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Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich

Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich ist ein Märchen (ATU 440 Ehemann). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an erster Stelle (KHM …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Märchen und Handlung
  2. 2. Überlieferung und Fassungen
  3. 3. Varianten und typische Merkmale
  4. 4. Deutungen
  5. 5. Rezeption und Bearbeitungen

Märchen und Handlung

„Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“ ist ein Märchen des Typs ATU 440 „Ehemann“ und steht als KHM 1 an erster Stelle der „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm. Im Mittelpunkt stehen ein gegebenes Versprechen, dessen Einlösung und die Erlösung eines verwunschenen Prinzen.

Eine Prinzessin verliert beim Spiel ihre goldene Kugel in einem Brunnen. Ein Frosch holt sie zurück, nachdem sie versprochen hat, seine Freundin zu werden sowie Teller und Bett mit ihm zu teilen. Sobald sie die Kugel wiederhat, geht sie jedoch nach Hause und vergisst ihr Versprechen. Der Frosch erscheint am Königsschloss. Auf Drängen ihres Vaters muss die Prinzessin ihn widerwillig zu Tisch nehmen.

Als der Frosch auch in ihrem Bett schlafen will, wirft sie ihn wegen ihrer Abscheu gegen die Wand. Sofort wird er zu einem Prinzen, den eine böse Hexe verwünscht hatte. Nach dem Willen des Königs reist die Prinzessin als seine Gemahlin mit ihm in dessen Reich. Der treue Diener Heinrich hatte sich aus Kummer drei eiserne Ketten um das Herz legen lassen; auf der Fahrt brechen sie mit lautem Krachen entzwei, weil sein Herr erlöst ist. Prinz und Prinzessin leben glücklich bis an ihr Lebensende.

Überlieferung und Fassungen

Grimms Anmerkung verortet das Märchen in Hessen; die Brüder Grimm hörten es wohl von Familie Wild. Eine weitere Erzählung aus dem Paderbörnischen, von Familie von Haxthausen, führt die Handlung nach der Erlösung weiter: Der Prinz gibt seiner Braut ein Tuch mit seinem Namen in Rot, das schwarz wird, wenn er tot oder untreu ist. Als eine falsche Braut bei ihm ist, folgt ihm die rechte Braut mit ihren Schwestern, als Reiter verkleidet.

Die Brüder Grimm hielten das Märchen für besonders alt. Der von ihnen zitierte Text in John Leydens Ausgabe von John Bellendens „Complaynt of Scotland“ gilt bis heute als frühester Beleg. Einzelne mittelalterliche und antike Stellen ähneln lediglich sprichwörtlich einzelnen Motiven; auch Herleitungen aus altorientalischen Quellen stützen sich nur auf Einzelmotive.

Der Text wurde zwischen den Grimm-Ausgaben verändert. In Wilhelm Grimms Handschrift und der Erstauflage ist die Spielszene am Brunnen ausführlicher und die Dialoge wirken lebendiger. Die Formel „In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat“ steht erst ab der 3. Auflage am Anfang und wurde aus KHM 127 „Der Eisenofen“ übernommen. Hans-Jörg Uther zufolge betont die Handschrift die Kindlichkeit der Königstochter und das moralische Vatergebot; spätere, mündlich beeinflusste Fassungen betonen stärker die intime Begegnung mit dem Frosch.

Varianten und typische Merkmale

Es sind 38 deutsche Varianten des Märchentyps AaTh 440 belegt, besonders aus Mecklenburg, Ostpreußen und Hessen. Weitere Fassungen gibt es in Nord- und Osteuropa, selten auch außerhalb Europas; teilweise sind sie mit anderen Tierbräutigammärchen vermischt. Viele neuere Varianten sind nach ihrer Handlungsstruktur von Grimms „Froschkönig“ abhängig.

Nach Lutz Röhrich beginnt die Handlung fast immer mit einer Notlage der Frau. Charakteristisch sind Gegensätze wie Verwünschung/Erlösung, Mangel/Behebung, Versprechen/Einhaltung, Verweigerung/Hingabe, Fesselung/Befreiung und Hinausgehen/Heimkehr. Die Verse unterscheiden sich je nach Fassung, markieren aber stets den Höhepunkt, an dem das Tier sein Versprechen einfordert.

Die Prinzessin entwickelt sich vom spielenden Kind zur heiratenden Frau. In manchen Varianten vergeht bis zum Besuch des Tieres im Schloss mehr Zeit; das Tier kann auch eine Schlange, ein Frosch oder eine Kröte sein. Anders als bei manchen Tierbräutigammärchen erfolgt die Erlösung hier nicht durch Liebe und Selbstüberwindung der Heldin, sondern gegen ihre Absicht und eher vorherbestimmt. Ein erlösender Kuss ist erst in Varianten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts belegt. Der eiserne Heinrich wird teils als mystischer Bruder des Prinzen verstanden, teils weggelassen oder auf die Braut bezogen. Der Königsvater wurde von Wilhelm Grimm zur moralischen Instanz ausgebaut.

