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Frank Farian

Frank Farian (* 18. Juli 1941 als Franz Reuther in Kirn; † 22. Januar 2024 in Miami) war ein deutscher Musikproduzent, Komponist und Sänger.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Leben und Weg zur Musik
  3. 3. Karriere als Sänger
  4. 4. Arbeit als Komponist und Produzent
  5. 5. Veröffentlichungen und bekannte Produktionen

Überblick und Bedeutung

Frank Farian, geboren als Franz Reuther am 18. Juli 1941 in Kirn und gestorben am 22. Januar 2024 in Miami, war ein deutscher Musikproduzent, Komponist und Sänger. Er gehörte zu den kommerziell erfolgreichsten deutschen Musikproduzenten. Besonders bekannt wurde er als Gründer und Produzent international erfolgreicher Gruppen und Projekte wie Boney M. und Milli Vanilli. Seine Produktionen verkauften sich weltweit über 800 Millionen Mal.

Kennzeichnend für seine Arbeitsweise war, dass er Musik teilweise bereits im Studio einspielen ließ, bevor die später öffentlich auftretenden Gruppen vollständig zusammengestellt waren. Bei einigen Projekten stimmten die auftretenden Personen deshalb nicht oder nur teilweise mit den tatsächlichen Studiosängern überein. Bei Milli Vanilli führte dieses Vorgehen 1990 zu einem international beachteten Skandal.

Leben und Weg zur Musik

Farian wurde 1941 im Kreis Bad Kreuznach geboren. Sein Vater, ein Kürschner, fiel noch im selben Jahr als Soldat an der Ostfront. Farian wuchs mit zwei älteren Geschwistern bei seiner Mutter Cäcilia Reuther (1912–2001), einer Lehrerin, in Saarbrücken-Altenkessel auf. Wegen seines Gesangstalents brachte sie ihn in einen Kirchenchor. Mit zwölf Jahren bekam er eine Gitarre und brachte sich das Spielen selbst bei.

Nach der Volksschule absolvierte er eine Kochlehre und arbeitete unter anderem in Saarbrücken, Lindau, Splügen und Ettelbrück in Luxemburg. Durch den Kontakt mit US-amerikanischen Soldaten, sogenannten GIs, lernte er Rock ’n’ Roll kennen. Nach einem besonders prägenden Bandauftritt in Ettelbrück gab er den Beruf des Kochs auf, kaufte Musikinstrumente und gründete eine eigene Band.

1961 zog Farian nach Elversberg und richtete dort im Dachgeschoss ein kleines Tonstudio ein. Gemeinsam mit seiner Frau Brigitte eröffnete er 1967 in St. Ingbert zunächst das Hoch Trepp und später die Diskothek Rendezvous. Dort testete er seine Bands und Lieder vor Publikum. Später entstanden weitere Studios in Schüren, Rosbach vor der Höhe, Brüssel, Miami und auf Ibiza. Das Anwesen mit Studio in Rosbach nutzte er bis zu seinem Tod.

Farian heiratete Brigitte 1967; die Ehe wurde 1992 geschieden. Er hatte einen Sohn und drei Töchter, darunter die Musikerin und Musicalproduzentin Nicole Reuther. Frank Farian starb im Alter von 82 Jahren in Miami. Er wurde auf dem Friedhof Gänsberg in Spiesen-Elversberg im Saarland neben seiner Mutter beerdigt.

Karriere als Sänger

Unter dem Namen Frankie Farian und die Schatten trat Farian mit seiner eigenen Band erstmals am zweiten Weihnachtstag 1962 im Gasthaus Kräber in Elversberg auf. Die Gruppe spielte in Tanzsälen vor allem Coverversionen bekannter US-amerikanischer Titel sowie Beat- und Soulmusik. 1963 produzierte und vertrieb Farian seine erste Platte Shouting Ghost selbst. Im selben Jahr war die Gruppe live bei Clay Sherman im Saarländischen Rundfunk zu hören. 1964 folgte ein dreitägiger Auftritt im Star-Club; ab 1965 wurde es still um die Band.

Da Farian Schulden hatte, wechselte er als Solist zum finanziell aussichtsreicheren Schlager. Zu seinen Liedern gehörten Dana My Love von 1969 und So muss Liebe sein von 1973. Außerdem nahm er eine Version des Jazzstandards Smoke Gets in Your Eyes auf. Sein größter eigener Erfolg als Sänger war die Coverversion des Country-Songs Rocky, die 1976 Platz eins der deutschen Hitparade erreichte. Zwischen 1969 und 1977 trat er mit sieben Liedern insgesamt neunmal in der ZDF-Hitparade auf.

