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Buddhistenkrise
Mai 1963, Vesakh, ignorierten viele Buddhisten dieses Verbot der buddhistischen Flagge bzw. verstießen aus Protest gegen dieses. In Huế fand eine …
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Kern der Krise
Die Buddhistenkrise war eine politisch-religiöse Krise in Südvietnam vom 8. Mai bis zum 2. November 1963. Sie begann mit dem Verbot, die buddhistische Flagge zu hissen, und endete mit einem Putsch der Armee der Republik Vietnam, kurz ARVN, gegen die Regierung von Ngô Đình Diệm. Diệm wurde festgenommen und später getötet.
Die Krise war wichtig, weil sie zeigte, wie stark sich religiöse Diskriminierung, staatliche Gewalt und politischer Widerstand in Südvietnam miteinander verbanden. Die Proteste buddhistischer Mönche und Laien richteten sich gegen eine Regierung, die von Vertretern der römisch-katholischen Minderheit dominiert wurde, obwohl 1963 etwa 70 bis 90 Prozent der Bevölkerung buddhistischen Glaubens waren.
Religiöse und politische Ausgangslage
1963 war die Mehrheit der Bevölkerung Südvietnams buddhistisch. Trotzdem wurde die Regierung unter Ngô Đình Diệm stark von der römisch-katholischen Minderheit geprägt. Die katholische Kirche war damals der größte Landbesitzer.
Viele Maßnahmen der Regierung wurden von Buddhisten als Diskriminierung verstanden. Dazu gehörten Verordnungen, Gesetze und Anordnungen, die Katholiken bevorzugten. Eine wichtige Anweisung betraf das Militär: Hohe Militärgrade sollten an Katholiken vergeben werden. Dadurch konvertierten viele Soldaten zum Christentum, weil sie sich davon bessere Aufstiegschancen versprachen.
Ein direkter Auslöser war der Umgang mit religiösen Symbolen. Während die Flagge der Vatikanstadt teilweise bei großen Volksfesten gehisst wurde, verbot die Regierung am 7. Mai 1963 das Hissen der buddhistischen Flagge. Das geschah einen Tag vor Vesakh, dem höchsten buddhistischen Feiertag. Vesakh erinnert an die Geburt, die Erleuchtung und das Verlöschen Buddhas.
Beginn der Proteste im Mai
Am 8. Mai 1963, dem Vesakh-Tag, ignorierten viele Buddhisten das Verbot der buddhistischen Flagge oder verstießen bewusst aus Protest dagegen. In Huế kam es zu einer Demonstration von etwa 3000 Menschen im Stadtzentrum. Sicherheitskräfte umstellten daraufhin den Ort.
Auf dieser Demonstration rief der buddhistische Mönch Thích Quảng Đức dazu auf, sich gegen die Diskriminierung durch Katholiken zu wehren. Immer mehr Menschen schlossen sich dem Protest an. Als am Abend zwei Explosionen die Stadt erschütterten, löste das Militär die Demonstration mit Waffengewalt auf. Dabei starben neun Menschen.
Die Regierung machte den Vietkong für die Explosionen verantwortlich und verteidigte den Einsatz von Waffen als unbedingt gerechtfertigt. In den folgenden Tagen gingen die Proteste weiter. Thích Quảng Đức setzte sich dabei für gewaltlosen Widerstand ein. Der Mai endete mit einer Großdemonstration von 500 Mönchen in Saigon. Nach dieser Demonstration traten sie für zwei Tage in den Hungerstreik.
Eskalation im Juni und Juli
Am 1. Juni 1963 gab das Ngô-Regime die Entlassung von drei wichtigen Amtsträgern bekannt, die mit dem Zwischenfall in Huế verbunden waren: der Leiter der Provinzverwaltung, sein Stellvertreter und der Regierungsdelegierte für Zentralvietnam. Zu diesem Zeitpunkt schien die Entwicklung aber bereits nicht mehr umkehrbar.
Am 3. Juni wurden in Huế 67 friedlich demonstrierende Mönche durch einen Tränengasangriff von Polizei und Militär verletzt. Die Chemikalie wurde über die Köpfe der Betenden gegossen. Die US-amerikanische Regierung drohte inoffiziell damit, dem katholisch geprägten Regime die Hilfe zu entziehen.
Am 11. Juni verbrannte sich Thích Quảng Đức aus Protest gegen die Unterdrückung auf dem Platz der Nationalversammlung selbst. Ein Foto dieser Selbstverbrennung wurde zum Pressefoto des Jahres 1963. Laut Artikel zeigte er dabei keine Anzeichen von Schmerzen oder eines Todeskampfes. Madame Nhu, die Schwägerin des Präsidenten und als First Lady betrachtet, sowie ihr Ehemann machten zynische Kommentare vor der Weltpresse. Diese Äußerungen verstärkten den Protest weiter. Saigon wurde in dieser Zeit zum intellektuellen Zentrum der Protestbewegung, die mit Schriften, Demonstrationen und Hungerstreiks Widerstand leistete.
Am 7. Juli wurden amerikanische Journalisten angegriffen, die einen buddhistischen Protestzug am neunten Jahrestag von Diệms Machtergreifung begleiteten. Die Geheimpolizei, die Diệms Bruder Ngô Đình Nhu unterstand, ging gegen sie vor. Weil sich die Journalisten wehrten, wurden sie später in ihren Büros wegen eines Angriffs auf die Polizei festgenommen.
Razzien und Kriegsrecht im August
Am 20. August wurde Ngô Đình Diệm vorgeschlagen, das Kriegsrecht zu verhängen und die Mönche zu zerstreuen. Kriegsrecht bedeutet, dass militärische Regeln und militärische Kontrolle im Inneren besonders stark eingesetzt werden. Die Moral der ARVN hatte durch die Protestaktionen bereits stark gelitten. Dafür wurde eine kommunistische Infiltration der Protestbewegung verantwortlich gemacht.
In den frühen Morgenstunden des 21. August griffen Spezialeinheiten der ARVN in einer Reihe synchronisierter Aktionen buddhistische Pagoden in Südvietnam an. Pagoden sind buddhistische Tempel oder religiöse Gebäude. Mehr als 1400 Buddhisten wurden festgenommen. Die Zahl der getöteten oder verschwundenen Menschen wird im dreistelligen Bereich geschätzt.
Die bekannteste angegriffene Pagode war Xa Loi. Sie war inzwischen zum Zentrum des buddhistischen Aufstandes geworden. Zwei Mönche suchten Zuflucht in der US-amerikanischen Hilfsmission, die ihnen Asyl gewährte. Danach erklärte die ARVN ihre militärische Kontrolle über Saigon, strich alle kommerziellen Flüge in die Stadt und begann mit der Zensur der Presse.
Putsch und Ende
Am 1. November 1963, nach sechs Monaten der Spannung und des wachsenden Widerstands gegen das Regime, führten Generäle der ARVN einen Putsch gegen die Regierung Diệms durch. Ein Putsch ist ein meist militärischer Umsturz der Regierung.
Diệm wurde gefangen genommen, und sein Regime wurde gestürzt. Einen Tag später, am 2. November 1963, wurde Diệm während eines Transports ohne Gerichtsverhandlung erschossen. Damit endete die Buddhistenkrise, die mit dem Flaggenverbot im Mai begonnen hatte und sich durch Demonstrationen, Hungerstreiks, Selbstverbrennung, staatliche Gewalt, Razzien und internationale Aufmerksamkeit zugespitzt hatte.