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Bianca Klose
... (Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit). Im Jahr 2001 gründete sie die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR), deren Ansatz sie …
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Person und Bedeutung
Bianca Klose (* 29. Mai 1973; † 17. Juni 2026 in Berlin) war eine deutsche Politikwissenschaftlerin, Antifaschistin und Expertin für die Bekämpfung von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Diese Formen der Abwertung werden im Artikel unter dem Begriff „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ zusammengefasst.
Sie prägte die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Deutschland wesentlich mit. 2001 gründete sie die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR). Außerdem initiierte sie zahlreiche weitere Projekte, darunter die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus zunächst in Berlin und später auf Bundesebene.
Ausbildung und beruflicher Weg
Klose wurde 1973 geboren und studierte Politik und Germanistik in Göttingen. Ursprünglich wollte sie Lehrerin werden. Nach dem Studium zog sie nach Berlin und absolvierte 1999 ein Praktikum bei der Amadeu Antonio Stiftung.
Die 2001 von ihr gegründete MBR entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Projekte des Berliner Landesprogramms gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Klose leitete die MBR und war zugleich Geschäftsführerin des Vereins für Demokratische Kultur in Berlin (VDK), des Dachverbands verschiedener von ihr und anderen gegründeter Projekte.
Sie starb am 17. Juni 2026 infolge einer schweren Krankheit in Berlin. In Nachrufen wurde sie wegen ihrer Vermittlungsfähigkeit häufig als Brückenbauerin und „Powerpaket“ beschrieben.
Mobile Beratung und lokale Demokratiearbeit
Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus ist ein sozialwissenschaftliches Beratungskonzept, das als Reaktion auf rechtsextreme Übergriffe zu Beginn der 1990er-Jahre in Deutschland entwickelt wurde. Seit 2007 ist der Ansatz bundesweit verbreitet.
Kloses Konzept sollte Menschen in ihrem demokratischen Engagement stärken und in Berliner Kiezen dauerhafte Netzwerke gegen Rechtsextremismus aufbauen. Unter ihrer Leitung beriet die MBR unter anderem Bezirksräte, Lehrkräfte, Polizeiverantwortliche, Kulturinstitutionen, Unternehmen, Gewerkschaften, Verbände und zivilgesellschaftliche Initiativen.
In Treptow-Köpenick und Schöneweide entwickelte die MBR lokale Strategien gegen rechtsextreme Infrastruktur, sogenannte Angsträume und Einschüchterungsversuche. Eingesetzt wurden beispielsweise Handreichungen, Checklisten, Demokratiefeste und Vertragsklauseln, die eine rechtsextreme Nutzung öffentlicher oder gemieteter Räume verhindern sollten.
Ab den späten 2010er-Jahren übertrug Klose den Ansatz auf Kunst-, Kultur- und Bildungseinrichtungen. Die MBR-Handreichungen „Alles nur Theater?“ und „Alles nur leere Worte?“ erklärten den Umgang mit dem Kulturkampf von rechts in Theatern beziehungsweise Bibliotheken.
Projekte und Interventionen
2014 gehörte Klose zu den Gründungsmitgliedern des Bundesverbands Mobile Beratung und war Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Demokratieentwicklung. Ebenfalls 2014 gründete sie mit anderen die Mobilisierungs- und Informationsplattform „Berlin gegen Nazis“. Sie unterstützt Berlinerinnen und Berliner dabei, sich an Protesten gegen Neo-Faschismus, Neo-Nazismus, Rassismus, Antisemitismus und Verschwörungsideologien zu beteiligen.
2015 initiierte Klose mit Kolleginnen und Kollegen die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS Berlin). Eine solche Monitoring-Einrichtung dokumentiert und beobachtet antisemitische Vorfälle. Das Berliner Modell wurde zum bundesweiten Vorbild für ein flächendeckendes Meldenetzwerk.
Weitere von ihr initiierte Vorhaben waren „REGISHUT“ zur Sensibilisierung und Fortbildung der Berliner Polizei zum Thema Antisemitismus sowie „DiRex“ („Direkte Intervention bei Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus im schulischen Kontext“), ein praxisorientiertes Interventionsprojekt für den Bildungsbereich.
Nach der rechtsextremen Anschlagsserie in Berlin-Neukölln von 2009 bis 2021 kritisierte Klose Versäumnisse der Ermittlungsbehörden, begleitete Betroffene und betonte, dass Aufarbeitung und Unterstützung noch nicht abgeschlossen seien. Die 2011 von der Bundesregierung verlangte Extremismusklausel für geförderte Demokratieprojekte lehnte sie ab: Sie sah darin eine Belastung der Zivilgesellschaft und eine Schwächung lokaler Beratung.
Politische Einschätzungen
Klose forderte, den Blick nicht auf Neonazis und klassische rechtsextreme Organisationen zu beschränken. Sie verwies auch auf antidemokratische, minderheitenfeindliche und autoritäre Einstellungen in der sogenannten Mitte der Gesellschaft und bezeichnete diese Entwicklung als „enthemmte Mitte“.
Als Beispiele nannte sie „Coronaleugner“ und andere Verbreiter von Verschwörungsideologien. Nach ihrer Einschätzung verbreiteten sie „antidemokratische und antisemitische Narrative, verkleidet als legitimer Protest“.
In einem Zeit-Interview von 2020 forderte Klose die Strafverfolgungsbehörden dazu auf, bei rechtsextremen Bedrohungen die Fachkenntnisse von Beratungsstellen und spezialisierten Journalistinnen und Journalisten stärker einzubeziehen. 2024 warnte sie vor zunehmendem Antisemitismus und beschrieb antisemitische Tendenzen im Kulturbetrieb.
Auszeichnung und Würdigung
2012 erhielt Klose stellvertretend für die Arbeit der MBR den Verdienstorden des Landes Berlin.
Nach ihrem Tod würdigten Medien, zivilgesellschaftliche Organisationen und Politikerinnen und Politiker ihr langjähriges Engagement. Der rbb bezeichnete ihren 25 Jahre dauernden Einsatz gegen Rechtsextremismus als „unermüdlich“; auch die Tagesschau berichtete über ihren Tod. Die Amadeu Antonio Stiftung nannte sie eine der „wichtigsten Stimmen der Berliner Zivilgesellschaft“.
Am 8. September 2026, einen Tag nach der Trauerfeier im Berliner Festsaal Kreuzberg, sendete Deutschlandfunk Kultur Matthias Dells Beitrag „Bianca Klose – Wie man beim Engagement gegen rechts den Spaß nicht verliert“. Campino widmete ihr beim Abschiedskonzert der Toten Hosen im Berliner Olympiastadion am 11. Juli 2026 das Lied „Nur zu Besuch“.