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Auld Lang Syne

Auld Lang Syne (Scots, englisch wörtlich old long since, sinngemäß „längst vergangene Zeit“) ist eines der bekanntesten Lieder im englischsprachigen Raum.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Was ist Auld Lang Syne?
  2. 2. Entstehungsgeschichte
  3. 3. Bekannte Versionen und Verbreitung
  4. 4. Das Lied in Filmen
  5. 5. Sonstiges und Text
  6. 6. Melodie

Was ist Auld Lang Syne?

Auld Lang Syne (Scots, wörtlich „old long since“, sinngemäß „längst vergangene Zeit“) ist eines der bekanntesten Lieder im englischsprachigen Raum. Die Melodie geht auf ein pentatonisches schottisches Volkslied zurück. Das Lied wird traditionell zum Jahreswechsel gesungen, um der Verstorbenen des zu Ende gegangenen Jahres zu gedenken. Der deutsche Titel lautet Nehmt Abschied, Brüder. In der Pfadfinderbewegung gilt es weltweit als Abschiedslied am Ende von Veranstaltungen. Häufig wird auch die erste Zeile „Should auld acquaintance be forgot“ („Sollte alte Freundschaft [schon] vergessen sein“) als Titel angegeben.

Entstehungsgeschichte

Der Text basiert auf der Ballade Old Long Syne, die James Watson 1711 publizierte; sie zeigt erhebliche Ähnlichkeit mit der ersten Strophe und dem Chorteil der später von Robert Burns notierten Fassung. Am 17. Dezember 1788 erwähnte Burns in einem Brief an Frances Anna Dunlop, dass ihn das alte schottische Lied sehr berührt habe. Einer größeren Öffentlichkeit wurde das Lied 1800 durch die Sammlung schottischer Lieder Playford’s Original Scotch Tunes bekannt.

Im Dezember 1907 erschien eine Interpretation von Frank Stanley in den ersten amerikanischen Hitparaden, ebenso im Dezember 1921 die Version des Peerless-Quartets. Als das kanadische Orchester Guy Lombardo & His Royal Canadiens am 31. Dezember 1929 als Hausband der „New Year’s Eve Party“ im New Yorker Roosevelt-Hotel auftrat, spielten sie Auld Lang Syne kurz vor Mitternacht, begleitet vom Countdown der letzten Sekunden. Von da an gehörte das Lied zur Tradition im Waldorf Astoria, wo es bis 1976 am Silvesterabend gespielt wurde.

Da sämtliche Urheberrechtsfristen der Originalfassung sowie der vor 1954 entstandenen Fassungen und Übersetzungen abgelaufen sind, ist das Lied in diesen Versionen freies Liedgut.

Bekannte Versionen und Verbreitung

Das Lied wurde vielfach bearbeitet und in viele Sprachen übersetzt, insbesondere durch seine Verwendung in der Pfadfinderbewegung:

• Joseph Haydn vertonte das Lied nach seinen England-Besuchen 1790–1792 und 1794–1795 zusammen mit anderen schottischen Volksliedern (Hob. XXXIa:218) und trug zur Popularisierung bei. • Ludwig van Beethoven setzte es in seinen 12 Schottischen Liedern (WoO 156); die Übersetzung durch Georg Pertz erschien 1859 anlässlich des hundertsten Geburtstags von Robert Burns. • In Japan wurde das Lied 1880 durch den Musikpädagogen Luther Whiting Mason bekannt. Mit einem Text von Chikai Inagaki heißt es Hotaru no Hikari („Schimmer des Glühwürmchens“), kündigt den Ladenschluss in Kaufhäusern an und wird beim NHK-Silvesterprogramm Kōhaku Uta Gassen gesungen. • An der University of Virginia dient die Melodie als inoffizieller University Song The Good Old Song, gesungen bei Footballspielen und nach jedem Touchdown. • Der Däne Jeppe Aakjær schuf eine nachgedichtete Fassung im Jütland-Dialekt (Skuld gammel venskab rejn forgo…). • Joseph Holbrooke schrieb 1906 sein Op. 60, Variationen für Orchester, mit den Initialen von 19 musikalischen Freunden im Titel, u. a. Edward Elgar und Richard Strauss. • Deutsche Übertragungen: Nehmt Abschied, Brüder von Claus Ludwig Laue (für die Deutsche Pfadfinder*innenschaft Sankt Georg), Wie könnte Freundschaft je vergehn von Hans Baumann sowie Nun Brüder, dieses Lebewohl aus Österreich. Die französische Version Ce n’est qu’un revoir (Faut-il nous quitter sans espoir ?) stammt von Jacques Sevin, dem Gründer der französischen Pfadfinder.

Weitere Verwendung fanden die Melodie u. a. in Beim Candlelight der James Brothers (1961), im Beatles-Lied Christmas Time (Is Here Again) mit John Lennon an der Orgel, bei Jimi Hendrix (Live at the Fillmore East, Jahreswechsel 1969/1970), bei Lena Valaitis (Von irgendwo ertönt ein Lied, 1977), in Dan Fogelbergs Same Old Lang Syne (1980, mit Saxophonist Michael Brecker), in einer rätoromanischen Version In Bien Niev Onn der Gruppe Furbaz (1990) sowie in Coverversionen von Die Toten Hosen (Wir warten auf’s Christkind, 1998), The Real McKenzies und Me First and the Gimme Gimmes (2004). Cliff Richard sang 1999 den Hit Millennium Prayer zu dieser Melodie, Mariah Carey veröffentlichte 2010 eine Interpretation auf Merry Christmas II You, Reel Big Fish 2014 eine Ska-Version, dArtagnan 2017 mit Hannes Waders Text (Wer weiß), ASP 2017 die deutsche Interpretation Nehmt Abschied, Nathan Evans 2021 als B-Seite von Driving Home for Christmas und die Broilers 2021 mit Vor Mitternacht auf dem Album Santa Claus.

