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Fregattvögel

Die Fregattvögel (Fregatidae bzw. Fregata) sind eine in den Tropen und Subtropen verbreitete Familie und Gattung von Hochseevögeln aus der Ordnung …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Körperbau
  2. 2. Verbreitung und Flugleben
  3. 3. Ernährung und Jagdweisen
  4. 4. Fortpflanzung und Lebensdauer
  5. 5. Verwandtschaft und Arten
  6. 6. Beziehung zum Menschen und Schutz

Überblick und Körperbau

Fregattvögel (Fregatidae bzw. Fregata) sind tropische und subtropische Hochseevögel aus der Ordnung Suliformes. Die Familie umfasst eine einzige Gattung mit fünf Arten. Besonders bekannt sind die Männchen durch ihren aufblasbaren roten Kehlsack und die Vögel allgemein durch Kleptoparasitismus: Sie attackieren andere Vögel und zwingen sie, ihre Beute fallen zu lassen oder hervorzuwürgen.

Fregattvögel sind extrem an das Fliegen angepasst. Ihre Flügel sind lang und schmal, das Flugbild ähnelt einem gestreckten „W“. Die Flügelspannweite beträgt 175 bis 244 cm, die Körperlänge 71 bis 114 cm. Mit 600 bis 1600 g sind sie im Verhältnis zur Körpergröße sehr leicht. Ihre Knochen sind stark pneumatisiert, also luftgefüllt und durch Knochenbälkchen stabilisiert; sie machen nur 5 % des Körpergewichts aus. Die Brustmuskulatur ist kräftig und trägt 15 bis 20 % zum Gewicht bei. Die Knochen des Schultergürtels sind miteinander verwachsen, was unter Vögeln einmalig ist.

Die Beine sind stark verkürzt. Fregattvögel können kaum gehen oder schwimmen; die Beine dienen vor allem dazu, sich mit starken Krallen auf Ästen festzuhalten. Alle vier Zehen sind zwar durch Schwimmhäute verbunden, diese sind aber stark rückgebildet. Auch die Bürzeldrüse produziert nur wenig Sekret, weshalb das Gefieder kaum wasserdicht wird. Der Schnabel ist schlank, kräftig, bis zu 15 cm lang und endet in einem spitzen Haken, der beim Festhalten glitschiger Beute und bei Angriffen auf andere Vögel hilft.

Es gibt einen auffälligen Geschlechtsdimorphismus, also deutliche Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen. Weibchen sind im Durchschnitt 25 % größer und schwerer als Männchen. Nur Männchen besitzen den stark vergrößerten roten Kehlsack, der zur Brutzeit ballonartig aufgeblasen werden kann. Erwachsene Männchen sind fast ganz schwarz, Weibchen haben eine weiße Brust; beim Weißbauch-Fregattvogel ist die ganze Unterseite weiß. Junge Fregattvögel haben einen weißen Kopf und große weiße Bereiche an der Unterseite. Erst nach vier bis sechs Jahren sind sie vollständig ausgefärbt, was die Bestimmung der Arten erschwert.

Verbreitung und Flugleben

Fregattvögel leben in Küstennähe und über dem offenen Meer, fast nie im Landesinneren. Sie brüten bevorzugt auf kleinen ozeanischen Inseln, nur wenige Kolonien liegen an Festlandküsten. Ideale Brutplätze sind Mangrovenwälder nahe der Küste, aber auch andere Bäume und Gebüsche werden genutzt. Fehlt Vegetation vollständig, brüten Fregattvögel auch am Boden.

Zwei Arten sind Inselendemiten, kommen also als Brutvögel nur auf jeweils einer Insel vor: Der Adlerfregattvogel brütet nur auf Ascension, der Weißbauch-Fregattvogel nur auf der Weihnachtsinsel. Binden- und Arielfregattvogel brüten auf vielen tropischen Inseln des Pazifischen und Indischen Ozeans sowie auf Trindade und Martim Vaz im Atlantik. Der Prachtfregattvogel brütet an beiden tropischen Küsten des amerikanischen Doppelkontinents; eine Population auf den Kapverdischen Inseln ist nahezu ausgestorben. Außerhalb der Brutzeit sind Fregattvögel über allen tropischen Ozeanen zu finden. Sehr selten gelangen einzelne Vögel als Irrgäste in gemäßigte Zonen, etwa an die Küsten Schottlands, Irlands oder Dänemarks.

