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Geschlechtsneutrale Pronomen

Für die deutsche Sprache gibt es einige Vorschläge zu geschlechtsneutralen Personalpronomen. Durch sie soll vor allem queeren Menschen die Möglichkeit …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Zweck
  2. 2. Formen und Grammatik
  3. 3. Entwicklung in Deutschland
  4. 4. Entwicklung in den USA
  5. 5. Beispiele in Literatur und Medien
  6. 6. Aktionstag

Grundidee und Zweck

Geschlechtsneutrale Pronomen sind Vorschläge für Personalpronomen, die nicht eindeutig weiblich oder männlich sind. Sie sollen vor allem queeren und nichtbinären Menschen ermöglichen, ihre Geschlechtsidentität sprachlich angemessen auszudrücken. Nichtbinär bedeutet, dass sich eine Person nicht oder nicht ausschließlich als Frau oder Mann versteht.

Personalpronomen ersetzen im Satz oft den Namen einer Person. Im Deutschen sind die üblichen Pronomen stark mit Geschlecht verbunden: sie wird meist mit Frauen, er mit Männern verbunden. Für Personen, die sich in dieser binären Einteilung nicht wiederfinden, können beide Formen unpassend sein. Manche nichtbinäre Personen bitten deshalb darum, Pronomen ganz zu vermeiden und stattdessen nur ihren Vornamen zu verwenden.

Im Englischen gibt es das singulare they, das für einzelne Personen verwendet werden kann, wenn deren Geschlecht unbekannt, unwichtig oder nichtbinär ist. Im Deutschen gibt es bisher keine allgemein etablierte Entsprechung. Geschlechtsneutrale Pronomen sollen daher Geschlechtsidentitäten jenseits von weiblich und männlich sichtbar machen und eine respektvolle Bezugnahme ermöglichen. Absichtliches Misgendern, also die Verwendung unpassender geschlechtlicher Bezeichnungen oder Pronomen, wird im Artikel als Abwertung beschrieben, weil dadurch die Identität der betroffenen Person verleugnet wird.

Formen und Grammatik

Neutrale Personalpronomen können nach Ansicht ihrer Befürworter in mehreren Situationen verwendet werden: für eine unspezifische Person beliebigen Geschlechts, für eine bestimmte Person, deren Geschlecht oder Pronomen unbekannt ist, wenn das Geschlecht im Zusammenhang unwichtig oder geheim bleiben soll, bei Übersetzungen aus Sprachen mit geschlechtsneutralen Pronomen und für nichtbinäre Personen.

Zu den im Artikel genannten Vorschlägen gehören xier, en und they beziehungsweise die eingedeutschte Form dey. xier existiert seit 2012 und wurde von Illi Anna Heger entwickelt. en wird vom Verein für Geschlechtsneutrales Deutsch vorgeschlagen. they stammt aus dem Englischen und ist auch im Deutschen in Gebrauch gekommen.

Wie andere Pronomen müssen auch geschlechtsneutrale Pronomen in verschiedenen grammatischen Fällen verwendet werden. Im Deutschen sind sie und er Nominativformen. Possessivpronomen wie ihr oder sein drücken Besitz oder Zugehörigkeit aus. Dativformen wie ihr/ihm und Akkusativformen wie sie/ihn zeigen die Rolle im Satz.

Für xier nennt der Artikel die Formen xier/xieser/xiem/xien für Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ. Dazu kommen Artikel beziehungsweise Relativpronomen wie dier/dies/diem/dien sowie Possessivpronomen, zum Beispiel xiese, xieser, xieser, xiese für ein Objekt im grammatikalischen Femininum. Für en werden en als Nominativ, ens als Possessivpronomen, em als Dativform und en als Akkusativform genannt. Das Pronomen they wird mit they/their/them/them dekliniert.

Entwicklung in Deutschland

In Deutschland wird geschlechtergerechte Sprache offiziell beobachtet und diskutiert, geschlechtsneutrale Pronomen sind aber bisher nicht Teil einer allgemein verbindlichen Regelung. Der Rat für deutsche Rechtschreibung stellte 2018 fest, dass der gesellschaftliche Diskurs darüber, wie neben männlich und weiblich ein drittes Geschlecht oder weitere Geschlechter angemessen bezeichnet werden können, sehr kontrovers verläuft. Zugleich betonte er, dass Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, ein Recht auf angemessene sprachliche Bezeichnung haben.

