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Demografischer Wandel
Der demografische Wandel beschreibt im allgemeinen Sprachgebrauch die Veränderung der Bevölkerungszusammensetzung einer Gesellschaft.
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Grundbegriff und Bedeutung
Der demografische Wandel beschreibt die Veränderung der Bevölkerungszusammensetzung einer Gesellschaft. Gemeint sind Struktur und Entwicklung der Bevölkerung eines bestimmten Landes oder einer Region. Wichtige Merkmale sind die Altersstruktur, also die Verteilung der Menschen auf Altersgruppen, die Geburtenzahlen und die Sterbefälle.
Beeinflusst wird der demografische Wandel außerdem durch Migrationsbewegungen, also Zu- und Fortzüge, sowie durch die Alterung der Bevölkerung. Er ist deshalb wichtig, weil sich aus ihm Folgen für Arbeitsmarkt, Rentensystem, Pflege, Wohnen und öffentliche Haushalte ergeben können.
Dimensionen und verwandte Begriffe
Demografischer Wandel wird vor allem dann diskutiert, wenn langfristige Veränderungen in der Populationsdynamik eines Landes erkennbar sind. Davon zu unterscheiden ist der demografische Übergang. Dieser Begriff beschreibt eine bestimmte Abfolge verschiedener Phasen des demografischen Wandels über längere Zeiträume.
Der Ausdruck demografischer Wandel kann sich auf mehrere Arten von Bevölkerungsveränderungen beziehen: die Gesamtzahl der Bevölkerung, die Struktur nach Altersgruppen, das Verhältnis der Geschlechter, die Anteile von Inländern, Ausländern und Eingebürgerten, die Entwicklung von Geburten und Sterbefällen sowie Zu- und Fortzüge. In vielen Ländern der westlichen Welt steht besonders die Alterung der Bevölkerung im Mittelpunkt.
Entwicklung in Deutschland
In Deutschland lebten im Jahr 2019 etwa 83 Millionen Menschen, darunter 42 Millionen Frauen und 41 Millionen Männer. Nach einer Prognose des Statistischen Bundesamtes könnte die Bevölkerung bis 2060 auf etwa 74 Millionen sinken. Als Hauptursache nennt der Artikel die seit den 1970er Jahren sinkende Anzahl von Geburten.
2019 wurden in Deutschland insgesamt 778.000 Kinder geboren, während knapp 940.000 Personen starben. Damit lagen die Sterbefälle um mehr als 160.000 über den Geburten. Dieser Trend ist in Deutschland bereits seit den 1970er Jahren erkennbar.
Die Altersstruktur zeigt eine zunehmende Alterung der Gesellschaft. Der Anteil der über 67-Jährigen stieg von 11 % im Jahr 1970 auf 19 % im Jahr 2018. Gleichzeitig sank der Anteil der unter 20-Jährigen deutlich: In Westdeutschland lag er 1970 noch bei 29,7 Prozent, in Deutschland 2018 nur noch bei 18,4 Prozent. Das Durchschnittsalter erhöhte sich von 43,9 Jahren im Jahr 2011 bis 2020 auf 45,7 Jahre.
Die frühere sogenannte Alterspyramide näherte sich einer Urnenform an. Diese Form ist in Industriestaaten verbreitet und typisch bei sinkenden Geburtenzahlen in Verbindung mit hoher Lebenserwartung. Dabei steigt nicht nur das Durchschnittsalter, sondern der Anteil jüngerer Altersgruppen nimmt weiter ab. Der Anteil der Menschen über 67 stieg zwischen 1970 und 2018 von 11,1 auf 19,2 Prozent. Der Anteil der über 85-Jährigen vervierfachte sich in diesem Zeitraum mehr als: Er stieg von 0,6 auf 2,7 Prozent, was Ende 2018 insgesamt 2,3 Millionen Menschen ab 85 Jahren entsprach.
Folgen des höheren Durchschnittsalters
Das steigende Durchschnittsalter verändert das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Menschen im Rentenalter. Das betrifft den sogenannten Generationenvertrag. Damit ist gemeint, dass die arbeitende Bevölkerung durch Beiträge und Steuern die Renten und soziale Sicherung älterer Generationen mitträgt. Wenn weniger Erwerbstätige mehr Menschen im Rentenalter versorgen sollen, entsteht zusätzlicher Druck auf dieses System.
Der Anteil der Erwerbstätigen sank in Deutschland in zwanzig Jahren von 68,2 Prozent im Jahr 1998 kontinuierlich auf 64,6 Prozent im Jahr 2019.
Auch der Immobilienmarkt kann betroffen sein. Die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre besitzen einen großen Teil der Eigenheime. Wenn diese Immobilien altersbedingt auf neue Eigentümer übergehen, könnte in den kommenden Jahren ein erhöhtes Immobilienangebot entstehen. In strukturschwachen Regionen wird ein großes Überangebot mit sinkenden Preisen erwartet. Ballungsräume dürften dagegen weniger betroffen sein.
Österreich und Schweiz
Für den ländlichen Raum Österreichs analysiert das ECOnet Team rund um den Politologen Peter Filzmaier die Auswirkungen des demografischen Wandels. Die Studien erwarten bis 2050 ein allgemeines Bevölkerungswachstum von 9 Prozent und keinen Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum. Gleichzeitig wird ein Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung um 5 Prozent erwartet, wenn die aktuellen Altersgrenzen der Erwerbstätigkeit unverändert bleiben. Die reine Veränderung der Bevölkerungsstruktur wird demnach vor allem durch ihre Folgen für die Gesellschaft problematisch.
In der Schweiz werden besonders Regionen mit überdurchschnittlich alter Bevölkerung genannt, zum Beispiel der Speckgürtel um Basel. Dort können Gemeinden durch hohe oder steigende Kosten für Alters- und Pflegeheime sowie für Spitex, also ambulante Pflege- und Unterstützungsdienste, hohe Haushaltsdefizite bekommen.
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