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Edward Teller
Teller war einer der Mitbegründer des Kernwaffen-Forschungszentrums Lawrence Livermore National Laboratory und mehrere Jahre lang zunächst dessen Leiter, später …
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Bedeutung und Grundprofil
Edward Teller, deutsch Eduard Teller, ungarisch Teller Ede, wurde am 15. Januar 1908 in Budapest geboren und starb am 9. September 2003 in Stanford, Kalifornien. Er war ein österreichisch/ungarisch-US-amerikanischer Physiker und arbeitete auf vielen Gebieten der Physik. Öffentlich wurde er vor allem als „Vater der Wasserstoffbombe“ bekannt, eine Bezeichnung, die er selbst ablehnte.
Teller war eine Schlüsselfigur der Kernforschung im 20. Jahrhundert. Er arbeitete am Manhattan-Projekt mit, das im Zweiten Weltkrieg die ersten Atombomben entwickelte, und setzte sich früh für fusionsbasierte Nuklearwaffen ein. Während viele seiner früheren Kollegen später vor dem nuklearen Wettrüsten warnten, befürwortete Teller weitere Forschung an Kernwaffen, weil er besonders die Sowjetunion und den Kommunismus als Bedrohung ansah. Er war Mitbegründer des Lawrence Livermore National Laboratory und wurde später auch durch umstrittene Vorschläge wie zivile Kernwaffenexplosionen und die Strategic Defense Initiative bekannt.
Ausbildung und Emigration
Teller stammte aus einer wohlhabenden, assimilierten jüdischen Familie in Budapest. Sein Vater Max Teller war Rechtsanwalt, seine Mutter Ilona Deutsch Teller Pianistin. Als Kind wuchs er mit Ungarisch und Deutsch auf. Nach Privatunterricht besuchte er ein angesehenes Gymnasium in Budapest. Früh interessierte er sich für Mathematik, auch wenn schlechte Erfahrungen mit einem Mathematiklehrer dieses Interesse zeitweise schwächten.
Nach dem Schulabschluss 1925 wollte Teller Mathematik studieren, begann aber auf Wunsch seines Vaters zunächst Chemieingenieurwissenschaften. 1926 wechselte er an die Technische Hochschule Karlsruhe, wo er neben Chemie auch Mathematik und Physik hörte und starkes Interesse an der Quantenmechanik entwickelte. Später wechselte er zur Physik, studierte kurz in München bei Arnold Sommerfeld und ging 1928 nach Leipzig zu Friedrich Hund und Werner Heisenberg. 1930 promovierte er über die quantenmechanische Beschreibung des ionisierten Wasserstoffmoleküls.
Nach Hitlers Machtübernahme 1933 verließ Teller Deutschland wegen der beginnenden Judenverfolgung. Er ging zunächst nach England, dann mit einem Rockefeller-Stipendium nach Kopenhagen zu Niels Bohr. Am 26. Februar 1934 heiratete er Augusta Maria „Mici“ Harkanyi. 1935 folgte er George Gamow in die USA und arbeitete an der George Washington University. 1941 wurde Teller US-Staatsbürger und konzentrierte sich zunehmend auf Kernphysik, also auf Kernspaltung und Kernfusion.
Manhattan-Projekt und Wasserstoffbombe
Nach der Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn und Fritz Straßmann 1938 wurde deutlich, dass bei der Spaltung von Uran große Energiemengen freiwerden können. Leó Szilárd informierte Teller 1939 darüber, dass bei der Uranspaltung viele Neutronen entstehen und damit eine Kettenreaktion möglich sei. Teller arbeitete daraufhin an der Columbia University mit Enrico Fermi und Szilárd an einem Nuklearreaktor. Er fuhr Szilárd zu Albert Einstein, damit Einstein den Brief an Präsident Franklin D. Roosevelt unterschreiben konnte, der vor einer möglichen deutschen Uranbombe warnte und die US-Kernforschung förderte.
1942 wurde Teller in das spätere Manhattan-Projekt einbezogen. In Los Alamos arbeitete er in der theoretischen Physik. Er interessierte sich jedoch früh für eine noch stärkere Waffe auf Grundlage der Kernfusion, die er „Superbombe“ nannte. Kernspaltung bedeutet die Teilung schwerer Atomkerne; Kernfusion bedeutet die Verschmelzung leichter Atomkerne. Tellers starkes Interesse an der Wasserstoffbombe führte zu Spannungen, weil die Entwicklung der Spaltungsbombe bereits äußerst schwierig war. Trotzdem half er unter anderem bei der Erklärung der Implosion mit, also des Zusammenpressens von Spaltmaterial zur Auslösung einer Kernexplosion.
Nach dem ersten sowjetischen Atomwaffentest 1949 ordnete Präsident Harry S. Truman ein Schnellprogramm zur Entwicklung der Wasserstoffbombe an. Teller kehrte 1950 nach Los Alamos zurück. Zusammen mit Stanislaw Ulam entstand 1951 der erste arbeitsfähige Entwurf, das Teller-Ulam-Design. Dabei werden Spaltungs- und Fusionskomponenten getrennt, und die Strahlung der Kernspaltung komprimiert den Fusionsbrennstoff vor der Zündung. Die genauen Anteile von Teller und Ulam sind umstritten: Manche betonten Ulams Beitrag, andere sahen den entscheidenden Durchbruch bei Teller. Am 1. November 1952 wurde mit Ivy Mike der erste thermonukleare Sprengsatz nach diesem Prinzip gezündet.
