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Geographie Neuseelands
Neuseeland liegt östlich von Australien im südlichen Teil des Pazifischen Ozeans und damit von Europa aus gesehen auf der anderen Seite des Globus.
Inhalt6 Abschnitte
Lage, Ausdehnung und Inseln
Neuseeland liegt östlich von Australien im südlichen Pazifischen Ozean und gehört geografisch zu Ozeanien. Der Inselstaat besteht aus den beiden großen Hauptinseln North Island und South Island, der deutlich kleineren Stewart Island sowie etwa 700 weiteren Inseln. Diese kleineren Inseln liegen höchstens 50 km von den Hauptinseln entfernt und werden als New Zealand Offshore Islands bezeichnet. Dazu gehören unter anderem die Chatham Islands, die nördlich gelegenen Kermadec Islands und Three Kings Islands sowie die subantarktischen Antipodes Islands, Auckland Islands, Bounty Islands, Campbell Island und Snares Islands. Die Offshore Islands sind, abgesehen von den Chatham Islands, unbewohnt.
Alle Inseln liegen auf dem unter dem Meeresspiegel verborgenen Kontinent Zealandia. Dessen Kontinentalschelf ist etwa halb so groß wie Australien; die über die Meeresoberfläche ragende Landmasse Neuseelands macht nur 7 % dieses Schelfs aus. Die drei Hauptinseln umfassen zusammen rund 98,3 % des Inselstaates.
Das Staatsgebiet ist insgesamt 270.534 km² groß. Davon entfallen 113.729 km² auf North Island und 150.437 km² auf South Island. Stewart Island umfasst 1680 km² und liegt 30 km südlich der Südinsel; die Chatham Islands sind 963 km² groß und liegen 650 km südöstlich der Nordinsel. Die Hauptinseln und Stewart Island erstrecken sich auf einer südwestlich-nordöstlichen Achse über rund 1600 km. Die Cook Strait trennt Nord- und Südinsel, die Foveaux Strait Südinsel und Stewart Island. Kein Punkt des Landes liegt weiter als 130 km von der Meeresküste entfernt. Die stark gegliederte Küste ist schätzungsweise zwischen 15.000 km und 18.000 km lang.
Koordinaten des Staatsgebiets
Mit allen zu Neuseeland gehörenden Inseln reicht das Staatsgebiet:
- im Westen bis zu den Auckland Islands bei 50° 48′ S, 165° 52′ O,
- im Norden bis zu den Kermadec Islands bei 29° 13′ S, 177° 55′ O,
- im Osten bis zu den Chatham Islands bei 43° 58′ S, 175° 50′ O,
- im Süden bis zu den Campbell Islands bei 52° 38′ S, 169° 7′ O.
Betrachtet man nur die drei Hauptinseln, erstreckt sich das Kernland vom North Cape bei 34° 23′ 47″ S, 173° 1′ 0″ O bis zum South Cape auf Stewart Island bei 47° 17′ 25″ S, 167° 32′ 16″ O.
Relief, Naturräume und Schutz
Neuseeland besteht überwiegend aus Gebirgs- und Hügellandschaften. Größere Ebenen sind die Canterbury Plains und Southland Plains auf der Südinsel sowie die Waikato Plains südlich von Auckland. Kleinere Ebenen liegen unter anderem in Otago, auf der Hauraki Plains und auf der Heretaunga Plains.
Auf der Nordinsel ziehen sich Bruchschollengebirge von der Remutaka Range bei Wellington bis zu den Raukumara Range im Nordosten. Das zentrale North Island Volcanic Plateau wird von Vulkanen geprägt. Zu den bis zu 2797 m hohen Vulkanen gehören Mount Ruapehu, Mount Ngauruhoe, Mount Tongariro und Mount Taranaki. Im Krater des kollabierten Vulkans Taupō liegt der Lake Taupō, Neuseelands größter Binnensee.
Die Südinsel wird vor allem von den Southern Alps bestimmt. Die über 3000 m hohe Gebirgskette teilt die Insel in einen östlichen und einen westlichen Teil und bildet an der Westküste eine Landschaft aus hohen Bergen, tiefen Fjorden und gemäßigtem Regenwald. Aoraki/Mount Cook ist mit 3724 m der höchste Berg Neuseelands.
