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Bruce Metzger
Metzger war einer der führenden Experten für die Textkritik des Neuen Testaments und wirkte an mehreren Bibelübersetzungen mit. Er gehörte zu den …
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Bedeutung und Fachgebiet
Bruce Manning Metzger (* 9. Februar 1914 in Middletown, Pennsylvania; † 13. Februar 2007 in Princeton) war ein US-amerikanischer Bibelwissenschaftler. Er lehrte als Professor für Neutestamentliche Sprache und Literatur am Princeton Theological Seminary und galt als einer der führenden Experten für die Textkritik des Neuen Testaments.
Textkritik bedeutet hier: Fachleute vergleichen alte Handschriften und Übersetzungen, um den ursprünglichen oder möglichst zuverlässigen Wortlaut eines Textes zu rekonstruieren. Metzger war besonders wichtig für die Erforschung des griechischen Neuen Testaments. Er gehörte zu den Herausgebern des Novum Testamentum Graece von Nestle und Aland sowie des Greek New Testament der United Bible Societies. Diese Ausgaben zählen zu den wichtigsten Textausgaben des griechischen Neuen Testaments der letzten Jahrzehnte.
Außerdem wirkte Metzger an mehreren Bibelübersetzungen mit, unter anderem von 1973 bis 1990 an der ökumenischen New Revised Standard Version (NRSV) und an der Reader’s Digest Bible. Seine Arbeit ist deshalb wichtig, weil viele moderne Bibelübersetzungen und wissenschaftliche Ausgaben auf genau solchen textkritischen Entscheidungen beruhen.
Ausbildung und Laufbahn
Metzger schloss 1935 das Lebanon Valley College in Annville, Pennsylvania, mit einem Bachelor of Arts ab. 1938 folgte am Princeton Seminary der Bachelor of Theology. 1939 wurde er ordinierter Pfarrer der Presbyterian Church.
Schon 1938 begann er am Princeton Theological Seminary zu lehren. Dort gehörte er 46 Jahre lang zur Abteilung für Neues Testament und hatte die George L. Collord Professur für Neues Testament inne. 1942 promovierte er in Altphilologie an der Princeton University. Altphilologie ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit alten Sprachen und Texten, besonders aus der griechischen und römischen Antike.
1978 wurde Metzger zum korrespondierenden Mitglied der British Academy gewählt. Seit 1986 war er Mitglied der American Philosophical Society. 1944 heiratete er Isobel Elizabeth Mackay (1918–2016), die ihn bei seiner Arbeit unterstützte. Sie war die Tochter von John A. Mackay (1889–1983), dem Präsidenten des Princeton Seminary. Metzgers Sohn war James Bruce Metzger (1952–2020). Bruce Metzger starb am 13. Februar 2007 im Alter von 93 Jahren in Princeton und wurde auf dem Princeton Cemetery bestattet.
Methode der Textkritik
Metzger betonte, dass es sehr viele griechische Manuskripte des Neuen Testaments gibt. Ein Manuskript ist eine handschriftliche Überlieferung eines Textes. Für die Rekonstruktion des neutestamentlichen Textes hielt er außerdem frühe Übersetzungen ins Lateinische, Syrische und Koptische für wichtig. Spätere Übersetzungen ins Armenische, Gotische, Georgische und Äthiopische ergänzen diese Überlieferung.
Nach Metzgers Auffassung ermöglicht diese Reihenfolge der Quellen, den Inhalt des Neuen Testaments grundsätzlich zuverlässig zu rekonstruieren. Zusätzlich helfen biblische Zitate in Kommentaren, Predigten und Briefen aus der Zeit des Frühchristentums. Solche Zitate zeigen, wie einzelne Bibelstellen damals gelesen und weitergegeben wurden.
Metzgers Kommentare zu Bibelübersetzungen enthalten häufig textkritische Anmerkungen. Sie sollen Leserinnen und Lesern die literarischen und historischen Hintergründe der Bibel erklären. Literarische Hintergründe betreffen zum Beispiel Aufbau, Sprache und Textformen; historische Hintergründe betreffen Entstehungszeit, Überlieferung und Zusammenhang der Texte.
Lehre und Kritik
Metzger vertrat eine eher rationale Sicht auf die Entstehung der Sammlung der neutestamentlichen Schriften. Nach seiner Ansicht spielte für die frühe Kirche nicht vor allem die Vorstellung einer unfehlbaren, göttlichen Offenbarung die entscheidende Rolle. Wichtiger sei gewesen, dass die Texte von Augenzeugen der damaligen Zeit oder von deren Schülern verfasst worden waren.
Diese Position wurde von fundamentalistischen Gruppen und konservativen theologischen Kreisen teilweise stark kritisiert. Metzger begründete seine Skepsis gegenüber der Vorstellung einer unfehlbaren, göttlichen Offenbarung unter anderem damit, dass nur eine begrenzte Zahl ursprünglicher Handschriften erhalten sei und manche fehlten oder unvollständig geblieben seien.
Außerdem wies er darauf hin, dass Verfasser bewusst oder unbewusst Fehler eingefügt hätten. Als Beispiel nennt der Artikel die königliche Genealogie im Matthäusevangelium. Auch die Zuschreibung von Verfassernamen sei nicht immer stimmig: Bei Genesis, Exodus und Deuteronomium hätten bestimmt mehrere Schreiber mitgewirkt.
Schriften und Übersetzungen
Metzger publizierte über acht Jahrzehnte hinweg. Sein erster Artikel erschien 1938, sein letztes Buch 2006. Er veröffentlichte viele Bücher und Kommentare für Bibelübersetzungen. Zu seinen wichtigen englischen Werken gehören The Text of the New Testament: Its Transmission, Corruption, And Restoration, The Canon of the New Testament: Its Origin, Development, and Significance, Textual Commentary on the Greek New Testament und The Bible in Translation: Ancient and English Versions.
Auch auf Deutsch erschienen zentrale Arbeiten, darunter Der Text des Neuen Testaments. Eine Einführung in die neutestamentliche Textkritik (1966), Der Kanon des Neuen Testaments. Entstehung, Entwicklung, Bedeutung (1993) und Faszinierende Welt der Bibel. Von Menschen und Schicksalen, Schauplätzen und Ereignissen (1995).
Im Bereich der Übersetzungen werden unter anderem The NRSV Bible with the Apocrypha, Compact Edition (1991; 2003), Oxford Annotated Apocrypha: Revised Standard Version (1977), The New Oxford Annotated Bible with the Apocrypha, Revised Standard Version, Expanded Edition (1977) und Oxford Annotated Apocrypha: The Apocrypha of the Old Testament (1977) genannt.
Anerkennung
Metzger erhielt mehrere akademische Auszeichnungen und Ehrungen. 1969 lehrte er als resident scholar im Tyndale House in Cambridge, England. 1974 war er Gastprofessor, also visiting fellow, an der Clare Hall der University of Cambridge. 1979 war er visiting fellow am Wolfson College in Oxford.
Insgesamt erhielt Metzger fünf Ehrendoktortitel, unter anderem von der St. Andrews University in Schottland, der Universität Münster in Deutschland und der Potchefstroom University in Südafrika. Am 16. November 2000 wurde ihm der Bible Translation and Utilization Award vom National Council of the Churches of Christ in the U.S.A. verliehen.