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Byzantinische Musik
Byzantinische Musik ist die zur Zeit des Byzantinischen Reichs ab der Ernennung Konstantinopels zur Hauptstadt im Jahr 330 bis zur Eroberung dieser Stadt …
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Wesen und zeitlicher Rahmen
Byzantinische Musik bezeichnet die Musik des Byzantinischen Reichs von der Ernennung Konstantinopels zur Hauptstadt im Jahr 330 bis zur Eroberung der Stadt durch die Osmanen 1453. Im engeren Definitionssatz ist damit die säkulare und profane Musik dieser Zeit gemeint. Die byzantinische Musik beruhte auf der griechischen Kultur und Sprache des Späthellenismus, orientalischen Kultureinflüssen und der christlich-orthodoxen Staatsreligion.
Die Epoche endete 1453. Christliche Traditionen in Kunst und Musik wurden unter osmanischer Herrschaft weitergeführt und als postbyzantinische Musik bezeichnet. Diese Entwicklung reichte bis ins 17. oder 18. Jahrhundert. Anfang des 19. Jahrhunderts leiteten die drei Lehrer Bischof Chrysanthos von Madytos († 1846), Churmuzios Chartophylax († 1840) und Gregorios Protopsaltes (1777–1822) Reformen ein. Daraus entstand die neubyzantinische Kirchenmusik. Seit 2019 steht der kirchliche byzantinische Gesang auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit.
Kirchlicher Gesang und Hymnenformen
Die byzantinische Kirchenmusik entstand aus griechischen, syrischen und hebräischen Gesangstraditionen. Sie ist reine Vokalmusik: Die gesamte Liturgie wurde gesungen, sodass kein Wort mit der Sprechstimme vorgetragen wurde. Die Kirchenmusik ist relativ gut überliefert, während über die weltliche Musik nur wenig bekannt ist.
Die ältere Epoche, der alte Gesang, reicht von den Anfängen bis ins 14. Jahrhundert. In dieser Zeit entstanden wichtige Hymnenformen:
- Das Troparion ist ein einstrophiges Stück und entstand im 5. Jahrhundert.
- Das Kontakion ist ein vielstrophiges Stück aus dem 6. Jahrhundert.
- Der Kanon entstand im 7. bis 9. Jahrhundert. Er besteht aus den neun Cantica und dazwischen stehenden Tropi, die auf derselben Melodie gesungen werden.
Der Gesang war überwiegend syllabisch, das heißt, den einzelnen Silben wurden meist einzelne Töne zugeordnet. Melismen, also mehrere Töne auf einer Silbe, kamen nur in geringer Zahl vor. Nach dem Byzantinischen Bilderstreit (726–843) wurden die Gesänge mithilfe von Neumen aufgezeichnet und in liturgischen Büchern wie Heirmologion, Sticherarion und Kontakarion festgehalten. In derselben Zeit wurde auch die byzantinische Liturgie festgelegt.
Viele frühe Hymnendichter sind anonym. Zu den wenigen bekannten gehören Sophronius von Jerusalem und Sergios I. als Dichter von Kontakien, Romanos Melodos als wichtiger Kontakion-Dichter sowie Andreas von Kreta und Johannes von Damaskus als Dichter von Kanones. Von Kassia sind 50 Hymnen erhalten.
Mittlerer und neuer Gesang
Der mittlere byzantinische Gesang umfasst das 14. bis 19. Jahrhundert. Besonders geprägt wurde er durch den Hymnendichter Johannes Kukuzeles. In dieser Epoche nahm der Anteil der Melismen deutlich zu, sodass die Gesänge gegenüber dem älteren, stärker syllabischen Stil melismatischer wurden.
Vom neuen Gesang spricht man ab der Reform der drei Lehrer im Jahr 1821: Chrysanthos von Madytos, Chartophylax Churmuzios und Protopsaltes Gregorios. Die Reformer präzisierten die Notenschrift und analysierten die vorhandenen Schriften. Umstritten ist jedoch, ob sie die alten Aufzeichnungen zeitgemäß und sachgerecht analysiert hatten.
Tonsystem und Tonarten
Das byzantinische Tonsystem besteht aus acht Echos, dem sogenannten Oktoechos. Diese entsprechen teilweise den Modi der westlichen Musik, unterscheiden sich von ihnen jedoch. Als Erfinder des Systems gilt Johannes von Damaskus. Fast jede Hymne erhielt eine Angabe zur Tonart.
Es gibt vier authentische und vier plagale Echos. Bei den authentischen Echos werden Ambitus und Grundton folgendermaßen angegeben: Echos dorisch: d–d′, Grundton g; Echos phrygisch: e–e′, Grundton h; Echos lydisch: f–f′, Grundton c′; Echos mixolydisch: g–g′, Grundton d′.
Die plagalen Echos sind: Echos hypodorisch: A–a, Grundton d; Echos hypophrygisch: H–h, Grundton e; Echos hypolydisch: c–c′, Grundton f; Echos hypomixolydisch: d–d′, Grundton g. Die Echos können moduliert werden, um einen Leitton zu erzeugen. Außerdem war die Pentatonik bekannt, die bei den Byzantinern τροχός (trochós; griechisch für „Rad“) hieß.
Instrumente und Neumenschrift
Musikinstrumente wurden ausschließlich in der weltlichen Musik verwendet. Zu den Instrumenten gehörte unter anderem die Orgel. Sie gelangte als Geschenk aus Byzanz in das Frankenreich und wurde später in der westlichen Kirchenmusik zum Hauptinstrument.
Die byzantinische Neumenschrift ist erst seit dem 9. Jahrhundert belegt. Die frühen Neumen aus dem 10. Jahrhundert bis 1200 dienten lediglich als Gedächtnisstützen und sind deshalb für heutige Leser schwer zu entziffern. Danach entwickelten sie sich über die mittleren Neumen, die bis zum 15. Jahrhundert verwendet wurden, und die späten Neumen zu den modernen Neumen. Diese wurden während der Reform der drei Lehrer festgelegt und haben einen nicht so großen Umfang.