Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Bestand (Logistik)
Der Bestand ist eine wichtige Systemgröße in der Betriebswirtschaft, um insbesondere die logistischen Prozesse zu planen, zu steuern und zu optimieren.
Inhalt5 Abschnitte
Begriff und Bedeutung
In der Logistik bezeichnet Bestand eine Anzahl oder Menge von Materialflussobjekten, die sich in einem Produktions-, Transport-, Handhabungs- oder Lagerungsprozess befinden. Materialflussobjekte sind meist Waren wie Teile, Baugruppen und Produkte. Auch Transportmittel oder Transporthilfsmittel wie ISO-Container, Paletten und Gestelle können dazugehören.
Damit ein Bestand messbar ist, muss eine Maßeinheit festgelegt werden. Diese wird in der Stückliste häufig als Mengeneinheit bezeichnet. Sie kann Stück, Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche sein. Der Bestand ist eine wichtige betriebswirtschaftliche Systemgröße, mit deren Hilfe logistische Prozesse geplant, gesteuert und optimiert werden.
Im Supply-Chain-Management werden nicht nur Lagerbestände betrachtet, sondern alle Bestände innerhalb der Beschaffungs-, Produktions- und Distributionsprozesse. Bei Just-in-time-Belieferungen kann sich Bestand beispielsweise statt an einem Lagerort während des Transports auf der Straße oder Wasserstraße befinden. Die Covid19-Pandemie zeigte dabei das Risiko gebrochener Lieferketten, unter anderem durch blockierte Schiffscontainer insbesondere aus der VR China.
Aufgaben und wichtigste Arten
Bestände können unterschiedliche Funktionen erfüllen. Diese hängen entweder vom jeweiligen logistischen Prozess oder von der Gesamtstrategie eines Unternehmens und den daraus abgeleiteten logistischen Unterzielen ab.
Ihre Hauptfunktion besteht darin, einen reibungslosen und effizienten Produktions- und Materialfluss über die gesamte Prozesskette sicherzustellen. Diese Kette reicht von Beschaffung und Transport über die verschiedenen Fertigungsstufen bis zur Auslieferung an den Handel oder Endverbraucher.
Der logistische Bestand umfasst damit alle Bestände entlang der Prozesskette und ist umfassender als der reine Lagerbestand. Er ist außerdem von Lagerhaltung und Bestandsmanagement zu unterscheiden, die besonders für die klassische Produktionsplanung und -steuerung sowie die Bedarfsermittlung wichtig sind. Die drei wichtigsten logistischen Bestandsarten sind Lagerbestand, Transportbestand und Umlaufbestand in einer geschlossenen Prozesskette.
Lagerbestand
Der Lagerbestand ist die in einem Lager erfasste Anzahl oder Menge von Materialflussobjekten. Daneben können Waren vorübergehend in nicht bestandsgeführten Zwischen- oder Pufferlagern liegen.
Für die Lagerbestandsführung müssen Lagereingänge und Lagerausgänge dauerhaft erfasst werden. Rechnerisch ergibt sich der Lagerbestand aus der Differenz zwischen Lagereingang und Lagerausgang. Da bei der Datenerfassung Fehler entstehen können, muss der tatsächliche Bestand regelmäßig kontrolliert werden. Eine solche Prüfung ist auch im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Inventur erforderlich.
Zur Steuerung wird der geplante Soll-Bestand regelmäßig mit dem tatsächlichen Ist-Bestand verglichen. Liegt eine Abweichung außerhalb festgelegter Zeit- oder Bestandsgrenzen, gibt in der Regel ein ERP-System oder Warenwirtschaftssystem eine Warnmeldung aus; anschließend werden Korrekturen eingeleitet.
Eine besondere Rolle spielt der Sicherheitsbestand. Er soll bei Produktionsproblemen oder Lieferengpässen genügend Waren verfügbar halten, damit Produktion oder Kunden für einen bestimmten Zeitraum weiter versorgt werden können, bis wieder ausreichend Nachschub vorhanden ist.
Transportbestand
Der Transportbestand ist die Anzahl oder Menge von Waren beziehungsweise Materialflussobjekten, die sich gerade auf einem Transport befinden. Er ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Versand einer Ware und ihrer Vereinnahmung beim Empfänger. Der Versand wird in der Regel am Warenausgang, die Vereinnahmung am Wareneingang eines Betriebes erfasst.
Überwacht und gesteuert wird dieser Bestand durch ein spezielles Transportmanagementsystem oder als Teil eines Supply-Chain-Management-Systems.
Umlaufbestand
Der Umlaufbestand umfasst Waren beziehungsweise Materialflussobjekte, die ein bestandsgeführtes Lager verlassen haben und sich in einem noch nicht abgeschlossenen Fertigungsprozess befinden. Das Fertigungsergebnis, zum Beispiel eine hergestellte Baugruppe oder ein Endprodukt, wurde dabei noch nicht als neuer Bestand erfasst.
Unterhält ein Unternehmen mehrere Betriebsstätten, muss bei der Inventur auch der Transportbestand zwischen den verschiedenen Fertigungsstätten desselben Unternehmens berücksichtigt werden.