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Figuren in der Ilias
Dieser Artikel beschreibt die Figuren in der Ilias, einem der ältesten Werke der griechischen und europäischen Literatur.
Inhalt6 Abschnitte
Grundstruktur und die Achaier
Die Ilias schildert Figuren des Trojanischen Krieges; „Achaier“, ebenso Danaer und Argiver, bezeichnet dabei allgemein die gegen Troja kämpfenden Griechen. Ihr stärkster Kämpfer ist Achilleus, Sohn von Thetis und Peleus und Anführer der Myrmidonen aus Phthia mit 50 Schiffen. Sein Streit mit Agamemnon bestimmt die Handlung: Nachdem er dessen Versöhnungsangebot im neunten Buch ablehnt, isoliert er sich; erst im neunzehnten Buch wird der Konflikt beigelegt. Achilleus akzeptiert grundsätzlich Agamemnons Führungsanspruch, kämpft jedoch besonders grausam. Sein Tod wird angekündigt, nicht aber ein Tod an der Achillesferse.
Agamemnon, Herrscher über Argos und Mykene, führt mit 100 Schiffen das größte und beste Kontingent. Er ist zwar mächtigster König, kann den anderen Fürsten aber nicht befehlen, weil sie ihm freiwillig folgen. Seine Zurückweisung des Apollonpriesters Chryses löst Pest, Heeresversammlung und den Streit mit Achilleus aus. Weitere zentrale Achaier sind der große Aias, Verteidiger der Schiffe mit zwölf Schiffen aus Salamis, und der kluge Odysseus aus Ithaka mit zwölf Schiffen. Der junge Diomedes wird von den Troern noch stärker als Achilleus gefürchtet und führt 80 Schiffe aus der Gegend von Argos und Tiryns.
Weitere griechische Kämpfer und Helfer
Nestor, der kluge und älteste Kämpfer vor Ilios, herrscht über Pylos und führt 90 Schiffe. Er gibt häufig Ratschläge und betont, die Männer seiner Jugend seien stärker gewesen. Menelaos, Herrscher von Lakedaimon, Bruder Agamemnons und Ehemann Helenas, befehligt 60 Schiffe. Helenas Entführung durch Paris gilt als Ursache des Krieges; Menelaos ist kein herausragender Kämpfer, zeichnet sich aber bei der Verteidigung von Patroklos’ Leichnam aus.
Patroklos ist Achilleus’ Freund, Wagenlenker und älterer Ziehbruder. Idomeneus, König von Kreta, führt mit Meriones 80 Schiffe. Der kleine Aias, ein schneller, aber nicht besonders starker Kämpfer, ist Führer der Lokrer mit 40 Schiffen. Kalchas ist Seher und Vogeldeuter. Die Brüder Machaon und Podaleirios, Söhne des Asklepios, sind Ärzte und nehmen auch an Kämpfen teil; Machaon heilt Menelaos, wird später jedoch selbst verwundet. Philoktetes ist ein versierter Bogenschütze mit sieben Schiffen, den die Griechen wegen einer übel riechenden Wunde auf Lemnos ausgesetzt haben. Protesilaos ist der erste griechische Gefallene.
Trojaner und ihre Verbündeten
Priamos, greiser König von Troja und Sohn des Laomedon, ist Vater von zwölf Töchtern und 50 Söhnen. Namentlich nennt die Ilias 22 Söhne und drei Töchter; elf Söhne sterben während der 51 erzählten Tage. Sein vermutlich ältester Sohn Hektor ist Anführer und stärkster Kämpfer der Troer, zugleich Zimmermann und ein edler Verlierer. Seine Frau Andromache verlor bei Achilleus’ Eroberung des troischen Thebe ihre Angehörigen; mit Hektor hat sie den Sohn Astyanax, den Hektor Skamandrios nennt. Hektors Bruder Deïphobos ist Unteranführer; Athene täuscht Hektor in dessen Gestalt und führt ihn so in den tödlichen Zweikampf mit Achilleus.
Paris, auch meist Alexandros genannt, ist ebenfalls Priamos’ Sohn und Helenas Partner; das Parisurteil wird nur indirekt erwähnt. Antenor vermittelt als greiser Ratgeber zwischen den Parteien. Polydamas ist Kämpfer, Ratgeber und Mitglied des Ältestenrates, Helenos Seher und Vogeldeuter. Aineias, Sohn von Aphrodite und Anchises, führt die Dardaner und wird zweimal von Göttern gerettet; zwischen ihm und Priamos bestehen Spannungen. Glaukos und sein Vetter Sarpedon führen die Lykier. Sarpedon, Sohn von Zeus, wird trotz Zeus’ Rettungswunsch von Patroklos getötet. Rhesos wird bei einem Nachtangriff von Diomedes erschlagen, während Odysseus seine Pferde stiehlt.
