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Geographie Europas

Europa hat eine Landfläche von 10.532.000 km² und eine Küstenlänge von rund 117.000 km. Seine Nord-Süd-Ausdehnung beträgt inkl. Inseln etwa 3900 Kilometer …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Geologische Entstehung
  3. 3. Oberfläche und Regionen
  4. 4. Berge, Vulkane, Flüsse und Seen
  5. 5. Klima, Vegetation und Verkehr

Überblick und Lage

Europa ist geographisch der bis Island reichende westliche Teil der eurasischen Platte. Es hat eine Landfläche von 10.532.000 km² und eine Küstenlänge von rund 117.000 km. Damit besitzt Europa wegen seiner starken Gliederung ein sehr großes Verhältnis von Küstenlänge zu Fläche.

Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt einschließlich Inseln etwa 3900 Kilometer zwischen Kreta in Griechenland am 35. Grad nördlicher Breite und Nordkinn in Norwegen am 71. Grad nördlicher Breite. Von West nach Ost erstreckt sich Europa vom Uralgebirge in Russland bis zur Atlantikküste Portugals über etwa 6000 Kilometer. In einer anderen Angabe wird Europa als rund 10 Millionen km² groß beschrieben, mit etwa 4000 km Nord-Süd- und 5000 km Ost-West-Ausdehnung. Europa gilt damit als zweitkleinster Kontinent.

Die Grenzen Europas sind nicht überall eindeutig geographisch oder kulturell festgelegt. Im Süden bilden Mittelmeer und Straße von Gibraltar eine Grenze, im Westen der Atlantik, im Norden das Europäische Nordmeer und im Südosten Kaspisches Meer, Schwarzes Meer und Bosporus. Die Grenze zwischen Europa und Asien ist umstritten. Heute werden meist Uralgebirge, Uralfluss, Kaspisches Meer, Schwarzes Meer, Bosporus, Marmarameer und Dardanellen genannt. Besonders unklar ist der Bereich zwischen Kaspischem Meer und Schwarzem Meer: Als mögliche Grenzen gelten der Hauptkamm des Kaukasus, die Südgrenze der Osteuropäischen Ebene oder die Manytschniederung. Auch in der Ägäis wird meist die politische Grenze zwischen Griechenland und der Türkei mit der Grenze zwischen Europa und Asien gleichgesetzt.

Geologische Entstehung

Die Geologie Europas ist sehr vielfältig. Sie umfasst Sedimentbecken, junge Gebirge, Reste alter Gebirge, Spuren früherer Ozeane, Folgen von Eiszeiten sowie aktive und passive Vulkanzonen. Der baltische Schild enthält den ältesten Teil Europas.

Das präkambrische Nordosteuropa besteht aus Resten der Kontinente Baltica im Osten und Laurentia im Nordwesten sowie dem Kleinkontinent Ost-Avalonia. Das kaledonische Europa in Teilen Großbritanniens und Skandinaviens entstand vom Ordovizium bis zum Devon durch die Kaledonische Gebirgsbildung. Das variszische oder herzynische Europa entstand zwischen Devon und Perm durch die Variszische Gebirgsbildung; dazu gehören zahlreiche Mittelgebirge, die Entstehung des Urals und der Nordsee.

Das Alpeneuropa entwickelte sich seit dem Jura. Zunächst trennten sich europäische und afrikanische Platte unter Bildung des Tethysmeeres, später kollidierten sie ab dem Tertiär wieder. Durch diese alpidische Gebirgsbildung entstanden unter anderem Pyrenäen, Alpen und Karpaten. Im östlichen Mittelmeerraum dauert die Entwicklung bis heute an; die Kollisionszone ist durch Vulkanismus im äolischen und im Kykladenbogen geprägt. Westeuropa wird außerdem vom Rhein-Rhone-Graben des Westeuropäischen Riftsystems durchzogen.

Im Quartär formten Kaltzeiten und Gletscher viele Landschaften Europas um. Zwischen skandinavischer und alpiner Gletscherzone lag zeitweise eine Mammutsteppe. Die durch Eiszeiten entstandene Löss-Zone von der Picardie bis zur Ukraine wurde später zu einer der Hauptachsen der Urbanisierung Europas.

Oberfläche und Regionen

Europa ist stark in Halbinseln, Inseln, Meere und Gebirge gegliedert. Zu den großen Halbinseln gehören die Iberische Halbinsel, die Apenninhalbinsel, die Skandinavische Halbinsel und die Balkanhalbinsel; hinzu kommen kleinere Halbinseln wie die Kimbrische Halbinsel. Große Inseln sind die Britischen Inseln, Island, Sizilien und Sardinien. Im Norden grenzt Europa an Randmeere des Nordpolarmeeres wie Barentssee und Europäisches Nordmeer, im Westen an den Atlantik, im Süden an Mittelmeer und Schwarzes Meer und im Südosten an das Kaspische Meer.

Der höchste Punkt Europas ist nach der üblichen Grenzdefinition der Mont Blanc in den Alpen zwischen Frankreich und Italien mit 4810 Metern. Wenn der nördliche Kaukasus zu Europa gezählt wird, ist der Elbrus in Russland mit 5642 m die höchste Erhebung; diese Zuordnung ist weniger anerkannt. Der niedrigste Punkt liegt mit 28 Metern unter dem Meeresspiegel an der Nordküste des Kaspischen Meeres. In Westeuropa liegt Nieuwerkerk aan den IJssel in den Niederlanden knapp 7 Meter unter dem Meeresspiegel.

