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Urteil des Paris
Das Urteil des Paris ist eine berühmte Episode der griechischen Mythologie. Der junge Prinz Paris muss das Urteil fällen, welche von drei Göttinnen die …
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Kern des Mythos
Das Urteil des Paris ist eine berühmte Episode der griechischen Mythologie. Der trojanische Prinz Paris muss entscheiden, welche von drei Göttinnen die Schönste ist: Hera, Athene oder Aphrodite. Die Entscheidung wird durch Bestechungsangebote beeinflusst und hat weitreichende Folgen, weil sie schließlich zum Raub der Helena und damit zum Trojanischen Krieg führt.
Bei Homer wird das Thema nur angedeutet. In Komödie, Satire und Roman wird die Handlung ausführlicher behandelt.
Ablauf und Folgen
Zur Hochzeit des Peleus und der Thetis sind alle Götter eingeladen, außer Eris, der Göttin der Zwietracht. Aus Ärger wirft Eris einen goldenen Apfel unter die Feiernden. Auf ihm steht τῇ καλλίστῃ, griechisch „Der Schönsten“ oder „Für die Schönste“. Deshalb wird er auch Zankapfel oder Erisapfel genannt.
Hera, Athene und Aphrodite streiten darüber, wem der Apfel gehört. Zeus, der höchste Olympier, entzieht sich dem Urteil und bestimmt den Sterblichen Paris zum Schiedsrichter. Paris ist der schöne, aber verstoßene Sohn des trojanischen Königs Priamos und der Hekabe. Seit seiner Verstoßung lebt er unerkannt als Hirte. Der Götterbote Hermes bringt die drei Göttinnen zu ihm.
Jede Göttin versucht, Paris durch ein Versprechen für sich zu gewinnen:
- Hera bietet ihm Herrschaft über ganz Asien beziehungsweise über die ganze Welt.
- Athene verspricht ihm Heldenmut, Sieg im Krieg beziehungsweise Kunstfertigkeit.
- Aphrodite verspricht ihm die Liebe der schönsten Frau der Welt.
Paris entscheidet sich für Aphrodite. Die schönste Sterbliche, Helena, ist jedoch bereits mit Menelaos, dem mächtigen König von Sparta, verheiratet. Um Aphrodites Versprechen zu erfüllen, muss Helena geraubt werden. Dieser Raub soll der Auslöser des Trojanischen Krieges gewesen sein.
Darstellungen in der Kunst
Das Paris-Urteil wurde schon in der griechischen Vasenmalerei häufig dargestellt. Auch die Etrusker verwendeten das Sujet, unter anderem auf Bronzespiegeln und in der Malerei. Ein Beispiel ist die attisch-schwarzfigurige Hydria des Antimenes-Malers aus der Zeit um 510 v. Chr.; ein weiteres ist das Mosaik in Kos-Stadt.
In der nachantiken Kunst blieb das Thema beliebt, obwohl Nacktheit in bestimmten historischen Umfeldern verpönt war. Die mythologische und moralische Handlung bot Künstlern die Möglichkeit, drei unbekleidete Frauen in unterschiedlichen Posen zu zeigen, ohne dass die Darstellung als obszön gelten sollte. Die Spannung konnte in verschiedenen Momenten der Entscheidung liegen, etwa in der Vorbereitung oder in den bedeutungsvollen Blicken der Figuren.
Zu den im Artikel genannten Beispielen gehören Sandro Botticellis „Das Urteil des Paris“ von 1485–1488, eine Temperamalerei auf Leinwand in Venedig, sowie ein Kupferstich von Marcantonio Raimondi um 1515/16 nach einer verschollenen Zeichnung Raffaels. Peter Paul Rubens schuf mehrere Gemälde, darunter Werke von 1606–1608 und um 1632–1635. Bei Paul Cézanne ist das Urteil bereits gefallen: Eine Göttin verliert ihr Gesicht, eine andere wendet sich schon ab. Sein Gemälde entstand 1862–1864. Enrique Simonets Fassung stammt aus der Zeit um 1904.
Das Motiv wurde außerdem in Skulpturen und modernen Umdeutungen aufgegriffen. Egbert Herfurths „Inversdarstellung ‚Parisurteil‘“ von 1976 zeigt eine Frau mit Apfel, die aus drei Männertypen auswählt. Weitere Skulpturen aus mehreren Statuen entstanden unter anderem von Stefan Thomas 1979, Wilfried Fitzenreiter 1979 und Markus Lüpertz 2001.
Literatur, Theater und Musik
Die Handlung wurde auch in Literatur, Theater und Musik bearbeitet. Zu den frühen Beispielen gehört das Nürnberger Fastnachtsspiel „Das Parisurteil“ aus dem 15. Jahrhundert. Jean de La Fontaines Fabel „Die Zwietracht“ greift das Motiv ebenfalls auf.
Im 18. Jahrhundert entstanden mehrere Bühnenfassungen, darunter Leopoldo de Villatis musikalisches Schäfer-Spiel „Das Urtheil des Paris“ von 1752, Christoph Martin Wielands Bearbeitung in den „Comischen Erzählungen“ von 1765, Franz Peter Sennfelders allegorisch-heroisches Schauspiel von 1770 und Karl Ignaz Förgs musikalische Parodie aus der Zeit um 1775. August von Kotzeboe schrieb 1804 die heroische Komödie „Das Urtheil des Paris“.
Spätere Bearbeitungen veränderten die Form oder den Blick auf den Stoff. Josef Viktor Widmann veröffentlichte 1897 „Ein greiser Paris“, eine dramatische Plauderei in einem Akt nach einem Motiv aus Boccaccios „Decamerone“. Jacques Offenbach behandelte den Stoff in der Operette „Die schöne Helena“ von 1864. Außerdem gibt es eine musikalische Komödie von Otto Wilhelm Reuther mit Musik von Cesar Bresgen aus dem Jahr 1943 sowie Bohuslav Martinůs Oper von 1953.