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Geschichtsperspektive
Mit Geschichtsperspektive kann zweierlei gemeint sein: zum einen die Perspektive, die durch die Geschichte eröffnet wird, also der Zielpunkt der Geschichte …
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Bedeutung der Geschichtsperspektive
„Geschichtsperspektive“ kann zwei Bedeutungen haben: Sie kann erstens den durch Geschichte eröffneten Zielpunkt der Geschichte meinen, also eine Vorstellung davon, worauf Geschichte hinausläuft. Dies hängt mit Geschichtsbild und Geschichtsphilosophie zusammen. Zweitens bezeichnet sie die Sichtweise, aus der Geschichte wahrgenommen wird. Im Artikel steht dieser zweite Sinn im Mittelpunkt.
Geschichte wird nicht einfach neutral betrachtet, sondern immer aus bestimmten Standpunkten heraus. Diese Standpunkte beeinflussen, welche Ereignisse wichtig erscheinen, wie sie bewertet werden und welche Folgen ihnen zugeschrieben werden. Der Artikel weist außerdem darauf hin, dass seine Angaben nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet sind.
Multiperspektivisch Geschichte betrachten
Geschichte kann etwa aus der Perspektive der Herrschenden oder der Beherrschten, der Reichen oder der Armen, der Einheimischen oder der Fremden betrachtet werden. Weitere mögliche Sichtweisen sind die Innenperspektive einer Gruppe und der Blick von außen sowie die Perspektive von Männern oder Frauen, von Mehrheiten oder Minderheiten.
Für Untersuchungen kann es sinnvoll sein, zunächst gezielt nur eine Perspektive zu wählen. Das ist ein heuristischer Ansatz, also ein Vorgehen, das beim Erschließen eines Themas hilft. Ein differenziertes Geschichtsbild muss jedoch multiperspektivisch sein: Es muss mehrere Sichtweisen einbeziehen. Dies steht auch in Zusammenhang mit Geschichtsbewusstsein.
Der jeweilige Endpunkt des Rückblicks
Geschichtsschreibung betrachtet Geschichte immer von ihrem jeweiligen Endpunkt aus, also von dem Zeitpunkt, an dem auf Vergangenes zurückgeblickt wird. Der Versuch des Historismus, Geschichte ganz aus ihrer eigenen Zeit heraus zu verstehen, bleibt deshalb unvollkommen. Dies wird mit Rankes Satz „Jede Epoche ist unmittelbar zu Gott.“ verbunden: Das Wissen über den späteren Fortgang der Geschichte lässt sich nicht vollständig ausblenden.
Geschichte muss daher von jedem neuen Endpunkt aus neu geschrieben werden, weil sie für jede neue Epoche einen anderen Sinn erhält. Wichtige Einschnitte wie der Dreißigjährige Krieg, die Teilung Deutschlands, der Brand der Bibliothek von Alexandria oder der Bibliothek der Herzogin Anna Amalia werden anders gewichtet, wenn bekannt ist, welche Veränderungen über Jahrhunderte dauerhaft waren und welche nur vergleichsweise kurzfristig wirkten.
Auch Atomwaffen und die friedliche Nutzung der Kernenergie können unterschiedlich beurteilt werden: vor oder nach einem Atomkrieg beziehungsweise einem Super-GAU, am Beginn einer Lagerzeit von Atommüll oder nach Millionen Jahren Lagerzeit. Jeder Sinn von Geschichte bleibt deshalb vorläufig; er kann nur für den jeweiligen Ausgangspunkt des Rückblicks angegeben werden. Zugleich unterscheiden sich auch dann die Perspektiven der lebenden Menschen, etwa nach Schichten, Ethnien oder Geschlechtern.
Perspektivische Verzerrungen und Eurozentrismus
Perspektivische Beschränkungen können Geschichte deutlich verzerren. Offensichtlich wäre dies beispielsweise, wenn ein Schulbuch die Französische Revolution vollständig ausklammert und nur ihre Auswirkungen auf das Land darstellt, in dem das Buch verwendet wird. Ebenso nennt der Artikel die Darstellung des Holocaust oder des Völkermords an den Armeniern als angeblich legitime Abwehrmaßnahme des deutschen beziehungsweise türkischen Volkes.
Weniger auffällig wirken zunächst Epocheneinteilungen wie „Zeitalter der Entdeckungen“ sowie Antike, Mittelalter und Neuzeit. Ihr Eurozentrismus, also ihre Ausrichtung auf Europa als Maßstab oder Mittelpunkt, wird erst erkennbar, wenn man die Perspektive einer außereuropäischen Kultur einnimmt.
Aufklärung und Grenzen einzelner Deutungen
Die Geschichtswissenschaft im heutigen Sinn entstand aus der Wissenschaftsentwicklung des 19. Jahrhunderts. Sie beruht trotz mancher Abgrenzungen auf Grundvorstellungen der Aufklärung.
Der Artikel bewertet sowohl eine fundamentalistische Sicht der Geschichte als auch die Vorstellung als unangemessen, die Geschichte sei seit der Jungsteinzeit ein Niedergang. Letztere Deutung begründet den behaupteten Niedergang damit, dass die Kultivierung der Natur den zuvor bestehenden Naturbestand dauerhaft zerstört habe. Auch bei solchen Deutungen ist jedoch der Grundsatz der Multiperspektivität nicht eingehalten: Sie betrachten Geschichte nicht ausreichend aus mehreren unterschiedlichen Sichtweisen.