Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Reflexivpronomen
Reflexivpronomen. Pronomen, das sich auf das inhaltliche oder grammatische Subjekt eines Satzes oder Textes bezieht. Artikel · Diskussion.
Inhalt5 Abschnitte
Grundidee und Funktion
Ein Reflexivpronomen, auch Reflexivum oder rückbezügliches Fürwort genannt, ist ein Pronomen, das auf eine Einheit verweist, die ihm im Satz besonders nahe steht. Meist liegt das Bezugswort im selben Satz oder Teilsatz. Es unterscheidet sich dadurch vom Personalpronomen.
Der Unterschied zeigt sich an Sätzen wie: „Otto bemerkte, dass Karl ihn im Spiegel beobachtete“ und „Otto bemerkte, dass Karl sich im Spiegel beobachtete“. Im ersten Fall kann „ihn“ auf Otto verweisen; im zweiten Fall verweist „sich“ auf Karl, also auf das Subjekt desselben Nebensatzes. Das Reflexivpronomen bindet den Bezug also enger an eine nahe grammatische Einheit.
Bezug im Satz
Im Deutschen ist die Verwendung von Reflexivpronomen relativ frei. Typisch ist zwar, dass sie sich auf ein vorausgehendes Subjekt beziehen, aber sie können auch auf andere Satzteile zurückverweisen. Wichtig ist dabei die grammatische Hierarchie: Das Bezugswort muss höher stehen als das Reflexivpronomen.
Die Hierarchie lautet in absteigender Ordnung: Subjekt > indirektes Objekt > direktes Objekt > Präpositionalobjekt. Deshalb kann ein Reflexivpronomen zum Beispiel als direktes Objekt an ein indirektes Objekt gebunden werden, etwa in „Wir zeigten ihm sich selbst im Spiegel“. Weitere Beispiele sind „Otto sprach mit sich selbst“ und „Wir klärten Anna über sich selbst auf“.
Auch innerhalb einer Nominalphrase kann ein Reflexivpronomen stehen. Dann kann es sich auf einen Genitiv in derselben Nominalphrase beziehen, zum Beispiel in „Annas Stolz auf sich selbst“.
Formen im Deutschen
Im Gegenwartsdeutschen hat das Reflexivpronomen „sich“ keine Numerus- und Genusmerkmale. Es zeigt also nicht an, ob es Singular oder Plural ist, und unterscheidet auch kein grammatisches Geschlecht. Es kommt ausschließlich in der 3. Person vor und kann als Dativ oder Akkusativ verwendet werden.
Für Fälle, die „sich“ nicht abdecken kann, verwendet das Deutsche Formen des Personalpronomens. Das gilt für die 1. und 2. Person sowie für Genitive. Beispiele sind „Ich habe bemerkt, dass du dich im Spiegel beobachtest“ und „Der Dichter war seiner selbst überdrüssig geworden“. In solchen Fällen haben Personalpronomen also reflexive Funktion.
Geschichtlich war „sich“ ursprünglich die Akkusativform. Erst ab dem Ende der frühneuhochdeutschen Epoche dehnte sich diese Form auch auf den Dativ aus. Die alte germanische Dativform, die lautgesetzlich „sir“ aus urgermanisch *siz lauten würde, war im Deutschen verloren gegangen. Deshalb wurden im Dativ zunächst Personalpronomen wie „ihm“ und „ihr“ reflexiv verwendet. Dieser Gebrauch findet sich zum Beispiel in Luthers Bibelübersetzung und ist in manchen Dialekten, etwa im Bairischen, erhalten. Eine vollständige Deklination des Reflexivs gibt es heute noch im Isländischen.
Feste und mehrdeutige Verwendungen
Reflexivpronomen haben nicht immer eine echte rückbezügliche Bedeutung. Im Deutschen und auch in Sprachen wie Französisch oder Latein sind sie fester Bestandteil bestimmter Verben. Beispiele sind „sich erinnern“, „sich verabreden“ und „sich langweilen“. Hier gehört das Reflexivpronomen zum Verb, ohne dass unbedingt jemand auf sich selbst einwirkt.
Außerdem kann „sich“ im Deutschen ähnlich wie ein Reziprokpronomen verwendet werden. Ein Reziprokpronomen drückt eine wechselseitige Beziehung aus, zum Beispiel „einander“. Dadurch entsteht manchmal Mehrdeutigkeit. Der Satz „sie waschen sich“ kann bedeuten: „sie waschen einander“, also gegenseitig; er kann aber auch bedeuten: „sie waschen sich selbst“. Welche Deutung gemeint ist, muss aus dem Kontext erschlossen werden.
Der Artikel nennt außerdem den logophorischen Gebrauch als Besonderheit mancher Sprachen. Dabei geht es um spezielle Bezüge von Pronomen, Details werden im Artikel jedoch nicht ausgeführt.
Andere Sprachen
Der Artikel weist darauf hin, dass der Abschnitt zu Reflexivpronomina in anderen Sprachen überarbeitungsbedürftig ist. Inhaltlich wird vor allem gezeigt, dass andere Sprachen Reflexivität teils anders markieren als das Deutsche.
In den slawischen Sprachen gibt es zum Beispiel auch bei Possessiva, also besitzanzeigenden Formen, eine Unterscheidung zwischen reflexivem und nicht-reflexivem Bezug. Dadurch können Mehrdeutigkeiten vermieden werden, die im Deutschen entstehen können. In Bosnisch, Kroatisch und Serbisch kann man unterscheiden: „Ana je dala Fatimi svoju knjigu“ bedeutet „Ana gab Fatima ihr reflexives Buch“, also Anas Buch. „Ana je dala Fatimi njenu knjigu“ bedeutet dagegen „Ana gab Fatima ihr nicht-reflexives Buch“, also Fatimas Buch.
Je nach Sprache kann außerdem verschieden sein, wie weit der Bezug eines Reflexivpronomens reichen darf. Die Frage, wo diese Grenze liegt, ist in der Linguistik ein Gegenstand der Bindungstheorie.
Lernvideos zu Reflexivpronomen
11:08
B1 - Lesson 1 | Reflexivverben | Reflexivpronomen | Learn German Intermediate
Learn German · 1,2 Mio. Aufrufe
5:24
die französischen Reflexivpronomen
BildungInteraktiv · 92.605 Aufrufe
2:16
REFLEXIVPRONOMEN DEUTSCH einfach erklärt (animiert) 🇩🇪
Language Knowledge - DE · 5.734 Aufrufe
8:28
REFLEXIVPRONOMEN mit Dativ und Akkusativ + Übung | MIR oder MICH | DIR oder DICH (Deutsch lernen)
Deutsch mit Inga · 2.183 Aufrufe