Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Einkommensungleichheit in Kroatien

Der Gini-Koeffizient Kroatiens betrug im Jahr 2015 0,304, womit das Einkommen im Weltvergleich relativ egalitärer verteilt ist. Das Verhältnis der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und Bedeutung
  2. 2. Einkommensarten und Umverteilung
  3. 3. Indikatoren von 2010 bis 2017
  4. 4. Historische Datenlage
  5. 5. Entwicklung nach der Transition

Kernidee und Bedeutung

Die Einkommensverteilung in Kroatien beschreibt, wie Einkommen innerhalb der kroatischen Bevölkerung verteilt sind. Besonders wichtig ist die personelle Einkommensverteilung: Sie betrachtet, wie das Einkommen einer Volkswirtschaft auf einzelne Personen oder Gruppen, zum Beispiel Privathaushalte, entfällt.

Für die Deutung solcher Daten muss genau beachtet werden, welche Einkommensart gemeint ist. Der Artikel unterscheidet unter anderem Bruttoeinkommen, Einkünfte, zu versteuerndes Einkommen, Nettoeinkommen und verfügbares Einkommen. Diese Begriffe sind nicht austauschbar, weil sie unterschiedliche Stufen vor oder nach Steuern, Abgaben und Transfers beschreiben.

Ein zentraler Messwert ist der Gini-Koeffizient. Er misst Ungleichheit: Je niedriger der Wert, desto gleichmäßiger ist das Einkommen verteilt. Für Kroatien betrug der Gini-Koeffizient im Jahr 2015 0,304. Damit war das Einkommen im Weltvergleich relativ egalitär verteilt. Das Verhältnis der Einkommen der obersten 20 Prozent zu denen der untersten 20 Prozent betrug 5. Zugleich waren 21,4 % der kroatischen Bevölkerung armutsgefährdet und 26,4 % von sozialer Ausgrenzung bedroht.

Einkommensarten und Umverteilung

Die Art und Zusammenfassung des Einkommens ist entscheidend dafür, wie Ungleichheitsindikatoren interpretiert und zwischen Ländern oder Zeitpunkten verglichen werden können.

Das Primäreinkommen, auch Markteinkommen genannt, entsteht im Marktprozess. Dazu gehören Einkommen aus unselbständiger und selbstständiger Arbeit, Geschäftstätigkeit, Vermietung und Kapital, jeweils vor Steuern und Abgaben.

Das Sekundäreinkommen entsteht nach staatlicher und privater Umverteilung. Dabei werden Sozialabgaben, direkte Steuern sowie öffentliche Transfers wie Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld und private Transfers wie Unterhalt berücksichtigt. Die sekundäre Einkommensverteilung zeigt also stärker, wie viel Einkommen den Menschen nach Umverteilung tatsächlich zur Verfügung steht.

Indikatoren von 2010 bis 2017

Zwischen 2010 und 2017 ging die Einkommensungleichheit in Kroatien insgesamt zurück. Der Gini-Koeffizient fiel von 31,6 % beziehungsweise 0,316 im Jahr 2010 auf 29,9 % beziehungsweise 0,299 im Jahr 2017. Das S80/S20-Verhältnis, also das Verhältnis der Einkommen der obersten 20 Prozent zu denen der untersten 20 Prozent, sank ebenfalls von 5,5 auf 5,0.

Die Armutsindikatoren entwickelten sich jedoch nicht einheitlich. Der Anteil der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Personen sank von 31,1 % im Jahr 2010 auf 26,4 % im Jahr 2017. Die Armutsgefährdungsquote stieg dagegen im selben Zeitraum von 19,6 % auf 21,4 %.

Für 2015 zeigt die Einkommensverteilung nach Quintilen, also nach fünf gleich großen Bevölkerungsgruppen, deutliche Unterschiede. Das erste Quintil, die einkommensschwächsten 20 %, erhielt 7,3 % des verfügbaren Einkommens. Das zweite Quintil erhielt 13,1 %, das dritte 17,9 %, das vierte 23,5 % und das fünfte Quintil, die einkommensstärksten 20 %, 38,1 %.

Auch Armutsmaße auf Basis von Kaufkraftparität werden genannt. 2015 betrug der Armutsanteil am US$ 2 pro Tag Level in PPP 2,24 % und am US$ 5,5 pro Tag Level in PPP 5,8 %. Die relative Armutslücke betrug 0,40 % am US$ 1,25 (PPP)/Tag Level und 0,86 % am US$ 2 (PPP)/Tag Level.

Historische Datenlage

Die wissenschaftliche Untersuchung der Einkommensungleichheit zwischen Haushalten und Einzelpersonen war in Kroatien lange vergleichsweise schwach entwickelt. In der sozialistischen Zeit lag der Fokus stärker auf der Einkommensverteilung zwischen Industriezweigen und Gruppen. Die Verteilung des Wohlergehens in der Bevölkerung wurde nur in einzelnen wissenschaftlichen Beiträgen untersucht.

