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Antonius der Große
Antonius der Große (* angeblich 251; † 356) war ein christlicher ägyptischer Mönch, Asket, Anachoret und Einsiedler. Er wird auch Antonius der Einsiedler, …
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Person und Bedeutung
Antonius der Große (* angeblich 251; † 356) war ein christlicher ägyptischer Mönch, Asket, Anachoret und Einsiedler. Als Asket führte er ein Leben der strengen Selbstdisziplin; ein Anachoret lebt als zurückgezogener Einsiedler. Antonius wird auch Antonius der Einsiedler, Antonius Eremita, Antonius Abbas oder Antonius von Koma genannt. Er gilt als bekanntester und vermutlich erster Wüstenvater und wird oft „Vater der Mönche“ genannt.
Seine Bedeutung liegt vor allem in der Entwicklung des christlichen Mönchtums. Ihm werden die ersten, vermutlich um 305 entstandenen Gemeinschaften christlicher Anachoreten zugeschrieben: lose Zusammenschlüsse von Einsiedlern, die getrennt lebten. Davon zu unterscheiden sind die von Pachomios um 320–325 begründeten ersten Klöster: Dort lebten und arbeiteten Mönche als Koinobiten, also gemeinschaftlich.
Die Entstehung des Mönchtums wird mit den Christenverfolgungen von 303 bis 311 unter Diokletian und seinen Nachfolgern verbunden. Christen flohen in die Wüste und verstanden nach dem Ende der Verfolgungen die Abtötung eigener Bedürfnisse in der Einsamkeit als „unblutiges Martyrium“. Antonius wurde besonders wegen seines Widerstands gegen Versuchungen als Mann Gottes (theios aner) verehrt.
Leben in der Wüste
Die wichtigste Lebensquelle ist die um 360 niedergeschriebene Vita Antonii des Bischofs Athanasius von Alexandria. Die von Hieronymus fortgesetzte Chronik des Eusebius von Caesarea nennt als Todesjahr 356. Weil Antonius nach der Vita etwa 105 Jahre alt wurde, wird sein Geburtsjahr meist auf 251 gesetzt. Nach der späteren Überlieferung des Sozomenos wurde er im Dorf Koma, dem heutigen Qiman al-'Arûs im Gouvernement al-Fayyum nahe Herakleopolis Magna, als Sohn wohlhabender christlicher Bauern geboren.
Nach dem Tod seiner Eltern im Alter von etwa zwanzig Jahren gab Antonius seinen Besitz auf und übergab seine jüngere Schwester einer Gemeinschaft christlicher Jungfrauen. Auslöser war das Bibelwort aus Mt 19,21: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib ihn den Armen; und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach!“ Allerdings gab er offenbar nicht alles Eigentum auf: Ein 52 Feddan beziehungsweise knapp 22 Hektar großes Grundstück südlich von Qiman el-ʿArūs gehört noch heute zum Antoniuskloster und gilt als heilig.
Zunächst lebte er als Eremit in einer Hütte und dann in einer alten Grabkammer, wahrscheinlich in der Nekropole von Meidum. Später schloss er sich angeblich zwanzig Jahre in einem verlassenen Kastell am östlichen Nilufer ein. Seine letzten Jahrzehnte verbrachte er am Berg Kolzim oberhalb des heutigen Zafarana mit Blick auf den Golf von Suez. Dort starb er 356 nach einem langen asketischen Leben; seine Grabstätte sollte unbekannt bleiben.
Während seines Wüstenlebens soll ihn der Teufel in unterschiedlichen Gestalten versucht haben. Besucher schrieben ihm Wunderheilungen und Dämonenaustreibungen zu. Ob er Alexandria tatsächlich besuchte, um Märtyrern beizustehen oder in den arianischen Streitigkeiten einzugreifen, ist historisch nicht nachgewiesen.
Schriften und zugeschriebene Lehren
Antonius werden insgesamt zwanzig Briefe zugeschrieben. Als echt gelten die sieben koptischen Briefe, die Hieronymus in griechischer Übersetzung bezeugt und die an Mitbrüder und Klöster gerichtet sind. Sie zeigen einen philosophisch und theologisch gebildeten Autor, der von Origenes’ biblischer Theologie sowie platonischen und gnostischen Traditionen beeinflusst war. Vollständig sind diese Briefe auf Georgisch überliefert. Auch der Brief Über die aufrichtige Reue an Abt Theodor und dessen Mönche scheint echt zu sein.
