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Geographie Berlins
Die Geographie Berlins ist die Beschreibung der physischen Beschaffenheit des Stadtgebietes von Berlin und seiner Umgebung sowie die hierdurch bedingte …
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Lage, Größe und Bedeutung
Die Geographie Berlins beschreibt die natürliche Beschaffenheit des Stadtgebiets und seiner Umgebung sowie die Wechselwirkungen zwischen diesem Lebensraum und seinen Bewohnern. Berlin ist ein Stadtstaat und eines der 16 Länder Deutschlands. Mit rund 3,7 Millionen Einwohnern im Jahr 2020 war es die bevölkerungsreichste Metropole Deutschlands und der Europäischen Union. Mit rund 892 km² ist Berlin außerdem die flächengrößte deutsche Gemeinde.
Berlin liegt auf der Nordhalbkugel im Nordosten Deutschlands und gehört naturräumlich zum Norddeutschen Tiefland. Der geografische Bezugspunkt am Roten Rathaus liegt bei 52° 31′ 7″ nördlicher Breite und 13° 24′ 30″ östlicher Länge. Der Flächenschwerpunkt befindet sich etwa zwei Kilometer südlich davon in Kreuzberg bei 52° 30′ 10,4″ N und 13° 24′ 15,1″ O.
Seit 1990 umfasst Berlin rund 892 km². Das vollständig von Brandenburg umgebene Stadtgebiet erstreckt sich ungefähr 45 km von Osten nach Westen und etwa 38 km von Norden nach Süden. Die Stadtgrenze ist rund 234 km lang. Berlin verwendet die Mitteleuropäische Zeit, also UTC + eine Stunde; diese Zeitzone wurde 1893 für ganz Deutschland eingeführt.
Landschaft, Gewässer und Klima
Berlins Landschaft entstand während der Weichsel-Eiszeit, der jüngsten Vereisungsphase. Vor etwa 20.000 Jahren bedeckte ein mehrere 100 Meter mächtiger skandinavischer Eisschild das Gebiet. Als der Gletscher zurückschmolz, bildete sich vor etwa 18.000 Jahren das Berliner Urstromtal. Ein Urstromtal ist eine breite, durch Schmelzwasser geformte Niederung. Es durchquert Berlin von Südosten nach Nordwesten; das historische Zentrum im heutigen Bezirk Mitte liegt darin. Der Nordosten befindet sich auf der Hochebene des Barnim, knapp die Hälfte des südwestlichen Stadtgebiets auf dem Teltow. Spandau umfasst Teile des Urstromtals, des Brandenburg-Potsdamer Havelgebiets und der Zehdenick-Spandauer Havelniederung.
Die Spree durchfließt das Urstromtal von Osten nach Westen und mündet in Spandau in die Havel. Die Havel verläuft im Westen Berlins von Norden nach Süden und ähnelt wegen ihrer glazialen Rinne stellenweise einer Seenlandschaft. Ihre größten Ausbuchtungen sind der Tegeler See und der Große Wannsee. Nebenflüsse der Spree sind Panke, Dahme, Wuhle und Erpe; Tegeler Fließ und Bäke fließen der Havel zu. Der größte Berliner See ist der Große Müggelsee in Treptow-Köpenick.
Die höchste natürliche Bodenerhebung ist der Große Müggelberg mit 115 m über Normalhöhennull (NHN). Höher sind die aus Bauabraum entstandenen Arkenberge mit 122 m. Der aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs aufgeschüttete Teufelsberg erreicht 120 m, die Ahrensfelder Berge 114 m. Der tiefste Punkt liegt am Spektesee bei 28,1 m über NHN.
Berlin liegt in der gemäßigten Klimazone am Übergang vom maritimen zum kontinentalen Klima und ist im Jahresdurchschnitt das wärmste Bundesland Deutschlands. In Dahlem betrug die mittlere Jahrestemperatur von 1908 bis 2020 8,8 °C. Der mittlere Jahresniederschlag lag für 1981 bis 2010 bei 591 mm; Berlin-Brandenburg gehört damit zu den niederschlagärmsten Regionen Deutschlands. Juli und August sind mit durchschnittlich 19,1 beziehungsweise 18,2 °C am wärmsten, Januar ist mit 0,6 °C am kältesten. Der Berliner Höchstwert von 38,6 °C wurde am 16. Juli 2007 an der Station Kaniswall gemessen.
