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Die Dreigroschenoper

Die Dreigroschenoper ist ein Theaterstück von Bertolt Brecht und Elisabeth Hauptmann mit Musik von Kurt Weill. Die Uraufführung fand am 31.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk, Form und Bedeutung
  2. 2. Handlung und Konflikte
  3. 3. Musik und Songs
  4. 4. Entstehung und historische Vorlage
  5. 5. Aufführungen und Bearbeitungen

Werk, Form und Bedeutung

Die Dreigroschenoper ist ein deutschsprachiges Theaterstück mit Musik von Bertolt Brecht und Elisabeth Hauptmann; die Musik schrieb Kurt Weill. Es basiert auf John Gays und Johann Christoph Pepuschs The Beggar’s Opera von 1728. Die Uraufführung war am 31. August 1928 im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin.

Das Werk trägt den Untertitel „Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern“. Es ist trotz seines Titels keine durchkomponierte Oper im engeren Sinn: Ein politisch engagiertes Theaterstück verbindet Dialoge mit 22 voneinander abgeschlossenen Gesangsnummern. Dafür sind singende Schauspieler, nicht unbedingt Opernsänger, vorgesehen. Brecht und Weill wollten damit eine Form des Musiktheaters schaffen, die nach der Idee des epischen Theaters nicht in eine Illusion hineinzieht, sondern zum kritischen Nachdenken anregt.

Die Dreigroschenoper war die erfolgreichste deutsche Theateraufführung bis 1933. Besonders Die Moritat von Mackie Messer, auf Englisch Mack the Knife, wurde ein Welthit.

Handlung und Konflikte

Im Mittelpunkt steht der Konkurrenz- und Existenzkampf zweier „Geschäftsleute“ im Londoner Stadtteil Soho: Jonathan Jeremiah Peachum organisiert Bettler, stattet sie für das Mitleid der Passanten aus und verlangt die Hälfte ihrer Einnahmen. Sein Gegenspieler ist der Verbrecher Macheath, genannt Mackie Messer, der mit „Tiger“ Brown, dem obersten Polizeichef Londons, befreundet ist. Soho wird von Bettlern, Gangstern, Huren und Polizisten geprägt.

Die Zeit bleibt absichtlich ungenau. Die Krönung verweist möglicherweise auf die Krönung Victorias 1837 und damit auf das Viktorianische Zeitalter; moderner Verkehr und Industrialisierung passen jedoch eher in eine spätere Zeit. Dadurch entsteht Distanz sowohl zu den Verhältnissen von 1928 als auch zur Zeit von Gays Vorlage.

Im Vorspiel stellt ein Moritatensänger – ein Sänger einer erzählenden Ballade – in Die Moritat von Mackie Messer dessen Verbrechen vor. Im ersten Akt erfährt Peachum, dass seine Tochter Polly Mackie geheiratet hat. Die Hochzeit wird mit Mackies Bande in einem Pferdestall gefeiert. Peachum und seine Frau wollen Mackie daraufhin der Polizei ausliefern, weil sie im Verlust ihrer Tochter ihren wirtschaftlichen Ruin sehen.

Im zweiten Akt warnt Polly Mackie vor der Verhaftung. Er flieht jedoch nicht ins Moor von Highgate, sondern in ein Hurenhaus in Turnbridge. Seine frühere Geliebte, die Spelunken-Jenny, verrät ihn. Im Gefängnis Old Bailey begegnet Mackie Lucy, Browns Tochter und ebenfalls einer früheren Geliebten. Als Polly erscheint, geraten Lucy und Polly in Eifersucht. Lucy hilft Mackie dennoch bei der Flucht.

Im dritten Akt will Peachum durch eine Demonstration des Elends den Krönungszug stören. Mackie wird erneut verraten und verhaftet. Er soll am Freitagmorgen um 5 Uhr gehängt werden und leistet vor dem Galgen Abbitte. Im III. Dreigroschen-Finale verhindert Brown als reitender königlicher Bote die Hinrichtung: Mackie wird begnadigt und sogar in den Adelsstand erhoben. Das überraschend glückliche Ende steht im starken Gegensatz zu Mackies Verbrechen und der sozialen Härte des Stücks.

Musik und Songs

Weills Musik verbindet Jazz, Tango, Blues und Jahrmarktsmusik. Zugleich enthält sie ironische Anspielungen auf Oper und Operette. Der Morgenchoral des Peachum übernimmt seine Melodie aus Pepuschs Vorlage; Pepusch hatte sie wiederum aus dem schottischen Volkslied An old Woman Clothed in Gray übernommen. Eingefügt sind Balladen nach François Villon, etwa Die Zuhälter-Ballade und die Ballade, in der Macheath jedermann Abbitte leistet, sowie nach Rudyard Kipling, darunter Der Kanonensong.

Wichtige Nummern sind Die Moritat von Mackie Messer, Die Seeräuber-Jenny, Der Kanonensong, das Liebeslied, der Barbarasong und die drei Dreigroschen-Finali. Das erste Finale heißt Über die Unsicherheit menschlicher Verhältnisse; das zweite stellt die Frage „Wovon lebt der Mensch?“.