Auslöser und weitere Beteiligte
Briseïs ist Achilleus als Sklavin und Konkubine zugesprochen worden. Als Agamemnon seine eigene Gefangene Chryseïs wegen eines Orakels an ihren Vater Chryses zurückgeben muss, nimmt er Briseïs Achilleus weg. Daher zieht Achilleus sich aus dem Kampf zurück. Später gibt Agamemnon Briseïs zusammen mit sieben weiteren Frauen zurück und schwört, nicht mit ihr geschlafen zu haben.
Chryses, ein Priester des Apollon, bittet vergeblich um die Freigabe seiner Tochter Chryseïs gegen Lösegeld. Die Entehrung von Chryses und Chryseïs, die folgende Pest und die Heeresversammlung bilden die Ursache des Streits zwischen Agamemnon und Achilleus. Helena ist Tochter des Zeus, Schwester von Kastor und Polydeukes sowie Ehefrau des Menelaos. Priamos sieht die Schuld am Krieg nicht bei ihr, sondern bei den Göttern. Sie tadelt Paris und hält als Letzte Klage über Hektors Leichnam. Umstritten ist die Deutung ihrer Angabe, bereits 20 Jahre in Ilios zu sein, obwohl die Belagerung im zehnten Jahr steht. Herakles ist zur Zeit der Ilias bereits tot, wird aber als früherer Gegner des troischen Königs Laomedon erwähnt.
Götter als Kriegsparteien und Lenker
Die Götter greifen in die Kämpfe ein und unterstützen gegensätzliche Seiten. Hera und Athene stehen, vermutlich wegen des Parisurteils, auf Seiten der Achaier; Athene verkörpert Weisheit, Strategie und intelligente Kriegstaktik. Poseidon hilft den Griechen, weil Laomedon ihn und Apollon beim Bau der troischen Mauer um ihren Lohn betrog. Apollon, Artemis, Leto, Aphrodite und meist Zeus unterstützen die Troer. Apollon tötet etwa Patroklos; Aphrodite schützt ihren Sohn Aineias und Paris. Ares kämpft trotz zweier Söhne auf griechischer Seite für Troja und kann verwundet werden.
Zeus ist mit großem Abstand der mächtigste Gott, greift aber nicht selbst ins Schlachtfeld ein. Er teilt die Weltherrschaft mit seinen Brüdern Poseidon und Hades, setzt Könige ein und erfüllt letztlich seinen Plan. Auf Thetis’ Bitte unterstützt er die Troer, bis die Achaier Achilleus wieder ehren. Zugleich ist er Eidgott, beschließt aber einen Eidbruch durch die Troer; ob er damit ein Wahrer des Rechts ist, ist in der Forschung umstritten. Thetis vermittelt zwischen Achilleus und Zeus und kennt verschiedene Zukunftsmöglichkeiten ihres Sohnes. Hypnos und Thanatos bringen Sarpedons Leichnam nach Lykien.
Kampfweise und Vorstellungen vom Inneren
Die Kämpfe verwenden Schwerter, vor allem Speere, ferner Keulen und Äxte. Als Fernwaffen dienen Wurfspeere, Schleudern, Steine und besonders Bögen. Zur Verteidigung dienen Helme, Brust- oder Rückenpanzer, Beinschienen und unterschiedliche Schilde. Ein Streitwagen hat höchstens einen Lenker und einen Kämpfer; der Kämpfer steigt zum Kämpfen ab. Normalerweise ziehen zwei Pferde den Wagen, bei Nestor und Patroklos drei, bei Hektor vier. Kampfschilderungen reichen von knappen Nennungen von Täter und Opfer bis zu absichtlich grausamen oder phantastisch-blutigen Darstellungen. Verletzungen sind meist entweder leicht oder tödlich.
Für den modernen Begriff „Seele“ gibt es kein direktes Gegenstück. Die Psyche ist der Träger des Lebens: Sie verlässt den Körper beim Tod, behält Charakterzüge und kann nach der Feuerbestattung im Hades weiterleben, ist aber nicht für Denken oder Handeln zuständig. Der Thymos ist eine seelische Energie für Empfinden, Erkennen, Wollen und Handeln; er kann auch das „Ich“ sein. Der Noos erkennt Personen oder Gegenstände als Ganzes und kann den Thymos kontrollieren. Achilleus folgt im neunten Buch bewusst seinem Thymos und Zorn statt dem Noos. Der Phren betrifft geistige Vorstellungen und bestimmt Handeln und Gesinnung vernünftig.