Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Dennis Sonne
Januar 1984 in Werne als Dennis Zittlau) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen), Moderator, Musiker und Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit …
Inhalt5 Abschnitte
Person und beruflicher Hintergrund
Dennis Christopher Sonne (* 6. Januar 1984 in Werne als Dennis Zittlau) ist ein deutscher Politiker von Bündnis 90/Die Grünen, Moderator, Musiker sowie Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit. Seit dem 1. Juni 2022 gehört er dem Landtag von Nordrhein-Westfalen an. Er ist verheiratet und lebt in Lüdinghausen.
Nach seiner Fachhochschulreife im Jahr 2002 arbeitete Sonne von 2006 bis 2009 als Bürokaufmann beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW. Von 2009 bis 2011 absolvierte er eine Ausbildung zum Finanzwirt. Anschließend war er bis zu seiner Wahl in den Landtag 2022 beim Finanzamt Lüdinghausen als Finanzwirt beschäftigt.
Politischer Weg und Aufgaben
Sonne trat 2011 Bündnis 90/Die Grünen bei. Seit 2014 war er als Sachkundiger Bürger kommunalpolitisch tätig. Im Oktober 2017 zog er in den Stadtrat von Lüdinghausen ein und übernahm dort den Vorsitz des Ausschusses für Bildung und Kultur. Nach seinem Wechsel in die Landespolitik legte er 2022 sein Ratsmandat nieder.
Im August 2021 erhielt er vom Kreisverband Coesfeld einstimmig Unterstützung für seine Kandidatur bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl 2022. Im Wahlkreis Coesfeld II erreichte er am 15. Mai 2022 18,16 % der Stimmen und damit kein Direktmandat. Über Platz 36 der Landesliste gelang ihm als letztem über diese Liste gewählten Kandidaten der Einzug in den Landtag. Bei den anschließenden Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und Grünen gehörte er für die Themen Soziales, Arbeit und Gesundheit zum grünen Verhandlungsteam.
Im Landtag ist Sonne ordentliches Mitglied der Ausschüsse für Arbeit, Gesundheit und Soziales sowie für Schule und Bildung und des Unterausschusses Landesbetriebe und Sondervermögen. Er fungierte als Sprecher seiner Fraktion für Inklusion und Behindertenpolitik sowie für Landesliegenschaften und ist stellvertretendes Mitglied des WDR-Rundfunkrates. Von März bis Juli 2023 vertrat er Lena Zingsheim-Zobel während ihres Mutterschutzes als Sprecher für Schule und Bildung.
Am 30. Januar 2025 brachte Sonne gemeinsam mit der Koalition aus CDU und Grünen einen Antrag zur Stärkung der Eingliederungshilfe ins Plenum ein. Dabei hielt er die erste Rede in Leichter Sprache in der Parlamentsgeschichte Nordrhein-Westfalens. Seit Mai 2026 ist er ordentliches Mitglied im Stiftungsrat der Sozialstiftung NRW; zuvor gehörte er ihm als stellvertretendes Mitglied an.
Inklusions- und Behindertenpolitik
Im Zentrum von Sonnes politischer Arbeit stehen Inklusion, Barrierefreiheit und die Vertretung von Minderheiten. Er weist darauf hin, dass Menschen mit Behinderungen, Menschen mit Migrationshintergrund und queere Menschen häufig Diskriminierung erfahren und im nordrhein-westfälischen Landtag deutlich geringer repräsentiert sind. Deutschland habe mit Ausnahme des Wanderarbeiterabkommens alle Menschenrechtsabkommen ratifiziert und sich damit verpflichtet, Diskriminierungen abzubauen und Menschenrechte zu sichern. Wegen seiner eigenen Behinderung bezeichnet sich Sonne als „Experten in eigener Sache“. Er will notwendige Veränderungen aus der Sicht betroffener Menschen entwickeln und die Umsetzung der Menschenrechtsabkommen einfordern.
Für Sonne betrifft Inklusion die gesamte Gesellschaft und zahlreiche Politikfelder, darunter Bildung, Gesundheit, Verkehr, Bauen und Digitalisierung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Arbeit von Menschen mit Behinderungen. In Nordrhein-Westfalen arbeiten 80.000 Personen in Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM). Wegen ihres Rehabilitationsstatus und des fehlenden Arbeitnehmerstatus erhalten sie dort einen Stundenlohn von 1,30 Euro. In einer WfbM-Studie aus dem Jahr 2023 gaben 25 % der Beschäftigten an, außerhalb einer Werkstatt arbeiten zu wollen. Sonne setzt sich deshalb für Veränderungen des WfbM-Systems und für eine landesweite Fachkräfteoffensive zugunsten eines inklusiven Arbeitsmarktes ein.
Ein weiteres Thema ist der inklusive Katastrophenschutz. Auslöser waren unter anderem die Erfahrungen der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021, bei der auch Bewohnerinnen und Bewohner von Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen starben. Bei der Novellierung des nordrhein-westfälischen Katastrophenschutzgesetzes 2026 sprach Sonne sich für barrierefreie Warn- und Informationssysteme, bessere Evakuierungsstrukturen sowie eine stärkere Berücksichtigung von Menschen mit Behinderungen und Pflegebedürftigen aus.
