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Geoökonomie
Geoökonomie (auch: Geo-Ökonomie) kann als die staatliche Anwendung wirtschaftlicher Macht zur Erreichung globaler geopolitischer Interessen verstanden …
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Kernidee und staatliche Instrumente
Geoökonomie (auch Geo-Ökonomie) bezeichnet die staatliche Anwendung wirtschaftlicher Macht, um globale geopolitische Interessen zu erreichen. Eine einheitlich anerkannte Definition gibt es noch nicht, weil der Begriff in den Internationalen Beziehungen und der Politischen Ökonomie vergleichsweise neu ist. Gemeint ist, dass Staaten wirtschaftliche Beziehungen und Abhängigkeiten nicht nur zur Förderung von Wohlstand, sondern auch gezielt für Macht, Einfluss und Sicherheit einsetzen.
Zu den geoökonomischen Mitteln zählen Handels- und Investitionsmaßnahmen, die Kontrolle der Finanz- und Währungspolitik, der Zugang zu Energie und Ressourcen, Entwicklungshilfe sowie digitale Infrastruktur. Geoökonomische Ansätze dienen besonders dazu, außenpolitische Strategien mächtiger Staaten zu untersuchen.
Konfliktlogik im Handel
Arthur Dix verwendete den Begriff Geoökonomie erstmals in einem gleichnamigen Werk. Er bezog ihn auf die weltumspannende Wirtschaft nach dem Ersten Weltkrieg, den von ihm erwarteten Niedergang der Kolonialpolitik und den Aufstieg eines globalen Zeitalters. Damit verbunden sei ein zunehmender und sich verschärfender Kampf um wirtschaftlich und industriell wichtige Ressourcen.
Der US-amerikanische Militärstratege Edward Luttwak definierte das Phänomen in den 1990er Jahren als Verbindung der „Logik des Konflikts“ mit den „Methoden des Handels“, also als „die Logik des Krieges in der Grammatik der Handels“. Vereinfacht folgt diese Sicht einem Nullsummenspiel: Der Gewinn einer Seite ist zugleich der Verlust der anderen Seite. Auf den Welthandel übertragen beschreibt dies Wirtschafts- und Handelspolitik, die ausschließlich dem staatlichen Ziel dient, eigene Macht zu erhalten oder zu vergrößern, und dabei mit anderen Staaten rivalisiert oder deren Verluste nicht berücksichtigt.
Globale Verflechtung und gegenseitige Abhängigkeit
Liberale Theoretiker der Internationalen Beziehungen beschreiben die Beziehungen in der globalisierten Welt als „networks of interdependence“, also Netzwerke der Verflechtung beziehungsweise Interdependenz. Interdependenz bedeutet gegenseitige Abhängigkeit. Keohane und Nye zufolge wächst sie zwischen Staaten in Wirtschaft, Technologie, Sicherheit und Politik.
Diese Verflechtung kann staatliche Zwangs- und Repressionsmaßnahmen weniger wirksam machen, weil beide Seiten von den Folgen betroffen sind. Anne-Marie Slaughter nimmt außerdem an, dass internationale Netzwerke durch Globalisierung stärker dezentralisiert und fragmentiert werden. Das Bild eines geopolitischen Schachbretts werde dadurch zu einem Netz globaler Verknüpfungen; kooperative Diplomatie werde wahrscheinlicher. Für die Internationalen Beziehungen des 21. Jahrhunderts stehe deshalb eher „Macht mit“ als „Macht über“ im Mittelpunkt.
Verflechtung als Machtmittel
Farrell und Newman erkennen internationale Netzwerke ebenfalls als wichtig an und beschreiben sie als Zusammenspiel von Knoten und Verbindungen. Anders als liberale Theoretiker betonen sie jedoch Machtasymmetrien, also ungleiche Einflussmöglichkeiten innerhalb dieser Netzwerke. Mächtige Staaten können wichtige zentrale Knotenpunkte kontrollieren, die als „Chokepoints“ bezeichnet werden.
Wer solche Knotenpunkte im internationalen Wirtschafts- und Finanzsystem beherrscht, kann sie für eigene Interessen einsetzen und andere Staaten benachteiligen. Farrell und Newman nennen diesen Mechanismus „weaponized interdependence“ („Verflechtung als Waffe“). Als Beispiel nennt der Artikel die durch Edward Snowden aufgedeckte großflächige Überwachung und Spionage durch US-amerikanische und britische Geheimdienste: Die Kontrolle über globale Internetkabel als Chokepoint ermöglichte den USA weitreichende Telefon- und Internetüberwachung.
Weitere Beispiele für geoökonomische Politik sind der 1974 geschlossene Vertrag zwischen Saudi-Arabien und den USA zur Etablierung des „Petrodollars“, der als zentrale geoökonomische Säule der US-Hegemonie im globalen Finanz- und Währungssystem gelten kann, sowie Chinas „Neue Seidenstraße“ und der Einstieg in die weltweite Hafen- und Transportindustrie. Auch die Debatte über Huawei beim Ausbau europäischer 5G-Netze wird als geoökonomisch eingeordnet.
Deutsche außenwirtschaftliche Ausrichtung
Beim Außenwirtschaftstag 2025 der Agrar- und Ernährungswirtschaft stellte Außenminister Johann Wadephul (CDU) im Weltsaal des Auswärtigen Amts in Berlin eine geoökonomisch ausgerichtete Außenpolitik vor. Sie soll Handels- und Sicherheitsinteressen systematisch miteinander verbinden.
Zusammen mit Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) setzt Wadephul auf eine ressortübergreifende Strategie, welche deutsche Agrarinteressen weltweit absichern soll. Als Ziel nannte er, dass „jedes Handelsabkommen die Chance [bietet], das Regelwerk des Welthandels zu formen und unseren Unternehmen neue Märkte zu erschließen.“