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Geschichte Kubas
Die Geschichte Kubas umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des aktuell zu Kuba zählenden Archipel, von der Urgeschichte bis zur Gegenwart.
Inhalt6 Abschnitte
Von der ersten Besiedlung zur spanischen Kolonie
Die Geschichte Kubas reicht von der vermutlich vor 8000 bis 10.000 Jahren erfolgten ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. Um 1500 bestanden 29 indigene Stammesfürstentümer. Im Westen lebten Siboney und Guanahatabey, in Mittel- und Ostkuba Taíno. Diese bauten unter anderem Maniok, Süßkartoffeln, Erdnüsse und Tabak an. Ortsnamen wie Havanna, Camagüey, Baracoa und Bayamo erinnern an indigene Siedlungen.
Christoph Kolumbus landete am 27. oder 28. Oktober 1492 in der Bucht von Bariay und nahm die Insel für Spanien in Besitz. Diego Velázquez de Cuéllar eroberte sie von 1511 bis 1515; der Widerstand unter dem Kaziken Hatuey wurde gebrochen. Kriege, Zwangsarbeit, Hunger und eingeschleppte Krankheiten ließen die indigene Bevölkerung von rund 100.000 Menschen im Jahr 1500 auf etwa 5.000 ein halbes Jahrhundert später sinken. 1544 wurden nur 122 spanische Haushalte sowie jeweils rund 700 freie Indigene und Sklaven gezählt. Kuba wurde als Generalkapitanat Teil des Vizekönigreichs Neuspanien.
Nachdem die Goldvorkommen erschöpft waren, stützte sich die Wirtschaft auf Landwirtschaft, Viehhaltung, Imkerei, Holzexport und Schmuggel. Havanna wurde 1607 politisches Zentrum und war seit den 1560er Jahren Sammelpunkt spanischer Flotten, die Waren aus Amerika nach Europa brachten. Die Gesellschaft war hierarchisch gegliedert: In Spanien geborene peninsulares beherrschten hohe Ämter und Handel; in Kuba geborene Kreolen verfügten häufig über Grundbesitz und lokale Macht. Afrikanische Sklaven arbeiteten in fast allen Wirtschaftsbereichen. Freie Schwarze und Mulatten bildeten wichtige Teile der städtischen Unter- und Mittelschicht. In den cabildos, Vereinigungen von Menschen ähnlicher afrikanischer Herkunft, blieben kulturelle und religiöse Traditionen erhalten. Aus ihrer Verbindung mit dem Katholizismus entstanden synkretistische Religionen wie die Santería.
Kolonialwirtschaft und Unabhängigkeitskampf
Die elfmonatige britische Besetzung Westkubas ab Juni 1762 lockerte die spanischen Handelsbeschränkungen; der Schiffsverkehr in Havanna versechsfachte sich. Im Frieden von Paris kam Kuba im Tausch gegen Florida wieder an Spanien. Nach dem Sklavenaufstand in Haiti von 1791 brachten geflohene französische Plantagenbesitzer Kenntnisse des Zucker- und Kaffeeanbaus nach Kuba. Die Wirtschaft wuchs, beruhte aber verstärkt auf industriell eingesetzter Sklavenarbeit. Zwischen 1812 und 1844 scheiterten acht große Sklavenaufstände.
Politisch standen sich Autonomisten, Annexionisten, Separatisten und Monarchisten gegenüber. Autonomisten wollten mehr Selbstständigkeit unter spanischer Schutzmacht, Annexionisten den Anschluss an die USA, Separatisten eine unabhängige Republik und Monarchisten die Zugehörigkeit zu Spanien. Nachdem eine kreolische Delegation 1868 in Madrid keine Reformen erreicht hatte, gewann die Unabhängigkeitsbewegung an Kraft.
