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Dialoge über natürliche Religion
Dialoge über natürliche Religion (Dialogues Concerning Natural Religion) ist eine religionsphilosophische Schrift des schottischen Philosophen David Hume.
Inhalt6 Abschnitte
Werk und Fragestellung
„Dialoge über natürliche Religion“ ist eine religionsphilosophische Schrift des schottischen Philosophen David Hume. Darin diskutieren Cleanthes, Demea und Philo über Gottes Existenz und Natur sowie darüber, was der menschliche Verstand darüber erkennen kann. Hume arbeitete spätestens seit 1750 an dem Werk; es erschien erst 1779 nach seinem Tod.
Die drei Gesprächspartner vertreten unterschiedliche Positionen: Cleanthes verteidigt vor allem einen Gottesbeweis aus der beobachtbaren Ordnung der Welt. Demea betont, dass Gott für den menschlichen Geist unbegreiflich sei, und vertritt einen Gottesbeweis aus reinem Denken. Philo nimmt eine skeptische Haltung ein und prüft kritisch, ob die Argumente tatsächlich sichere Aussagen über Gott erlauben.
Aufbau des Dialogs
Dem Werk ist ein Brief des Erzählers Pamphilus an Hermippus vorangestellt. Pamphilus berichtet von einem Gespräch seines Ziehvaters Cleanthes mit Demea und Philo, bei dem er anwesend gewesen sei. Die Dialogform eigne sich für Fragen, die so dunkel, komplex und ungewiss sind, dass der menschliche Verstand sie nicht endgültig entscheiden könne. Dazu zählt Pamphilus die Frage nach der Natur Gottes.
Während des eigentlichen Gesprächs äußert sich Pamphilus nicht und macht nur wenige kurze Bemerkungen zur Situation. Am Ende urteilt er, Philos Standpunkt sei wahrscheinlicher als derjenige Demeas; Cleanthes sei jedoch näher an der Wahrheit.
Ordnung der Welt als Gottesbeweis
Zu Beginn verteidigt Philo den Skeptizismus, also den Zweifel an der Möglichkeit sicherer Erkenntnis. Cleanthes weist einen globalen Skeptizismus zurück, weil niemand im praktischen Leben konsequent an allem zweifeln könne. Als Beispiel bemerkt er, man werde sehen, ob Philo einen Raum durch die Tür oder durch das Fenster verlasse: Auch ein Skeptiker richte sein Handeln nach dem Gesetz der Schwerkraft.
Anschließend formuliert Cleanthes das Design-Argument. Es ist ein Argument a posteriori, beruht also auf Beobachtungen und Erfahrungen. Die Welt ähnele den Erzeugnissen menschlichen Handelns und könne als große Maschine verstanden werden. Weil ähnliche Wirkungen auf ähnliche Ursachen schließen ließen, folgert Cleanthes durch einen Analogieschluss, dass der Urheber der Welt dem Menschen ähnlich sei. Gott wäre demnach eine Art übersteigerter Mensch, vermutlich ausgestattet mit Unsterblichkeit, Allmacht, Allwissenheit und Güte.
Diese menschenähnliche Vorstellung Gottes, der Anthropomorphismus, wird von Demea und Philo kritisiert. Demea hält Gott für unbegreiflich, da der menschliche Geist schwach, schwankend und zusammengesetzt sei. Philo zeigt, dass Cleanthes’ Argument zahlreiche andere Folgerungen nicht ausschließt: Es könnte mehrere Götter geben, oder die Welt könnte statt mit einer Maschine mit einem Tier verglichen werden, woraus sich ein anderes Gottesbild ergäbe. Philo stellt außerdem eine Variante der epikureischen Naturtheorie vor, nach der eine Reihe endlicher Welten den Impuls zur Veränderung aneinander weitergibt. Diese Überlegung nähert sich einer Evolutionstheorie an, die Hume noch nicht kannte.
Cleanthes wendet ein, keine dieser Erklärungen zeige, warum die Welt mit Notwendigkeit genau so beschaffen sein müsse. Philo erwidert, dass dasselbe Problem auch das Design-Argument treffe. Am Ende dieses Gesprächsteils erklärt er deshalb die Zurückhaltung jedes Urteils zur einzig haltbaren Position.
Erste Ursache und notwendige Existenz
Demea trägt den kosmologischen Gottesbeweis vor. Anders als das Design-Argument soll dieser Beweis a priori gelten, also unabhängig von Erfahrung allein durch Denken. Nach Demea müsse es eine erste Ursache geben, die nicht wie gewöhnliche Glieder einer Ursache-Wirkungs-Kette selbst wieder eine Ursache benötigt. Diese erste Ursache könne nur Gott sein. Gott existiere daher notwendig; die Annahme seiner Nichtexistenz führe zu einem Widerspruch.
Cleanthes bestreitet diese Folgerung. Ein als unendlich angenommenes Universum könne beispielsweise ebenfalls ohne eine weitere Ursache gedacht werden.
Leid, Güte Gottes und Religion
Demea und Philo beschreiben die Welt zunächst gemeinsam als von sehr viel Leid geprägt; Demea veranschaulicht dies mit einem Zitat aus John Miltons Gedicht „Paradise Lost“. Diese düstere Sicht widerspricht Cleanthes’ Annahme eines guten und allmächtigen Gottes. Cleanthes ist deshalb bereit, Gottes Allmacht einzuschränken.
Hinter der gemeinsamen Beschreibung stehen jedoch verschiedene Absichten. Demea will den Glauben mit dem menschlichen Bedürfnis nach Hoffnung begründen. Außerdem stützt er sich auf Leibniz’ Theodizee: Als Theodizee bezeichnet man hier den Versuch, das Leid in der Welt mit Gottes Güte zu vereinbaren. Nach Leibniz sei die bestehende Welt die beste mögliche Welt.
Philo hält dagegen, ein allmächtiger Gott hätte die Welt grundlegend anders einrichten können. Beispielsweise hätte Schmerz nicht als Triebfeder der Lebewesen dienen müssen. Für Philo ist die wahrscheinlichste Erklärung, dass die Welt weder aus Güte noch aus Bosheit erschaffen wurde.
Nachdem Demea empört abgereist ist, sprechen Cleanthes und Philo über den Nutzen der Religion. Cleanthes meint, Religion unterstütze die Moral, weil sie eine gerechte Belohnung oder Strafe nach dem Tod in Aussicht stelle. Philo hält die natürliche Rechtschaffenheit für wirksamer und meint, die Welt wäre ohne Religion besser. Zwar nimmt er einen Gott als erste Ursache an, doch darüber hinaus lasse sich über diesen Gott nichts aussagen.
Wichtige Ausgaben
Die englische Originalausgabe „Dialogues Concerning Natural Religion“ erschien 1779 in London postum. Eine Ausgabe in „Oxford World’s Classics“ erschien 1993 unter dem Titel „Dialogues and Natural History of Religion“. Deutsche Übersetzungen veröffentlichten Norbert Hoerster 1981 bei Reclam in Stuttgart sowie Lothar Kreimendahl 2016 in Hamburg; Kreimendahl übersetzte, gab den Text heraus und versah ihn mit einer Einleitung.