Im ehemaligen Jugoslawien wurde alle fünf Jahre eine Umfrage zum Haushaltsverbrauch durchgeführt. Für Kroatien konnten Daten aus den Jahren 1973, 1978, 1983 und 1988 genutzt werden. Nach 1998 versuchte die Weltbank im Rahmen einer Haushaltsumfrage Daten zu Ungleichheit und Armut in Kroatien zu erheben. Diese Daten waren aber wegen des Jugoslawienkriegs nicht vollständig repräsentativ, da stärker vom Krieg betroffene Gebiete unterrepräsentiert waren. Dadurch wurde die Ungleichheit vermutlich stark unterschätzt.

Für Kroatien wird für 1988 ein Gini-Koeffizient von 0,29 genannt. Dieser Wert erscheint im Vergleich zu anderen Ländern der Region plausibel. Als Erklärung werden marktfähigere Elemente der kroatischen Wirtschaft und eine stärkere Liberalisierung gegenüber anderen sozialistischen Volkswirtschaften genannt.

Die historischen Werte zeigen keine extreme Veränderung: Der Gini-Index lag 1973 bei 0,300, 1978 bei 0,294, 1983 bei 0,271, 1988 bei 0,286 und 1998 bei 0,297. Zusätzlich nennt der Artikel Theil-Index und Atkinson-Index als weitere Ungleichheitsmaße.

Entwicklung nach der Transition

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und während des Jugoslawienkriegs Anfang der 1990er Jahre wandelten sich ehemalige Ostblockländer von teilweise zentral geplanten sozialistischen Wirtschaften zu Marktwirtschaften. Dieser Liberalisierungsprozess führte allgemein zu einem Anstieg der Einkommensungleichheit.

In Transitionsökonomien stieg der durchschnittliche Gini-Koeffizient von 0,26 im Jahr 1989 auf fast 0,35 Ende der 1990er Jahre. In den Nachfolgerstaaten der UdSSR beziehungsweise der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten stieg die Ungleichheit schneller und erreichte 1996 mit einem Gini-Koeffizienten von 0,43 einen Höhepunkt.

Kroatien entwickelte sich dagegen relativ stabil. Die Einkommensungleichheit bewegte sich zwischen etwa 0,28 und 0,30. Diese Werte lagen leicht über denen der CEEC-5, aber unter denen der EU-25 und unter dem Durchschnitt der Transitionsländer.

Mitte der 1990er Jahre kam es in Kroatien zu institutionellen Veränderungen am Arbeitsmarkt. 1992 wurde der erste nationale Kollektivvertrag unterzeichnet, 1995 ein neues Arbeitsgesetz eingeführt. 2003 verlor der Staat sein Monopol in der Jobvermittlung, und weitere Liberalisierungsmaßnahmen folgten.

Der Artikel beschreibt einen negativen Zusammenhang zwischen Lohnquote und Einkommensungleichheit: Je höher der Anteil des Lohneinkommens am BIP, desto niedriger der Gini-Koeffizient. Auch eine höhere Dichte von Kollektivverträgen und eine höhere Gewerkschaftsdichte stehen in Transitionsländern einschließlich Kroatien mit niedrigerer Einkommensungleichheit in Zusammenhang. Neben Steuer- und Arbeitsmarktpolitik wird auch Bildung als wichtiger Faktor genannt. Dem kroatischen Bildungssystem wird wegen unterdurchschnittlicher Abschlüsse auf allen Levels ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

Weiterlesen

Einkommensverteilung 1 Allgemeines · 2 Arten. 2.1 Personelle Einkommensverteilung. 2.1.1 Darstellung mittels Gini-Koeffizient · 3 Nettoeinkommen · 4 Verfügbare Einkommen · 5 … Einkommen ... Naturaleinkommen eines Wirtschaftssubjekts ... Nettonationaleinkommen (früher Nettosozialprodukt) ist das Bruttonationaleinkommen abzüglich der Abschreibungen. Arbeitsentgelt Das Arbeitsentgelt ist die Gegenleistung des Arbeitgebers aus einem Arbeitsvertrag für die vom Arbeitnehmer erbrachten Arbeitsleistungen. Nettoeinkommen Das Nettoeinkommen (englisch net income) eines Privathaushalts ist dasjenige Einkommen, das nach Abzug bestimmter Ausgaben vom Bruttoeinkommen übrig bleibt. Gini-Koeffizient Der Gini-Koeffizient oder auch Gini-Index ist ein statistisches Maß für die Ungleichverteilungen in einer Gruppe, das vom italienischen Statistiker Corrado … Umverteilung Als Umverteilung wird in der Wirtschafts- und Sozialpolitik der Prozess oder die Wirkung finanz- oder sozialpolitischer Maßnahmen und Entwicklungen … Kaufkraftparität Wenn Kaufkraftparität zwischen zwei Ländern herrscht, so ist der reale Wechselkurs gleich eins. Kaufkraftparität (KKP) ist das makroökonomische Gegenstück zum … Schwellenland Als Schwellenland (auch: Zweite Welt) werden speziell in der Entwicklungspolitik und Entwicklungstheorie jene Staaten bezeichnet, die sich im Prozess der … Korrelation Die Maßzahlen der Korrelation liegen betragsmäßig meist in einem Bereich von Null (kein Zusammenhang) bis Eins (starker Zusammenhang). · Ein Beispiel für eine …