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Benedikt Paul Göcke

Benedikt Paul Göcke (* 1. Mai 1981 in Steinfurt-Borghorst) ist ein deutscher Philosoph und römisch-katholischer Theologe. Er ist Universitätsprofessor für …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Ausbildung und akademische Laufbahn
  3. 3. Wissenschaftstheorie, Metaphysik und Theologie
  4. 4. Transhumanismus und Digitalisierung
  5. 5. Krause und Deutscher Idealismus
  6. 6. Auszeichnung und Veröffentlichungen

Person und Bedeutung

Benedikt Paul Göcke, geboren am 1. Mai 1981 in Steinfurt-Borghorst, ist ein deutscher Philosoph und römisch-katholischer Theologe. Er ist Universitätsprofessor für Religionsphilosophie und Wissenschaftstheorie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum und assoziiertes Mitglied der Faculty of Theology and Religion an der Universität Oxford in England.

Seine Bedeutung liegt vor allem in der Verbindung von Philosophie, Theologie und Wissenschaftstheorie. Wissenschaftstheorie untersucht, was Wissenschaft ausmacht, wie wissenschaftliches Arbeiten begründet wird und wie man Wissenschaft von Pseudo-Wissenschaft unterscheiden kann. Religionsphilosophie fragt mit philosophischen Methoden nach Religion, Gott, Glauben und deren Begründbarkeit. Göckes Forschung behandelt theoretische, praktische und historische Philosophie. Die drei im Artikel genannten Schwerpunkte sind Wissenschaftstheorie und Metaphysik, Transhumanismus und Ethik der Digitalisierung sowie Karl Christian Friedrich Krause (1781–1832) und der Deutsche Idealismus.

Ausbildung und akademische Laufbahn

Göcke studierte Philosophie, Katholische Theologie und Religionswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Dort promovierte er 2011 bei Klaus Müller an der Katholisch-Theologischen Fakultät mit einer Arbeit zum Panentheismus Karl Christian Friedrich Krauses. Panentheismus bezeichnet eine Auffassung, nach der Gott und Welt eng zusammengehören, die Welt aber nicht einfach mit Gott gleichgesetzt wird.

2013 folgte eine weitere Promotion an der Hochschule für Philosophie München. Diese Arbeit wurde von Godehard Brüntrup betreut und erschien 2014 unter dem Titel A Theory of the Absolute bei Palgrave Macmillan. Von 2008 bis 2012 war Göcke Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Exzellenzcluster Religion und Politik bei Klaus Müller. Von 2010 bis 2013 war er Junior Research Fellow für Philosophie an der Blackfriars Hall der Universität Oxford.

Von 2012 bis 2015 arbeitete Göcke als Postdoktorand am Lehrstuhl für Philosophisch-Theologische Grenzfragen bei Christian Tapp an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2016 ist er dort Gruppenleiter des Emmy Noether-Projektes Theologie als Wissenschaft! Naturalismus und Wissenschaftstheorie als Herausforderungen katholischer Theologie. Nach einer Juniorprofessur von 2017 bis 2019 wurde er 2019 Professor für Religionsphilosophie und Wissenschaftstheorie an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2017 ist er assoziiertes Mitglied der Fakultät für Theologie und Religion der Universität Oxford.

Wissenschaftstheorie, Metaphysik und Theologie

Ein zentraler Forschungsbereich Göckes ist die wissenschaftstheoretische Einordnung der Theologie. Dabei geht es um die Frage, ob und in welchem Sinn Theologie als Wissenschaft verstanden werden kann. Seine Arbeit beschäftigt sich mit wissenschaftstheoretischer Grundlagenforschung: Der Begriff der Wissenschaftlichkeit menschlicher Tätigkeiten soll genauer bestimmt werden. Auf dieser Grundlage untersucht er allgemeine Strukturmerkmale geisteswissenschaftlicher und naturwissenschaftlicher Forschung.