Am 10. Oktober 1868 begann Carlos Manuel de Céspedes mit dem Grito de Yara den Zehnjährigen Krieg. Er befreite seine Sklaven; die Revolutionsarmee wuchs innerhalb eines Monats von 147 auf mehr als 12.000 Mann. Weil der wirtschaftlich entscheidende Westen nicht wirksam einbezogen wurde, konnte Spanien die Bewegung schwächen. Der Frieden von Zanjón beendete 1878 den Krieg und gewährte Straffreiheit sowie Schwarzen und Chinesen die Freiheit. Antonio Maceo setzte den Widerstand 1879–1880 im Kleinen Krieg erfolglos fort. Die Sklaverei wurde 1880 abgeschafft, bestand aber als Zwangsarbeitssystem bis 1886 weiter.
José Martí organisierte im Exil gemeinsam mit Máximo Gómez und Antonio Maceo den neuen Unabhängigkeitskrieg von 1895 bis 1898. Spanien setzte 200.000 Soldaten ein; 1897 erhielt Kuba weitgehende Autonomie, doch die Aufständischen verlangten vollständige Unabhängigkeit. Nach der Explosion des US-Schlachtschiffs Maine mit 268 Toten griffen die USA 1898 in den Krieg ein. Kuba durfte an den Friedensverhandlungen nicht teilnehmen und geriet unter US-Herrschaft. Erst am 20. Mai 1902 entstand die Republik Kuba unter Präsident Tomás Estrada Palma.
Republik, US-Einfluss und Revolution
Das Platt-Amendment wurde auf Druck der USA Bestandteil der Verfassung von 1902. Es erlaubte US-Militärinterventionen, stellte Verträge und Staatsschulden unter US-Vorbehalt und begrenzte damit Kubas Souveränität. 1903 erhielten die USA Stützpunkte in Bahía Honda und der Guantánamo-Bucht; Bahía Honda wurde 1912 zurückgegeben, Guantánamo blieb unter US-amerikanischer Kontrolle. Zwischen 1906 und 1919 intervenierten die USA mehrfach militärisch und beeinflussten Regierungen, weshalb diese Zeit als „Pseudo-Republik“ bezeichnet wird.
Gerardo Machado, seit 1925 Präsident, errichtete eine nationalistische Diktatur, ließ Gegner verfolgen und veranstaltete 1929 eine Scheinwahl. Ein Generalstreik stürzte ihn am 12. August 1933. Danach wurde Fulgencio Batista durch den „Aufstand der Unteroffiziere“ zum entscheidenden Machtfaktor. Von 1934 bis 1940 lenkte er mehrere Präsidenten, 1940 wurde er selbst gewählt. Die Verfassung von 1940 enthielt soziale Reformziele und machte das bereits 1934 aufgenommene Frauenwahlrecht wirksam. Nach demokratischen Regierungswechseln putschte Batista am 10. März 1952 erneut, setzte Teile der Verfassung außer Kraft und unterdrückte die Opposition.
Fidel Castro erklärte nach dem Scheitern einer Klage gegen Batista den bewaffneten Widerstand für zulässig. Der Angriff auf die Moncada-Kaserne am 26. Juli 1953 scheiterte, wurde aber zum Ausgangspunkt der nach diesem Datum benannten Bewegung. Nach Haft und Exil kehrte Castro im Dezember 1956 mit 82 Guerillakämpfern zurück. Batistas Regime verlor schließlich die Kontrolle; am 1. Januar 1959 floh Batista. Castro wurde am 13. Februar Ministerpräsident. Die Revolution hatte Sozialreformen, Demokratie und die Wiederherstellung der Verfassung von 1940 versprochen.
Aufbau des sozialistischen Staates
Nach 1959 wurden der Kongress und die bisherigen Parteien aufgelöst, kommunale Autonomie beseitigt und die Macht in der Exekutive konzentriert. Mehr als 500 Anhänger des Batista-Regimes wurden nach offiziellen Angaben in Schnellverfahren hingerichtet. Eine Agrarreform begrenzte Landbesitz auf 400 Hektar. Mieten wurden halbiert, Banken, Großbetriebe und US-amerikanisches Eigentum verstaatlicht. Die staatliche Kontrolle der Wirtschaft nahm zu, während Widerstand im Escambray-Gebirge bis 1966 bekämpft wurde. Die 1960 gegründeten Komitees zur Verteidigung der Revolution dienten als Nachbarschaftsorganisationen, aber auch der Überwachung und Sozialkontrolle.
