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Gender-Pause
Gender-Pause (vom Verb gendern, abgeleitet von englisch gender [ˈdʒɛndɐ] „soziales Geschlecht“) bezeichnet als Mittel der geschlechtergerechten Sprache im …
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Begriff und Funktionsweise
Eine Gender-Pause ist ein Mittel geschlechtergerechter Sprache im Deutschen. Sie wird bei verkürzten Paarformen von Personenbezeichnungen eingesetzt, um neben männlichen und weiblichen auch nichtbinäre oder diversgeschlechtliche Personen anzusprechen. In Schreibweisen wie „Bäcker*innen“, „Bäcker:innen“, „Bäcker_innen“ oder „Bäcker’innen“ steht das Zeichen zwischen Wortstamm und weiblicher Endung.
Gesprochen wird dort keine gewöhnliche lange Pause, sondern ein Glottisschlag, auch Knacklaut, Stimmabsatz oder harter Vokaleinsatz genannt. Das ist ein stimmloser, in der Glottis gebildeter Verschlusslaut; die Stimmlippen schließen sich kurz vollständig. Sein IPA-Zeichen lautet ʔ. „Bäcker*innen“ wird etwa wie „Bäcker-innen“ [ˈbɛkɐʔɪnən] gesprochen. Als Alternative können Kurzformen in eine Beidnennung aufgelöst werden, etwa „Bäckerinnen und Bäcker“.
Aussprache und sprachliche Wirkung
Der Glottisschlag kommt im Deutschen auch unabhängig vom Gendern vor, zum Beispiel in „sich erinnern“: er-innern [ɛɐ̯ˈʔɪnɐn], oder in Zusammensetzungen wie „Bäcker-Innung“. Bei Gender-Kurzformen trennt er den gemeinsamen Wortteil von der Endung „-in“ oder „-innen“ lautlich ähnlich wie eine Wortfuge.
Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch erläutert den Unterschied mit „Ärztin“ [ɛːɐ̯tstɪn] und „Ärzt_in“ beziehungsweise „Ärzt*in“ [ɛːɐ̯tstʔɪn]. Bei „Ärztin“ bildet der Konsonant am Stammende mit dem Suffix eine Silbe: [ɛːɐ̯ts.tɪn]. Beim Glottisschlag wird dies verhindert: [ɛːɐ̯tst.ʔɪn]. Das Suffix verhält sich dann lautlich wie ein eigenes Wort.
Auch Binnen-I, Mediopunkt und manche Schrägstrichformen können mit einer solchen Binnenpause gesprochen werden. Die nach Duden amtlich anerkannten Formen „Bäcker/-innen“ und „Bäcker(innen)“ sind dagegen als vollständige Beidnennung „Bäcker und Bäckerinnen“ zu lesen. Das Bistum Hildesheim veranschaulichte 2021 die Aussprache von „Lehrer*innen“ oder „Lehrer:innen“ mit: „Die Kinder stehen außen, die Lehrer innen.“
Technische Barrierefreiheit
Vorleseprogramme, Screenreader und Sprachassistenten sprachen Genderzeichen laut Artikelstand April 2021 nicht einheitlich aus. Ein Sternchen konnte beispielsweise als „Bäcker-Stern-innen“, „Sternchen“, „Asterisk“ oder „Pause“ erscheinen, ignoriert werden oder nur die weibliche Form erzeugen. Ein Unterstrich wurde etwa als „Bäcker-Unterstrich-innen“ gelesen; ein Binnen-I oft ohne Pause. Der Doppelpunkt erzeugte meist eine hörbare Pause („Bäcker: innen“), aber nicht unbedingt einen Glottisschlag und konnte wie ein Satzende wirken.
Sternchen und Unterstrich galten deshalb nicht als eindeutig barrierefrei. Die Website des Europäischen Sozialfonds wies Ende 2019 darauf hin, dass Sonderzeichen in Screenreadern abgeschaltet oder durch ein Leerzeichen ersetzt werden können: „Bäcker innen“ [ˈbɛkɐʔɪnən]. Taner Aydın stellte 2021 bei fünf Screenreadern und drei Sprachassistenten eine gemischte Lage fest: Das Sternchen wurde nur von Amazon Polly korrekt ausgegeben; grundsätzlich sei jedoch jede Form zumindest von einem getesteten Werkzeug unterstützt worden.