Arbeit als Komponist und Produzent

Ab Mitte der 1970er Jahre konzentrierte sich Farian auf die Produktion von Popmusik. Seine produktive Phase als Komponist und Produzent begann mit der Band Les Copains. Danach gründete er unter anderem Boney M. und Milli Vanilli.

Die erste Single von Boney M. erschien 1975. Erst anschließend suchte Farian über eine Künstleragentur die Mitglieder der Gruppe. Seine größten Produktionserfolge erzielte er 1978 mit der Single Rivers of Babylon und dem Album Nightflight to Venus. Boney M. war in westlichen Ländern sowie auf dem gesamten afrikanischen Kontinent und in der Karibik erfolgreich. An den Studioaufnahmen waren von den vier öffentlich auftretenden Mitgliedern nur Liz Mitchell und Marcia Barrett beteiligt. Die männliche Stimme sang Farian selbst. Bei Fernsehauftritten bewegte der Tänzer Bobby Farrell seine Lippen zu Farians Gesang vom Band; bei Livekonzerten sang Farrell selbst.

Von 1977 bis 1980 produzierte Farian die britische Gruppe Eruption. Für das Projekt Far Corporation nahm er mit Musikern wie Bobby Kimball, David Paich, Robin McAuley, Steve Lukather, Curt Cress und Leslie Mandoki überwiegend Rockklassiker neu auf. Die Aufnahme von Stairway to Heaven von Led Zeppelin erreichte 1985 Platz acht der britischen Hitparade und wurde der größte Erfolg des Projekts.

Bei Milli Vanilli waren 1988 die ersten Lieder bereits aufgenommen und fertig produziert, bevor Farian die aus zwei Tänzern bestehende Gruppe zusammenstellte. Fab Morvan und Rob Pilatus sangen keines der Lieder selbst. Als dies Ende 1990 bekannt wurde, entstand ein Skandal. Der Gruppe wurde ihr Grammy aberkannt, und die Karriere der beiden vermeintlichen Sänger war faktisch beendet.

Kurz darauf hatte Farian erneut Erfolg als Produzent des Dance-Projekts La Bouche. Dessen größter Hit war 1995 Be My Lover. Diesmal sorgte er dafür, dass in den Musikvideos die tatsächlichen Sänger auftraten. Nach rund 30 Jahren endete 2004 seine Zusammenarbeit mit Hansa beziehungsweise Ariola-Sony BMG; 2006 unterschrieb er einen neuen Vertrag bei Sony BMG Deutschland.

Im September 2006 wurde in London das Musical Daddy Cool uraufgeführt, das zahlreiche Hits von Boney M., Milli Vanilli, Eruption, No Mercy und La Bouche verwendete. Im Frühjahr 2007 kam es auch nach Berlin. Anschließend arbeitete Farian am Projekt Daddy Cool Kids, bei dem eine seiner Töchter mitsang.

Veröffentlichungen und bekannte Produktionen

Als Solokünstler veröffentlichte Farian die Studioalben So ein Tag (1971), So muß Liebe sein (1973) und Rocky (Februar 1976), jeweils bei Hansa Musik Produktion. Unter dem Namen Far Corporation erschienen Division One (1985) bei Ariola und Solitude am 31. Oktober 1994 bei MCI Records.

Zu seinen wichtigen Autorenbeteiligungen und Produktionen zählen zahlreiche internationale Hits. Für Boney M. entstanden unter anderem Daddy Cool und Sunny (1976), Ma Baker (1977), Rivers of Babylon, Brown Girl in the Ring, Rasputin und Mary’s Boy Child – Oh My Lord (1978), El Lute und Gotta Go Home (1979) sowie Little Drummer Boy (1981). Weitere bekannte Produktionen waren Eruptions I Can’t Stand the Rain (1977), Milli Vanillis Girl You Know It’s True und Baby Don’t Forget My Number (1988) sowie Blame It on the Rain und Girl I’m Gonna Miss You (1989).

In den 1990er Jahren folgten unter anderem La Bouches Sweet Dreams (Ola Ola E) von 1994 und Be My Lover von 1995 sowie No Mercys Missing von 1995 und Where Do You Go von 1996. Spätere Beteiligungen umfassten Titel für Yvonne Catterfeld und Daniel Lopes sowie 2010 Duck Sauces Barbra Streisand.

Farian erhielt mehrere Auszeichnungen: die Goldene Europa 1977 und 1979, die Goldene Stimmgabel 1983, RSH-Gold 1990 und 1998 sowie 1997 den Echo Pop für sein Lebenswerk. Für Rocky bekam er 1976 den Silbernen Löwen von Radio Luxemburg.

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