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Eulersche Phi-Funktion

Die Eulersche Phi-Funktion (andere Schreibweise: eulersche φ-Funktion, auch eulersche Funktion genannt) ist eine zahlentheoretische Funktion.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Definition
  2. 2. Einfache Beispiele
  3. 3. Berechnung mit Primfaktoren
  4. 4. Wichtige Eigenschaften und Beziehungen
  5. 5. Bedeutung und Anwendungen

Grundidee und Definition

Die eulersche Phi-Funktion \varphi ist eine zahlentheoretische Funktion. Sie ordnet jeder positiven natürlichen Zahl n die Anzahl der positiven natürlichen Zahlen zu, die höchstens n sind und zu n teilerfremd sind. Zwei Zahlen heißen teilerfremd, wenn ihr größter gemeinsamer Teiler \operatorname{ggT} gleich 1 ist. Der Wert \varphi(n) heißt auch Totient von n.

Formal gilt: \varphi:\mathbb N^+\to\mathbb N^+,\qquad \varphi(n)=\left|\{a\in\mathbb N\mid 1\le a\le n\land\operatorname{ggT}(a,n)=1\}\right|. Gleichwertig lässt sich die Anzahl als Summe schreiben: \varphi(n)=\sum_{\substack{1\le a\le n\\ \operatorname{ggT}(a,n)=1}}1. Der Funktionswert ist zugleich die Anzahl der zu n teilerfremden Reste modulo n. Für n>1 gilt 1\le\varphi(n)<n.

Einfache Beispiele

\varphi(1)=1, denn 1 hat keinen Primfaktor und ist auch zu sich selbst teilerfremd.

Für n=6 sind unter den Zahlen von 1 bis 6 nur 1 und 5 teilerfremd zu 6. Deshalb ist \varphi(6)=2.

Ist p eine Primzahl, so sind alle Zahlen von 1 bis p-1 teilerfremd zu p, aber p selbst nicht. Daher gilt für jede Primzahl: \varphi(p)=p-1. Beispielsweise ist \varphi(13)=12.

Berechnung mit Primfaktoren

Die Phi-Funktion ist multiplikativ: Sind m und n teilerfremd, dann gilt \varphi(m\cdot n)=\varphi(m)\cdot\varphi(n). Zum Beispiel ist \varphi(18)=\varphi(2)\cdot\varphi(9)=1\cdot6=6.

Für eine Primzahlpotenz p^k, wobei k\in\mathbb N^+, sind genau die p^{k-1} Vielfachen von p im Bereich von 1 bis p^k nicht teilerfremd zu p^k. Deshalb: \varphi(p^k)=p^k-p^{k-1}=p^{k-1}(p-1)=p^k\left(1-\frac1p\right). So ist \varphi(16)=\varphi(2^4)=8.

Hat n die kanonische Primfaktorzerlegung n=\prod_{p\mid n}p^{k_p}, dann folgt aus Multiplikativität und der Formel für Primzahlpotenzen: \varphi(n)=\prod_{p\mid n}p^{k_p-1}(p-1)=n\prod_{p\mid n}\left(1-\frac1p\right). Dabei laufen die Produkte über alle Primzahlen p, die n teilen. Für 72=2^3\cdot3^2 ergibt sich etwa \varphi(72)=72\left(1-\frac12\right)\left(1-\frac13\right)=24.

Wichtige Eigenschaften und Beziehungen

\varphi(n) ist die Anzahl der Einheiten im Restklassenring \mathbb Z/n\mathbb Z, also der Restklassen, die ein multiplikatives Inverses besitzen. Eine Restklasse \overline a ist genau dann eine Einheit, wenn a und n teilerfremd sind.

Für n>2 ist \varphi(n) immer gerade. Das Bild der Phi-Funktion, also die Menge ihrer Funktionswerte, hat natürliche Dichte 0: Wenn a_n die Anzahl der Funktionswerte höchstens n bezeichnet, gilt \lim_{n\to\infty}\frac{a_n}{n}=0.

Weitere Formeln sind: \varphi(n)>\frac{\sqrt n}{2};\qquad \text{für ungerades }n\text{ sogar }\varphi(n)\ge\sqrt n. Für n\ge2 gilt: \sum_{\substack{1\le j\le n-1\\\operatorname{ggT}(n,j)=1}}j=\frac n2\varphi(n). Für jedes n\in\mathbb N^+ gilt die Teilersummenformel: \sum_{\substack{d>0\\d\mid n}}\varphi(d)=n. Für n=100 liefern die Teiler 1,2,4,5,10,20,25,50,100 entsprechend die Phi-Werte 1,1,2,4,4,8,20,20,40; ihre Summe ist 100.

Die durchschnittliche Größenordnung von \varphi(n) ist \frac6{\pi^2}n. Genauer: \sum_{n=1}^{N}\varphi(n)=\frac{3}{\pi^2}N^2+\mathcal O(N\log N). Die Dirichlet-erzeugende Funktion lautet \sum_{n=1}^{\infty}\frac{\varphi(n)}{n^s}=\frac{\zeta(s-1)}{\zeta(s)}. Außerdem ist \varphi(n) die diskrete Fourier-Transformation der Folge \operatorname{ggT}(k,n) an der Stelle 1; insbesondere: \varphi(n)=\sum_{k=1}^{n}\operatorname{ggT}(k,n)\cos\left(2\pi\frac{k}{n}\right).

Bedeutung und Anwendungen

Eine zentrale Anwendung ist der Satz von Fermat-Euler. Sind die natürlichen Zahlen a und m teilerfremd, dann gilt \operatorname{ggT}(a,m)=1\Rightarrow m\mid a^{\varphi(m)}-1, also gleichbedeutend \operatorname{ggT}(a,m)=1\Rightarrow a^{\varphi(m)}\equiv1\pmod m. Für eine Primzahl p ist dies der kleine fermatsche Satz: p\nmid a\Rightarrow a^{p-1}\equiv1\pmod p. Der Satz von Fermat-Euler wird unter anderem beim Erzeugen von Schlüsseln für das RSA-Verfahren in der Kryptographie verwendet.

Die Phi-Funktion entscheidet auch über die Konstruierbarkeit regulärer Vielecke mit Zirkel und Lineal: Ein reguläres n-Eck ist genau dann konstruierbar, wenn \varphi(n)=2^m mit m\in\mathbb N eine Zweierpotenz ist. Das ist genau dann der Fall, wenn n das Produkt einer Zweierpotenz und paarweise verschiedener Fermatscher Primzahlen ist. Beispielsweise ist \varphi(85)=\varphi(5)\cdot\varphi(17)=4\cdot16=64; daher ist das reguläre 85-Eck konstruierbar.

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