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Die Verwandlung

Die Verwandlung ist eine im Jahr 1912 entstandene Erzählung von Franz Kafka. Die Geschichte handelt von Gregor Samsa, dessen plötzliche Verwandlung in ein …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Veröffentlichung
  2. 2. Handlungsverlauf
  3. 3. Figuren und Beziehungen
  4. 4. Erzählweise, Verwandlung und Symbole
  5. 5. Deutungen und literarische Bezüge
  6. 6. Rezeption und Bearbeitungen

Gegenstand und Veröffentlichung

Die Verwandlung ist eine 1912 entstandene Erzählung von Franz Kafka. Im Mittelpunkt steht Gregor Samsa, der eines Morgens feststellt, dass er sich in ein „ungeheueres Ungeziefer“ verwandelt hat. Die Verwandlung wird innerhalb der Handlung als Tatsache behandelt; ihre Ursache wird nicht erklärt. Gregor bleibt zunächst innerlich weitgehend derselbe Mensch, kann sich aber äußerlich und später auch in seinem Verhalten immer weniger wie ein Mensch bewegen und verständlich mitteilen.

Die Erzählung zeigt, wie Gregors Verwandlung seine Stellung in der Familie verändert. Zuvor war er als Handelsreisender und Tuchhändler der alleinige Ernährer und arbeitete seit fünf Jahren, um die Schulden seines bankrottgegangenen Vaters abzubezahlen. Danach ist er arbeitsunfähig und auf die Fürsorge der Familie angewiesen. Weil seine Stimme nicht mehr verstanden wird und seine Familie ihn zunehmend als Belastung betrachtet, wird er immer stärker isoliert und stirbt schließlich.

Mit rund 70 Druckseiten ist Die Verwandlung die längste der von Kafka für abgeschlossen gehaltenen und zu seinen Lebzeiten veröffentlichten Erzählungen. Die Erstveröffentlichung erfolgte im Oktober 1915 in der Zeitschrift Die weißen Blätter unter der Redaktion von René Schickele. Die erste Buchausgabe erschien im Dezember 1915 in der Reihe Der jüngste Tag, herausgegeben von Kurt Wolff.

Handlungsverlauf

Zu Beginn wacht Gregor Samsa auf und kann wegen seines neuen Körpers nicht aus dem Bett aufstehen. Trotzdem beschäftigt er sich zunächst vor allem mit seiner Arbeit und mit der Angst, zu spät zu kommen. Sein Beruf ist für ihn auszehrend und von einem „nie herzlich werdenden menschlichen Verkehr“ geprägt. Er würde kündigen, wenn er nicht für die Familie sorgen und die Schulden des Vaters abtragen müsste.

Da Gregor nicht am Arbeitsplatz erscheint, kommt der Prokurist zu den Samsas. Gregor schleppt sich bis zur Tür und versucht, mit seiner Familie und dem Prokuristen zu sprechen. Für die anderen klingen seine Äußerungen jedoch nur wie Tierlaute. Der Prokurist flieht, die Familie reagiert entsetzt, und der Vater treibt Gregor mit Drohungen und Gewalt in sein Zimmer zurück.

Nach Gregors Arbeitsunfähigkeit muss die Familie ihre Lebensweise ändern. Später zeigt sich, dass sie noch beträchtliche Ersparnisse besitzt, von denen Gregor nichts wusste. Seine Schwester Grete versorgt ihn zunächst aufmerksam mit Nahrung und versucht herauszufinden, was er noch frisst. Gregor beginnt, über Wände und Zimmerdecke zu kriechen. Als Grete und die Mutter sein Zimmer ausräumen, um ihm mehr Bewegungsfreiheit zu geben, klammert er sich zum Schutz an das Bild der „Dame im Pelz“. Die Mutter verliert beim Anblick Gregors das Bewusstsein. Kurz darauf wird Gregor durch eine herunterfallende Flasche im Gesicht verletzt. Der Vater wirft Äpfel nach ihm; ein Apfel bleibt in Gregors Rücken stecken und verwundet ihn schwer.

In den folgenden Wochen wird Gregor vernachlässigt. Sein Zimmer dient als Abstellkammer, während der Vater eine Arbeit bei einer Bank annimmt, die Mutter für ein Modegeschäft näht und Wäsche anderer Leute macht und Grete ebenfalls Verantwortung übernimmt. Die Familie nimmt drei Untermieter auf. Als Gregor eines Abends wegen Gretes Violinspiel aus seinem Zimmer kriecht, entdecken ihn die Untermieter, beschweren sich über die Wohnung und kündigen sofort. Grete erklärt nun, Gregor sei nicht mehr als ihr Bruder erkennbar und müsse beseitigt werden. Gregor erkennt, dass er nicht länger erwünscht ist, nimmt keine Nahrung mehr zu sich und stirbt noch vor dem nächsten Sonnenaufgang.