Fregattvögel verbringen den größten Teil ihres Lebens in der Luft. Sie können wochenlang fliegen, ohne zu landen, dabei schlafen und täglich Strecken von über 400 km zurücklegen. Sie nutzen Zirkulationswinde in Cumuluswolken, steigen bis in 1600 bis 4000 m Höhe auf und gleiten anschließend mit Seitenwinden wieder abwärts, wobei sie bis zu 60 km zurücklegen können. Im Flug schlafen sie höchstens 6 Minuten am Stück, an Land ruhen sie dagegen mehr als 12 Stunden pro Tag. Beim Schlafen im kreisenden Flug benutzen sie nur das Auge, das zur Kurveninnenseite zeigt.

In Ruhephasen sitzen Fregattvögel oft mit ausgebreiteten Flügeln auf Bäumen oder Schiffsmasten. Diese Haltung wurde früher als „Sonnenbaden“ bezeichnet, wird aber eher mit Wärmeabgabe oder der Ausrichtung verbogener Schwungfedern erklärt. Fregattvögel sind gesellig: Sie brüten in Kolonien und fliegen oder ruhen auch außerhalb der Brutzeit häufig in Gruppen, oft zusammen mit Tölpeln oder Kormoranen.

Ernährung und Jagdweisen

Fregattvögel sind vor allem für Kleptoparasitismus bekannt, doch der größte Teil ihrer Nahrung stammt aus eigener Jagd. Typisch ist, dass sie Wasserberührung möglichst vermeiden, obwohl sie Seevögel sind. Ihre Ernährung lässt sich in drei wichtige Formen gliedern: Jagd auf Meerestiere, Plündern von Vogelnestern und Kleptoparasitismus.

Die wichtigste Beute sind Fliegende Fische, weil sie in der Luft ergriffen werden können. Auch „Fliegende Kalmare“ aus der Familie Ommastrephidae werden gefressen. Daneben fangen Fregattvögel Fische oder Kopffüßer, die so nah an der Oberfläche schwimmen, dass höchstens Schnabel oder Kopf ins Wasser eintauchen müssen. Selten taucht ein Vogel bei der Verfolgung ganz ins Wasser; er kann danach aber wieder abheben. Häufig folgen Fregattvögel Thunfischschwärmen oder Delfinschulen, weil gejagte Fische aus dem Wasser springen und dadurch leichte Beute werden. Außerdem fressen sie Quallen, Krebstiere und junge Meeresschildkröten, letztere auch am Strand.

Fregattvögel plündern auch Nester anderer Seevögel. Eier und Jungvögel werden meist aus der Luft erbeutet; nur selten landen sie dazu. Opfer sind unter anderem Tölpel, Seeschwalben, Sturmschwalben und Sturmvögel, sehr selten auch andere Fregattvögel. Auf der Weihnachtsinsel wurde beobachtet, dass Kolonien der Rußseeschwalbe jährlich Millionen von Eiern und Jungen durch Fregattvogelangriffe verlieren. In den Jahren 1967 und 1983 war dort keine einzige Brut der Seeschwalben erfolgreich.

Beim Kleptoparasitismus greifen Fregattvögel andere Vögel an, besonders Tölpel, aber auch Seeschwalben, Sturmschwalben, Sturmvögel, Tropikvögel, Kormorane, Pelikane, Möwen und sogar Fischadler. Sie fangen die Opfer oft beim Rückflug zur Kolonie oder am Nest ab. Durch wendige Flugmanöver stoßen sie herab, schnappen nach Schwanz und Flügeln und bringen den anderen Vogel aus dem Gleichgewicht. Lässt dieser die Beute fallen, fangen Fregattvögel sie sofort. Gibt das Opfer nicht nach, können Schnabelhiebe schwere Verletzungen verursachen.

Untersuchungen zeigen, dass nur etwa 5 % der Nahrung durch solche Überfälle gewonnen werden; etwa 95 % erjagen Fregattvögel selbst. Trotzdem ist der Kleptoparasitismus besonders bekannt, weil er auffällig ist. Meist beteiligen sich die größeren und schwereren Weibchen häufiger daran. Auf Isla Isabel vor der Küste von Nayarit wurden 1553 Angriffe von Weibchen und nur acht von Männchen auf Blaufußtölpel gezählt. Auf den Galapagosinseln sind dagegen gerade Männchen besonders häufig an solchen Angriffen beteiligt.

