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Restriktive Geldpolitik

Restriktive Geldpolitik wird vor allem in Zeiten konjunktureller Überhitzung angewandt. Sie kann als Gegenstück zur expansiven Geldpolitik verstanden werden.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Ziel
  2. 2. Grundlegender Wirkungsmechanismus
  3. 3. Instrumente der Zentralbank
  4. 4. Folgen für Wirtschaft und Beschäftigung
  5. 5. Grenzen in einer offenen Volkswirtschaft

Definition und Ziel

Restriktive oder kontraktive Geldpolitik umfasst alle Maßnahmen einer Zentralbank, die die umlaufende Geldmenge vermindern. Ihr Hauptziel ist, den Anstieg des Preisniveaus zu verlangsamen und damit Inflationstendenzen zu verringern beziehungsweise Preisstabilität zu sichern. Sie wird vor allem bei einer konjunkturellen Überhitzung eingesetzt und ist das Gegenstück zur expansiven Geldpolitik.

Grundsätzlich wird zwischen Zinspolitik und Liquiditätspolitik unterschieden. Die Zinspolitik beeinflusst die Kosten von Krediten, während die Liquiditätspolitik auf die verfügbaren Geldmittel im Bankensystem einwirkt. Zwischen beiden bestehen Wechselwirkungen.

Grundlegender Wirkungsmechanismus

Eine kontraktive Geldpolitik lässt zunächst den inländischen Zinssatz steigen. Höhere Zinsen verteuern Kredite und dämpfen dadurch Investitionen und Konsum. Gleichzeitig werden inländische Wertpapiere für Anleger attraktiver. Die Nachfrage nach der Landeswährung nimmt zu, sodass diese aufwertet.

Durch die Aufwertung werden heimische Güter im Ausland teurer und ausländische Güter im Inland günstiger. Deshalb sinken die Exporte, während die Importe zunehmen. Der Rückgang der Nettoexporte – also der Exporte abzüglich der Importe – senkt zusammen mit den geringeren Investitionen und dem geringeren Konsum die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und die Produktion. Wenn dadurch auch die Geldnachfrage abnimmt, können die Zinsen später wieder sinken.

Instrumente der Zentralbank

Ein klassisches Instrument ist die Diskontpolitik, bei der Europäischen Zentralbank insbesondere das Hauptrefinanzierungsinstrument. Die Zentralbank kann den Leitzins verändern, zu dem Geschäftsbanken bei ihr Kredite aufnehmen, um fehlende Liquidität auszugleichen. Ein höherer Leitzins verteuert diese Finanzierung. Zusätzlich kann die Zentralbank die bereitgestellte Geldbasis, also das Zentralbankgeld, mengenmäßig kontingentieren. Dadurch können Geschäftsbanken tendenziell weniger Kredite an Nichtbanken wie private Haushalte und Unternehmen vergeben.

Ein weiteres Instrument sind Mindestreserveauflagen. Geschäftsbanken müssen dabei einen bestimmten Anteil der bei ihnen gehaltenen kurzfristigen Einlagen als Reserve halten. In den Mitgliedsländern der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion beträgt dieser Anteil laut Artikel aktuell 1 %. Eine Erhöhung der Mindesteigenkapitalanforderungen für Kreditrisiken wirkt allerdings stärker restriktiv.

Mit diesen Instrumenten sollen Bankreserven, Geldangebot und Zinssätze so beeinflusst werden, dass Ziele wie Preisstabilität, eine geringere Nettokreditaufnahme oder ein geringeres Leistungsbilanzdefizit erreicht werden.

Folgen für Wirtschaft und Beschäftigung

Die Wirkungskette lässt sich vereinfacht so darstellen: Eine preisliche oder mengenmäßige Begrenzung der Finanzierung verknappt die verfügbaren Bankreserven und über die mehrfache Buchgeldschöpfung auch die Geldmenge. Ein geringeres Geldangebot erhöht entlang der Geldnachfragefunktion die Zinssätze. Höhere Zinsen und knappes Geld drosseln Investitionen und Konsum; in einer offenen Volkswirtschaft gehen außerdem die Nettoexporte zurück. Über den Multiplikatoreffekt führt der Rückgang dieser Ausgaben zu einer noch stärkeren Abnahme der Gesamtnachfrage.