In den Niederlanden wird seit dem EM-Titelgewinn 1988 das Lied Wij houden van Oranje von André Hazes populär, dessen Refrain auf die Melodie gesungen wird; parodiert wurde dies 2002 durch Ohne Holland fahr’n wir zur WM von Helmut Schafzahl. Eine eigene Variante Wer weiß, was uns die Zukunft bringt (1995) stammt von Hannes Wader. In Indonesien spielten während der niederländischen Kolonialzeit Tanjidor-Kapellen das Lied als Janjii Tua bei chinesischen Beerdigungsprozessionen in Jakarta.

Das Lied in Filmen

Auld Lang Syne wird in zahllosen Filmen und Serienepisoden gespielt, fast immer im Zusammenhang mit einer Silvesterfeier; die IMDb führt in einer unvollständigen Liste eine dreistellige Zahl von Nutzungen. Wichtige Beispiele:

• Der kleine Lord (1936): instrumental in der Abschiedsszene von Mr. Hobbs. • Mr. Deeds geht in die Stadt (1936): das Orchester spielt es, als Mr. Deeds die Stadt mit der Eisenbahn verlässt. • Wasser für Canitoga (1939): Version mit Hans Albers und einem Text von Hans Fritz Beckmann. • Abschied auf Waterloo Bridge (1940): zentrale Rolle. • Die unvergessliche Weihnachtsnacht (1940): beim Scheunentanz von allen Darstellern gesungen. • Goldrausch (Tonfassung 1942): instrumental in der Klavierbegleitung des Stummfilms von Charlie Chaplin. • Ist das Leben nicht schön? (1946) von Frank Capra: in der letzten Szene von allen Darstellern gesungen; der Film wurde einer der bekanntesten Weihnachtsfilme aller Zeiten. • Die große Liebe meines Lebens (1957, Leo McCarey) und Splendor (1989, Ettore Scola): als Kennmelodie des Abschiedsmotivs. • Unternehmen Petticoat (1959): gesungen bei einem Neujahrsfest auf dem U-Boot-Deck. • Frankie und seine Spießgesellen (1960): entscheidende Rolle für die Dauer des Einbruchs in fünf Casinos von Las Vegas. • Das Appartement (1960): während einer Silvesterfeier. • Can’t Buy Me Love (1987): Ronald Miller läuft allein und verlassen durch die Silvesternacht – der Kontrast von Gemeinschaft und sozialer Ausgrenzung wird akzentuiert. • Harry und Sally (1989): Schlussszene. • Charlie & Louise – Das doppelte Lottchen (1994): Piano-Version. • Forrest Gump (1994): auf der Silvesterparty, als der Konfettiregen auf Lieutenant Dan niedergeht. • Bis dann, mein Sohn (2019): die chinesische Version als wiederkehrendes Leitmotiv.

Sonstiges und Text

Bei der Last Night of the Proms wird das Lied traditionell nach Konzertende vom Publikum a cappella gesungen. Am 29. Januar 2020 sang ein Großteil der Abgeordneten des Europäischen Parlaments nach der Abstimmung über das Austrittsabkommen mit Großbritannien das Lied gemeinsam im Plenum.

Der Text von Robert Burns beginnt mit den Zeilen „Should auld acquaintance be forgot / And never brought to mind? / Should auld acquaintance be forgot, / and days of auld lang syne?“ Der Refrain lautet: „For auld lang syne, my jo / For auld lang syne / We’ll tak’ a cup o’ kindness yet / For auld lang syne“ (sinngemäß: „Der alten Zeiten wegen… Lass uns zueinander recht freundlich sein“). Weitere Strophen handeln von gemeinsamen Erinnerungen – dem Laufen über die Hügel und dem Pflücken von Gänseblümchen, dem Paddeln im Fluss von morgens bis abends – und enden im rechten Handschlag und einem gemeinsamen „ordentlichen Schluck“ auf die alten Zeiten.

Melodie

Die Melodie steht in der Wikipedia-Notation (lilypond) in F-Dur, im 2/4-Takt mit Auftakt, im Tempo von rund 60 Vierteln pro Minute. Sie ist pentatonisch geprägt und beginnt mit dem Aufstieg von der tiefen Do-Stufe (c') zur Tonika f'. Die erste Strophe mit dem Text „Should auld acquaintance be forgot, And never brought to mind? …“ wird über diese Melodie gesungen; im Refrain folgt „For auld lang syne, my dear, For auld lang syne, We’ll tak a cup o’ kindness yet For auld lang syne.“ Die Tonhöhen bewegen sich in einem engen, sanglichen Rahmen, der das Mitsingen in Gemeinschaft erleichtert – ein Grund, warum das Lied als Jahresabschluss- und Abschiedslied so verbreitet ist.

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