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Middle School (Vereinigte Staaten)
Im Schulsystem der Vereinigten Staaten ist die Middle School (engl. für „Mittelschule“) eine weiterführende Schule des sekundären Bildungsbereichs.
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Grundidee und Einordnung
Die Middle School ist im Schulsystem der Vereinigten Staaten eine weiterführende Schule des sekundären Bildungsbereichs. Sie liegt zwischen Elementary School und High School und umfasst meist die Klassenstufen 6 bis 8, manchmal auch die Klassenstufen 5 oder 9. Ein gegliedertes Schulsystem mit getrennten Schularten für begabte und weniger begabte Schüler gibt es in den USA nicht.
Welche Schularten es gibt, entscheiden die lokalen Schuldistrikte. Deshalb ist die Middle School nicht überall verbreitet. In manchen Schuldistrikten besuchen Schüler der mittleren Klassenstufen stattdessen Junior High Schools. In anderen gibt es gar keine eigene Schulart für diese Altersgruppe; dort folgt die High School direkt auf eine erweiterte Grundschule, die als „K-8“ bezeichnet wird.
Historische Entwicklung
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts umfassten Grundschulen in den Vereinigten Staaten die Klassenstufen K bis 8, während High Schools die Klassenstufen 9 bis 12 abdeckten. Die erste Junior High School wurde 1901 in Columbus, Ohio, eröffnet.
Die erste Middle School entstand 1950 in Bay City, Michigan. Größere Verbreitung fanden Middle Schools erst in den 1960er Jahren; allgemein üblich wurden sie in den 1970er und 1980er Jahren. Im Jahr 2000 gab es in den USA etwa 16.000 Middle Schools und etwa 2.000 Junior High Schools.
Pädagogisches Konzept
Die Middle School soll den besonderen intellektuellen, sozialen, körperlichen und emotionalen Bedürfnissen von 11- bis 14-Jährigen entsprechen. Sie ist als Brücke zwischen Grundschule und High School gedacht und verbindet Merkmale beider Schularten. Im Mittelpunkt steht das Team: Der einzelne Schüler lernt innerhalb eines solchen Teams und findet dort auch eine soziale Basis.
Alle Schüler eines Jahrgangs sind meist im selben Gebäudeflügel untergebracht. Manche Schulen teilen sie in Gruppen ein, die einem Klassenverband ähneln; andere arbeiten stärker mit einem Kurssystem. Hochbegabte Kinder, die in der Grundschule Enrichment erhalten haben, werden an vielen Middle Schools als honors students in besonders starken Fächern in speziellen Gruppen zusammengefasst. An anderen Schulen werden Klassen vollständig zufällig zusammengesetzt.
Ein Jahrgang wird von einem Lehrerteam betreut. Diese Lehrkräfte sind auf Basisfächer spezialisiert: Englisch, Social Science, also Gemeinschaftskunde und Geschichte, Naturwissenschaften und Mathematik. Sie stimmen sich eng ab, sodass viele Unterrichtseinheiten als interdisziplinäre Projekte stattfinden können. Deshalb werden traditionelle Schulstunden oft durch eine flexiblere Zeitgestaltung ersetzt. Da behinderte Kinder in den USA integrativ beschult werden, gehört bei Bedarf auch ein Special Education Teacher zum Team.
Fächer und Schulalltag
Neben den Basisfächern wird oft eine erste Fremdsprache unterrichtet. Außerdem gibt es regelmäßig Wahlfächer, sogenannte Electives, zum Beispiel Sport, Musik, Chor, Orchester, Kunst, Technik, Gesundheitslehre oder Hauswirtschaft. Häufig gehört auch das Lernen in der Schulbibliothek zum Tagesablauf.
An fast allen Middle Schools werden extracurricular activities angeboten, also Aktivitäten außerhalb des eigentlichen Unterrichts. Beispiele sind Schauspiel, Competitive Debating, Robotik, Mathematik oder Schach. Sie sind in Arbeitsgemeinschaften organisiert, die Clubs oder Teams heißen.
Die Schüler wechseln im Laufe des Tages mehrfach den Unterrichtsraum; dieses System heißt Lehrerraumsystem. Als feste Anlaufstellen haben sie ein persönliches Schließfach und einen Homeroom. Dort finden sie sich zum Beispiel zu Beginn des Schultags zum Pledge of Allegiance ein. Der Homeroom ist zugleich der Raum des persönlichen Ansprechlehrers, der Homeroom Teacher oder Advisor genannt wird.
Wie alle amerikanischen Schulen ist die Middle School eine Ganztagsschule. Die Schüler essen mittags in der Cafeteria. Die an Grundschulen übliche große Mittagspause, Recess, wird an der Middle School meist durch eine freie Lernzeit, Study Hall, ersetzt. Obwohl der Unterricht bis weit in den Nachmittag reicht, bekommen die Schüler täglich umfangreiche Hausaufgaben. In manchen Schuldistrikten endet das Schuljahr mit Final Examinations, kurz Finals, also Prüfungen in allen Unterrichtsfächern, deren Noten anteilig in das letzte Zeugnis des Schuljahres eingehen. In anderen Schuldistrikten sind Finals erst in der High School üblich.
Abgrenzung zur Junior High School
Die Begriffe „Middle School“ und „Junior High School“ sind in der Praxis nicht immer eindeutig, weil die Schuldistrikte selbst entscheiden, welchem Konzept ihre Schulen folgen. Viele Schulen, die eine der beiden Bezeichnungen tragen, verbinden Elemente beider Modelle.
Grundsätzlich unterscheiden sich die Konzepte aber deutlich: Die Junior High School orientiert sich am College und legt den Schwerpunkt stärker auf akademische Förderung und Leistungswettbewerb. Die Middle School betont dagegen Kooperation und die ganzheitliche Entwicklung der Schüler. Ganzheitlich bedeutet hier, dass intellektuelle, kreative, soziale und emotionale Entwicklung gemeinsam gefördert werden sollen.