Die Partitur ist für nur sieben Musiker geschrieben, die zusammen abwechselnd 25 Instrumente spielen. Das entspricht Salon-Orchestern der Zeit. Zu den Instrumenten gehören verschiedene Saxophone, Klarinetten und Flöten, Trompete, Posaune, Banjo, Bandoneon, Gitarre, Harmonium, Klavier, Pauken und weiteres Schlagwerk. Einige Nummern wurden noch vor der Uraufführung gestrichen, darunter Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit und die Arie der Lucy. Weill schrieb 1928 außerdem die Kleine Dreigroschenmusik, eine Suite für Blasorchester mit acht Sätzen, darunter Ouvertüre, Moritat, Kanonen-Song und Dreigroschen-Finale.

Entstehung und historische Vorlage

Elisabeth Hauptmann übersetzte Gays Beggar’s Opera ins Deutsche; Brecht entfernte sich bei der Bearbeitung zunehmend von dieser Vorlage. Nach einer Schätzung des Theaterhistorikers Klaus Völker stammen 80 % der Texte von Hauptmann, die jedoch deutlich von Brechts Stil geprägt seien. Die ursprüngliche Bezeichnung nannte ausdrücklich John Gay, Hauptmann als Übersetzerin, Brecht als Bearbeiter und Weill als Komponisten.

Die Idee entstand im Frühjahr 1928 zur Wiedereröffnung des Berliner Schiffbauerdamm-Theaters. Ernst Josef Aufricht nahm Brechts halbfertiges Manuskript als erste Premiere an. Brecht hatte Weill von Beginn an für die Vertonung vorgesehen. Von Juni bis Juli 1928 erarbeiteten Brecht, Hauptmann, Weill und Lotte Lenya an der französischen Riviera die Endfassung. Den endgültigen Titel Die Dreigroschenoper schlug Lion Feuchtwanger nach einem Probenbesuch vor; zuvor waren unter anderem Gesindel und Die Ludenoper vorgesehen.

Die historische Konstellation greift weiter zurück: Im London des 18. Jahrhunderts führte Jonathan Wild eine organisierte Verbrecherbande. Sie beging Diebstahl und Raub, bot den Opfern das Diebesgut zum Wiederkauf an, hielt Kontakte zur Polizei und lieferte missliebige Komplizen aus. Wild wurde 1725 in London hingerichtet; John Gay übernahm diese Konstellation, und Peachum trägt Züge Wilds.

Vor der Premiere kam es zu Besetzungsproblemen und Streit über die Songs. Kurz zuvor schrieb Brecht auf Wunsch des Mackie-Darstellers Harald Paulsen einen Text zur Einführung der Figur, den Weill über Nacht vertonte: Die Moritat von Mackie Messer. Die Proben begannen am 1. August 1928 unter der Regie von Erich Engel; die musikalische Leitung hatte Theo Mackeben.

Aufführungen und Bearbeitungen

Die Uraufführung am 31. August 1928 wurde zunächst kühl und ablehnend aufgenommen. Mit dem Kanonensong änderte sich die Stimmung; er musste wiederholt werden. Danach wurde jeder Satz beklatscht. Bereits im Januar 1929 lief das Stück an 19 deutschen Theatern sowie in Wien, Prag und Budapest. Bis zum Ende der Saison 1928/29 gab es 4000 Aufführungen in 200 Inszenierungen. 1933 verboten die Nationalsozialisten das Stück; bis dahin war es in 18 Sprachen übersetzt und mehr als 10.000 Mal an europäischen Bühnen gespielt worden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es im August 1945 im Berliner Hebbel-Theater wieder aufgeführt. Von 2007 bis 2020 lief Robert Wilsons Inszenierung am Theater am Schiffbauerdamm. Eine Neuinszenierung von Barrie Kosky hatte dort am 13. August 2021 Premiere und wurde anschließend auch international gezeigt.

Mehrere Filme bearbeiten den Stoff, darunter Georg Wilhelm Pabsts Die Dreigroschenoper von 1931 und die gleichzeitig gedrehte französische Fassung L’Opéra de quat’sous. Bei Pabsts Film kam es zum „Dreigroschenprozess“: Brecht und Weill klagten, nachdem die Produktionsfirma Brecht nicht mehr am Film beteiligt hatte. Die Klage auf Aufführungsverbot wurde zunächst abgewiesen und endete mit einem Vergleich. Der Film konnte daher am 19. Februar 1931 in Berlin uraufgeführt werden. Brecht veröffentlichte anschließend Der Dreigroschenprozeß. Ein soziologisches Experiment als Analyse des Rechtsstreits.

Daneben entstanden Hörspiele, darunter zwei Tondokumente von 1930 mit 26 beziehungsweise 32 Minuten Länge, sowie zahlreiche Schallplattenaufnahmen. Der Stoff wirkte international weiter: In den 1970er Jahren inspirierte er Chico Buarques Ópera do Malandro.

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