Nordeuropa ist durch das Skandinavische Gebirge, große Gletscher wie Jostedalsbreen, Svartisen und Folgefonna sowie durch Island mit Vatnajökull und Hvannadalshnúkur geprägt. Finnland besitzt Moränenzüge wie Salpausselkä und Suomenselkä sowie viele Seen. Vor Norwegen liegen etwa 150.000 kleine und kleinste Inseln, vor Finnland Åland und das Schärenmeer. Westeuropa umfasst Gebirge wie Zentralmassiv, Pyrenäen, Jura, Westalpen, Vogesen, Ardennen und viele Gebirge der Britischen Inseln. In Frankreich liegt an der Atlantikküste die Dune du Pyla, die höchste Düne Europas.

Mitteleuropa wird unter anderem von Alpen, deutscher Mittelgebirgsschwelle, Sudeten, Teilen des Dinarischen Gebirges und der Karpaten sowie dem Baltischen Landrücken geprägt. Osteuropa besteht zu großen Teilen aus der ebenen bis welligen Osteuropäischen Ebene; gebirgig sind besonders Krim und Kola sowie, je nach Grenzdefinition, Ural und Kaukasus. Südeuropa umfasst auf der Iberischen Halbinsel Pyrenäen, Sierra Nevada und Meseta, in Italien Alpen, Apennin und Gebirge auf Sizilien, Sardinien und Korsika. Südosteuropa wird von Dinarischem Gebirge, Karpaten, Balkangebirge, Rila, Rhodopen, Pirin, Strandscha, Pindos und Taygetos geprägt; viele Ägäische Inseln entstanden ebenfalls im Zusammenhang mit der alpidischen Gebirgsbildung.

Berge, Vulkane, Flüsse und Seen

Viele europäische Gebirge entstanden durch plattentektonische Verschiebungen. Zu den wichtigsten zählen Kaukasus, Ural, Alpen, Pyrenäen, Apennin und Karpaten. Die höchsten in der Liste genannten Berge liegen überwiegend im Kaukasus, dessen Zugehörigkeit zu Europa wegen unterschiedlicher Grenzziehungen umstritten ist. Dazu gehören Elbrus (5642 m), Dychtau (5203 m), Schchara (5200 m), Koshtan Tau (5150 m), Dzhangi Tau (5051 m) und Kasbek (5033 m). Außerhalb dieser umstrittenen Kaukasusgruppe werden unter anderem Mont Blanc (4805 m, mit Eiskappe), Dufourspitze (4634 m), Dom (4546 m), Lyskamm (4532 m), Weisshorn (4505 m) und Matterhorn (4478 m) genannt.

Durch Erdplattenbewegungen gibt es besonders an der eurasischen Plattengrenze viele Vulkane. Bekannte Beispiele sind der Ätna auf Sizilien mit veränderlicher Höhe um 3370–3400 m, Ponta do Pico auf den Azoren mit 2351 m, Beerenberg auf Jan Mayen mit 2277 m, Hvannadalshnúkur auf Island mit 2119 m, Grímsvötn, Herðubreið und Hekla auf Island, Vesuv in Italien mit etwa 1200 m, Stromboli mit etwa 926 m und Santorin in Griechenland mit 575 m.

Die längsten Flüsse Europas sind Wolga (3531 km), Donau (2811 km bzw. 2857 km), Ural (2428 km), Dnepr (2285 km), Don (1870 km), Petschora (1809 km), Kama (1805 km), Oka (1500 km), Belaja (1430 km) und Dnister (1352 km). Weitere große Flüsse sind unter anderem Rhein, Elbe, Weichsel, Loire und Tajo. Die fünf größten Seen sind Ladogasee mit 18.390 km² einschließlich Inseln, Onegasee mit 9616 km², Vänern mit 5650 km², Saimaasee als Seensystem mit 4400 km² und Peipussee mit 3555 km².

Klima, Vegetation und Verkehr

Europa liegt überwiegend in der gemäßigten Klimazone. Von West nach Ost nehmen maritime Einflüsse ab; das Klima wird stärker kontinental geprägt. Das bedeutet größere Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten und geringere Niederschläge. Nordeuropa gehört zur kaltgemäßigten Zone und am nördlichen Rand zur polaren Klimazone. West-, Mittel- und Osteuropa liegen weitgehend in der kühlgemäßigten Klimazone. Im Süden herrscht Mittelmeerklima, also ein subtropisches Klima mit heißen, trockenen Sommern und milden, niederschlagsreichen Wintern.

Die natürliche Vegetation folgt diesen Klimazonen. Im Norden dominieren boreale Nadelwälder, besonders in Nordwest-Russland, Finnland und Schweden. In den mittleren Breiten sind sommergrüne Laub- und Mischwälder typisch, zum Beispiel in Deutschland und im Vereinigten Königreich. Nach Osten gehen sie in Hochgrassteppe über. Im Süden prägen subtropisch-mediterrane Hartlaubwälder und Gebüsche die Landschaft, besonders in Spanien, Italien und Griechenland.

Zur Humangeographie nennt der Artikel vor allem die Verkehrsgeographie. Die Europäische Union entwickelt für Straßen- und Schienenverkehr das Transeuropäische Verkehrsnetz und die Paneuropäischen Verkehrskorridore. Das EU-Förderprogramm Marco Polo sollte Güterverkehr von der Straße auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel verlagern, unnötigen Verkehr und Leerfahrten vermeiden und die Intermodalität verbessern. Intermodalität bedeutet hier die Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel, etwa Kurzstreckenseeverkehr, Schienenverkehr und Binnenschifffahrt in einer Logistikkette. Die UN verfolgt außerdem das Programm Trans-Asian Railway, das den Güterverkehr zwischen Asien und Europa verbessern soll, etwa über einen Nord-Süd-Korridor von Nordeuropa über das Kaspische Meer bis zum Persischen Golf und einen Nord-Korridor von Mitteleuropa bis in die VR China und nach Südkorea.

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