Der Rat beobachtet Schreibweisen wie Gendersternchen, Unterstrich beziehungsweise Gender-Gap und den Zusatz (m, w, d), wobei d für die dritte Geschlechtsoption divers steht. Die Frage geschlechtsneutraler Pronomen wurde dabei nicht ausdrücklich behandelt. Im März 2021 bekräftigte der Rat, dass allen Menschen mit geschlechtergerechter Sprache begegnet werden soll. Er empfahl zu diesem Zeitpunkt aber nicht, Genderzeichen oder andere verkürzte Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Bezeichnungen im Wortinnern in das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung aufzunehmen.

Das Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz schrieb 2019 und in aktualisierter Form 2023 in seiner Handreichung „Geschlechtergerechte Sprache“, dass unter transidenten und intergeschlechtlichen Menschen Pronomen zur Eigenbezeichnung diskutiert werden. Genannt werden das englische they und die deutsche Singularform sier, eine Zusammenziehung aus sie und er. Das Ministerium empfahl, bei Anrede oder Anschreiben möglichst nur Vor- und Familiennamen zu verwenden und Herr oder Frau wegzulassen. Dies entspricht auch Empfehlungen der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Der Verein für geschlechtsneutrales Deutsch e. V. empfiehlt seit Ende 2022 das Pronomen en in der Deklination en/ens/em/en. Es ist Teil des „Inklusivums“, eines umfassenderen Systems mit geschlechtsneutralen Artikeln, Adjektiven und Substantiven. Der Verein betont zugleich, dass jede Person ihr eigenes Pronomen wählen darf. en wurde 2018 auf einem LGBTIQA+-Kongress in St. Pölten entwickelt und soll eine Mischung aus es, er und dem schwedischen geschlechtsneutralen Pronomen hen sein. In einem mehrstufigen Entscheidungsprozess setzte sich en gegen Alternativen wie dey, hen, em und sier durch, zuletzt in einer öffentlichen Umfrage im Oktober 2022 mit 899 Teilnehmenden.

Entwicklung in den USA

In den USA ist besonders das Pronomen they wichtig. Merriam-Webster’s Dictionary enthält seit September 2019 eine eigene Bedeutung von they für eine einzelne Person, deren Geschlechtsidentität nichtbinär ist: „used to refer to a single person whose gender identity is nonbinary“. Bereits Ende 2015 nahm The Washington Post diese Bedeutung in den eigenen Wortschatz auf. Im März 2017 folgte die Nachrichten- und Presseagentur Associated Press und nahm die nichtbinäre Verwendung von they in ihr AP Stylebook auf.

Das Chicago Manual of Style erlaubte in seiner 17. Auflage 2018 das singulare they im mündlichen und informellen schriftlichen Sprachgebrauch. Für förmliches Schreiben erlaubte es they in Bezug auf einzelne Personen, die sich nicht mit he oder she identifizieren. Auch das Oxford English Dictionary führt die nichtbinäre Bedeutung von they.

Eine dreiteilige Sprachstudie kam im März 2019 zu dem Ergebnis, dass neutrale Fürwörter die Akzeptanz von Frauen in öffentlichen Positionen und der LGBTIAQ+-Gemeinschaft erhöhen. Ende 2019 wählte die American Dialect Society they zum Wort des Jahrzehnts; ihr Wort des Jahres war (my) pronouns. Bereits 2015 hatte die Gesellschaft they zum Wort des Jahres gewählt.

Seit Januar 2021 bietet die Website der US-Bundesregierung in Kontaktformularen eine Pronomen-Liste zur Selbstbezeichnung an, darunter they/them. LinkedIn führte im Juni 2021 die Auswahl und Anzeige persönlicher Pronomen ein: she/her, he/him und they/them. Als früher Vorschlag werden außerdem die „Spivak-Pronomen“ E, Em, Eir, Eirs, Emself im Vorwort von Michael Spivaks Handbuch The Joy of TeX genannt.