Am 17. April 1961 scheiterte die von den USA unterstützte Invasion exilkubanischer Kämpfer in der Schweinebucht. Am 2. Dezember erklärte Castro Kuba zur marxistisch-leninistischen sozialistischen Republik; 1962 verhängten die USA ein vollständiges Importembargo. In der Kubakrise vom Oktober 1962 blockierten die USA die Insel wegen sowjetischer Atomraketen. Nach 13 Tagen zog die Sowjetunion die Raketen ab; geheim wurde zugleich der Abbau amerikanischer Raketen in der Türkei vereinbart. Die USA sagten öffentlich zu, Kuba nicht erneut anzugreifen.
Alphabetisierung, kostenlose oder stark verbilligte Leistungen und ein breiterer Bildungszugang verbesserten soziale Chancen. Zugleich verloren Universitäten ihre Autonomie, kritische Künstler wurden verfolgt und politische Gegner, Homosexuelle sowie unangepasste Kulturschaffende unter anderem in UMAP-Arbeitslager eingewiesen. Wirtschaftlich führten Zentralisierung, ineffiziente Staatsfarmen und moralische statt materieller Arbeitsanreize zu sinkender Produktivität und Versorgungsmängeln. Die „Gran Zafra“ von 1970 sollte zehn Millionen Tonnen Zucker erzeugen; erreicht wurden 8,4 Millionen Tonnen, während andere Wirtschaftszweige stark geschwächt wurden.
In den 1970er und 1980er Jahren orientierte sich Kuba enger am sowjetischen Modell und trat 1972 dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe bei. Die Verfassung von 1976 vereinigte zentrale Staats-, Partei- und Militärämter bei Fidel Castro. Sowjetische Lieferungen und feste Zuckerpreise ermöglichten bescheidenen Wohlstand; Bildungsausgaben, Lebenserwartung und Säuglingssterblichkeit entwickelten sich günstig. Politischer Wettbewerb blieb jedoch aus. Künstler und abweichende Intellektuelle erlebten das „graue Jahrzehnt“. Wirtschaftskrisen, Wohnraummangel und Unzufriedenheit führten 1980 zur Mariel-Bootskrise, bei der gut 100.000 Kubaner in die USA flohen.
Außenpolitik und Sonderperiode
Kuba verstand die Revolution als internationalistisch und unterstützte Befreiungsbewegungen und linksgerichtete Regierungen in Lateinamerika, Afrika und Asien militärisch, medizinisch und pädagogisch. Es half den Sandinisten in Nicaragua und insgesamt 17 afrikanischen Bewegungen oder Regierungen. Besonders bedeutend war Angola: Ab 1975 unterstützten kubanische Truppen die MPLA gegen UNITA, FNLA und südafrikanische Streitkräfte. In der Schlacht von Cuito Cuanavale 1987–1988 errang keine Seite einen eindeutigen Sieg, doch Südafrika erkannte, dass der Konflikt nicht zu seinen Gunsten zu gewinnen war. Das Dreimächteabkommen vom 22. Dezember 1988 regelte Südafrikas Rückzug, Namibias Unabhängigkeit und den Abzug der kubanischen Truppen innerhalb von 30 Monaten. Damit endeten 13 Jahre kubanischer Militärpräsenz in Angola.
1989 liefen etwa 85 % des kubanischen Außenhandels über den Ostblock. Nach dessen Zusammenbruch fielen sowjetische Erdöllieferungen von 13 auf vier Millionen Tonnen jährlich. Der Außenhandel mit den GUS-Staaten sank 1992 auf 6 % des Vorjahreswertes. In der „Sonderperiode in Friedenszeiten“ brach das Bruttoinlandsprodukt bis 1993 um mindestens 40 % ein; die Zuckerernte fiel von sieben Millionen Tonnen 1992 auf 3,3 Millionen Tonnen 1995. Energie, Lebensmittel, Medikamente und Verkehrsmittel wurden knapp.
