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Calumet City
Calumet City [ˈkaljəˌmet ˈsɪti] ist eine Stadt im Cook County im Nordosten des amerikanischen Bundesstaates Illinois. Die Stadt grenzt im Osten an den …
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Überblick
Calumet City ist eine Stadt im Cook County im Nordosten des US-Bundesstaates Illinois. Sie liegt direkt an der Grenze zu Indiana, gehört zur Metropolregion Chicago und ist vollständig von besiedeltem Gebiet umgeben. Das Zentrum von Chicago liegt etwa 30 Kilometer nordwestlich, die Küste des Lake Michigan etwa fünf Kilometer nördlich. 2020 hatte Calumet City 36.033 Einwohner, 14.166 Haushalte und eine Fläche von 18,8 km². Die Bevölkerungsdichte betrug 1.917 Einwohner je km², die Höhe 180 m.
Die Stadt wurde 1893 als West Hammond gegründet und 1923 in Calumet City umbenannt; die Umbenennung trat 1924 in Kraft. Der Name bezieht sich auf den Little Calumet River und den Grand Calumet River. Die Stadt war lange eine Arbeiterstadt für Beschäftigte in Schlachthöfen, Stahlwerken und Raffinerien der Umgebung. Bekannt wurde sie außerdem durch ihr Vergnügungs- und Rotlichtviertel entlang der State Street, weshalb sie früher den Spitznamen „Sin City“ trug. Seit den 1970er Jahren veränderten der Niedergang der Stahlindustrie und wohnungspolitische Entwicklungen die soziale und ethnische Zusammensetzung stark.
Lage, Naturraum und Klima
Die Ostgrenze von Calumet City ist zugleich die gerade verlaufende Grenze zwischen Illinois und Indiana; direkt östlich liegt Hammond. Weitere Nachbarorte sind Lansing im Süden, South Holland im Südwesten und Westen, Dolton im Nordwesten, Chicago im Norden und Burnham im Nordosten. Die südliche Stadtgrenze folgt größtenteils dem Little Calumet River. Im Nordosten berührt der etwa 150 Meter breite Calumet River das Stadtgebiet; dort liegen auch Industrie- und Hausmülldeponien. Der T.J.-O’Brien-Damm mit Schleuse nördlich der Stadtgrenze soll das Wassersystem des Lake Michigan bei Sturm und Überschwemmungen vor kontaminierten Abflüssen aus dem Calumet-River-System schützen.
Geologisch liegt Calumet City über präkambrischen und paläozoischen Gesteinen, vor allem Kalkstein, Dolomit und Schiefern. Im Quartär prägten Gletscher die Landschaft und hinterließen Sedimente wie Bändertone, Schluffe und Sande. Diese Ablagerungen gehören zu einem wichtigen Grundwasserreservoir des Großraums Chicago.
Das Klima ist kontinental-warmgemäßigt nach Köppen Dfa: kühle Winter, warme Sommer und mehr Niederschlag im Sommer als im Winter. Die Nähe des Lake Michigan beeinflusst Luftfeuchte und Winde. Die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen liegen im Sommer bei 27 bis 28 °C, die durchschnittlichen Tagestiefsttemperaturen im Winter bei −7 bis −10 °C. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt 967 Millimeter.
Frühe Besiedlung und Stadtgründung
Im Gebiet des heutigen Calumet City wurden Pfeilspitzen und andere Spuren aus der Zeit vor der europäischen Besiedlung gefunden. Vor der Ankunft der Europäer lebten im Gebiet des Calumet River unter anderem Miami, später Potawatomi und auch Ottawa. Die Gegend war ein natürlicher Durchgangsraum südlich des Lake Michigan.
Die ersten europäischen Siedler waren Deutsche. Hans und Louise Schrum aus Hamburg ließen sich 1863 an der Grenze zu Indiana nieder; die entstehende Siedlung hieß Schrumville. Später entstanden dort unter anderem eine Molkerei und die Schrum Pickle Works, die bis 1973 bestanden. Ab 1868 zog der Schlachthof G. H. Hammond Meat Packing Plant im benachbarten Hammond viele deutsche Arbeiter an, von denen sich einige westlich der Grenze in Illinois niederließen. Diese Siedlung wurde West Hammond genannt.
