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Bodentrichterspinnen
Die Bodentrichterspinnen (Coelotes) bilden eine zahlenmäßig große Gattung innerhalb der Familie der Trichterspinnen (Agelenidae). Die Arten der eurasisch …
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Überblick
Die Bodentrichterspinnen (Coelotes) sind eine artenreiche Gattung der Trichterspinnen (Agelenidae). Sie gehören zur Unterfamilie Coelotinae und sind in Europa und Ostasien verbreitet. Ihr wissenschaftlicher Name wurde 1841 von Blackwall eingeführt; die Typusart ist die Westliche Bodentrichterspinne (C. atropos).
Ihren deutschen Namen tragen sie, weil sie am Boden leben. Wie andere Trichterspinnen bauen sie Trichternetze zum Beutefang. Besonders auffällig ist außerdem ihre im Vergleich zu vielen anderen Spinnen stark ausgeprägte Brutpflege: Die Weibchen bewachen nicht nur die Eikokons, sondern betreuen und füttern die Jungtiere noch etwa einen Monat lang.
Körperbau und Erkennungsmerkmale
Bodentrichterspinnen sind massig gebaute, gedrungen wirkende Spinnen. Ihre Beine sind im Verhältnis zum Körper kurz und dünn. Die Körperlänge beträgt etwa 15 Millimeter. Der ganze Körper ist dunkelbraun gefärbt.
Das Prosoma, also der Vorderkörper, trägt oben den Carapax, ein Rückenschild. Bei Bodentrichterspinnen ist dessen cephaler Bereich, also der am Kopf gelegene Teil, verbreitert und verdunkelt. Die Spinnen haben wie die meisten Spinnen acht Augen. Diese stehen in zwei Reihen mit je vier Augen: Die vordere Augenreihe ist gerade, die hintere ist von vorn betrachtet prokurv, also nach vorne gebogen. Die vorderen mittleren Augen sind kleiner und dunkler als die übrigen. Der Clypeus, der Bereich zwischen den vorderen Augen und dem Rand des Carapax, ist ungefähr doppelt so hoch, wie ein einzelnes vorderes mittleres Auge breit ist.
Die Cheliceren, also die Kieferklauen, sind vergleichsweise groß und treten beulenartig vor der Stirn hervor. Sie sind senkrecht nach unten bis teilweise nach hinten gerichtet. An ihnen sitzen vorne seitlich drei Zähne, wobei der mittlere größer ist als die beiden anderen; hinten seitlich befinden sich ebenfalls drei gleich große Zähne. Die Cheliceren tragen außerdem dichte Setae, also chitinisierte Haare. Das Sternum, der Brustschild des Vorderkörpers, ist hinten zugespitzt und reicht nicht bis zu den Hüftgliedern des vierten Beinpaares. Alle Beine sind mit dunklen Stacheln versehen.
Das Opisthosoma, der Hinterleib, ist dunkel graubraun und besitzt eine mehr oder weniger deutliche helle Winkel- und Fleckenzeichnung. Bodentrichterspinnen sind ecribellate Spinnen, sie besitzen also kein Cribellum, eine besondere Spinnplatte mancher Spinnen. Wie die meisten Spinnen haben sie sechs paarig angeordnete Spinnwarzen. Die hinteren Spinnwarzen bestehen aus zwei Segmenten und sind mehr als doppelt so lang wie die vorderen.
Genitalmerkmale und Abgrenzung
Zur sicheren Bestimmung der Gattung sind mikroskopische Merkmale wichtig, besonders an den Geschlechtsorganen. Beim Männchen besitzt ein einzelner Bulbus, also das männliche Geschlechtsorgan am Pedipalpus, oben eine leiterartige Apophyse. Eine Apophyse ist ein chitinisierter Fortsatz. Außerdem gibt es eine kurze, abgerundete mittlere Apophyse und eine dritte breite Apophyse an der Patella des Pedipalpus.
Beim Weibchen besitzt die Epigyne, also das äußere weibliche Geschlechtsorgan, seitlich eine Bezahnung und ein kleines Atrium, also einen Vorhof. Die Kopulationskanäle sind vergleichsweise kurz.
Bodentrichterspinnen ähneln den Scheinbodentrichterspinnen (Inermocoelotes), die ebenfalls zur Unterfamilie Coelotinae gehören. Beide Gattungen lassen sich nur anhand mikroskopischer Merkmale unterscheiden. Bei Scheinbodentrichterspinnen fehlt am Bulbus die Apophyse an der Patella. Ihre Epigyne hat eine hinten liegende Bezahnung und ein großes Atrium; auch hier sind die Kopulationskanäle vergleichsweise kurz.