Ab 1993 ließ die Regierung den US-Dollar als Zweitwährung, private Lebensmittelmärkte, Auslandsüberweisungen, Tourismus und begrenzte ausländische Investitionen zu. Dadurch entstand eine Spaltung zwischen Peso- und Devisenwirtschaft, von der besonders Menschen mit Auslandsverbindungen oder Zugang zum Tourismus profitierten. Nach Unruhen in Havanna am 5. August 1994 löste die Aufhebung der Küstenüberwachung die Balsero-Massenflucht aus. Das US-Embargo wurde 1992 durch den Torricelli Act und 1996 durch den Helms-Burton Act verschärft. Der Papstbesuch von 1998 verbesserte das Verhältnis zur katholischen Kirche. Ab 2005 stützte die Zusammenarbeit mit Venezuela im Rahmen der ALBA die kubanische Wirtschaft.
Reformen und Krisen seit Raúl Castro
Raúl Castro übernahm 2006 vorläufig und am 24. Februar 2008 endgültig die Staatsführung. Er behielt den Sozialismus bei, hob aber Verbote auf, erlaubte unter anderem Mobiltelefone und Hotelaufenthalte für Kubaner und überließ Kooperativen brachliegende Agrarflächen. Die Reformen verstärkten soziale Unterschiede: Menschen mit Zugang zu Tourismus, Devisen oder staatlich privilegierten Berufen waren im Vorteil, während Infrastruktur, Gesundheits- und Bildungswesen verfielen und informelle Märkte wichtiger wurden.
Am 17. Dezember 2014 vereinbarten Raúl Castro und US-Präsident Barack Obama diplomatische Beziehungen und Embargoerleichterungen. Obama besuchte Kuba am 20. März 2016 als erster US-Präsident seit 88 Jahren. Unter Donald Trump wurden viele Erleichterungen zurückgenommen; im Januar 2021 setzte er Kuba wieder auf die US-Liste der Terrorismus unterstützenden Staaten.
Miguel Díaz-Canel folgte Raúl Castro im April 2018 als Staats- und Regierungschef. Die 2019 angenommene Verfassung erlaubte Privateigentum und begrenzte ausländische Investitionen und führte das Amt des Ministerpräsidenten wieder ein. Anfang 2021 wurde der Peso convertible abgeschafft; zugleich gewannen MLC-Läden an Bedeutung, in denen nur über Guthaben in frei konvertierbarer Währung bezahlt werden kann.
Im Juli 2021 kam es wegen Lebensmittel- und Medikamentenmangels sowie politischer Unterdrückung zu den ersten landesweiten Massenprotesten seit Jahrzehnten. Amnesty International meldete mindestens 115 Festnahmen. Offiziell wurden 381 Menschen verurteilt, darunter 16 Minderjährige; 297 erhielten Haftstrafen, 36 davon zwischen fünf und 25 Jahren. Ein Referendum erlaubte 2022 unter anderem die gleichgeschlechtliche Ehe, gemeinschaftliche Adoption, Samenspende und Leihmutterschaft. Zugleich wurde das Strafrecht für politische Vergehen verschärft.
Am 18. Oktober 2024 führte eine Havarie im Kraftwerk Antonio Guiteras zu einem mehr als zweitägigen landesweiten Stromausfall; kurz darauf verursachte Hurrikan Oscar schwere Schäden und sieben Todesfälle. Nach einem US-Militärschlag gegen Venezuela am 3. Januar 2026 bestätigte der Tod von 32 kubanischen Sicherheitskräften Kubas militärisches Engagement dort. Die USA verschärften anschließend Öl- und Wirtschaftssanktionen mit dem erklärten Ziel eines Regimewechsels bis Ende 2026. Kuba reagierte mit einem Notfallplan; im Mai und Juni 2026 führten weitere Sanktionen zum Rückzug ausländischer Hotelketten und erschwerten Kreditkartenzahlungen.