Ab Ende der 1880er Jahre kamen polnische Einwanderer hinzu. Ein Investoren-Syndikat kaufte 1890 rund 1,3 Mio. m² Land und teilte es 1891 in 36 Blöcke mit insgesamt 1728 Grundstücken. Die neue Siedlung Sobieski Park wurde gezielt an polnischstämmige Einwanderer vermarktet. 1900 lebten dort etwa 234 polnische Familien mit insgesamt rund 1400 Personen.
1893 schlossen sich Schrumville, West Hammond und Sobieski Park als Village West Hammond zusammen. Damals lebten dort 500 Menschen. 1900 waren es bereits 3000. Nach mehreren Abstimmungen erhielt West Hammond ab 1912 den Status einer City, nachdem 1911 die Grenze von 5000 Einwohnern überschritten worden war.
Prohibition, „Strip“ und Arbeiterstadt
Die Prohibition machte West Hammond besonders bekannt. In Indiana galt das Alkoholverbot schon 1916, in Illinois erst ab 1920. Weil West Hammond direkt hinter der Bundesstaatsgrenze lag und gut erreichbar war, wurde es ein Ziel für Besucher aus dem „trockenen“ Indiana. Die State Street bekam den Beinamen „The Strip“, die Stadt wurde „Sin City“ genannt. Nach Beginn der Prohibition in Illinois entwickelte sich West Hammond zu einem Zentrum von Alkoholschmuggel und anderen illegalen Geschäften, die weitgehend vom Chicago Outfit kontrolliert wurden. Al Capone ließ 1923 in einem Bandenkrieg Konkurrenten ausschalten; er soll auch eine Fluchtwohnung in der Stadt gehabt haben.
1923 stimmten die Bürger für die Umbenennung in Calumet City, um das schlechte Image von West Hammond loszuwerden. Am Nachtleben änderte sich dadurch wenig. Nach dem Ende der Prohibition 1933 verlagerte sich das organisierte Verbrechen stärker auf Striptease, Prostitution und illegales Glücksspiel. 1941 zählte das Life Magazine 308 Bars und Nachtklubs in Calumet City, angeblich eine Bar pro 46 Einwohner.
Trotz dieses Vergnügungsviertels blieb Calumet City im Alltag vor allem eine weiße Arbeiterstadt. Viele Einwohner arbeiteten in Stahlwerken, Schlachthöfen und anderen Industriebetrieben der Region. Wichtige Arbeitgeber waren Wisconsin Steel und die South Works von US Steel. In den South Works arbeiteten Ende der 1960er Jahre 20.000 Menschen. Ab 1973 begann US Steel, die Belegschaft zu verkleinern.
Calumet City spielte auch eine Rolle für schwule und lesbische Menschen in der Region Chicago. 1963 eröffnete Elizabeth E. Tocci den Club 307, eine Bar für lesbische und schwule Menschen und die erste offen lesbische Bar in Chicagoland. 1971 eröffnete sie The Patch. Anders als in Chicago wurden solche Bars in Calumet City zeitweise weniger stark durch Wahlkampfkampagnen unter Druck gesetzt. 1972 entstand außerdem die Idee, einen Wasserturm mit einem Smiley zu bemalen; später wurden zwei Wassertürme als „Mr. und Ms. Smiley“ zu Maskottchen der Stadt.
Wandel seit den 1970er Jahren
Seit den 1970er Jahren veränderte sich Calumet City stark. 1975 wurde in Illinois ein Wohngeld-System für Menschen mit geringem Einkommen eingeführt, meist „Section 8“ genannt. Es sollte arme Haushalte unterstützen und faktische Segregation verringern. Seit den 1980er Jahren setzte das Programm stärker auf Gutscheine statt auf große Wohnanlagen. In der Praxis zogen viele Gutscheinempfänger aus sozialen Brennpunkten Chicagos in ältere, günstigere Vororte. 1992 lebten 65 Prozent aller Section-8-Empfänger im Raum Chicago in nur 14 südlichen Vororten, darunter Calumet City. Da die Mehrheit der Gutscheinempfänger und 90 Prozent der Familien mit Gutscheinen schwarz waren, veränderte sich auch die Bevölkerungszusammensetzung der Stadt.