Fortpflanzung und Lebensdauer

Fregattvögel sind Koloniebrüter. Ihre Kolonien können aus einigen tausend Tieren bestehen. Innerhalb der Kolonie bilden sieben bis dreißig Paare oft eng beieinander liegende Brutgruppen. Häufig brüten sie in der Nähe anderer Seevögel. Diese Nachbarschaft nützt vor allem den Fregattvögeln, weil sie gerade Arten aufsuchen, die sie auf dem Meer oder beim Rückflug zum Nest überfallen können. Als tropische Vögel haben sie meist keine feste Brutzeit; auf Galapagos brüten Fregattvögel zu jeder Jahreszeit. Regional können aber feste Zeiten vorkommen.

Die Balz ist auffällig. Mehrere Männchen werben gemeinsam, legen den Kopf in den Nacken, blähen den scharlachroten Kehlsack auf und zeigen die silbrigweißen Unterseiten der Flügel. Nähert sich ein Weibchen, bewegen sie den Kopf zitternd und erzeugen trommelnde und schnarrende Laute. Das Weibchen wählt einen Partner.

Das Nest wird bevorzugt in hohen Bäumen gebaut, bei deren Fehlen in Sträuchern oder auf vegetationslosen Küsten am Boden. Als Material dienen Zweige, Gräser und Algen. Auf kahlen Inseln müssen die Vögel dafür oft weite Strecken fliegen; manchmal stehlen sie sich gegenseitig Nistmaterial. Meist sucht das Männchen Material, während das Weibchen den Nistplatz verteidigt. Ist nichts verfügbar, wird nur eine Kuhle in den Boden gekratzt, wie es auf Ascension die Regel ist.

Normalerweise wird nur ein Ei gelegt. Sehr selten wurden auf Hawaii Gelege mit zwei Eiern beobachtet. Beide Eltern brüten und lösen sich alle ein bis vier Tage ab. Das Junge schlüpft nach 40 bis 55 Tagen. Es ist zunächst nackt, bekommt aber in den ersten Tagen ein Daunenkleid. Es steckt den Schnabel in den Schnabel oder Kehlsack des Elternvogels, worauf dieser Futter hervorwürgt. Im ersten Monat wird das Junge ständig bewacht, später bleibt es öfter allein.

Die Entwicklung ist sehr langsam. Bis zur Flugfähigkeit vergehen viereinhalb bis sieben Monate. Danach versorgen die Eltern das Junge weitere neun bis zwölf Monate, ausnahmsweise sogar achtzehn Monate. Eine ähnlich lange Brutfürsorge gibt es bei Vögeln sonst nur beim Graufußtölpel. Weil die Versorgung so aufwendig ist, gelingt nur etwa 25 % der Bruten. Meist können Fregattvögel nur alle zwei Jahre brüten, oft noch seltener. Auf Barbuda wurde jedoch festgestellt, dass Männchen jährlich und Weibchen zweijährlich brüten. Für jede Brut suchen Fregattvögel neue Partner. Die durchschnittliche Lebenserwartung wird auf 25 Jahre geschätzt; ein beringter Bindenfregattvogel wurde mindestens 34 Jahre alt.

Verwandtschaft und Arten

Fregattvögel gehören zur Ordnung Suliformes. Traditionell wurden sie zu den „Ruderfüßern“ gestellt, weil alle vier Zehen durch Schwimmhäute verbunden sind. Ihre genaue Verwandtschaft war lange umstritten. Manche Untersuchungen sahen eine Nähe zu Röhrennasen, Seetauchern oder Pinguinen; auch die Federlinge der Fregattvögel ähneln denen der Röhrennasen. Andere Merkmale, etwa die Eierschalenstruktur, sprechen für eine Nähe zu den übrigen Ruderfüßern. Neuere Untersuchungen bestätigen eine Verwandtschaft mit Tölpeln, Schlangenhalsvögeln und Kormoranen.