Nach geologischen, klimatischen, topografischen und biologischen Kriterien wird Neuseeland in neun Ökoregionen eingeteilt. Sie umfassen nördliche Inseln, den Norden der Nordinsel, das zentrale Vulkanplateau, die Southern Alps und weitere axiale Gebirgsketten, windzugewandte und windabgewandte Distrikte, Central Otago, die Chatham Islands sowie die südlichen subantarktischen Inseln. Die Westseiten sind wegen der Westwinde feucht und vegetationsreich; die östlichen, windabgewandten Gebiete sind trockener. Central Otago ist besonders trocken und im Winter besonders kalt. Die Chatham Islands und die südlichen Inseln besitzen zahlreiche endemische Pflanzen- und Tierarten.
Neuseeland verfügt über 14 Nationalparks mit zusammen 31.168,53 km². Der älteste ist der 1887 gegründete Tongariro National Park, der 1990 UNESCO-Welterbe wurde. Der größte ist der Fiordland National Park mit rund 1257 km². Von 1975 bis 2008 wurden außerdem 39 Meeresschutzgebiete eingerichtet: 33 Marine Reserves und sechs Marine Mammal Sanctuaries. Sie umfassen zusammen rund 3670 km² und unterstehen wie die Nationalparks dem Department of Conservation.
Klima und Geologie
Das Klima reicht von warm-subtropischen Bedingungen im Norden über alpine Verhältnisse in Teilen der Südinsel und einen lokalen Landklimaeinfluss in Otago bis zu kühlem, regnerischem Wetter im Süden. Die Gebirgsketten teilen das Mainland klimatisch grob in eine feuchte Westseite und eine trockenere Ostseite. Vorherrschend sind Südwest- bis Westwinde, die Feuchtigkeit aus der Tasmansee bringen. Im größten Teil des Landes fallen jährlich 600 bis 1600 mm Niederschlag; im Sommer gibt es trockenere Perioden. Im Norden ist der Winter niederschlagsreicher, im Süden etwas trockener.
Die mittleren Jahrestemperaturen liegen zwischen 10 °C im Süden und 16 °C im Norden. Juli ist der kälteste Monat, Januar und Februar sind die wärmsten. Die jährlichen Temperaturschwankungen sind relativ gering. Mit zunehmender Höhe sinkt die Temperatur durchschnittlich um 0,7 °C je 100 Höhenmeter. Viele Regionen erreichen mindestens 2000 Sonnenstunden pro Jahr. Der sommerliche mittägliche UV-Index ist besonders im Norden und in den Bergen sehr hoch. Schnee fällt reichlich in den Bergen und im Hochland von Otago, an den Küsten jedoch nur sehr selten.
Geologisch liegt Neuseeland im Spannungsfeld der Australischen und der Pazifischen Platte. Auf der Nordinsel schiebt sich die Pazifische Platte langsam unter die Australische Platte; auf der Südinsel bewegen sich die Platten gegeneinander versetzt. Dadurch entstehen Erdbeben, Verwerfungen und vulkanische Aktivitäten. Neuseeland liegt am Pacific Ring of Fire. Zwischen 1843, dem Beginn der Erdbebenaufzeichnungen, und 2011 gab es 24 größere Erdbeben mit nennenswerten Schäden oder Todesfällen.
Das Land besitzt bedeutende Bodenschätze. Besonders wichtig sind Kohle und Gold, außerdem Silber, Platinmetalle und Eisensand sowie verschiedene Mineralien, darunter Bentonit, Bimsstein, Diatomit, Dolomit, Halloysit, Kalkstein, Perlit, Siliciumdioxid, Tonminerale und Zeolithe. Kohlevorkommen liegen unter anderem in Northland, südlich von Auckland bis Taranaki, an der West Coast sowie in Southland. Gold kommt vor allem in Otago, an der West Coast, bei Westport und bei Waihi vor.
Flüsse, Seen und Küsten
Die Flüsse Neuseelands haben zusammengenommen eine Länge von etwa 426.000 km. 17 der bedeutendsten Flüsse liegen auf der Nordinsel und 19 auf der Südinsel. Der längste Fluss ist der Waikato River auf der Nordinsel mit 425 km, gefolgt vom Clutha River/Mata-Au mit 322 km. Weitere lange Flüsse sind der Whanganui River mit 290 km, der Taieri River mit 288 km, der Rangitīkei River mit 253 km und der Mataura River mit 240 km. Nach der Abflussmenge führt dagegen der Clutha River/Mata-Au mit knapp über 600 m³/s, gefolgt vom Waiau River mit knapp über 500 m³/s und dem Buller River mit 450 m³/s.
