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Faktencheck

Der Faktencheck (von englisch fact-checking) ist ein journalistisches Konzept, das die Überprüfung von Aussagen einer oder mehrerer Personen anhand von …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Ziel des Faktenchecks
  2. 2. Faktenchecks in sozialen Netzwerken
  3. 3. Beispiele in deutschsprachigen Medien
  4. 4. Beispiele aus US-Medien
  5. 5. Methodische Grenzen und Kritik

Begriff und Ziel des Faktenchecks

Ein Faktencheck ist ein journalistisches Konzept zur Überprüfung mündlicher oder schriftlicher Aussagen einer oder mehrerer Personen. Die Aussagen werden recherchierten, objektiv nachprüfbaren Fakten, also Tatsachen, gegenübergestellt. Ziel ist es, den Wahrheitsgehalt einer Aussage anhand nachvollziehbarer Belege zu bewerten. Faktenchecks werden außerdem in der wissenschaftlichen Analyse politischer Prozesse eingesetzt.

Der Begriff wird auch außerhalb des Journalismus verwendet, etwa von Ermittlungsbehörden sowie von gesellschaftlichen Gruppen oder Parteien in ihren eigenen Medien. In solchen Fällen ist jedoch nicht zwingend gewährleistet, dass die verwendeten Belege nachvollziehbar sind.

Faktenchecks in sozialen Netzwerken

Soziale Netzwerke und Suchmaschinen ermöglichen es, Falschnachrichten und digitale Desinformation viral zu verbreiten. Das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv überprüft deshalb irreführende Informationen in sozialen Netzwerken. Meldungen mit großer Reichweite werden einem Faktencheck unterzogen. Dabei prüfen die Rechercheure auch die Quellen und legen die Quellen ihrer Überprüfung offen.

Facebook überprüft die dort verbreiteten Falschmeldungen nicht selbst. Stattdessen arbeitet die Plattform mit weltweit ausgewählten Organisationen zusammen, die vom International Fact-Checking Network (IFCN) zertifiziert sind. Facebook sendet diesen Organisationen automatisch Hinweise auf mögliche Falschinformationen, die besonders häufig gemeldet werden. Die Ergebnisse der Faktenchecks werden mit den ursprünglichen Beiträgen auf Facebook verlinkt. Wird ein Inhalt als komplett oder teilweise falsch erkannt, erscheint direkt unter dem Link zu diesem Inhalt ein entsprechender Hinweis.

Seit der COVID-19-Pandemie haben Desinformationen in sozialen Medien und im Internet zugenommen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung überprüft Falschmeldungen auf der eigenen Webseite.

Beispiele in deutschsprachigen Medien

Mit der wachsenden Bedeutung politischer Talkshows im deutschen Fernsehen nahm auch die Bedeutung von Faktenchecks zu. Die ARD-Sendung hart aber fair war unter Moderator Frank Plasberg die erste deutschsprachige Talkshow, die nach jeder Sendung einen Faktencheck wichtiger Aussagen online anbot. Im US-Wahlkampf 2016 überprüften deutsche Medien außerdem Aussagen aus den Fernsehdebatten der Kandidaten.

Im April 2017 startete die ARD bei tagesschau.de das „Anti-Fake-News-Portal“ Faktenfinder. Es soll ein „Knotenpunkt im ARD-Netzwerk“ sein, um gefälschte Meldungen und ähnliche Phänomene zu sammeln. Auch einzelne ARD-Anstalten, beispielsweise der Bayerische Rundfunk, bieten Faktenchecks als Teil ihrer regulären Berichterstattung an.

In der österreichischen Nachrichtensendung ZiB2 werden während Wahlkämpfen Aussagen der Spitzenkandidaten überprüft. Unregelmäßig werden außerdem stark beachtete oder umstrittene Interviewäußerungen, auch außerhalb der Politik, untersucht. Journalistische Analysen werden dabei mit Untersuchungen von Experten, etwa aus der Sozial- und Wirtschaftswissenschaft, verbunden. Das Ergebnis wird als zusammenfassende Tendenz zum Wahrheitsgehalt angegeben, beispielsweise „wahr“, „eher/überwiegend wahr/unwahr“ oder „falsch“. Faktenchecks des ORF werden häufig von Print- und Onlinemedien aufgegriffen.

Auch das Schweizer Radio und Fernsehen veröffentlicht in Fernsehen, Radio und Online-Angeboten Faktenchecks zu umstrittenen Aussagen. Der Tages-Anzeiger berücksichtigt Analysen verschiedener Medien und beleuchtet aus jedem einbezogenen Medium einen Hauptaspekt. Zu den einzelnen Journalistenanalysen wird jeweils eine zusammenfassende Tendenz zum Wahrheitsgehalt veröffentlicht.