Die im Artikel angegebene Kurzdarstellung lautet: Bankreserven ↓, verfügbare Geldmenge ↓, Zinssatz ↑, Investitionen ↓, Konsum ↓, Nettoexporte ↓, Gesamtnachfrage ↓, reales Bruttoinlandsprodukt ↓, Produktion ↓, Inflation ↓, Arbeitslosigkeit ↑. Das niedrigere Nachfrage-, Produktions- und Preisniveau führt zur Disinflation, also zu einer Abschwächung des Preisauftriebs.

Kurz- und langfristig können sich die Folgen unterscheiden. Kurzfristig verschiebt die geringere Geldmenge die AD-Kurve, welche die gesamtwirtschaftliche Nachfrage darstellt. Bei einer relativ flachen AS-Kurve, also einem elastischen gesamtwirtschaftlichen Angebot, sinkt vor allem die Produktion; das Preisniveau verändert sich nur wenig. Langfristig verläuft die AS-Kurve beinahe vertikal. Dann verändert sich hauptsächlich das Preisniveau, während die Produktionsleistung kaum beeinflusst wird. Im Extremfall betrifft eine Geldmengenänderung nur nominelle Größen und keine realen Größen.

Die Phillips-Kurve veranschaulicht den Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Kurzfristig bedeutet dieser Zusammenhang, dass die Senkung der Inflation mit einer Erhöhung der Arbeitslosigkeit verbunden ist.

Grenzen in einer offenen Volkswirtschaft

Die Zentralbank kann die Geldmenge trotz ihrer Instrumente nicht vollständig kontrollieren. Ursachen sind das zweistufige Finanzsystem aus Zentralbank und Geschäftsbanken, die partielle Reservehaltung sowie die Globalisierung von Handel und Finanzen.

Erstens entscheidet die Zentralbank nicht darüber, wie viel Geld private Haushalte als Bankeinlagen halten. Verlieren Menschen das Vertrauen in das Bankensystem und tauschen einen großen Teil ihrer Einlagen gegen Bargeld, können die Banken weniger Buchgeld schaffen. Das Geldangebot sinkt dann ohne einen Eingriff der Zentralbank.

Zweitens kontrolliert die Zentralbank nicht unmittelbar, wie viele Kredite Geschäftsbanken vergeben. Schätzen Banken die wirtschaftliche Lage schlechter ein und werden bei der Kreditvergabe vorsichtiger, steigen ihre Reserven automatisch und die umlaufende Geldmenge nimmt ab. Im partiellen Reservesystem hängt die Geldmenge daher auch vom Verhalten der Einleger und Banken ab.

Drittens beeinflusst Geldpolitik in einer offenen Volkswirtschaft flexible Wechselkurse und Nettoexporte. Erhöht die Zentralbank den Zinssatz, werden inländische Wertpapiere für ausländische Anleger attraktiver. Die Nachfrage nach der inländischen Währung steigt, sie wertet auf und heimische Güter werden gegenüber ausländischen Gütern teurer. Die Nachfrage nach heimischen Produkten und damit die Produktion gehen zurück. Eine Zinsänderung wirkt somit direkt und zusätzlich indirekt über den Wechselkurs.

Die Steuerung wird außerdem erschwert, weil der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Nettoexporten nicht genau bestimmbar ist und die heimische Politik andere Volkswirtschaften, die Zusammensetzung des Bruttoinlandsprodukts und die Schuldenbelastung der Dritten Welt berühren kann. Durch eine fortlaufende Beobachtung der Einlagen und Reserven kann die Zentralbank Verhaltensänderungen bei Einlegern und Geschäftsbanken jedoch erkennen und mit Gegenmaßnahmen versuchen, die Geldmenge nahe am geplanten Umfang zu halten.

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