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Stückliste

Eine Stückliste (englisch parts list, bill of materials (BOM)) ist eine strukturierte Anordnung von Objekten (z. B. von Bauteilen) eines umfassenderen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Zweck und Abgrenzung
  2. 2. Anwendung und gemeinsame Datenbasis
  3. 3. Produktstruktur und Verwendungsnachweis
  4. 4. Grundformen der Stückliste
  5. 5. Varianten und Umwandlung von Strukturen

Begriff, Zweck und Abgrenzung

Eine Stückliste (englisch „parts list“, „bill of materials“/BOM) ist eine strukturierte Anordnung der Objekte eines umfassenderen Objekts, besonders der Bauteile eines Produkts, einer Baugruppe oder eines Zusammenbaus. Sie ordnet Teile nach fachlichen Kriterien; technische Funktion und Geometrie der Teile sind dabei in der Regel zweitrangig. Die einfachste Form ist eine fortlaufende Liste aller für ein Produkt oder eine Baugruppe benötigten Bauteile.

Stücklisten gehören zu den wichtigsten Datenstrukturen eines Fertigungsunternehmens. Sie dokumentieren die Zusammensetzung eines Produkts und sind daher etwa für Qualitätskontrolle und Produkthaftung wichtig. Sie unterstützen Fertigungssteuerung, Teilebeschaffung, Lagerung und Bereitstellung von Material, außerdem die deterministische Bedarfsermittlung, MRP II und ERP-Systeme. In der Prozesskostenrechnung und weiteren Planungs- und Steuerungssystemen dienen sie auch der retrograden Ist-Verbrauchsermittlung. Mit ihnen lässt sich ferner prüfen, ob ein in Einzelteilen geliefertes Produkt, eine Anlage oder ein System vollständig ist.

Anders als eine Rezeptur bezieht sich eine Stückliste auf diskrete Endprodukte und meist auf 1 Stück, etwa ein Telefon. Rezepturen beziehen sich meist auf eine bestimmte Endmenge, etwa 1 kg Kuchen. Verwandte Bezeichnungen sind Gattierungsliste in Gießereien, Holzliste in der holzverarbeitenden Industrie, Materialliste in der Bauindustrie sowie Verpackungs-Stückliste im CKD-Transport. „BOM“ bezeichnet allgemein materialbeschreibende Listen und kann beispielsweise auch eine Bestellanforderung meinen; die engere Übersetzung von Stückliste ist „parts list“.

Ein Arbeitsplan unterscheidet sich von der Stückliste: Er beschreibt den Produktionsablauf mit Arbeitsschritten, Ablaufabschnitten und Vorgabezeiten wie Rüst- und Ausführungszeit. Beide können verknüpft werden, indem eine Stücklistenposition einer Arbeitsplanposition zugeordnet wird; bei gleich verbauten Teilevarianten können auch mehrere Stücklistenpositionen einer Arbeitsplanposition zugeordnet sein.

Anwendung und gemeinsame Datenbasis

Stücklisten können nach ihrem Zweck als Entwicklungs-, Fertigungs-, Beschaffungs- oder Ersatzteilstücklisten geführt werden. Eine Anwendungsstückliste enthält nur die Bauteile und Angaben, die für ihren Zweck benötigt werden. Eine Ersatzteilstückliste speichert beispielsweise nur Teile, die als Ersatzteil bestellt werden können.

Separate Stücklisten je Anwendungsbereich führen jedoch zu mehrfach gespeicherten Produktdaten und möglichen Inkonsistenzen. Im schlimmsten Fall verursachen diese technische oder Prozessfehler, die Produktsicherheit und Produkthaftung betreffen. Außerdem können zeitliche Verzögerungen, mehr Verwaltungsaufwand und finanzielle Probleme bei der kaufmännischen Abwicklung entstehen. Deshalb streben besonders große Unternehmen mit komplexen Produkten integrierte Stücklisten und durchgängige Prozesse an.

Kern einer integrierten Stückliste ist eine einheitliche Produktstruktur mit gemeinsamen produktbezogenen Daten, ergänzt um anwendungsspezifische Daten. Zu den gemeinsamen Daten gehören Teilenummer, Teilebenennung, Mengeneinheit, benötigte Anzahl oder Menge sowie die hierarchische Ordnung der Bauteile. Produktion, Beschaffung, Logistik, Vertrieb und Finanzen greifen auf diese gemeinsame Struktur zu. Fachbereichsspezifische Daten sind dagegen nur für den jeweiligen Bereich zugänglich; unterschiedliche Zugriffsrechte und Sichten dienen Sicherheit und Übersichtlichkeit. Stücklisten lassen sich produkt- und anwendungsbezogen auswerten und sortieren, besonders um bei Variantenstücklisten nur die Informationen einer bestimmten Produktvariante zu erhalten.

Weitere wichtige Einsätze sind Einkauf und Disposition von Teilen, Arbeitsplanung und -vorbereitung, Arbeitsanweisungen, betriebswirtschaftliche Kalkulation und finanzielle Abrechnung. Im Kundendienst bilden Stücklisten eine Arbeitsunterlage für Wartung und Reparatur sowie die Grundlage eines Ersatzteilkatalogs.

Produktstruktur und Verwendungsnachweis

Eine Stückliste zerlegt ein Produkt analytisch „von oben nach unten“: Sie beginnt beim Produkt auf der obersten Stufe und endet bei Einzelteilen, Rohteilen, Materialien, Flüssigkeiten und weiteren Bestandteilen auf der untersten Stufe. Die umgekehrte Betrachtung heißt Verwendungsnachweis. Dabei wird das Produkt synthetisch „von unten nach oben“ aus seinen Bauteilen zusammengesetzt. Zu jeder Stückliste gibt es daher einen entsprechenden Verwendungsnachweis.