Die BFIT-Bund veröffentlichte im August 2021 Empfehlungen für gendergerechte, digital barrierefreie Sprache. Unter der Maßgabe ihres Auftrags nach § 8 BITV empfahl sie das Gendern mit dem Asterisk; dafür wurden auch zwei Screenreader getestet.
Verbreitung, Studien und Medien
Luise F. Pusch beansprucht die Erfindung der Gender-Sprechpause: Sie schlug 1985 oder 1986 für das Binnen-I eine Minipause beziehungsweise einen Knacklaut vor. Die Bezeichnung „Gender-Pause“ kam um 2019 auf. Seit 2020 waren gegenderte Sprechweisen besonders in öffentlich-rechtlichen Sendern im deutschsprachigen Raum häufiger hörbar. Nach der rechtlichen Verankerung der dritten Geschlechtsoption „divers“ 2018 in Deutschland und 2019 in Österreich überarbeiteten Medienanstalten Sprachleitfäden und Richtlinien. Dabei verwendeten sie auch neutrale Formen wie „Forschende“ und Beidnennungen.
Ein frühes gesprochenes Gendersternchen in den ZDF-Nachrichten war am 5. Januar 2020 von Claus Kleber im heute-journal zu hören. Sender handhabten die Pause unterschiedlich: Beim ZDF gab es für journalistische Beiträge keine Vorgabe der Geschäftsleitung; beim BR durfte sie laut Informationsdirektor nur der Jugendkanal PULS und ein eigener LGBQT-Podcast nutzen. Der WDR verzichtete im Programm weitgehend auf den gesprochenen Gender-Gap. In einer von ihm beauftragten repräsentativen Umfrage mit 1000 Menschen befürworteten ihn 27 %.
Weitere Umfragen Mitte 2021 ergaben überwiegend Ablehnung: Beim MDR befürworteten 2 % von rund 26.000 Antworten die Pause in „Studentʔinnen“, 15 % die Beidnennung, 21 % „Studierende“ und 58 % „Studenten“. Im ZDF-Politbarometer fanden 25 % die Sprechweise gut und 71 % nicht. INSA ermittelte 22 % Zustimmung, 56 % Ablehnung und 17 % Unentschiedene; unter Befragten mit Migrationshintergrund stimmten 33 % zu und ebenso viele dagegen. Eine Studie der Universitäten Erfurt und Mainz vom September 2021 fand gesprochene Gender-Pausen signifikant schlechter verständlich als drei andere Sprechweisen; zugleich wurde der Frauenanteil in den bezeichneten Gruppen dabei am höchsten eingeschätzt.
Befürwortung und Kritik
Befürwortende heben hervor, dass der Glottisschlag bereits ein häufiges Artikulationsmittel im Deutschen sei. Christiane Hohenstein nannte 2019 die in Schweizer Bildungsinstitutionen gepflegte Aussprache mit Glottis-Stop vorbildlich. Luise F. Pusch bezeichnete den Knacklaut bei Formen wie „Expert*innen“ als „vollendet geschlechtergerecht“.
Kritik richtet sich sowohl gegen die Verständlichkeit als auch gegen die soziale Wirkung. Jürgen Trabant schrieb 2021, der Knacklaut markiere Sprecher als Angehörige einer bestimmten Gruppe und sei in Personenbezeichnungen künstlich eingefügt. Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) lehnte Gender-Pausen im August 2020 ab: Sie entsprächen nicht den Aussprachenormen, könnten kurzzeitig als getrennte Wörter wie „Spieler und innen“ verstanden werden und ließen sich nicht eindeutig verschriftlichen. Außerdem würden Sternchen, Unterstriche und Doppelpunkte von Vorleseprogrammen nicht einheitlich interpretiert.
Die GfdS betonte im Mai 2021 dennoch: „Ja zum Gendern“ – wenn es verständlich, lesbar und regelkonform sei. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband lehnte Sonderzeichen und Typografie zum Gendern grundsätzlich ab und empfiehlt für gut vorlesbare Texte neutrale Formulierungen wie „Team“ oder Paarformen wie „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Falls Kurzformen verwendet werden sollen, bevorzugt er das Sternchen, weil es laut Veröffentlichungen des Deutschen Rechtschreibrates die häufigste Kurzform sei.