Nach seinem Tod weist der Vater die Untermieter aus. Die Familie fährt mit der Straßenbahn ins „sonnige Freie vor der Stadt“, spricht über einen Neuanfang und einen Wohnungswechsel. Die Eltern sehen in Grete eine reif gewordene junge Frau und denken daran, einen „braven Mann“ für sie zu suchen.

Figuren und Beziehungen

Gregor Samsa ist pflichtbewusst, selbstverleugnend und wirtschaftlich von seiner Familie in Anspruch genommen. Obwohl er seinen Beruf hasst, arbeitet er ohne Krankheit, um die Schulden des Vaters zu begleichen. Seine Freizeit verbringt er unter anderem mit dem Studium von Fahrplänen, Laubsägearbeiten und Zeitungslektüre. Er möchte Gretes Studium an einem Konservatorium finanzieren, weil ihn ihr Violinspiel berührt. Nach der Verwandlung folgt auf die körperliche Veränderung eine psychische: Gregor beherrscht seinen neuen Körper immer besser, empfindet Freude am Klettern und verliert schließlich Hoffnung, Körperpflege und Lebenswillen.

Der Vater tritt Gregor gegenüber feindselig und unterdrückerisch auf. Er hat nach einem wirtschaftlichen Misserfolg zunächst nicht gearbeitet, nimmt nach Gregors Verwandlung aber eine Stelle bei einer Bank an. Seine Gewalt gegen Gregor zeigt sich besonders im Angriff mit Äpfeln. Obwohl er zeitweise anerkennt, dass Gregor sein Sohn ist, stimmt er später Gretes Forderung zu, das Ungeziefer müsse verschwinden.

Die Mutter beschreibt Gregor als fürsorglich und sanft, versteht seine tatsächliche Einstellung zu Arbeit und Leben jedoch kaum. Sie ist nach der Verwandlung besorgt, traut sich aber zunächst nicht, ihn anzusehen oder zu versorgen. Später wird sie vom Vater und von Grete daran gehindert. Trotz ihres Asthmas nimmt sie Arbeit an und bleibt innerhalb der Familie abhängig.

Grete hat vor der Verwandlung ein gutes Verhältnis zu Gregor und übernimmt zunächst die Versorgung des Tieres. Dabei können Fürsorge, die Hoffnung auf Gregors Genesung und Gretes Wunsch, sich innerhalb der Familie unentbehrlich zu machen, zusammenwirken. Im Verlauf der Handlung wird sie selbstbewusster und übernimmt Verantwortung. Sie ist schließlich die Erste, die Gregor nicht mehr als Bruder, sondern als untragbare Belastung bezeichnet. Am Ende erscheint sie als junge, heiratsfähige Frau.

Erzählweise, Verwandlung und Symbole

Die Erzählung ist dreigeteilt: Erstens erwacht Gregor und erkennt die Folgen seiner Verwandlung; zweitens lebt das „Ungeziefer“ in der Wohnung eingeschlossen; drittens nimmt Gregors Interesse und körperliche Kraft ab, bis er stirbt. In jedem der drei Kapitel bricht Gregor einmal aus seinem Zimmer aus. Jedes Kapitel endet mit einer neuen körperlichen oder seelischen Verwundung. Gregors Niedergang verläuft parallel zum wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg der übrigen Familie.

Die Zahl drei erscheint mehrfach: Es gibt drei Zimmerherren, drei Zimmertüren und drei Diener. Vor Gregors Tod schlägt die Turmuhr die dritte Morgenstunde; nach seinem Tod bleiben drei Familienmitglieder zurück, die drei Briefe schreiben. Das Ungeheuerliche wird in sachlicher, fast nüchterner Sprache beschrieben. Dieser Gegensatz zwischen trockenem Realismus und phantastischem Geschehen lässt die unmögliche Verwandlung wie einen alltäglichen Vorgang erscheinen. Die Handlung wird überwiegend aus Gregors Perspektive dargestellt; erst nach seinem Tod tritt die Erzählerperson deutlicher hervor.

Das Käfer- oder Ungeziefermotiv macht sichtbar, was in Gregors Leben bereits vorher vorhanden war: seine Entfremdung durch die Arbeit, seine Selbstverleugnung, seine Abhängigkeit und die mangelnde Anerkennung durch die Familie. Die Verwandlung hebt die Grenze zwischen Mensch und Tier teilweise auf. Zugleich wird Gregor durch die Wahrnehmung der anderen zum Fremden. Ob mit dem „Ungeziefer“ ein Käfer oder eher eine Kakerlake gemeint ist, ist nicht eindeutig; Katja Lange-Müller argumentierte für die Kakerlake. Kafka verfügte 1915 außerdem, dass Gregor nicht abgebildet werden solle.