Für einen Briefwechsel mit Kaiser Konstantin und dessen Söhnen, von dem Athanasius berichtet, gibt es keine weiteren Belege. Die unter Antonius’ Namen überlieferte Regel des Antonius gibt vermutlich eher Ansichten eines Teils seiner Schüler und Verehrer wieder. Ihr zentrales Thema ist die Abkehr von körperlichen und weltlichen Begierden; der Leitsatz lautet: „Töte dich täglich selbst ab.“
In den Apophthegmata Patrum, den Worten der Altväter, sind 38 Vätersprüche des Antonius überliefert. Ob diese Überlieferung aus dem 4. oder 5. Jahrhundert authentisch ist, bleibt offen. Hervorgehoben wird seine Gabe der Unterscheidung im Dienst von Tugend und Keuschheit. Die Philokalia enthält 170 Anweisungen zur Gesinnung und zu einer rechtschaffenen Lebensweise unter seinem Namen; sie gilt jedoch nicht als authentisch, sondern als Werk eines stoischen Philosophen.
Verehrung, Reliquien und Schutzpatronat
Das angebliche Grab des Antonius wurde 561 durch kaum glaubwürdige Wunder gefunden. Seine Reliquien kamen zunächst nach Alexandria und wegen der arabischen Eroberung Ägyptens um 635 nach Konstantinopel. Der größte Teil gelangte im 11. Jahrhundert nach Saint-Antoine-l’Abbaye in Frankreich. Die Behauptung, die Reliquien seien 1491 nach Saint-Julien in Arles gebracht worden, wurde von Adalbert Mischlewski widerlegt. Die Mönche des Antoniusklosters in Ägypten sind dagegen überzeugt, dass sich die sterblichen Überreste weiterhin am ursprünglichen Bestattungsort befinden.
Als gegen Ende des 11. Jahrhunderts das sogenannte Antoniusfeuer auftrat, suchten Menschen Hilfe bei den Reliquien des Heiligen. Die Krankheit wurde später als Vergiftung durch Mutterkorn erkannt. Der danach gegründete Antoniter-Orden verbreitete sich im Mittelalter in Europa und widmete sich der Krankenpflege, erlosch jedoch nach einem Niedergang seit Neuzeit und Reformation. Das „Antoniusschwein“ durfte zur Mast auf Kosten der Allgemeinheit frei im Dorf laufen und trug zur Kennzeichnung ein Glöckchen.
Antonius ist Schutzpatron der Bauern und ihrer Nutztiere, der Schweinehirten und Metzger. Zusammen mit Quirinus, Hubertus und Cornelius zählt er zu den „vier heiligen Marschällen“ Gottes. Auch die französische Fremdenlegion verehrt ihn als Schutzpatron.
Darstellungen, Versuchungen und Gedenktag
In der Kunst erscheint Antonius häufig mit Paulus von Theben. Typisch ist die Darstellung als Lehrender mit Schriftrolle oder Buch. Als Schutzpatron gegen Antoniusfeuer wird er oft im Feuer gezeigt. Seine wichtigsten ikonographischen Attribute, also Erkennungszeichen in Bildern, sind das Tau- oder Antoniuskreuz auf dem Habit, ein Glöckchen, ein Schwein und ein T-förmiger Stab. Sie verweisen auch auf sein Patronat für Landleute und Haustiere.
Die Vita Antonii und andere Quellen schildern Versuchungen durch den Teufel: in menschlicher Gestalt, als schwarzer Knabe oder verführerische Frau zur Verführung zur Unzucht sowie als dämonische Bestien zur körperlichen Qual. Dieses Thema wurde zu einem häufigen Bildmotiv der abendländischen Kunst. Prägende Darstellungen schufen kurz nach 1500 Hieronymus Bosch und Matthias Grünewald. Auch Literatur, Musik und neuere Kunst griffen die Versuchungen auf; als bekanntestes literarisches Werk nennt der Artikel Gustave Flauberts szenischen Roman Die Versuchung des heiligen Antonius, dessen endgültige Fassung 1874 erschien.
Der Gedenktag ist der 17. Januar. Er wird unter anderem in orthodoxen Kirchen, der armenischen, koptischen und syrisch-orthodoxen Kirche, der römisch-katholischen Kirche, den katholischen Ostkirchen, der Evangelischen Kirche in Deutschland, der anglikanischen Gemeinschaft und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika begangen. Orthodoxe Kirchen gedenken seiner daneben auch am 18. Januar.