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Französische Suiten
Die Französischen Suiten (BWV 812 bis 817) sind ein Zyklus von sechs Kompositionen für das Cembalo oder Clavichord von Johann Sebastian Bach.
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Überblick
Die Französischen Suiten (BWV 812 bis 817) sind ein Zyklus von sechs Kompositionen Johann Sebastian Bachs für Cembalo oder Clavichord. Sie gehören zur Gattung der Suite: Eine Suite ist eine Folge stilisierter instrumentaler Tanzstücke. Die Sätze sind durch dieselbe Tonart sowie melodisch verwandte Themen und Motive zu einer musikalischen Einheit verbunden.
Bach komponierte die Werke zwischen 1722 und 1725 für seine zweite Ehefrau Anna Magdalena Bach, die er 1722 geheiratet hatte. Die ersten fünf Frühfassungen trug er in das Clavierbüchlein vor Anna Magdalena Bachin Anno 1722 ein. Dort bezeichnete er sie im damals üblichen Französisch als „Suites pour le Clavessin“ („Suiten für das Cembalo“).
Titel und Bedeutung
Der heutige Titel stammt wahrscheinlich von Bachs Schüler Heinrich Nikolaus Gerber. Dieser stellte die Suiten zwischen 1724 und 1726 aus einer größeren Sammlung Bachscher Cembalowerke zusammen und kopierte sie. Mit dem Titel unterschied er den Zyklus von Bachs sogenannten „Englischen Suiten“.
Die Französischen Suiten zeichnen sich durch Eleganz, Kompaktheit und eine starke Durchstilisierung aus. Zugleich stellen sie hohe Anforderungen an die Spieltechnik. Der in Köthen entstandene Zyklus setzte damit einen neuen Standard für die Instrumentalgattung der Suite und gehört zu Bachs Klavierwerken mit pädagogischem Zweck.
Grundaufbau
Der Zyklus beginnt mit drei Suiten in Molltonarten und setzt sich mit drei Suiten in Dur fort. Alle Suiten beginnen mit der typischen Folge aus Allemande, Courante und Sarabande. In den Dur-Suiten folgt darauf eine Gavotte. Danach fügt Bach weitere Tänze ein, darunter meistens auch ein Menuett. Jede Suite endet mit einer Gigue.
Anders als bei französischen Suiten im Allgemeinen üblich, beginnt keine der sechs Suiten mit einer einleitenden Ouvertüre. Bach setzt direkt mit einem Tanzsatz ein. Im Vergleich zu den Englischen Suiten sind die Französischen Suiten kürzer und leichter spielbar, da ihnen die ausgedehnten virtuosen Präludien fehlen. Auch gegenüber den reifen Partiten ist ihre Anlage kompakter.
Die sechs Suiten
Suite I d-Moll BWV 812 besteht aus Allemande (c), Courante (3/2), Sarabande (3/4), Menuett I–II–I (3/4) und Gigue (c).
Suite II c-Moll BWV 813 enthält Allemande (c), Courante (3/4), Sarabande (3/4), Air (¢), Menuett I–II–I (3/4) und Gigue (3/8).
Suite III h-Moll BWV 814 umfasst Allemande (c), Courante (6/4), Sarabande (3/4), Anglaise (2), Menuett–Trio–Menuett (3/4) und Gigue (3/8).
Suite IV Es-Dur BWV 815 besteht aus Allemande (c), Courante (3/4), Sarabande (3/4), Gavotte (2), Air (c) und Gigue (6/8). Eine Abschrift fügt zusätzlich ein Praeludium aus arpeggierten Akkorden und/oder ein Menuet hinzu.
Suite V G-Dur BWV 816 enthält Allemande (c), Courante (3/4), Sarabande (3/4), Gavotte (¢), Bourrée (¢), Loure (6/4) und Gigue (12/16). Überliefert ist auch ein Manuskript der Gavotte in einer Frühfassung.
Suite VI E-Dur BWV 817 besitzt mit acht Sätzen den größten Umfang: Allemande (c), Courante (3/4), Sarabande (3/4), Gavotte (¢), Polonaise (3/4), Bourrée (2), Menuett (3/4) und Gigue (6/8). Wegen mehrfacher Überlieferung ist die Reihenfolge der Sätze unsicher. In einer Abschrift Heinrich Nicolaus Gerbers erscheint sie als „SVITE 6ta avec Prelude“ zusammen mit dem E-Dur-Präludium aus dem ersten Teil des Wohltemperierten Claviers (BWV 854/1). Die ursprüngliche Ordnung des Handschriften-Konvoluts lässt sich nicht mehr rekonstruieren; offenbar stellt diese Zusammenstellung die 6. Englische Suite dar.