Nordwest- und Südwestwinde bringen besonders im Winter häufig gut durchmischte maritime Luft. Südost- und Ostwinde treten oft bei kontinentalen Hochdrucklagen auf, die je nach Jahreszeit sehr heiße oder sehr kalte Tage verursachen können. Obwohl die geringen Höhenunterschiede ein grundsätzlich gleichmäßiges Stadtklima begünstigen, erwärmt sich dichte Bebauung stärker als große Freiflächen und das Umland. In Sommernächten können die Temperaturunterschiede bis zu 10 °C erreichen.
Grünflächen, Tierwelt und Schutzgebiete
Im Jahr 2021 bestanden etwa 38,5 % Berlins aus Grün- und Erholungsflächen. Dazu gehören Parks, Wiesen, Wälder, Gewässer, Kanäle, Spielplätze, öffentliche Gärten, Kleingärten, Sportanlagen, Freibäder und Friedhöfe. 2012 säumten 439.971 Bäume die Straßen. Rund 75 % der Straßenbäume waren 2022 Laubbäume, besonders Linden, Ahorn, Eichen, Platanen und Kastanien. Als besonders typisch gilt die Linde. Wegen des geringen Anteils immergrüner Pflanzen verändert sich das Stadtbild deutlich mit den Jahreszeiten.
Große Freiflächen wie der Große Tiergarten, der Grunewald sowie der ehemalige Flughafen Tempelhof mit der Hasenheide sind auch für das Stadtklima wichtig. Der Temperaturunterschied zwischen den kühleren Grünflächen und der wärmeren Bebauung fördert den Luftaustausch.
Im Stadtgebiet leben rund 50 Säugetier- und etwa 180 Vogelarten sowie zahlreiche Fischarten und Amphibien. Zu den dauerhaft vorkommenden größeren Arten zählen Wildschweine, Rotwild, Füchse, Biber, Waschbären, Dachse, Kaninchen, Marder, Igel, Kraniche, Ringeltauben, Krähen und Habichte. In den Gewässern leben unter anderem Zander, Hechte und Welse. 2020 wurde erstmals seit mehr als 100 Jahren wieder ein freilebender Wolf im Stadtgebiet beobachtet.
2018 gab es 43 Naturschutzgebiete mit zusammen 2668 Hektar, etwa 3,0 % der Landesfläche. Weitere 56 Landschaftsschutzgebiete nahmen 14 % ein. Pankow und Reinickendorf besitzen zusammen einen Flächenanteil von 5,4 % am länderübergreifenden, 75.000 Hektar großen Naturpark Barnim. Außerdem waren 13 Wasserschutzgebiete mit rund 212 km² ausgewiesen. Damit stand ungefähr ein Viertel des Stadtgebiets unter Wasserschutz.
Umwelt, Versorgung und Belastungen
Etwa 80 % der Berliner Siedlungsabfälle stammen aus Haushalten, rund 20 % aus Gewerbe einschließlich Straßenreinigung. 2017 fielen etwa 828.000 Tonnen Restmüll aus Privathaushalten an, entsprechend 225 kg pro Kopf. Als Vergleich nennt der Artikel für Deutschland 2018 insgesamt 455 kg Hausmüll pro Kopf. Mehr als eine halbe Million Tonnen Berliner Hausmüll werden jährlich im BSR-Müllheizkraftwerk Ruhleben bei über 850 °C thermisch behandelt. Die entstehende Wärme gelangt als Hochdruckheißdampf zum Kraftwerk Reuter und wird dort durch Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Jährlich entstehen mehr als 720.000 MWh Energie: 188.000 MWh Strom und 534.000 MWh Fernwärme.
Smog trat zwischen 1970 und 1990 besonders bei austauscharmen Hochdrucklagen auf, weil Schadstoffe aus Ofenbrand und Autoabgasen nicht abziehen konnten. Weniger Ofenheizungen sowie Abgasfilter und Fahrzeugkatalysatoren verringerten das Problem in den 1990er Jahren deutlich. Berlin emittierte 2016 insgesamt etwa 20 Millionen Tonnen CO₂; 2017 waren es 4,4 Tonnen pro Kopf, gegenüber 8,9 Tonnen in Deutschland. Seit 2019 strebt das Land an, bis 2050 klimaneutral zu werden. Dazu gehören das 2017 verabschiedete Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 und der Masterplan Solarcity. Eine Studie von 2019 bewertete das Solarpotenzial der Dächer; nach dem Klimaschutzprogramm soll möglichst schnell ein Viertel des Berliner Stroms aus Solarenergie stammen.