Auf den drei Hauptinseln gibt es 775 Seen mit einer Mindestlänge von 0,5 mkm. Zusammen bedecken sie 1,3 % der Landfläche. 38 % entstanden durch Gletscher, 16 % durch Flüsse, 15 % durch Sanddünen, 5 % durch Erdrutsche, jeweils 4 % durch Küstenbarrieren und vulkanische Aktivitäten, 8 % sind künstlich entstanden und bei 10 % ist die Entstehung unbekannt. 60 künstliche Seen dienen der Stromerzeugung oder als Wasserspeicher.
Der größte See ist der vulkanisch entstandene Lake Taupō mit 623 km² Fläche, 163 m Tiefe und einem geschätzten Wasservolumen von 59 km³. Es folgen der Gletschersee Lake Te Anau mit 348 km² und Lake Wakatipu mit 289 km². Lake Ellesmere/Te Waihora ist eine 182 km² große Küstenlagune. Der Sutton Salt Lake im Hochland von Otago ist weniger als 2 Hektar groß, trocknet im Sommer fast vollständig aus und ist Neuseelands einziger Salzsee.
Die Küste ist zu etwa zwei Dritteln felsig; die übrigen Abschnitte bestehen aus Sand- oder Kiesstränden. Rund 80 % sind dem offenen Meer ausgesetzt. Die Westküsten grenzen an die Tasmansee, die übrigen Küsten und die Offshore Islands an den Südpazifischen Ozean. In Fiordland reichen verzweigte Fjorde mehr als 40 km ins Landesinnere. Bekannte Beispiele sind Milford Sound/Piopiotahi, Doubtful Sound/Patea und Tamatea/Dusky Sound.
Landnutzung, Verkehr und Hauptinseln
Statistiken aus dem Jahr 2002 zufolge bestehen 50 % der Landesfläche aus natürlicher Vegetation, Wald und anderen natürlichen Flächen; weitere 9 % sind mit exotischem Wald und Buschland bedeckt. 39 % werden als Weideland genutzt, 1,6 % für Getreide, Obst, Gemüse und Wein und 0,8 % für Städte und Infrastruktur. 2009 wurden rund 32,4 Mio. Schafe, über 5,8 Mio. Milchkühe, rund 4,1 Mio. Rinder sowie etwa 1,1 Mio. Rehe und Hirsche gehalten. Die Forstwirtschaft gewann seit den 1950er Jahren an Bedeutung. Aufforstungswellen in den 1960er und 1980er Jahren unterstützten eine nachhaltige Bewirtschaftung; heute werden 7 % der Landesfläche forstwirtschaftlich nachhaltig genutzt.
Für den internationalen Personen- und Güterverkehr sind Flughäfen und Seehäfen wichtig. Der internationale Personenverkehr wird vor allem über Auckland und Christchurch abgewickelt. Der Güterverkehr verteilt sich auf 14 Seehäfen und die beiden größten Flughäfen. Die wichtigsten Seehäfen liegen in Auckland, Tauranga, Christchurch, Dunedin, Whangārei, Napier und Wellington. Fähren verbinden die bewohnten Inseln; besonders bedeutsam sind die Verbindungen über die Cook Strait. Das Straßennetz befördert 92 % der auf dem Landweg transportierten Frachten. Im Jahr 2000 gab es rund 16.000 km Stadtstraßen, rund 65.500 km Landstraßen und etwa 16.770 Brücken. Das Schienennetz war 3913 km lang.
North Island ist mit 113.729 km² die zweitgrößte Insel, beherbergte 2012 aber rund 3.394.000 Einwohner, also etwa drei Viertel der Bevölkerung. Dort liegen Auckland und Wellington sowie der Mount Ruapehu, der Lake Taupō und der Waikato River. South Island ist mit 150.437 km² die größte Insel und hat 1.038.500 Einwohner. Christchurch und Dunedin sind ihre größten Städte. Auf ihr liegen Aoraki/Mount Cook, die Southern Alps, Fiordland, der Tasman Glacier, die Nettlebed Cave, der Lake Hauroko und der Sutton Salt Lake. Stewart Island ist 1680 km² groß und spärlich bewohnt; rund 93,5 % ihrer Fläche gehören zum Rakiura-Nationalpark. Die weiteren Offshore Islands umfassen die Chatham Islands, Kermadec Islands, Three Kings Islands, Antipodes Islands, Auckland Islands, Bounty Islands, Campbell Island und Snares Islands.