artikel die Schering AG: Beim feindlichen Übernahmeangebot der Merck KGaA gelang Bayer AG als Weißem Ritter eine Übernahme.
Weitere genannte Beispiele für Giftpillen sind der Kauf der britischen Orange durch Mannesmann zur Abwehr von Vodafone, der Verkauf der amerikanischen LaSalle Bank durch ABN AMRO zur Abwehr der Royal Bank of Scotland sowie der Einsatz einer Giftpille von Twitter gegen die Übernahme durch Elon Musk.