Neun Wasserwerke sichern die Versorgung: Beelitzhof, Friedrichshagen, Kaulsdorf, Kladow, Spandau, Stolpe, Tegel, Tiefwerder und Wuhlheide. Täglich werden durchschnittlich 585.000 m³ Trinkwasser bereitgestellt und etwa 602.000 m³ Abwasser abgeleitet. Das Abwasser gelangt über ein rund 9500 km langes Kanalnetz in sechs Großklärwerke. Eine geringere Grundwasserentnahme ließ den Grundwasserspiegel in Teilen des Urstromtals zwischen 2008 und 2011 deutlich steigen und verursachte besonders nahe den Wasserwerken Vernässungsschäden an Gebäuden.
Zu den wichtigsten Lärmquellen gehören Straßen- und Schiffsverkehr mit Verbrennungsmotoren. Auch gepflasterte Straßen, Straßenbahnen und in geringerem Maß Industrieanlagen erzeugen Lärm.
Bebauung und Stadtgliederung
Die Zahl der Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden stieg von etwa 1,72 Millionen im Jahr 1991 auf ungefähr 1,92 Millionen im Jahr 2016. Im Jahr 2020 gab es 341 Häuser mit mindestens 50 m Höhe. Zu den höchsten Gebäuden zählten die Treptowers mit 125 m, das Park Inn am Alexanderplatz mit 123 m, der Steglitzer Kreisel mit 120 m sowie Upper West und Zoofenster mit jeweils 119 m.
Das höchste Bauwerk ist der 368 m hohe Berliner Fernsehturm, erbaut von 1965 bis 1969. Er ist zugleich Deutschlands höchstes Bauwerk und das zweithöchste freistehende Bauwerk der Europäischen Union. Weitere hohe Bauwerke sind der Sendemast Scholzplatz mit 230 m, der Fernmeldeturm Schäferberg mit 212 m und der Funkturm mit 147 m.
Berlin ist politisch in zwölf Bezirke gegliedert, die wiederum 97 Ortsteile umfassen. Die Verfassung kennt nur die Bezirke als Verwaltungseinheiten. Ortsteile sind keine Verwaltungseinheiten, bilden aber die Grundlage amtlicher Ortsangaben und besitzen deshalb administrative Grenzen. Das Groß-Berlin-Gesetz vereinigte 1920 acht Städte, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke. Groß-Berlin bestand zunächst aus 20 Bezirken und 94 Ortsteilen. Nach der Teilung lagen zwölf Bezirke in West- und acht in Ost-Berlin. Durch Ausgründungen stieg die Zahl der Ost-Berliner Bezirke zwischen 1979 und 1986 auf elf. Das wiedervereinte Berlin hatte 1990 zunächst 23 Bezirke; durch die 1998 beschlossene Gebietsreform wurden sie zum 1. Januar 2001 auf zwölf reduziert.
Umland, Ballungsraum und weltweite Vernetzung
Berlin ist vollständig von Brandenburg umgeben und grenzt an acht Landkreise sowie die kreisfreie Stadt Potsdam. Insgesamt liegen sieben Städte und 20 ländliche Gemeinden unmittelbar an der Stadtgrenze, darunter unter anderem Falkensee, Hennigsdorf, Teltow, Kleinmachnow, Schönefeld, Erkner und Potsdam.
Die Agglomeration Berlin umfasst die Hauptstadt und 50 weitere Städte und Gemeinden des Umlands. Eine Agglomeration ist ein dicht besiedelter, funktional zusammenhängender Siedlungsraum. Nach dem Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg von 2009 lebten dort am 31. Dezember 2015 rund 4,47 Millionen Menschen auf 3743,21 km². Die Bevölkerungsdichte betrug 1194 Einwohner pro km², der Radius ungefähr 35 km. Außerhalb Berlins lebten innerhalb dieses Gebiets etwa 950.000 Menschen auf 2851,46 km²; die Bevölkerung entwickelte sich leicht wachsend.
Berlin und Brandenburg bilden gemeinsam die europäische Metropolregion Berlin/Brandenburg mit etwa sechs Millionen Einwohnern. Als Metropolregion wird ein großräumiger wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Verflechtungsraum bezeichnet. Aufgrund seiner infrastrukturellen, demografischen, kulturellen, wissenschaftlichen und politischen Bedeutung gehört Berlin außerdem zu den weltweit stark vernetzten Metropolen und wird in mehreren internationalen Studien als Weltstadt eingestuft.