Wichtige Symbole sind das Fenster als Verbindung zur Außenwelt, das Bild der „Dame im Pelz“ als erotisch bedeutsamer Gegenstand und Gregors Zimmer als Mittelpunkt, Festung und Gefängnis. Die Türen bilden eine Barriere zwischen Gregor und der Familie; der Schlüssel steht für die Kontrolle über diesen Kontakt und wechselt von innen nach außen. Stock, Zeitung und Äpfel sind Waffen des Vaters. Gregors Unfähigkeit, die Sprache der Familie mit seiner Käferstimme zu erwidern, symbolisiert die gestörte Kommunikation. Die Nahrung verweigert Gregor zunehmend, bis er verhungert. Die Sonne am Ende steht für den möglichen Neubeginn der Familie.

Deutungen und literarische Bezüge

Die Erzählung wurde religiös, psychologisch und soziologisch gedeutet. Besonders verbreitet ist die Erklärung als Ausdruck eines Vaterkonflikts, da der Vater dominant und aggressiv auftritt. Vladimir Nabokov widersprach einer rein symbolischen oder psychologischen Auslegung und betonte die künstlerischen Einzelheiten. Für ihn ist Grete die grausamste Figur, weil sie Gregor verrät; als Thema bestimmte er den Existenzkampf des Künstlers in einer Gesellschaft von Spießern.

Gerhard Rieck sah in Gregor und Grete ein für Kafka typisches Figurenpaar aus einer passiven, eher asketischen und einer aktiven, eher triebhaften Figur. Reiner Stach hielt die Erzählung für aus sich selbst heraus geschlossen und überzeugend. Peter-André Alt deutete das Ungeziefer als Ausdruck einer von beruflicher Pflichterfüllung und Angst bestimmten Existenz. Oliver Jahraus verstand die Verwandlung als Metapher für das gestörte Verhältnis des Individuums zum Machtapparat der Familie.

Weitere Deutungen betonen Gregors Selbstverleugnung und seinen unbewussten Hungerstreik, die Darstellung von Krankheit, Aussätzigkeit, beruflicher Entfremdung und gesellschaftlicher Inhumanität. Fernando Bermejo-Rubio erklärte die widersprüchlichen Beschreibungen Gregors damit, dass man dem Eröffnungssatz nicht vollständig trauen müsse; Gregor könne weiterhin als Mensch und Opfer eines Prozesses der Herabsetzung verstanden werden. Volker Drüke sah die entscheidende Verwandlung in Gretes Reifung vom Mädchen zur Frau. Christian Neumann deutete Gregors Gestalt als vielfach bestimmte Metapher für Routine, Isolation, gestörte Kommunikation, Schuldgefühl und schrittweise Verdinglichung.

Die Wohnung ähnelt auffällig der früheren Wohnung der Familie Kafka in der Prager Niklasstraße 36; nach Hartmut Binders rekonstruiertem Grundriss wurde die Anordnung der Zimmer übernommen. Ein enger Bezug besteht zu Kafkas Erzählung Das Urteil: Beide Texte entstanden im Herbst 1912, handeln von einem pflichterfüllten Sohn und verbinden den Vaterkonflikt mit dem Tod des Sohnes. Die Verwandlung steht außerdem am Beginn einer Reihe von Kafka-Texten mit denkenden, sprechenden und leidenden Tieren, darunter Ein Bericht für eine Akademie, Der Bau und Eine Kreuzung.

Rezeption und Bearbeitungen

Die Verwandlung gilt als eine der bekanntesten und meistzitierten Erzählungen Kafkas. Der erste Satz erreichte 2007 im Wettbewerb „Der schönste erste Satz“ den zweiten Platz. Bezüge finden sich unter anderem in den Bandnamen Gregor Samsa und Samsas Traum, in Philip Glass’ Klavierwerken Metamorphosis, in Filmen und Zeichentrickserien sowie in Haruki Murakamis Kurzgeschichte Samsa in Love.

Zu den Verfilmungen gehören Jan Němecs Die Verwandlung von 1975, Caroline Leafs zehnminütiger Animationsfilm The Metamorphosis of Mr. Samsa von 1978, Carlos Atanes’ Kurzfilm The Metamorphosis of Franz Kafka von 1993, Valeri Fokins Prevraschenje von 2002 und Igor Plischkes Die Verwandlung von 2015. Weitere Bearbeitungen sind Paul-Heinz Dittrichs Oper Die Verwandlung von 1986, Peter Kupers Comic The metamorphosis von 2003, der Comic Kafka von Robert Crumb und David Zaine Mairowitz aus dem Jahr 2007, Eric Corbeyrans und Richard Hornes Die Verwandlung von 2010, Urs Lüthis Kafka-Gedenkstein von 2015 sowie Danger Dans Lied Die Verwandlung von 2018.

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