Das Faktencheck-Team der Deutschen Presse-Agentur überprüft je nach Relevanz oder Emotionalisierung eines Themas Behauptungen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Panorama und weiteren Ressorts. Es untersucht auch Aussagen zu Großereignissen mit unklarer Quellenlage. Das Team ist nach den Qualitäts- und Transparenzstandards des International Fact-Checking Network (IFCN) zertifiziert. Correctiv besitzt eine eigenständige Faktencheck-Redaktion, die ebenfalls nach IFCN-Kriterien zertifiziert ist. Sie wählt Themen nach Aktualität, Relevanz und dem möglichen gesellschaftlichen Schaden einer Falschmeldung aus; grundsätzlich können alle öffentlich verfügbaren Beiträge überprüft werden. Seit November 2022 gibt es außerdem das German-Austrian Digital Media Observatory (GADMO), eine von Organisationen aus dem Faktencheck-Bereich gebildete Vereinigung unter Leitung des Instituts für Journalistik an der TU Dortmund.

Beispiele aus US-Medien

Die Washington Post entwickelte ein ausdifferenziertes Bewertungssystem, das den Wahrheitsgehalt von Aussagen in vier Klassen einteilt. Die Skala reicht von „einige Dinge nicht richtig dargestellt“ bis zu „komplett falsch und gelogen“. Diese „Pinocchio Ratings“ gehören zu den bekanntesten Faktenchecks für Politiker und wurden maßgeblich von Redakteur Glenn Kessler entwickelt.

Im Wahlkampf zur US-Präsidentschaftswahl 2016 wurden Unwahrheiten über soziale Medien verbreitet. Gefälschte Nachrichtenseiten wie USA Newsflash trugen dazu bei, dass Barack Obama sich zu diesem Phänomen äußerte. Auch Facebook-Geschäftsführer Mark Zuckerberg nahm entgegen der firmenüblichen Zurückhaltung Stellung und versprach Verbesserungen. Nach einer Studie des Pew Research Center (PEW) lasen 44 Prozent aller US-Amerikaner die Nachrichten, die ihnen ihre persönliche Facebook-Timeline anzeigte.

Der Journalistik-Professor Jeff Jarvis bezeichnete den Faktencheck als eines der wichtigsten Instrumente gegen bewusste Falschmeldungen. Nach der Präsidentschaftswahl 2016 führten viele Medien regelmäßige Faktenchecks ein, um Aussagen der Administration Trump zu überprüfen. Die Nachrichtenagentur Associated Press veröffentlicht seit Trumps Wahl regelmäßig unter der Überschrift Not Real News („Keine echten Nachrichten“, oft übersetzt als „Der Blödsinn der Woche“) eine Liste von Unwahrheiten der US-Regierung.

Der Soziologie-Professor Todd Gitlin wies zugleich auf mögliche Folgen hin: Die aufwendige Überprüfung zahlreicher Aussagen könne journalistische Arbeitszeit binden, die dann für die Berichterstattung über Vorgänge im Regierungsapparat fehle.

Methodische Grenzen und Kritik

Faktenchecks sind besonders bei polarisierenden Themen umstritten. So wurde ein Faktencheck der Talksendung Maischberger zur Sendung Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa am Folgetag als „tendenziös“ kritisiert. Einzelne Kritiker warfen ihm vor, „die Thesen der Autoren zu relativieren“.

Die Stiftung Neue Verantwortung kritisierte im Juli 2018 die Methodik des Faktenchecks. Das Konzept gleiche einer „Feuerwehr ohne Wasser“, weil emotionalisierende Fake News häufig eine größere Reichweite erzielten als die seriösen Informationen der Faktenchecks. Außerdem würden Faktenchecks nur die Symptome der Desinformation behandeln, nicht aber die Gründe, aus denen sie verbreitet werde. Der Gesellschaft den Nährboden für Fake News zu entziehen, sollte deshalb höhere Priorität haben.

Joachim Steinhöfel kritisiert die besondere Stellung und den behaupteten Autoritätsanspruch von Faktencheckern. Sie würden endgültige Urteile über „Wahr“ oder „Unwahr“ fällen, ohne Verantwortung, Rechenschaftspflicht, neutrale Kontrolle, eine festgelegte Möglichkeit zum Widerspruch, einen Ombudsmann oder ein Peer-Review-Verfahren. Nach dieser Kritik kontrolliere jeder Faktenchecker im Wesentlichen nur sich selbst.

Der Amerikanist Michael Butter sieht Faktenchecks vor allem als Mittel zur Selbstbestätigung etablierter Medien und ihres Publikums sowie zur Abgrenzung von Desinformationen und Verschwörungstheorien. Häufig würden Behauptungen überprüft, die von Verschwörungstheoretikern selbst kaum beachtet würden; dadurch könne ihre Sichtbarkeit wachsen. Anhänger von Verschwörungstheorien könnten Faktenchecks zwar lesen, sie aber als zusätzlichen Beleg für ihre Vorstellung verstehen, etablierte Medien würden von geheimen Strippenziehern kontrolliert. Fehler in Faktenchecks könnten anschließend als Beweis für die Richtigkeit dieser Annahmen gelten. Als Beispiel nennt Butter eine missglückte Widerlegung von Behauptungen Seymour Hershs zum Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines in der ARD, bei der aufgrund eines Übersetzungsfehlers von Sprengstoff in „Pflanzenform“ die Rede war.

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