Als Grundtypen werden Mengenübersichtsstückliste, Strukturstückliste, Baukastenstückliste, Variantenstückliste und Komplex-Stückliste unterschieden. Die Unterscheidung betrifft vor allem die Darstellung auf Bildschirm oder Ausdruck. EDV-Systeme speichern Stücklisteninformationen meist als Baukastenstückliste, weil daraus durch vertikale Stücklistenauflösung die anderen benötigten Typen erzeugt werden können und der Pflegeaufwand am geringsten ist. Bei komplexen Produkten der Fließfertigung, etwa in der Automobilindustrie, ist häufig die Strukturstückliste vorhanden; aus ihr können ebenfalls Baukasten-Stücklisten und Verwendungsnachweise generiert werden.

Grundformen der Stückliste

Die Mengenübersichtsstückliste ist eine aufgelöste, undifferenzierte Liste der für ein Produkt direkt benötigten Mengen; Baugruppen sollten darin nicht aufgeführt werden. Für das Erzeugnis P mit der Baugruppe B sowie den Einzelteilen E1, E2 und E3 nennt das Beispiel B: 1, E1: 2, E2: 1 und E3: 2. Werden diese Mengen mit der zu fertigenden Produktmenge multipliziert, entsteht die Auftragsstückliste.

Die Strukturstückliste enthält Baugruppen, Einzelteile und Rohstoffe und zeigt die Zusammensetzung über alle Fertigungsstufen tabellarisch. Ihr Informationsgehalt entspricht der Erzeugnisstruktur. Mengen können je nach Vereinbarung entweder für das Gesamtprodukt oder für eine Mengeneinheit des jeweils übergeordneten Teils gelten. Im Beispiel P besteht die erste Stufe aus E1 mit Anzahl 1 und B mit Anzahl 1; B enthält auf der zweiten Stufe E1 mit 1, E2 mit 1 und E3 mit 2.

Eine Baukastenstückliste betrachtet jeweils nur eine Ebene der Produktstruktur. Jede Baugruppe erhält eine eigene Stückliste und wird in der Liste ihrer übergeordneten Gruppe verwendet. Im Beispiel enthält die Stückliste von P E1 mit 1 und B mit 1. Die Baugruppe B enthält E1 mit 1, E2 mit 1 und E3 mit 2.

Die Dispositionsstückliste informiert über die Dispositionsreihenfolge. Teile werden auf ihrer untersten Verwendung zusammengefasst und können gleichzeitig disponiert werden. Eine Strukturstückliste kann in eine Dispositionsstückliste überführt werden. Eine Mehrfachstückliste wird verwendet, wenn sich die Materialzusammensetzung abhängig von der Losgröße ändert: Ab einer bestimmten Losgröße ändern sich Mengen einzelner Materialien oder neue Komponenten kommen hinzu. Dann werden Alternativen zur ursprünglichen Materialstückliste gebildet; diese heißen auch Variantenstücklisten.

Varianten und Umwandlung von Strukturen

Eine Variantenstückliste fasst nach DIN 199-1:2002-03 mehrere Stücklisten auf einem Vordruck zusammen. Sie dient dazu, verschiedene Gegenstände mit einem meist hohen Anteil gleicher Bestandteile gemeinsam aufzuführen. In elektronischen Systemen werden Produktvarianten sowie Varianten ihrer Teile und Baugruppen gespeichert. Produktvarianten unterscheiden sich durch ein oder mehrere Attribute. Diese zutreffenden Attribute werden bei Teilen und Baugruppen hinterlegt, damit sie den passenden Produktvarianten korrekt zugeordnet werden. Genannt werden Grundausführungs- und Plus-/Minus-Stückliste, Gleichteile- und Variantenteile-Stückliste sowie Komplex-Stückliste.

Die Komplex-Stückliste, auch Auswahl-, Maximal- oder konfigurierbare Stückliste sowie „configurable BOM“ oder „Super-BOM“, bildet alle Varianten eines Erzeugnisses oder einer Baugruppe gemeinsam ab. Produktbezogene Attribute, also Merkmale zur genaueren Beschreibung des Produkts, unterscheiden die Varianten und ordnen Teile einer bestimmten Variante zu. Besonders wirksam ist ein algebraischer Ausdruck für eine Menge oder Untermenge der Produktvarianten. Dafür ist eine algebraische Produktdefinition beziehungsweise Produktverschlüsselung mit Merkmalen nötig. Merkmale können Ausstattung, Funktion, Farbe, Material sowie geometrische, physikalische oder chemische Eigenschaften betreffen; sie können lose verbunden sein oder einen algebraischen Verband bilden. Solche Stücklisten werden vor allem bei komplexen, variantenreichen Erzeugnissen genutzt, etwa bei Fahrzeugen, deren Ausstattungen über Produktkonfiguratoren ausgewählt werden.

Aus einer Baukastenstückliste lassen sich eine Strukturstückliste oder ein Gozintograph erzeugen. Umgekehrt können aus einer Strukturstückliste Baukastenstücklisten entstehen; diese sind aber nicht immer eindeutig, wenn ein Baukasten an verschiedenen Stellen im Produkt vorkommt. Aus einer Mengenübersichtsstückliste sind solche Überführungen nicht möglich, weil Zwischenstrukturen wie Baugruppen ausgeblendet sind. Sie kann jedoch leicht in einen Teileverwendungsnachweis überführt werden, der oft für eine einfache Materialbedarfsplanung genügt.

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