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Gerd Kaiser
Gerhard Ernst Richard Kaiser (* 29. Juli 1933 in Dietzhausen; † 13. April 2024 in Berlin) war ein deutscher Soziologe. Er war Oberstleutnant der Nationalen …
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Person und Bedeutung
Gerhard Ernst Richard „Gerd“ Kaiser (* 29. Juli 1933 in Dietzhausen; † 13. April 2024 in Berlin) war ein deutscher Soziologe, Historiker und Publizist. Als ehemaliger Oberstleutnant der Nationalen Volksarmee (NVA) beschäftigte er sich besonders mit deutscher Militärgeschichte, der Geschichte der Arbeiterbewegung und dem antifaschistischen Widerstand.
Die Angaben des Artikels sind nur unzureichend durch unabhängige Quellen belegt. Mit Stand September 2020 beruhte die Darstellung im Wesentlichen auf Kaisers eigener Webseite. Dies ist bei der Einordnung seines Lebenslaufs und seiner Tätigkeit zu berücksichtigen.
Ausbildung und Militärdienst
Kaiser besuchte zunächst die Volksschule und erlernte den Beruf des Industrieschmiedes. Über den Zweiten Bildungsweg erwarb er an der Arbeiter- und Bauernfakultät der Universität Jena die Hochschulreife. Ab 1951 studierte er Geschichte an der Lomonossow-Universität in Moskau.
Nach dem Studium verpflichtete er sich 1956 als Offiziersanwärter zu einem zwölfjährigen Wehrdienst in der NVA. Während seiner Armeezeit absolvierte er eine außerplanmäßige Aspirantur, also eine wissenschaftliche Qualifikation neben seiner regulären Tätigkeit. 1964 promovierte er an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Seine Dissertation untersuchte Entstehung, Aufbau und Aufgaben der politisch-ideologischen Beeinflussung deutscher Landstreitkräfte vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. Dabei behandelte er das Deutsche Kaiserreich, die Reichswehr der Weimarer Republik und die nationalsozialistische Wehrmacht. Die maschinengeschriebene Dissertation ist in der Werkliste mit Leipzig 1965 angegeben.
1968 endete Kaisers Dienst in der NVA. Er wurde im Rang eines Oberstleutnants entlassen.
Berufliche und gesellschaftliche Arbeit
Nach seiner Militärzeit arbeitete Kaiser bis 1990 beim Deutschen Fernsehfunk der DDR. Dort war er mit soziologischer Forschung und Programmarbeit beschäftigt. Seine Tätigkeit endete mit der Abwicklung des Senders.
Seit 1991 forschte er zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und zur deutschen Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts. Daneben wirkte er in Berliner Integrationsprojekten von und für Migranten mit. Er unterstützte außerdem Projekte in Berlin und Thüringen, die Gedenkstätten und Traditionen des proletarischen und antifaschistischen Widerstands bewahren sollten. Diese Projekte erinnerten zugleich an die Verfolgten und Opfer der damit verbundenen Auseinandersetzungen und Kämpfe.
Kaiser veröffentlichte Beiträge in Tageszeitungen, Zeitschriften und wissenschaftsnahen Periodika. Dazu gehörten Neues Deutschland, für das er ab 1992 schrieb, junge Welt, Das Blättchen und das JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Er war verheiratet und hatte einen Sohn.
Thematische Schwerpunkte der Veröffentlichungen
Kaisers Veröffentlichungen behandeln vor allem antifaschistischen Widerstand, Militärgeschichte, politische Gewalt und deutsch-sowjetische beziehungsweise osteuropäische Themen. Beispiele sind „Auf Leben und Tod“. Stille Helden im antifaschistischen Widerstand (1923–1945) von 2007 und das gemeinsam mit Wladislaw Hedeler und weiteren Autoren veröffentlichte Buch Der Vergessenheit entrissen von 2017.
Mit dem Kalten Krieg beschäftigte sich „Hier ist der Deutsche Soldatensender 935“. Eine Stimme im kalten Krieg von 2014. Seine eigenen Erfahrungen und die Anfänge des Studiums deutscher Studenten in der Sowjetunion waren Gegenstand von Arbeit hat bittre Wurzel ... aber süße Frucht. Reflexionen über die Anfänge des Auslandsstudiums deutscher Studenten in der UdSSR. Die zweite, durchgesehene, korrigierte und wesentlich ergänzte Auflage erschien 2010.
Weitere Arbeiten widmen sich einzelnen Personen, Einrichtungen und Erinnerungsorten. Gemeinsam mit Heinz Deutschland veröffentlichte Kaiser 2011 Ein „tüchtiger, feiner Mensch“ – „unbeirrbar rot“. Heim in idyllischer Lage. Vom Kinderheim der Roten Hilfe zu Elgersburg zum Hotel „Am Wald“ erschien 2010.
Arbeiten zu Katyn und Peenemünde
Zu Kaisers bekannt genannten Themen gehört das Massaker von Katyn. 1992 veröffentlichte er gemeinsam mit Andrzej Leszek Szcześniak Katyn. Der Massenmord an polnischen Offizieren. Eine stark überarbeitete Fassung erschien 2002 unter dem Titel Katyn. Das Staatsverbrechen – das Staatsgeheimnis. 2003 folgte eine von René J. Tesař ins Tschechische übersetzte Ausgabe mit dem Titel Katyň. Státní zločin – státní tajemství.
Gemeinsam mit Volkhard Bode verfasste Kaiser Raketenspuren. Peenemünde 1936–2000, das 2001 erschien. Das Buch behandelt anhand Peenemündes Spuren der deutschen Raketen- und Militärgeschichte. Eine von Katy Derbyshire ins Englische übersetzte Ausgabe wurde 2008 unter dem Titel Building Hitler’s Missiles. Traces of history in Peenemünde veröffentlicht.