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Entlassungsproduktivität
Entlassungsproduktivität ist ein wirtschaftswissenschaftlicher Begriff zur Beschreibung des Phänomens, dass die durchschnittliche Arbeitsproduktivität eines …
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Begriff und Grundidee
Entlassungsproduktivität ist ein wirtschaftswissenschaftlicher Begriff. Er beschreibt das Phänomen, dass die durchschnittliche Arbeitsproduktivität eines Unternehmens unter bestimmten Umständen steigt, nachdem Mitarbeiter entlassen worden sind. Arbeitsproduktivität meint dabei, wie viel Leistung oder Ertrag im Durchschnitt pro beschäftigter Person erbracht wird.
Der Begriff ist umstritten, weil er eine Produktivitätssteigerung mit Entlassungen verbindet. Dadurch kann der Eindruck entstehen, Arbeitsplatzverlust werde als betriebswirtschaftlicher Erfolg dargestellt.
Öffentliche Kritik am Ausdruck
In Deutschland wurde Entlassungsproduktivität zum Unwort des Jahres 2005 gewählt. Der Jury-Vorsitzende Horst Dieter Schlosser erklärte bei der Bekanntgabe, dass Vorschläge aus der Wirtschaft zugenommen hätten, mit denen Managements „beschönigen und verschleiern“.
Nach Ansicht der Jury verschweigt der Begriff schädliche Folgen von Arbeitslosigkeit. Außerdem verdecke er die Mehrbelastung der Beschäftigten, die nach Entlassungen im Unternehmen bleiben.
Verwendung in Wirtschaft und Politik
Der Begriff wurde in der Metall-Tarifrunde von Arbeitgeberseite verwendet. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser nutzte ihn mehrfach, unter anderem in der FAZ. Laut Artikel sei der Terminus inzwischen Bestandteil der Betriebswirtschaftslehre.
Gerhard Schröder hatte die Wortschöpfung schon 1998 kritisiert. Trotz der öffentlichen Aufmerksamkeit tauchte das Wort 2005 insgesamt nur fünfmal in der überregionalen Presse auf.
Unterschiedliche Bewertungen
Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut, ein Vertreter der Angebotspolitik, bewertete die Wahl zum Unwort positiv, aber aus einem anderen Grund als Kritiker des Begriffs. Er sagte, Entlassungsproduktivät mache deutlich, dass Lohnsteigerungen in Deutschland in der Vergangenheit viel zu hoch gewesen seien. Wörtlich beschrieb er sie als „Zunahme der gemessenen Arbeitsproduktivität, die dadurch hervorgerufen wird, dass überhöhte Lohnsteigerungen die relativ unproduktiven Arbeitsplätze vernichten und nur die produktiveren übrig lassen.“
Der keynesianische Ökonom Rudolf Hickel vom Institut Arbeit und Wirtschaft bewertete die Wahl ebenfalls positiv, kritisierte aber die Einseitigkeit von Strukturanpassungen zu Lasten der Arbeit. Er sah in der Wortwahl Zynismus, weil sie nahelege, „dass durch Entlassungen auch noch die Arbeitsproduktivität steigen soll“. Den dahinter angenommenen ökonomischen Zusammenhang hielt er für nicht haltbar.
Kritik an der Jury kam von Rolf Kroker vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Er nannte Entlassungsproduktivität keinen problematischen Ausdruck, sondern einen Fachbegriff, der ein Problem prägnant beschreibe. Auch ein Sprecher von Gesamtmetall verteidigte den Ausdruck als etablierten wirtschaftswissenschaftlichen Fachausdruck, der auch vom Sachverständigenrat zur Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung verwendet werde.
Typische Zitate
Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall formulierte 1998: „Die hohe Entlassungsproduktivität kann aber keine ökonomische Rechtfertigung für eine weitere Verteuerung der Arbeitskosten sein.“
Gerhard Schröder kritisierte den Begriff in einer Wahlkampfrede im August 1998: „Entlassungsproduktivität ist die dümmste, weil kurzsichtigste Variante von Produktivitätssteigerung, zudem eine Lösung auf Kosten Dritter, nämlich des Steuerzahlers. Eine schöpferische Leistung vermag ich darin nicht zu erkennen.“
Stephan Kaufmann schrieb 2004 in der Berliner Zeitung, Konzerne könnten mit Einsparungen und Rationalisierungen vielleicht ihre Produktivität, besonders die „Entlassungsproduktivität“, erhöhen und den Gewinn stützen. Die Stimmung der Verbraucher, also der Arbeitnehmer, werde so aber bestimmt nicht steigen.