Gleichzeitig brach die industrielle Basis der Region ein. Wisconsin Steel wurde am 28. März 1980 abrupt geschlossen; 3000 Arbeiter verloren ihre Arbeitsplätze. Am 10. April 1992 schlossen auch die South Works von US Steel vollständig. Calumet City wurde damit Teil des sogenannten Rust Belt, also einer Region, in der alte Industriearbeitsplätze stark zurückgingen.
Der Anteil der schwarzen Bevölkerung stieg von 6 Prozent im Jahr 1980 auf 54 Prozent im Jahr 2000 und 71 Prozent im Jahr 2010. Der Anteil der weißen Bevölkerung sank bis 2010 auf 13 Prozent. Zugleich fiel das durchschnittliche Haushaltseinkommen. Die Ziele von „Section 8“ wurden laut Artikel nur teilweise erreicht: Die Lebensqualität war in Vororten wie Calumet City besser als in früheren Hochhaus-„Ghettos“ wie Cabrini-Green, aber soziale Mischung entstand kaum. Stattdessen setzte sich Segregation in neuer geografischer Form fort. Probleme wie Drogen- und Gangkriminalität, sinkende Schulqualität und eine schwächere Steuerbasis verstärkten die Abwanderung vieler weißer Bewohner.
Gegenwart, Politik und Infrastruktur
1993 wurde Jerry Genova Bürgermeister und versprach, das Rotlichtviertel um die State Street zu beseitigen. 1995 erklärte die Stadt mehrere Blöcke entlang State Street, Plummer Avenue und Stateline Road zu abbruchreifen Elendsgebieten. Grundstücke wurden auf Grundlage des Enteignungsrechts von Illinois angekauft, finanziert durch eine zweckgebundene Anleihe über 15 Millionen US-Dollar. Das Gebiet wurde als TIF-Gebiet ausgewiesen, also über künftige Steuerzuwächse finanziert. 2008 lag die Kriminalitätsrate bei 84 gemeldeten Verbrechen je 1000 Einwohnern; sie war damit in der Region besonders hoch, vor allem wegen Eigentumsdelikten. Gewaltverbrechen standen zunehmend im Zusammenhang mit Gangs.
Politisch ist Calumet City in sieben Wards eingeteilt. Vor dem City-Status hieß der Bürgermeister „village president“, danach „mayor“. Zu den wichtigen Bürgermeistern gehörten John Hessler, Jacob Czaszewicz als erster Bürgermeister polnischer Herkunft, Robert Stefaniak, Jerry Genova und seit 2003 Michelle Qualkinbush. Calumet City gehört zum 2. Kongresswahlbezirk von Illinois, der stark demokratisch geprägt ist. Bei der Kongresswahl 2008 erhielt Jesse Jackson, Jr. in Calumet City gut 97 Prozent der Stimmen; bei der Präsidentschaftswahl entfielen gut 91 Prozent auf Barack Obama.
Wirtschaftlich war Calumet City nie selbst ein großer Industriestandort, sondern vor allem Wohnort von Industriearbeitern. Heute arbeiten Beschäftigte vor allem im Einzelhandel, Hotel- und Gastgewerbe, in der lokalen Verwaltung und im Gesundheitswesen. Wichtige Arbeitgeber sind die Kaufhäuser Marshall Field und J. C. Penney in der River Oaks Mall. Das Durchschnittseinkommen pro Einwohner lag 2009 bei 20.339 US-Dollar, fast 30 Prozent unter dem Durchschnitt von Illinois.
Verkehrlich liegt die Stadt nahe den Interstates I-94, I-90 und U.S. Route 6. Fünf Pace-Buslinien bedienen Calumet City und verbinden die Stadt mit METRA-Stationen. Eine Fahrt von der River Oaks Mall bis zur Millennium Station in Chicago dauert ungefähr eine Stunde. Im Bildungsbereich gibt es mehrere Grund- und Mittelschulbezirke sowie zwei zuständige öffentliche Highschools: Thornton Fractional North in Calumet City und Thornwood High School in South Holland. 2009 hatten 84 Prozent der Einwohner über 25 Jahre einen Highschool-Abschluss, 15 Prozent einen Bachelor-Abschluss oder höher.