Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Christentum in Afrika
Zwischen 37 und 41 % der afrikanischen Bevölkerung gehören christlichen Konfessionen an (u. a. Kopten). Die Mehrheit der afrikanischen Christen lebt im …
Inhalt5 Abschnitte
Verbreitung und Bedeutung
Das Christentum ist eine der großen Religionen Afrikas. Zwischen 37 und 41 % der afrikanischen Bevölkerung gehören christlichen Konfessionen an; zu ihnen zählen unter anderem die Kopten. Die meisten afrikanischen Christen leben im östlichen, zentralen und südlichen Afrika.
Die Zahl der Christen ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Allein die Zahl der Katholiken in Afrika nahm zwischen 1980 und 2012 um 238 % zu. Das afrikanische Christentum umfasst zahlreiche Konfessionen und Organisationsformen: orthodoxe und orientalisch-orthodoxe Kirchen, die römisch-katholische Kirche, anglikanische, lutherische, reformierte, presbyterianische, methodistische und baptistische Kirchen sowie Pfingstkirchen und unabhängige afrikanische Kirchen.
Anfänge und frühe Ausbreitung
Das Christentum breitete sich seit dem 1. Jahrhundert von Ägypten aus entlang der afrikanischen Mittelmeerküste und des Nils aus. Auch am Roten Meer entstanden früh christliche Gemeinschaften. Zu den bedeutenden alten Traditionen gehört die Koptische Kirche, deren geistliches Zentrum mit dem Patriarchat von Alexandria verbunden ist.
Im 4. Jahrhundert wurde das Hochland von Abessinien christianisiert. Im damaligen Reich Aksum, das Gebiete des heutigen Äthiopiens und Eritreas umfasste, erhob König Ezana das Christentum zur Staatsreligion. Daraus entwickelte sich unter anderem die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche. Diese frühe afrikanische Tradition besteht bis heute; mit ihr verbunden sind beispielsweise der äthiopische Ritus, die Kirchen von Lalibela und die Klöster am Tanasee.
Mission, Handel und Kolonisation
Die weitere Ausbreitung des Christentums begann im Zusammenhang mit den Expansionsbestrebungen Portugals. Anfang des 16. Jahrhunderts setzte im Kongogebiet die erste Missionsarbeit dieser Phase ein. Seit 1624 versuchten Jesuiten, Dominikaner, Augustiner und französische Missionare, die ostafrikanische Küste zu missionieren. Diese Versuche blieben erfolglos; Anfang des 19. Jahrhunderts waren nahezu alle Spuren davon verschwunden.
Ab dem 15. Jahrhundert gelangte das Christentum über europäische Handelsstützpunkte und später durch die Kolonisation in weitere Teile Afrikas. Seit dem 19. Jahrhundert folgten Missionare häufig den Kolonialmächten oder bereiteten deren Vordringen mit vor. An der protestantischen Missionierung waren unter anderem die Bleckmarer Mission, das Berliner Missionswerk, die Hermannsburger Mission, SIL International, die Herrnhuter Brüdergemeine und die Bethel Mission beteiligt.
Für die dauerhafte Verbreitung waren einerseits Missionskirchen wichtig, also Kirchen, die aus der Tätigkeit ausländischer Missionen hervorgingen. Andererseits spielten unabhängige afrikanische Kirchen eine bestimmende Rolle. Solche Kirchen entwickelten eigenständige Organisationsformen und verbanden das Christentum mit afrikanischen kirchlichen Bewegungen.
Regionale und konfessionelle Vielfalt
Die christlichen Kirchen Afrikas unterscheiden sich stark nach Land und Region. Die römisch-katholische Kirche ist in fast allen aufgeführten Staaten vertreten. Daneben bestehen zahlreiche orthodoxe, anglikanische und protestantische Kirchen sowie selbstständige afrikanische Gemeinschaften.
In Ägypten gehören dazu die Kopten, die Koptische Kirche, das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat von Alexandria, die Koptisch-Katholische Kirche, die römisch-katholische Kirche und protestantische Gemeinschaften. In Äthiopien bestehen neben der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche unter anderem die Kale-Heywat-Kirche, die Mekane-Yesus-Kirche, die Meserete-Kristos-Kirche, die römisch-katholische Kirche und die Äthiopisch-Katholische Kirche. In Eritrea sind die Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche, die Eritreisch-Katholische Kirche, die römisch-katholische Kirche und die Evangelisch-Lutherische Kirche vertreten.
West-, Zentral-, Ost- und Südafrika weisen ebenfalls eine große Vielfalt auf. Beispiele sind die Himmlische Kirche Christi in Benin, die Harristenkirche in der Elfenbeinküste, die Kimbanguistenkirche in der Demokratischen Republik Kongo, Legio Maria und die African Israel Church, Nineveh in Kenia sowie die Aladura-Kirchen und die Redeemed Christian Church of God in Nigeria. Hinzu kommen viele anglikanische, baptistische, lutherische, methodistische, presbyterianische und reformierte Kirchen. In Südafrika bestehen unter anderem mehrere apostolische und lutherische Kirchen, die Anglikanische Kirche des südlichen Afrika, die römisch-katholische Kirche, die Zion Christian Church, die Neuapostolische Kirche und die Uniting Reformed Church in Southern Africa.
Auch kleinere oder überwiegend islamisch geprägte Staaten besitzen christliche Minderheiten und kirchliche Strukturen. In Marokko macht das Christentum höchstens 1 % der Bevölkerung aus. Die dortige römisch-katholische Kirche zählt mit den Erzbistümern Rabat und Tanger 24.000 Mitglieder; außerdem gibt es eine Gemeinde der Russisch-Orthodoxen Kirche und protestantische Christen. Für die Komoren und Mayotte ist das Apostolische Vikariat Archipel der Komoren genannt. In der Westsahara bestehen die römisch-katholische Kirche und die Apostolische Präfektur Westsahara; Réunion besitzt das Bistum Saint-Denis-de-La Réunion.
Afrikanische und länderübergreifende Kirchen
Einige christliche Traditionen und Organisationen überschreiten Staatsgrenzen. Dazu gehören der alexandrinische Ritus und der Äthiopismus. Ein Ritus bezeichnet die festgelegten Formen von Gottesdienst, Liturgie und kirchlicher Praxis. Der Äthiopismus steht im Artikel als länderübergreifender Zusammenhang des afrikanischen Christentums.
Als afrikanische Kirchen werden unter anderem die Alt-Apostolische Kirche, die Cherubim and Seraphim Society, die Church of the Province of West Africa und die Kimbanguistenkirche aufgeführt. Der Sammelbegriff „Schwarzafrikanische Kirchen“ bezeichnet ebenfalls eigenständige Kirchen, die in Afrika entstanden sind. Diese Gemeinschaften zeigen, dass das Christentum auf dem Kontinent nicht nur durch europäische Missionskirchen geprägt wurde, sondern auch durch selbstständige afrikanische Kirchenbildungen.