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Erhart Kästner
Erhart Kästner (* 13. März 1904 in Schweinfurt; † 3. Februar 1974 in Staufen im Breisgau) war ein deutscher Schriftsteller und Bibliothekar.
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Person und Bedeutung
Erhart Kästner (* 13. März 1904 in Schweinfurt; † 3. Februar 1974 in Staufen im Breisgau) war ein deutscher Schriftsteller und Bibliothekar. Bekannt wurde er vor allem durch seine Bücher über Griechenland. Einige davon entstanden während des Zweiten Weltkriegs für Wehrmachtssoldaten und wurden nach 1945 in veränderter Form erneut veröffentlicht.
Wichtig ist Kästner außerdem als Leiter der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Von 1950 bis 1968 baute er diese Bibliothek stark aus und prägte ihr Selbstverständnis als „Bibliotheca illustris“, also als glanzvolle, fürstlich geprägte Bibliothek mit kostbaren Büchern und gelehrtem Studium im Mittelpunkt.
Ausbildung und frühe Laufbahn
Kästners Vater war Gymnasiallehrer. Seine Jugend verbrachte Kästner in Augsburg, wo er das Gymnasium bei St. Anna besuchte. Danach machte er eine Buchhändlerlehre und studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Freiburg im Breisgau, Kiel und Leipzig. Er schloss sein Studium mit einer Promotion ab. Seine Dissertation trug den Titel „Wahn und Wirklichkeit im Drama der Goethezeit“.
Am 10. Mai 1933 wurde seine Dissertation bei der nationalsozialistischen Bücherverbrennung auf dem Schlossplatz in Braunschweig ins Feuer geworfen. Der Grund war eine Verwechslung mit Erich Kästner.
Ab 1930 arbeitete Kästner als Bibliothekar an der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden und leitete dort die Handschriftenabteilung. 1935 richtete er aus dem historischen Manuskriptbestand der Bibliothek ein Buchmuseum ein. Von 1936 bis Ende 1937 war er mit unbezahltem Urlaub Sekretär von Gerhart Hauptmann. Auch nach seiner Rückkehr an die Bibliothek blieb er Hauptmann beratend verbunden.
Nationalsozialismus und Krieg
Am 10. Dezember 1939 beantragte Kästner die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Januar 1940 aufgenommen; seine Mitgliedsnummer war 7.936.245. Im Frühjahr 1940 wurde er eingezogen und bei einer Baukompanie der Luftwaffe in Liegnitz eingesetzt. Dort wurde er zum Gefreiten befördert und absolvierte einen Unteroffizierslehrgang.
Im März 1941 meldete er sich freiwillig zum Kriegseinsatz. Mit Billigung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda wurde er davon freigestellt, für die kämpfende Truppe Bücher über Griechenland zu schreiben. In dem 1942 erschienenen Band „Griechenland“ verherrlichte Kästner den Sieg der nordischen Deutschen als Rückkehr der arischen Rasse in ein angestammtes Südland. Zugleich war seine Sprache literarisch und von Bewunderung für Griechenland geprägt, das er als Wiege europäischer Kultur sah.
Nach dem Krieg erschienen überarbeitete Fassungen seiner Griechenlandbücher im Insel-Verlag, darunter „Kreta“ (1946), „Ölberge, Weinberge“ (1953) und „Griechische Inseln“. In „Ölberge, Weinberge“ beschreibt Kästner auch eine grausame Vergeltungsaktion der deutschen Besatzungsmacht, das Massaker von Distomo, als „planvolle Rache“ und „sinnloses Morden an Frauen, Kindern und Bauern“.
Nach Kriegsende wurde Kästner von britischem Militär auf Rhodos unter dem Verdacht geheimdienstlicher Tätigkeit verhaftet. Er verbrachte zwei Jahre als Kriegsgefangener in Nordafrika. Über seinen Aufenthalt in einem Lager im ägyptischen Fayid schrieb er das „Zeltbuch von Tumilat“.
Wolfenbüttel und spätere Jahre
Von 1950 bis 1968 war Kästner Direktor der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Unter seiner Leitung wurde sie zu einer „Bibliotheca illustris“ ausgebaut. Kästner verstand darunter eine Bibliothek, in der der kostbare Buchbestand und dessen Studium durch ausgewählte Gelehrte im Zentrum stehen. Die allgemeine Bibliotheksbenutzung war in diesem Konzept nicht vorgesehen.
1954 heiratete Kästner die Restauratorin Anita Vogel (1924–2011). Nach seiner Pensionierung zog er nach Staufen im Breisgau. Dort befindet sich auch sein Grab.
Kästners Nachlass befindet sich seit 1984 in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Er umfasst mehr als 17.000 Blätter mit Werkmanuskripten und mehr als 6000 Briefe.
Lange galt Kästner als einer der „leisen“ Schriftsteller der deutschen Nachkriegszeit. Seine stilistisch sorgfältige Prosa passte nach Darstellung des Artikels in den fünfziger und sechziger Jahren zum Wunsch nach Verdrängung. Sein Biograf Arn Strohmeyer deutet Kästners Satz „Über das Dunkle ist zu schweigen“ als programmatisch. Seine erste Biografin Julia Hiller von Gaertringen nimmt ihn dagegen vielfach in Schutz. Kästner war eng mit Martin Heidegger befreundet und bestärkte ihn in einer abwiegelnden Haltung zu persönlichen Verfehlungen während der Zeit des Nationalsozialismus.
Werke, Ehrungen und Zitate
Zu Kästners wichtigen Veröffentlichungen zählen „Griechenland. Ein Buch aus dem Kriege“ (1942), „Kreta“ (1946), „Zeltbuch von Tumilad“ (1949; überarbeitet als „Zeltbuch von Tumilat“, 1974), „Ölberge, Weinberge. Ein Griechenlandbuch“ (1953), „Die Stundentrommel vom heiligen Berg Athos“ (1956), „Die Lerchenschule“ (1964), „Aufstand der Dinge“ (1971) und „Offener Brief an die Königin von Griechenland. Beschreibungen, Bewunderungen“ (1972). Nach seinem Tod erschienen unter anderem Sammlungen, Briefe und Briefwechsel, darunter der „Martin Heidegger – Erhart Kästner, Briefwechsel 1953–1974“ (1986).
Kästner war seit dem 6. Oktober 1942 Mitglied der Reichsschrifttumskammer. Er erhielt 1955 den Förderungspreis zum Immermann-Preis der Stadt Düsseldorf und 1957 den Literaturpreis der Stadt Köln. Außerdem war er Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
Die im Artikel angeführten Zitate zeigen typische Themen seiner Prosa: In „Aufstand der Dinge“ beschreibt Kästner die Vorstellung, dass Dinge durch die menschliche Mühe um sie „Leben“ erhalten und durch mühelose Herstellung dieses Leben verlieren. In „Ölberge, Weinberge“ heißt es: „Am Schluß ist das Leben nur eine Summe aus wenigen Stunden, auf die man zulebte. Sie sind; alles andere ist nur ein langes Warten gewesen.“