Konflikte, Politik und Kontroversen
1954 sagte Teller in den Sicherheitsanhörungen gegen Robert Oppenheimer aus, den früheren Leiter von Los Alamos. Oppenheimer hatte sich für Rüstungskontrolle ausgesprochen und geriet in der McCarthy-Ära unter politischen Druck. Teller erklärte zwar, er halte Oppenheimer nicht für illoyal, sagte aber, er würde sich sicherer fühlen, wenn öffentliche Angelegenheiten in anderen Händen lägen, und sprach sich gegen eine weitere Sicherheitsfreigabe aus. Oppenheimer verlor daraufhin seine Sicherheitsbescheinigung. Viele Wissenschaftler verurteilten Tellers Verhalten und mieden danach die Zusammenarbeit mit ihm.
Teller blieb dagegen in militärischen und konservativen Regierungskreisen einflussreich. In den 1960er-Jahren bekämpfte er ein teilweises Testverbot von Nuklearwaffen und trat weiter für Kernwaffenforschung, Atomwaffentests und nukleare Energiequellen ein. Gleichzeitig beteiligte er sich an Sicherheitsstandards für Atomreaktoren und am TRIGA-Reaktor von General Atomics, bei dem eine Kernschmelze hypothetisch unmöglich sein sollte. 1975 ging er in Pension, blieb aber als emeritierter Direktor des Livermore Laboratory und Senior Research Fellow am Hoover Institut aktiv.
Teller war auch ein Befürworter ziviler Kernwaffenexplosionen im Rahmen von Operation Plowshare. Besonders umstritten war Operation Chariot: Mit mehreren thermonuklearen Sprengungen sollte in Alaska ein künstlicher Tiefwasserhafen geschaffen werden. Das Projekt wurde 1962 wegen finanzieller Unsicherheit und gesundheitlicher Bedenken durch Radioaktivität aufgegeben. 1979 verteidigte Teller nach dem Unfall im Kernkraftwerk Three Mile Island die Kernenergie und machte in einem Wall-Street-Journal-Artikel die Anti-Atomkraft-Aktivistin Jane Fonda für seinen Herzinfarkt verantwortlich. 1983 erhielt er die National Medal of Science und unterstützte in den 1980er-Jahren stark die Strategic Defense Initiative, ein Raketenabwehrprogramm mit Laser- und Satellitentechnik. Später wurde kritisiert, dass Teller und Lowell Wood technische Schwierigkeiten des Programms heruntergespielt hätten.
Wissenschaftliche Leistungen
Neben seiner Rolle in der Rüstungsforschung leistete Teller wichtige Beiträge zur Grundlagenphysik. In der Kern- und Molekularphysik arbeitete er unter anderem zur Theorie des Wasserstoffmolekül-Ions. In der Spektroskopie sind der Jahn-Teller-Effekt und der Renner-Teller-Effekt mit seinem Namen verbunden. Der Jahn-Teller-Effekt beschreibt die Verzerrung der Geometrie des Ligandenfelds bestimmter oktaedrischer Komplexverbindungen entlang einer Raumachse.
Gemeinsam mit George Gamow erweiterte Teller Fermis Theorie des Betazerfalls durch den Gamow-Teller-Übergang. Mit Maurice Goldhaber formulierte er die Theorie der Dipol-Riesenresonanz. Auch die Brunauer-Emmett-Teller-Theorie, kurz BET-Theorie, trägt seinen Namen. Außerdem arbeitete Teller zur Thomas-Fermi-Theorie, einem Vorläufer der Dichtefunktionaltheorie, die zur Berechnung der Eigenschaften von Vielelektronensystemen in Molekülen und Festkörpern dient. 1953 veröffentlichte er mit Nicholas Metropolis, Marshall Rosenbluth, Augusta H. Teller und Arianna W. Rosenbluth einen Artikel, der als Ausgangspunkt der Monte-Carlo-Simulation in der statistischen Mechanik gilt.
Spätere Wahrnehmung und Ehrungen
Tellers öffentliches Bild war stark gespalten. Einerseits galt er als sehr fähiger Physiker und einflussreicher Berater der US-Regierung. Andererseits wurde er wegen seines Eintretens für Nuklearwaffen, seiner Aussage gegen Oppenheimer und seiner kontroversen politischen Auftritte kritisiert. Er wurde als mögliches Vorbild für die Figur Dr. Strangelove in Stanley Kubricks Film Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben genannt, was Teller selbst entschieden zurückwies. 1991 erhielt er satirisch den Ig-Nobelpreis für „lebenslange Bemühungen, die Bedeutung des Begriffs Frieden, wie wir ihn verstehen, zu verändern“.
Teller wurde vielfach ausgezeichnet. Er war Fellow der American Association for the Advancement of Science, Mitglied der National Academy of Sciences seit 1948, der American Academy of Arts and Sciences seit 1954 und der American Nuclear Society. Er erhielt unter anderem den Albert Einstein Award, den Enrico-Fermi-Preis, die National Medal of Science und kurz vor seinem Tod die Presidential Medal of Freedom. 1992 wurde der Asteroid (5006) Teller nach ihm benannt. Nach dem Ende des Kommunismus besuchte Teller Ungarn mehrfach wieder und verfolgte die dortige politische Entwicklung.