Ein wichtiges Ziel ist die Entwicklung eines Demarkationskriteriums. Ein Demarkationskriterium ist ein Maßstab, mit dem Wissenschaften von Pseudo-Wissenschaften unterschieden werden sollen. Auf dieser Basis untersucht Göcke auch die besonderen Bedingungen konfessionsgebundener und zugleich wissenschaftlicher Theologie. Konfessionsgebunden bedeutet, dass eine Theologie an eine bestimmte religiöse Tradition oder Kirche gebunden ist. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf naturalistischen und atheistischen Einwänden gegen die Wissenschaftlichkeit der Theologie. Naturalismus meint hier eine Sichtweise, die die Wirklichkeit vor allem oder ausschließlich mit natürlichen Erklärungen verstehen will; atheistische Einwände bestreiten die Annahme Gottes oder religiöser Wahrheitsansprüche.

Transhumanismus und Digitalisierung

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Transhumanismus und die Ethik der Digitalisierung. Transhumanismus bezeichnet im Artikel eine philosophische Agenda, die die Veränderung oder Verbesserung der biologischen Natur des Menschen durch Technik in den Blick nimmt. Göcke analysiert diese Agenda und prüft Argumente für und gegen eine kybernetische Veränderung des Menschen. Kybernetisch meint hier eine technisch gesteuerte oder technisch unterstützte Veränderung, die im Zusammenhang mit Neurowissenschaften und Philosophie betrachtet wird.

Seine Forschung wägt diese Argumente kritisch im Dialog mit den Neurowissenschaften und der Philosophie ab. Außerdem untersucht Göcke religiös-kodierte Annahmen der transhumanistischen Agenda und ihre Heilsversprechen. Damit sind Vorstellungen gemeint, die religiösen Erwartungen ähneln, etwa die Hoffnung auf Erlösung, Überwindung menschlicher Grenzen oder eine grundlegend bessere Zukunft. Göcke fragt auch, inwiefern Elemente transhumanistischen Denkens aus christlicher Perspektive unterstützt werden können, zum Beispiel im Sinne der Prozesstheologie.

Krause und Deutscher Idealismus

Historisch befasst sich Göcke besonders mit Karl Christian Friedrich Krause (1781–1832), den er im Zusammenhang der klassischen deutschen Philosophie betrachtet. Göcke will zeigen, dass Krauses Denken zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Aus seiner Sicht hinterließ Krause das erste konsequent panentheistische System der Philosophie.

Dieses System bezeichnet Göcke als Alleinheitsphilosophie von Gott und Welt. Gemeint ist eine umfassende metaphysische Theorie. Metaphysik ist der Bereich der Philosophie, der nach den grundlegenden Strukturen der Wirklichkeit fragt. Nach der Darstellung im Artikel vereint Krauses System alle wesentlichen Bereiche philosophischen Denkens. Göcke sieht Krauses Werk außerdem als anschlussfähig an heutige Diskussionen, etwa in der Nachhaltigkeitsethik, Religionsphilosophie, Anthropologie und politischen Philosophie. Nachhaltigkeitsethik fragt nach moralischen Maßstäben für einen verantwortlichen Umgang mit Natur und Zukunft; Anthropologie untersucht philosophisch, was den Menschen ausmacht.

Auszeichnung und Veröffentlichungen

Göcke erhielt 2018 den Heinz-Maier-Leibnitz-Preis der DFG für herausragende Nachwuchswissenschaftler.

Zu den im Artikel genannten Monographien gehören Alles in Gott? Zur Aktualität des Panentheismus Karl Christian Friedrich Krauses, erschienen 2012 bei Friedrich Pustet, A Theory of the Absolute, erschienen 2014 bei Palgrave Macmillan, und The Panentheism of Karl Christian Friedrich Krause (1781–1832). From Transcendental Philosophy to Metaphysics, erschienen 2018 bei Peter Lang in Oxford und Berlin.

Daneben ist Göcke als Herausgeber oder Mitherausgeber mehrerer Sammelbände aufgeführt. Themen dieser Bände sind unter anderem Idealismus und natürliche Theologie, Physicalism, Gottes Handeln in der Welt, die Wissenschaftlichkeit der Theologie, die Unendlichkeit Gottes, Transhumanismus, Panentheismus und Panpsychismus sowie Logik, Religion und Philosophie. Die drei Bände zur Wissenschaftlichkeit der Theologie erschienen 2018, 2019 und 2020 bei Aschendorff in Münster und behandeln historische und systematische Perspektiven, katholische Disziplinen und ihre Wissenschaftstheorien sowie Theologie und Metaphysik.

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