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Geographie Nordrhein-Westfalens

Der Norden Nordrhein-Westfalens in der flachen Tiefebene ist waldarm, wird intensiv landwirtschaftlich genutzt und ist dicht besiedelt. Der bergige Süden ist …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Räumliche Grundzüge
  2. 2. Tiefländer und Mittelgebirge
  3. 3. Grenzen und regionale Gliederung
  4. 4. Flüsse, Seen und Entwässerung
  5. 5. Geologie, Böden und Flächennutzung
  6. 6. Erdbeben und Klima

Räumliche Grundzüge

Nordrhein-Westfalen liegt im Westen Deutschlands und umfasst rund 34.098 km², etwa 10 Prozent der Bundesfläche. Es ist das flächenmäßig viertgrößte Bundesland. Prägend ist der Gegensatz zwischen der Norddeutschen Tiefebene im Norden und den Mittelgebirgen im Süden und Osten: Der flache Norden ist waldarm, intensiv landwirtschaftlich genutzt und dicht besiedelt; die bergigen Landesteile sind stärker bewaldet und bevölkerungsärmer.

Die größte West-Ost-Ausdehnung beträgt rund 235 km, die größte Nord-Süd-Ausdehnung rund 190 km und die maximale Ausdehnung von Südwest nach Nordost rund 260 km. Der Mittelpunkt liegt südlich von Aplerbeck in der Aplerbecker Mark bei 51° 28′ 42″ N und 7° 33′ 18″ O. Westlichster Punkt ist Selfkant, östlichster Höxter an der Weser, südlichster Hellenthal in der Eifel und nördlichster Rahden. Bei Isenbruch liegen sowohl die westlichste Siedlung als auch der westlichste Festlandspunkt Deutschlands.

Die tiefste natürliche Senke liegt bei Zyfflich mit 9,2 m ü. NHN. Der durch Bergbau entstandene tiefste oberirdische Punkt befindet sich im Tagebau Hambach bei Niederzier: 267 m unter NHN.

Tiefländer und Mittelgebirge

Etwa die Hälfte des Landes liegt in flachen Räumen: in der Westfälischen Bucht mit dem Münsterland als Kernraum, im Niederrheinischen Tiefland und im Westfälischen Tiefland nördlich der Mittelgebirgsschwelle. Isolierte Höhenzüge der Tiefebene sind unter anderem Halterner Berge, Beckumer Berge, Baumberge und Stemmer Berge. Die Niederrheinische Bucht, auch Kölner Bucht, reicht im Süden bis zur Grenze von Rheinland-Pfalz.

Südlich und östlich steigt das Gelände zu den Mittelgebirgen an. Dazu gehören im Osten Weserbergland, Eggegebirge, Wiehengebirge, Wesergebirge und Teutoburger Wald; im Süden Sauerland, Bergisches Land, Siegerland und Siebengebirge; im Südwesten Eifel und Ville. Im Rothaargebirge liegen Höhen über 800 m ü. NHN; der Langenberg ist mit 843 m ü. NHN der höchste Berg des Landes. Die südlichen links- und rechtsrheinischen Gebirgszüge sind Teil des Rheinischen Schiefergebirges; dessen rechtsrheinischer nordrhein-westfälischer Anteil entspricht ungefähr dem Süderbergland.

Grenzen und regionale Gliederung

Nordrhein-Westfalen grenzt an Niedersachsen (583 km), die Niederlande (395 km), Rheinland-Pfalz (312 km), Hessen (272 km) und Belgien (99 km). Zu Belgien gehört dabei die Region Wallonien einschließlich des Siedlungsgebiets der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens; an die Niederlande grenzen Limburg, Gelderland und Overijssel.

Eine verbreitete Gliederung unterscheidet die Landesteile Nordrhein beziehungsweise Rheinland, Westfalen und Lippe. Sie wurden 1946/1947 zusammengeschlossen; Lippe trat 1947/48 bei. Zwischen Rheinland und Westfalen beziehungsweise Lippe bestehen deutliche historische und kulturelle Unterschiede. Lippe zählt zwar zum westfälischen Kulturraum, gilt aber als ehemaliger deutscher Bundesstaat zugleich als eigenständige Region.

Weitere Regionen sind im Rheinland etwa Bergisches Land, Eifel, Niederrhein und Rheinschiene, in Westfalen Münsterland, Minden-Ravensberg, Hochstift Paderborn, Hellwegbörden, Sauerland, Siegerland und Tecklenburger Land. Das Ruhrgebiet ist historisch und kulturell Rheinland und Westfalen zugeordnet, besitzt aber wegen eigener wirtschaftlicher und soziokultureller Bezüge ein eigenes Regionalbewusstsein. Ostwestfalen-Lippe ist eine landesteilübergreifende Verwaltungseinheit mit dem Regierungsbezirk Detmold.

Flüsse, Seen und Entwässerung

Der Rhein ist mit rund 226 km in Nordrhein-Westfalen der größte Fluss und durchquert das Land von Süden nach Norden. Das Land hat Anteil am Mittelrhein, Niederrhein und am Deltarhein an der Grenze zu den Niederlanden. Wichtige Nebenflüsse sind flussabwärts Sieg, Wupper, Erft, Ruhr, Emscher und Lippe. Köln, Düsseldorf und Duisburg liegen am Rhein. Die Ruhr gab dem Ruhrgebiet ihren Namen; an ihr liegen die dichtest besiedelten Gebiete des Landes.