Heute werden fünf Arten anerkannt: Adlerfregattvogel (Fregata aquila), Weißbauch-Fregattvogel (F. andrewsi), Prachtfregattvogel (F. magnificens), Bindenfregattvogel (F. minor) und Arielfregattvogel (F. ariel). Viele Arten sind einander sehr ähnlich; Männchen des Adler- und Prachtfregattvogels gelten zum Beispiel als nicht unterscheidbar. Es wird angenommen, dass die Artbildung der Gattung Fregata erst vor 1,5 Millionen Jahren begann, was die geringen Unterschiede erklärt.

Fossilien zeigen, dass Fregattvögel eine sehr alte Vogelgruppe sind. 1977 wurde in Wyoming ein fast vollständiges Skelett aus dem Eozän gefunden und Limnofregata azygosternon genannt. Eine weitere größere und langschnäbligere Art derselben Epoche heißt Limnofregata hasegawai. Diese frühen Formen unterschieden sich offenbar deutlich von heutigen Fregattvögeln: Sie hatten längere Zehen und vermutlich besser zum Schwimmen und Tauchen geeignete Ruderfüße. Ob der heutige deutliche Geschlechtsdimorphismus damals schon bestand, gilt als unwahrscheinlich.

Beziehung zum Menschen und Schutz

Fregattvögel meiden Menschen nicht. Sie folgen regelmäßig Fischerbooten und fressen Fische, die als wertlos über Bord geworfen werden. In manchen Gegenden stehlen sie Fische aus Netzen oder Booten. Nahe der ecuadorianischen Hafenstadt Playas haben Prachtfregattvögel gelernt, Fischer beim Transport des Fangs vom Boot in den Hafen anzugreifen. Trotz Abwehr mit Knüppeln sind sie dabei immer wieder erfolgreich.

Die älteste erhaltene Beschreibung eines Fregattvogels stammt von Christoph Kolumbus. Am 29. September 1492 notierte er, der Vogel zwinge Tölpel zum Auswürgen ihrer Beute, lande nicht auf dem Meer und entferne sich nicht weit von der Küste. Die letzte Annahme war falsch, zeigt aber, dass das kleptoparasitische Verhalten schon damals bekannt war. Früher wurden Fregattvögel auch gegessen; auf Aldabra wurden bis ins 20. Jahrhundert jährlich einige tausend getötet. In Polynesien wurden junge Fregattvögel mancherorts aufgezogen, gezähmt und wie Brieftauben zur Nachrichtenübermittlung verwendet.

Natürliche Feinde haben Fregattvögel nur wenige. Vermutlich fallen sie selten räuberischen Meeresfischen wie Haien zum Opfer. Jungvögel sind besonders gefährdet: Sie verhungern oft, werden manchmal von älteren Artgenossen getötet oder von wenigen Fressfeinden erbeutet, zum Beispiel von der Sumpfohreule auf Galapagos. Als Parasiten kommen Lausfliegen und Federmilben vor. Auf Hawaii wurde der einzellige Endoparasit Haemoproteus iwa bei der Hälfte der Jungvögel, einem Drittel der adulten Männchen und einem Fünftel der Weibchen festgestellt; ein Schaden für den Wirt wurde aber nicht nachgewiesen.

Die IUCN listet den Weißbauch-Fregattvogel als vom Aussterben bedroht. Auf der Weihnachtsinsel schrumpfte sein Bestand zunächst durch Phosphatabbau, bei dem ein Drittel der Bäume gefällt wurde, und durch das Essen von Eiern und Jungen. Nach Schutzmaßnahmen erholte sich der Bestand, seit den 1990er Jahren geht er aber wieder stark zurück, vor allem durch die Gelbe Spinnerameise, deren Kolonien junge Fregattvögel töten können.

Der Adlerfregattvogel gilt als gefährdet; eine erneute Einstufung als vom Aussterben bedroht wird diskutiert. Auf Ascension wurde er durch eingeschleppte Hauskatzen stark dezimiert, sodass Bruten nur noch auf Boatswain Bird Island stattfanden. Der neuere Rückgang könnte mit Überfischung zusammenhängen. Insgesamt bedrohen Fregattvögel vor allem Habitatzerstörung, Jagd, eingeschleppte Landsäugetiere auf zuvor säugetierfreien Inseln und Überfischung. Pracht-, Binden- und Arielfregattvogel sind weltweit wegen ihrer großen Verbreitung und jeweils mehrerer hunderttausend Individuen nicht bedroht, können aber regional stark gefährdet sein, etwa auf den Kapverden, Martim Vaz oder Trindade.

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