Wie wichtig solche Maßnahmen sind, zeigte für ihn ein Vorfall im Dezember 2024: Während eines Gesprächs mit Innenminister Herbert Reul im nordrhein-westfälischen Innenministerium wurde das Gebäude nach einem Alarm evakuiert. Da die Aufzüge nicht benutzt werden konnten, musste Sonne als Rollstuhlnutzer aus dem Gebäude getragen werden. Er nannte dies öffentlich ein Beispiel für bestehende Barrieren in den Evakuierungskonzepten öffentlicher Gebäude. Medienberichten zufolge hatte ein defekter Wasserkocher den Alarm ausgelöst.
Musik und inklusive Workshops
Seit 2005 produziert Sonne unter dem Künstlernamen Sittin' Bull eigene Songs und tritt damit auch bei Benefizveranstaltungen auf. In seiner Musik behandelt er häufig Inklusion. Zu seinen Veröffentlichungen gehören die selbst produzierten Alben „Der Häuptling“ (2012) und „Bis zum Mond“ (2014), die EP „Alles hat ein Ende“ (2016) sowie die Singles „Du bist perfekt“ (2016) und „Bunt“ (2019). „Bunt“ entstand bei einem von Sonne geleiteten Workshop für die Aktion Mensch und wurde gemeinsam mit Tamara Köcher im Luna Tonstudio in Lüdinghausen produziert. Sonne absolvierte jährlich bis zu 30 Auftritte.
Seit 2015 veranstaltet er Hip-Hop-Workshops „für Menschen mit allen Bedürfnissen, Behinderungen und in jeder Altersklasse“. Mithilfe mobilen Studioequipments können die Teilnehmenden Texte verfassen und aufnehmen. Ein Beispiel ist „Changing Faces/Telling truth“: Jugendliche Straftäter erhielten im Rahmen einer Resozialisierungsmaßnahme die Möglichkeit, mit Sonne einen Song und ein Video herzustellen.
2018 moderierte Sonne gemeinsam mit Annika Lau die Berliner Parieté. Bei der Eröffnungsfeier der 16. Special Olympics trat er am 17. Juni 2023 mit Jennifer Kothe, Koffi Missah und der Blue Man Group im Berliner Olympiastadion auf.
Für die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) veröffentlichte er im Januar 2025 das Lied „Wir sind die EUTB“. Das zugehörige Video wurde in drei barrierefreien Varianten angeboten: mit Untertiteln, mit Gebärdensprachübersetzung und mit Audiodeskription, also einer gesprochenen Beschreibung visueller Inhalte.
Ehrenamt und öffentliche Vermittlung
Neben seiner parlamentarischen Arbeit unterstützt Sonne ehrenamtlich soziale Projekte. Für die Aktion Mensch ist er als „Inkluencer“ tätig. Seit 2023 ist er ein von den Sozialhelden zertifizierter Barriere-Scout: Er prüft ehrenamtlich Gebäude auf Barrierefreiheit und gibt Hinweise zum Abbau von Hindernissen. Seit September 2023 begleitet er als Pate der Kreuzschule in Coesfeld Projekte im Rahmen von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.
2024 übernahm Sonne die Schirmherrschaft der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e. V. und sprach bei deren Bundeskongress zum 50. Jubiläum im Oktober 2024 in Münster. Bei der Lebenshilfe NRW wurde er zunächst im Januar 2024 als Vorstandsmitglied kooptiert und am 9. November 2024 von rund 100 Delegierten einstimmig in den Landesvorstand gewählt. Im November 2025 wurde er erneut in den Vorstand gewählt und zum stellvertretenden Vorsitzenden bestimmt. Seit 2024 ist er außerdem Botschafter des Bunten Kreises Münsterland, der Familien mit schwer oder chronisch erkrankten oder behinderten Kindern begleitet.
In Fernsehauftritten vermittelt Sonne ebenfalls Erfahrungen rund um Behinderung und Inklusion. 2019 sprach er in Chris Talls RTL-Sendung „Darf er das?“ mit anderen Menschen über ein Leben mit Diversitätsmerkmalen. Im Juni 2020 berichtete „Volle Kanne“ im ZDF über ihn als Inklusionsaktivisten; anschließend sprach er mit Dirk Steffens über Barrierefreiheit, Inklusion und die Paralympics 2021. Im November 2021 stellte der WDR eine von Sonne mitgeplante inklusive Calisthenics-Anlage in Lüdinghausen vor. Sie gehörte zu den ersten Anlagen dieser Art in Deutschland, die partizipativ und barrierefrei entstanden.
Im Dezember 2022 spielte Sonne in einem Werbespot der Aktion Mensch den Weihnachtsmann und spendete seine gesamte Gage an die Lebenshilfe und das Biologische Zentrum des Kreises Coesfeld. Im Januar 2025 behandelte die 154. Folge der ZDF-Reihe „Einfach Mensch“ seinen Lebensweg, persönliche Hürden und seinen Einsatz für Inklusion.