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Deutschlandfonds (2025)

Der Deutschlandfonds ist eine Initiative der deutschen Bundesregierung (Kabinett Merz) zur Mobilisierung privaten Kapitals für strategische Investitionen.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und Bedeutung
  2. 2. Finanzierungsinstrumente
  3. 3. Einführung und Vorläufer
  4. 4. Ziele und offene Fragen

Kernidee und Bedeutung

Der Deutschlandfonds ist eine Initiative der Bundesregierung unter dem Kabinett Merz, die privates Kapital für strategische Investitionen in Deutschland mobilisieren soll. Er ist kein klassischer Investmentfonds, sondern eine Plattform beziehungsweise Dachmarke, unter der unterschiedliche Finanzierungsinstrumente zusammengefasst werden.

Der Bund stellt dafür etwa 30 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln, Garantien und Zuschüssen bereit. Diese staatliche Unterstützung soll Investitionsrisiken verringern und dadurch insgesamt rund 130 Milliarden Euro zusätzliche private Investitionen auslösen. Gefördert werden vor allem Zukunftstechnologien und Infrastruktur, darunter erneuerbare Energien, Strom- und Wärmenetze, digitale Technologien, Industrieprojekte und die Versorgung mit kritischen Rohstoffen.

Die staatliche KfW-Bankengruppe übernimmt eine zentrale Rolle: Sie setzt die Instrumente um, berät Investoren und beteiligt sich je nach Programm mit Krediten oder Eigenkapital. Die Gesamtkoordination liegt beim Bundesministerium der Finanzen und beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Finanzierungsinstrumente

Der Deutschlandfonds richtet sich hauptsächlich an drei Bereiche:

• Industrie und Mittelstand: Der Bund sichert Transformationsinvestitionen durch Bürgschaften ab. Das betrifft beispielsweise große Vorhaben in Kraftwerken, Wasserstoffanlagen oder bei Automobilzulieferern. Hinzu kommt ein Rohstofffonds, über den die KfW Eigenkapital und Kredite für die Gewinnung kritischer Rohstoffe wie Lithium bereitstellt. Beim Ausbau einer Batterieproduktionsanlage können die KfW und weitere Banken das Investitionsrisiko beispielsweise mithilfe einer Bundesbürgschaft abfedern.

• Energieinfrastruktur: Energieversorgungsunternehmen erhalten zinsgünstige Kredite und staatliche Garantien für den Ausbau von Strom- und Wärmenetzen. Auch Risiken von Tiefengeothermie-Bohrungen können abgesichert werden. Ein Stadtwerk, das sein Stromverteilnetz modernisiert, kann über die KfW einen Konsortialkredit von bis zu 100 Millionen Euro aufnehmen. Ein Konsortialkredit ist ein gemeinsam von mehreren Geldgebern bereitgestellter Kredit. Der Bund übernimmt dabei einen großen Teil des Risikos.

• Start-ups und Scale-ups: Start-ups sind junge, wachstumsorientierte Unternehmen; Scale-ups befinden sich bereits in einer starken Wachstumsphase. Die KfW beteiligt sich als Co-Investor, also als zusätzlicher Kapitalgeber, an Wagniskapitalfonds. Pro Einzelinvestition stehen bis zu 50 Millionen Euro zur Verfügung, insgesamt 1 Milliarde Euro bis 2030. Zusätzlich fließen 300 Millionen Euro in besondere Kreditfonds für Industrieneuheiten. Ab 2026 soll außerdem der bestehende Zukunftsfonds für Wagniskapital in den Bereichen Deep Tech, Künstliche Intelligenz, Biotechnologie und Verteidigung aufgestockt werden.

Einführung und Vorläufer

Die Einrichtung des neuen Deutschlandfonds wurde im Koalitionsvertrag 2025 vereinbart. Im November 2025 verständigte sich der Koalitionsausschuss von SPD und Union auf seinen Start als „Andock-Stelle“ für privates Kapital. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und der KfW-Vorstandsvorsitzende Stefan Wintels stellten den Fonds am 18. Dezember 2025 in Berlin offiziell vor.

Die Umsetzung erfolgt stufenweise. Im Dezember 2025 starteten zunächst drei Instrumente sowie ein Pilotprojekt im Rohstoffbereich. Ab 2026 sollen weitere Energieprojekte, zusätzliche Start-up-Fonds und die Erweiterung des Zukunftsfonds folgen. Bund und Länder bleiben im Austausch, damit weitere Bedarfe, etwa im Wohnungsbau, berücksichtigt und neue Programme entwickelt werden können.

Ein früherer Wirtschaftsfonds Deutschland bestand bereits von 2009 bis 2010 als Teil des Konjunkturpakets II zur Bewältigung der globalen Finanzkrise. Er hatte ein Volumen von mehr als 100 Milliarden Euro: 75 Milliarden Euro entfielen auf Bürgschaften, 25 Milliarden Euro auf Kredithilfen. Dazu gehörte ein mittelstandsorientiertes KfW-Sonderprogramm über 15 Milliarden Euro. Bis zur Einstellung des Fonds im Jahr 2010 hatten 20.000 Unternehmen Hilfen von insgesamt 14 Milliarden Euro genutzt. Nach Angaben des damaligen Bundeswirtschaftsministers Rainer Brüderle (FDP) wurden dadurch rund 2,7 Millionen Arbeitsplätze gesichert.

Ziele und offene Fragen

Der Deutschlandfonds soll die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stärken. Staatliche Anschubfinanzierungen und Risikoabsicherungen sollen die Hemmschwelle für private Investoren senken. Schwerpunkte sind Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Industrieprojekte, moderne Energie- und Digitalinfrastruktur sowie eine größere Unabhängigkeit bei kritischen Rohstoffen. Außerdem sollen Innovationen unterstützt, Lieferketten widerstandsfähiger gemacht und „Jobs von morgen“ geschaffen werden.

Die Grundidee wurde in Politik und Wirtschaft überwiegend positiv aufgenommen. Zugleich wiesen Fachleute auf offene Punkte hin. Der Ökonom Marcel Fratzscher begrüßte den Ansatz grundsätzlich, kritisierte aber fehlende Details zur konkreten Ausgestaltung und Finanzierung. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer forderte ergänzende Strukturreformen. Nach ihrer Einschätzung reichen zusätzliche Finanzmittel allein nicht aus; notwendig seien unter anderem niedrigere Arbeits- und Energiekosten, weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungsverfahren.

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