Deutungen

Die Deutungen des Märchens sind vielfältig und keine einheitliche Erklärung. Lutz Röhrich beschreibt psychologische Lesarten als Reifungsvorgang: Die goldene Kugel kann für die verlorene goldene Welt der Kindheit stehen, der tiefe Brunnen für Unbewusstes oder Uterus und der Frosch für einen Phallus. Danach behandelt das Märchen Sexualität und die Angst vor radikaler Veränderung.

Hedwig von Beit versteht die Heldin entweder als Seelenbild oder als eigenständige Persönlichkeit. Der Ball kann als bewusstseinsferner Teil des Selbst gelten, der eine Beziehung zu urtümlich-animalischem Leben schafft. Der Vater mahnt die Prinzessin zu einer Vertiefung ihres bisher spielerischen Umgangs mit dem Unbewussten. Das Werfen an die Wand ist nach dieser Deutung schwer einzuordnen; Varianten ersetzen es etwa durch Kuss, Verbrennen der Tierhaut oder Köpfen. Bruno Bettelheim sieht ebenfalls einen beschleunigten Reifungsprozess: Der Vater als Über-Ich, also als verinnerlichte moralische Instanz, zwingt dazu, dass das Spiel ernst wird; reife Liebe brauche Zeit.

Eine Lesart als sexuelle Initiation deutet Brunnen, Kugel und Frosch als Bilder für die sexuelle Unerfahrenheit der Prinzessin, ihre Anziehungskraft sowie zunächst beängstigende männliche Sexualität. Carl Gustav Jung deutet die Geschichte als Initiation der Psyche einer jungen Frau. Märchen seien wie Träume als Quellen von Archetypen, also wiederkehrenden Urbildern, analysierbar. Die Prinzessin ist dabei der Ego-Charakter; Brunnen und Wald stehen für Unbewusstheit. Indem sie den Frosch an die Wand wirft, wird sie von einer passiv erduldenden zu einer aktiv handelnden Person und kann schließlich heiraten.

Auch das Wort „Fretsche“ im Ausspruch Heinrichs wurde verschieden gedeutet. Eine Erklärung verbindet es mit der hessischen Aussprache von „Frettchen“ und einem möglichen Wortspiel mit „Frosch“. Eine andere versucht, es über eine behauptete Verwandtschaft mit englisch „wretch“ und althochdeutsch „Recke“ zu erklären. Der Artikel nennt außerdem eine psychoanalytische Parallele: Wie bei „Rumpelstilzchen“ kann das Bewusstwerden oder Benennen eines Verdrängten den „Zauber“ brechen und Heilung ermöglichen.

Rezeption und Bearbeitungen

In modernen Bearbeitungen werden häufig die Erlösungssehnsucht oder die unterdrückte Erotik des Märchens aufgegriffen. Parodien, Cartoons und Witze kehren oft die Erlösungsszene um. Das Motiv erscheint in Literatur, Bildern, Märchenspielen, Brunnen und Filmen. Bildhauer nutzten den Froschkönig für Zierbrunnen, etwa Gottfried Kumpf, Klaus Kütemeier und Wilhelm Srb-Schloßbauer. Die Brüder Grimm Festspiele Hanau führten „Der Froschkönig“ 1988, 1998, 2005, 2011, 2012 und 2018 auf.

Zu den Verfilmungen zählen unter anderem „Das Märchen vom Froschkönig“ (1924, Deutschland, 12 min.), „Der Froschkönig“ (1954, BRD, 87 min., Regie Otto Meyer), „Der eiserne Heinrich“ (1963, DEFA-Handpuppenfilm), „Froschkönig“ (1988, DDR, 67 min., Regie Walter Beck), der ARD-Märchenfilm „Der Froschkönig“ (2008, Regie Franziska Buch), Disneys Animationsfilm „Küss den Frosch“ (2009) und „Das Märchen vom Frosch und der goldenen Kugel“ (2022, BRD/Tschechien, 90 min., Regie Ngo The Chau).

Auch in der Popkultur wird das Motiv mit Sexualität und Verwandlung verbunden. Peter Gabriels Lied „Kiss That Frog“ und sein Musikvideo von Brett Leonard gehen auf Bruno Bettelheims „The Uses of Enchantment“ zurück. Die im Artikel genannte Botschaft lautet, dass ein akzeptierter Frosch zum Prinzen werden könne; dies wird als Sehnsucht von Männern beschrieben, durch die Liebe einer Frau verwandelt zu werden.

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