Verbreitung und Lebensräume
Die Gattung Coelotes ist in Europa und Ostasien verbreitet. Typische Lebensräume sind bodennahe, geschützte Stellen: die Unterseite von Steinen, Totholz, Moospolster, Streuschichten und verschiedene Spalten.
Einige Arten leben häufig in Wäldern. Dazu nennt der Artikel die Westliche Bodentrichterspinne (C. atropos) und die Gewöhnliche Bodentrichterspinne (C. terrestris) als Beispiele.
Lebensweise, Jagd und Brutpflege
Bodentrichterspinnen leben räuberisch und terrestrisch, also am Boden. Für den Beutefang bauen sie Trichternetze. Ein solches Netz besitzt einen trichterförmigen Fangbereich mit einem Durchmesser von gut 5 Zentimetern. Dieser Fangbereich ist eine Gespinstdecke, die bei Bodentrichterspinnen stark reduziert ist. Er mündet in ein kreisrundes Loch, das zur Wohnröhre führt. Diese Wohnröhre liegt unterirdisch, wird von der Spinne selbst gegraben, ist einige Zentimeter lang und innen locker ausgesponnen.
Die Hauptbeute sind ebenfalls am Boden lebende Käfer. Bodentrichterspinnen jagen als Lauerjäger: Sie warten in der Wohnröhre, bis ein Beutetier auf dem Netz registriert wird. Dann laufen sie schnell hervor und versuchen, die Beute zu überwältigen. Käfer werden auf den Rücken gedreht. Anschließend durchdringt die Spinne das Exoskelett an einer Stelle mit wenig Chitin mit den Cheliceren und setzt einen Giftbiss. Ein gebissenes Beutetier wird bis zu 10 Minuten festgehalten, bis das Gift wirkt und Lähmungen eintreten. Danach wird die Beute zum Fressen in die Wohnröhre gebracht.
Zur Paarungszeit verlassen die Männchen ihre Netze und suchen die Netze von Weibchen auf. Dort findet nach einem Balzverhalten die Paarung statt. Danach stellen die Weibchen ihre Eikokons in den Erdröhren her und bewachen sie. Die Jungtiere bleiben noch etwa einen Monat beim Muttertier. Das Weibchen betreut sie und versorgt sie mit Nahrung; die Jungtiere regen das Muttertier dazu gelegentlich durch ein bettelartiges Verhalten an.
Systematik und Artenzahl
Die systematische Einordnung der Bodentrichterspinnen wurde mehrfach verändert. Die Gattung wurde früher sowohl den Trichterspinnen (Agelenidae) als auch den Finsterspinnen (Amaurobiidae) zugeordnet. Ein Merkmal für die Einordnung zu den Trichterspinnen ist das fehlende Cribellum, das bei Finsterspinnen vorhanden ist. Seit einer 2010 veröffentlichten phylogenetischen Analyse der Entelegynae durch Jeremy A. Miller, Anthea Carmichael, Martín J. Ramírez, Joseph C. Spagna, Charles R. Haddad, Milan Řezáč, Jes Johannesen, Jiří Král, Xin-Ping Wang und Charles E. Griswold gilt die Unterfamilie Coelotinae mit den Bodentrichterspinnen als Teil der Familie der Trichterspinnen.
Die Gattung umfasst 174 Arten und Unterarten. Sie kommen vor allem in Europa und Ostasien vor; in der Artenliste werden viele Arten aus China und Japan genannt, daneben Arten aus Europa, der Türkei, Zentralasien, Vietnam, Thailand, Korea, Libanon, Kaschmir und weiteren Gebieten. Beispiele sind die Westliche Bodentrichterspinne (C. atropos) in Europa, die Alpen-Bodentrichterspinne (C. solitarius) in Europa und die Gewöhnliche Bodentrichterspinne (C. terrestris) in Europa und der Türkei.
Die Taxonomie enthält viele Änderungen: 225 Arten galten früher als Bodentrichterspinnen, wurden aber später in andere Gattungen übertragen. 11 frühere Arten oder Unterarten wurden mit anderen Arten der Gattung synonymisiert und verloren ihren Artstatus. Drei frühere Bezeichnungen waren ersetzte Homonyme, also Namen, die bereits für andere Arten verwendet wurden. Drei Arten gelten heute als Nomen dubium, also als zweifelhafte Namen. Eine nie anerkannte Art gilt als Nomen nudum, weil die Voraussetzungen für einen gültigen Artstatus bei der Erstbeschreibung nicht erfüllt waren. Außerdem wurde die Gattung Urobia Komatsu, 1957 im Jahr 1967 mit Coelotes synonymisiert.