Beispiele in Literatur und Medien

Der Artikel nennt mehrere Beispiele dafür, dass neu erfundene oder übernommene geschlechtsneutrale Pronomen in deutschsprachiger Literatur und Übersetzung verwendet werden. Dazu gehört xier in Blind von Annette Juretzki, in Ace in Space von Judith C. Vogt und Christian Vogt sowie in Humbug über Xenosol von Tino Falke. Weitere Beispiele sind raa in PX39-61 – Eine andere Welt von Evelyn Marker und die Pronomen sier, hen, dey und xier in Dies ist mein letztes Lied von Lena Richter.

Auch Übersetzungen nutzen solche Formen. In Mädchen, Frau etc. von Bernardine Evaristo steht im Original they/them, in der deutschen Fassung sier/sien. In mehreren Star-Wars-Romanen und -Comics werden they/them oder zhe/zher im Original in der deutschen Fassung mit xier wiedergegeben. In der Disney-Serie Willkommen im Haus der Eulen wird they/them für den Charakter Raine Whispers ebenfalls mit xier übersetzt. In der übersetzten Fassung von Auf allen Vieren von Miranda July erscheint dey/dem.

Aktionstag

Der Internationale Tag der Pronomen findet am dritten Mittwoch im Oktober statt; als Beispiel nennt der Artikel den 19. Oktober 2022. Er wurde 2018 von einer Initiative ins Leben gerufen. Ziel ist es, den Respekt vor persönlichen Pronomen, das Teilen solcher Pronomen und die allgemeine Bildung dazu zu stärken.

Weiterlesen

Personalpronomen Fall), Akkusativ (= 4. Fall), Dativ (= 3. Fall), Genitiv (= 2. Fall). Singular, 1, ich, mich, mir, meiner. 2, du, dich, dir, deiner. 3, m. er, ihn, ihm, seiner. Nichtbinäre Geschlechtsidentität Ab 2009 entwickelte Illi Anna Heger dieses Personalpronomen zusammen mit den Possessivpronomen ... Dezember 2021 (französisch; „Pronom personnel sujet de la … Gendern Im besonderen Sinne steht der Begriff Gendern im Deutschen für einen geschlechterbewussten Sprachgebrauch, der eine Gleichbehandlung der Geschlechter in der … Gendersternchen Die Gesellschaft für deutsche Sprache erkennt das Sternchen, andere Genderzeichen oder Gender-Pausen nicht als geeignete Mittel an, um diskriminierungsfreie … Englische Sprache Die englische Sprache (Eigenbezeichnung: [ˈɪŋɡlɪʃ]) ist eine ursprünglich in England beheimatete germanische Sprache, die zum westgermanischen Zweig gehört. Identität Männlichkeit und nationale Identität erscheinen ähnlich problematisch. Identität als Identifikation mit einer Gruppe ist oftmals auch das Ergebnis von Erziehung und äußeren Zwängen; der Ausbruch aus der bisherigen Identität kann ein Akt der Emanzipation sein. Pronomen Artikel = Begleiter“ & „Pronomen stehen für Nomen (das Kind – es, Monas Tasche – ihre Tasche …).“ ↑ Pons (Peter Hoffmann, Volker Losch): Gewusst wie … Deklination (Grammatik) ... Artikel (Geschlechtswort, Begleiter). Häufige Deklinationsmerkmale, die z. B. auch im Deutschen vorkommen, sind Kasus (Fall), Numerus (Zahl) und Genus … Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary In Deutschland wird der Webster beispielsweise von Schülern und Studenten verwendet, auch weil die Verwendung von Englisch-Englisch-Wörterbüchern in Klausuren … Oxford English Dictionary Das Oxford English Dictionary (OED) ist das umfangreichste Wörterbuch der englischen Sprache. Es soll den gesamten englischen Wortschatz seit dem 9. Bundesregierung (Vereinigte Staaten) Durch ein System der Gewaltenteilung (Checks and Balances) hat jeder dieser Zweige die Möglichkeit und Aufgabe, eigenständig zu arbeiten und auf die anderen … Gender-Doppelpunkt 2020 führt der Rechtschreibduden den Doppelpunkt als „vom amtlichen Regelwerk nicht abgedeckte“ Möglichkeit des „geschlechtergerechten Sprachgebrauchs“ auf.