Die Weser ist der zweitgrößte Fluss und verläuft im äußersten Osten in zwei Abschnitten insgesamt rund 116 km (41 und 75 km), teilweise als Grenze zu Niedersachsen. Die Lippe ist mit 220 km der längste Fluss Nordrhein-Westfalens. Die Ems bildet in der Westfälischen Bucht ein eigenes Flusssystem und durchfließt das Land auf rund 156 km nach Nordwesten. Auch Teileinzugsgebiete von Maas und IJssel/Alten Issel gehören zum Land. Sämtliche genannten Fließgewässer entwässern Nordrhein-Westfalen zur Nordsee.

In den südlichen Bergregionen liegen die meisten Stillgewässer, darunter rund 70 Stauseen. Nordrhein-Westfalen hat damit mehr Talsperren als jedes andere Land; große Beispiele sind Rurtalsperre, Urfttalsperre, Wahnbachtalsperre, Sorpesee, Möhnetalsperre, Große Dhünntalsperre und Biggetalsperre. Gewässer bedecken rund 1,8 Prozent der Landesfläche. Bergsenkungen aus dem Steinkohlenbergbau erzeugten im Ruhrgebiet Polderflächen, die dauerhaft künstlich trocken gehalten werden müssen.

Geologie, Böden und Flächennutzung

Die Geologie erklärt viele Landschaftsformen. Südliche und östliche Teile entstanden vor allem durch gebirgsbildende Prozesse im Paläozoikum und Mesozoikum, während Norden und Westen besonders durch Vorgänge der letzten Eiszeiten geprägt wurden. In Eifel, Bergischem Land, Sauer- und Siegerland treten gefaltete Sandsteine, Grauwacken, Schiefer und Kalksteine an die Oberfläche. Im nördlich anschließenden rheinisch-westfälischen Steinkohlenrevier liegen Kohleflöze aus dem Oberkarbon. In Ostwestfalen-Lippe überwiegen Gesteine aus Trias, Jura und Kreide.

Die Münsterländer Bucht ist überwiegend von quartären Lockergesteinen bedeckt. Das Niederrheinische Tiefland senkt sich seit dem Tertiär schollenweise ab und ist daher erdbebengefährdet. Dort entstanden auch Braunkohleflöze; Endmoränen aus der Eiszeit bilden den Niederrheinischen Höhenzug zwischen Kleve und Krefeld. Typische Böden sind Braunerden im südlichen Mittelgebirgsbereich, Parabraunerden und bei hohem Grundwasser Gleye in der Niederrheinischen Bucht, Podsole oder Pseudogleye im Münsterland. Lössböden in Börden am Rand der Westfälischen Bucht und in Weserberglandtälern sind besonders fruchtbar.

Nordrhein-Westfalen ist das dichtest besiedelte Flächenland Deutschlands. Ende 2018 entfielen 16,6 Prozent beziehungsweise 5.658 km² auf Siedlungsfläche und 7,0 Prozent beziehungsweise 2.385 km² auf Verkehrsfläche. Vegetationsflächen umfassten 74,6 Prozent beziehungsweise 25.442 km², darunter Landwirtschaftsfläche 47,3 Prozent (16.148 km²) und Waldfläche 24,9 Prozent (8.487 km²). Besonders Ruhrgebiet und Rheinschiene von Duisburg über Düsseldorf bis Köln-Bonn sind stark verstädtert. Landwirtschaft prägt vor allem Niederrhein, Westfälische Bucht und Minden-Ravensberg.

Erdbeben und Klima

Das mittlere Rheinland zählt zu den bedeutendsten seismisch aktiven Gebieten Mitteleuropas. Seit 1980 registrierten Messstationen des Geologischen Diensts NRW über 800 Erdbeben, meist unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle. In der Niederrheinischen Bucht verursachten rund 20 Beben nachweislich Schäden, überwiegend an Gebäuden. Das Erdbeben von Roermond am 13. April 1992 erreichte die Stärke 5,9 und war das stärkste Beben in Mitteleuropa seit mehr als 250 Jahren. Bergbau verursacht zusätzlich Erderschütterungen bis Stärke 2,8 auf der Richterskala, Bergsenkungen und teils große Tagesbrüche; Schäden an Gebäuden und Infrastruktur können auch nach dem Ende des Steinkohlebergbaus weiter auftreten.

Das Land liegt vollständig in der kühlgemäßigten Klimazone. Vorherrschend ist gemäßigtes Ozeanklima (Cfb): Die mittlere Temperatur des wärmsten Monats liegt nicht über 22 °C, die des kältesten nicht unter −3 °C. Der Osten ist Übergangsraum zum kontinentalen Klima. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt je nach Höhenlage 5 °C bis 11,2 °C; Münsterland und Rheinland sind besonders warm. Im Flachland fallen meist 700 bis 900 mm Niederschlag jährlich, in Mittelgebirgen bis 1.300 mm und am Teutoburger Wald, Eggegebirge sowie im Sauerland über 1.400 mm. Am Kahlen Asten liegen die Jahresniederschläge bei etwa 1.500 mm und die Jahresmitteltemperatur meist bei nur 5 °C.

Für 1979–2008 ergeben sich landesweit durchschnittlich 9,5 °C Jahrestemperatur und 920 mm Jahresniederschlag. Von 1901 bis 2008 stieg die mittlere Jahrestemperatur um rund 1 °C, die jährliche Niederschlagssumme um 110 mm; Forschende führen dies auf die globale Erwärmung zurück. 2023 fielen über 1.140 mm Niederschlag, mehr als im bisherigen Rekordjahr 1966.

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