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Ausweichung

Ausweichung bezeichnet in der Musiktheorie seit Beginn des 18. Jahrhunderts den Übergang von einer Tonart in eine andere. Um 1850 wird der bis dahin …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff
  2. 2. Kochs Einteilung
  3. 3. Zufällige Ausweichung
  4. 4. Durchgehende Ausweichung
  5. 5. Förmliche Ausweichung
  6. 6. Quellenbasis

Grundbegriff

Ausweichung bezeichnet in der Musiktheorie seit Beginn des 18. Jahrhunderts den Übergang von einer Tonart in eine andere. Eine Tonart ist dabei der tonale Bezugsrahmen eines Musikstücks oder Abschnitts. Um 1850 wurde der zuvor mehrdeutige Begriff Modulation ebenfalls auf diese Bedeutung verengt; Ausweichung und Modulation konnten dadurch gleichbedeutend verwendet werden.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bekam Ausweichung eine engere Bedeutung: Sie bezeichnet seitdem vor allem das kurzzeitige Verlassen einer herrschenden Tonart, ohne dass die berührte neue Tonart durch eine Kadenz befestigt wird. Eine Kadenz ist eine Schlusswendung, die eine Tonart bestätigt.

Kochs Einteilung

Heinrich Christoph Koch unterschied zu Beginn des 19. Jahrhunderts drei Arten der Ausweichung: zufällige, durchgehende und förmliche Ausweichung. Diese Einteilung beschreibt, wie stark eine neue Tonart hörbar gemacht und bestätigt wird.

Entscheidend ist dabei, ob die neue Tonart nur durch einzelne Töne oder Begleitklänge angedeutet wird, ob sie melodisch mit charakteristischen Tönen erscheint, oder ob sie durch eine Schlussbildung beziehungsweise längere Ausbreitung wirklich gefestigt wird.

Zufällige Ausweichung

Eine zufällige Ausweichung liegt nach Koch vor, wenn eine Melodie nur leitereigene Töne der herrschenden Tonart benutzt, die Begleitung aber zusätzlich auf Material einer oder mehrerer anderer Tonarten zurückgreift. Leitereigene Töne sind Töne, die zur Tonleiter der aktuellen Tonart gehören.

Im Artikel wird ein Beispiel aus C-Dur beschrieben: Die Melodietöne d und c können einerseits als 2. und 1. Stufe in C-Dur verstanden werden. Durch den Leitton gis und das a in der Begleitung können dieselben Töne andererseits als 4. und 3. Stufe in a-Moll gedeutet werden. Die Ausweichung entsteht hier also vor allem durch die Begleitung, nicht durch eine eindeutig veränderte Melodie.

Durchgehende Ausweichung

Eine durchgehende Ausweichung liegt vor, wenn eine neue Tonart in der Melodie durch ihren charakteristischen Ton angezeigt wird, aber keine Kadenz in dieser neuen Tonart erfolgt. Bei Kreuz-Tonarten ist dieser charakteristische Ton die 7. Stufe, also der Leitton; bei Be-Tonarten ist es die 4. Stufe.

Die Kadenz findet in solchen Fällen erst nach der Rückkehr in die Ausgangstonart oder in einer weiteren Tonart statt. In den Beispielen wird etwa von C-Dur aus G-Dur durch den Ton fis angedeutet, bevor wieder C-Dur erreicht wird. Ein weiteres Beispiel führt von c-Moll über mehrere berührte Tonarten wie Es-Dur, Des-Dur und As-Dur weiter.

Koch merkt außerdem an, dass beim Übergang in eine andere Tonart mithilfe durchgehender Ausweichungen häufig verschiedene Arten der Transposition verwendet werden. Als Beispiele nennt der Artikel Monte und Fonte, also sequenzartige Verfahren, bei denen musikalisches Material auf andere Tonstufen versetzt wird.

Förmliche Ausweichung

Von einer förmlichen Ausweichung spricht Koch, wenn eine neue Tonart entweder durch eine Schlussbildung in ihr bestätigt oder auf andere Weise ausgebreitet wird. Sie ist also stärker gefestigt als eine zufällige oder durchgehende Ausweichung.

Als Beispiel nennt der Artikel den 1. Satz der Sonatine in g-Moll, D 408 von Franz Schubert. In Takt 18 wird dort die Paralleltonart B-Dur erreicht und längere Zeit beibehalten. Paralleltonart bedeutet hier die Dur- oder Molltonart mit denselben Vorzeichen, die zur Ausgangstonart in enger Beziehung steht.

Quellenbasis

Die Darstellung stützt sich auf musiktheoretische Quellen und Literatur, darunter Johann David Heinichens Der General-Bass in der Composition von 1728, mehrere Schriften Heinrich Christoph Kochs aus den Jahren 1787, 1802 und 1807 sowie neuere Forschung. Genannt werden außerdem Christoph von Blumröders Beitrag Modulatio / Modulation von 1983 und Stephan Zirwes’ Studie Von Ton zu Ton. Die Ausweichung in den musiktheoretischen Schriften des 18. Jahrhunderts von 2018.

Lernvideos zu Ausweichung

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