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Erdölleitung Freundschaft
Die Pipeline wurde von 1959 bis 1964 von den damaligen RGW-Staaten errichtet. Sie beginnt in Almetjewsk in Tatarstan und gabelt sich bei Masyr in Belarus in …
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Überblick
Die Erdölleitung Freundschaft, auch Druschba-Pipeline genannt, ist ein Pipelinesystem für Rohöl aus Russland zu Raffinerien in Ost- und Mitteleuropa. Sie wurde von 1959 bis 1964 durch die damaligen Staaten des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) gebaut. Ihr Ausgangspunkt liegt in Almetjewsk in Tatarstan; später wurde sie zu den westsibirischen Ölfeldern in der Oblast Tjumen verlängert.
Bei Masyr in Belarus teilt sich das System in einen Nord- und einen Südstrang. Bis Schwedt beträgt die Länge 5327 Kilometer, die Gesamtlänge von Druschba I und II 8900 Kilometer. Seit 2023 ist der Nordstrang nach Polen und Deutschland für russisches Öl weitgehend außer Betrieb, während Ungarn und die Slowakei weiterhin über den Südstrang beliefert wurden.
Verlauf, Kapazität und angeschlossene Raffinerien
Der Nordstrang führt von Masyr durch Polen bis nahe Schwedt/Oder zur heutigen PCK-Raffinerie. Er besteht aus zwei parallel verlaufenden Rohren. Der Südstrang führt durch die Ukraine und teilt sich nahe dem Dreiländereck Ukraine–Ungarn–Slowakei erneut: Sein Nordzweig verläuft durch die Slowakei nach Tschechien, sein Südzweig durch Ungarn und ist mit der Adria-Pipeline verbunden.
Die Transportkapazität wird mit etwa 1,2 bis 1,4 Millionen Barrel täglich angegeben; andere Quellen nennen Lieferungen von bis zu 1,9 Millionen Barrel pro Tag. Betreiber ist Transneft, in Belarus Gomel Transneft und in Polen PERN. Bei Unetscha in Russland zweigt BTS-2 zum Ostseehafen Ust-Luga ab.
Angeschlossen sind die Raffinerien Mozyr und Naftan in Belarus, Płock und Danzig in Polen, Slovnaft in Bratislava, Litvínov und Kralupy in Tschechien sowie Duna in Ungarn. In Deutschland zählen Unternehmen in Schwedt, Böhlen und Leuna zu den Abnehmern.
Bau und Entwicklung in der DDR
Der RGW beschloss den Bau am 11. Dezember 1958 auf seiner X. Tagung in Prag. Am 17. Juli 1963 erreichte die Leitung das damalige Erdölverarbeitungswerk in Schwedt an der Oder, die heutige PCK-Raffinerie. Walter Ulbricht eröffnete sie am 18. Dezember 1963 offiziell.
Nach fünf Jahren war die erste Leitung an ihrer Kapazitätsgrenze. Deshalb wurde Družba-2 mit einem Innendurchmesser von bis zu 1220 Millimetern geplant und 1974 parallel zu Družba-1 verlegt; die letzte Strecke in der DDR ging 1981 in Betrieb. Die DDR bezahlte sowjetisches Erdöl über Tauschhandel und verkaufte daraus hergestellte Erdölprodukte auf dem Weltmarkt gegen Devisen. Nach der ersten Ölpreiskrise erhöhte die Sowjetunion in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre ihre Preise für osteuropäische Abnehmer. Anfang der 1980er Jahre verringerte sie die jährliche Rohöllieferung an die DDR von 19 auf 17 Millionen Tonnen.
Politische Konflikte und technische Störungen
Im russisch-belarussischen Energiestreit stellte Transneft am 8. Januar 2007 den Beginn der Pipeline vorübergehend ab. Damit sollte Belarus zur Rücknahme einer geplanten Transitsteuer für Öltransporte in den Westen bewegt werden. Betroffen waren besonders Polen, Tschechien, Ungarn und Deutschland. Nach zwei Tagen nahm Belarus die Steuer zurück; am nächsten Morgen floss wieder Öl nach Deutschland. Die deutsche Bundesregierung sah darin einen Anlass, die Abhängigkeit von Russland zu verringern, das damals etwa ein Fünftel des deutschen Bedarfs deckte und die Energiecharta von 1994 nicht ratifiziert hatte.
Während des Kalistreits zwischen Uralkali und Belaruskali kürzte Russland 2013 die Lieferungen um ein Viertel; als Größenordnung werden 400.000 Tonnen pro Monat genannt, begründet wurde dies mit Wartungsarbeiten. Im April 2019 wurden Lieferungen gestoppt, weil die Grenzwerte für organisches Chlor(id) um das Zehnfache überschritten waren. Dieser Stoff wird bei der Ölförderung zugesetzt und muss vor dem Transport herausgefiltert werden.
Am 12. Oktober 2022 wurde rund 70 Kilometer von Płock ein Leck in der nach Deutschland führenden Hauptleitung entdeckt und die Durchleitung angehalten. Ein weiteres Leck bei Chodecz führte am 5. August 2023 erneut zur Einstellung des Transports.
Folgen des Kriegs gegen die Ukraine
Nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 und den folgenden Sanktionen endete ab Januar 2023 die Einfuhr russischen Öls über die Pipeline nach Deutschland und Polen. Bis 2022 waren jährlich etwa 22 Millionen Tonnen westsibirisches Öl nach Schwedt gelangt; die PCK verarbeitete davon etwa 12 Millionen Tonnen. Russland erlaubte ab Mitte 2023 jedoch den Transit kasachischen Öls nach Deutschland: 993.000 Tonnen im Jahr 2023 und 1,5 Millionen Tonnen 2024. Ungarn und die Slowakei wurden wegen einer Sanktionsausnahme weiterhin über den durch die Ukraine führenden Südstrang versorgt.
Im August 2025 griffen ukrainische Streitkräfte nach den Angaben im Artikel mehrfach Pump- und Ölanlagen an, darunter die Pumpstation Unetscha in der Oblast Brjansk. Dadurch war der Ölfluss nach Ungarn und in die Slowakei zeitweise unterbrochen. Auch Anlagen in Ust-Luga fielen zeitweise aus. Anfang Dezember 2025 meldete das ukrainische Militär einen weiteren Angriff auf die Leitung in der russischen Region Tambow; Reuters bezeichnete ihn als fünften Angriff. Ungarn und die Slowakei kritisierten die Angriffe scharf.
Im Januar 2026 wurde die Pipeline laut Artikel in einem nicht von Russland besetzten Gebiet der Ukraine von Russland beschädigt und stillgelegt. Die Ukraine erklärte am 22. April 2026 die Reparatur für abgeschlossen; am Morgen des 23. April erreichte Öl wieder die Slowakei. Ungarn und die Slowakei gaben danach ihren Widerstand gegen einen EU-Kredit für die Ukraine auf, obwohl Orbán und Fico zuvor bezweifelt hatten, dass die Pipeline tatsächlich beschädigt gewesen sei. Ebenfalls am 22. April kündigte Russland an, die Durchleitung kasachischen Öls nach Deutschland auf dem Nordstrang ab Mai 2026 einzustellen.