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Anreizsteuerung
Diese werden in der Bedürfnispyramide nach Maslow dargestellt. Eine positive Anreizsteuerung führt zu einer höheren Befriedigung der Bedürfnisse der …
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Grundidee und Formen
Anreizsteuerung (englisch incentive management) soll schädliches Verhalten durch Sanktionen verringern und gewünschtes Verhalten durch Subventionen fördern. Sie arbeitet mit materiellen und immateriellen Anreizen: Materielle Anreize sind meist Geldleistungen, etwa Leistungsprämien; immaterielle Anreize sind beispielsweise Auszeichnungen oder Aufstiegsmöglichkeiten. Sie wird unter anderem in Unternehmen, Umweltpolitik, Politik und zur Beeinflussung des Konsumverhaltens eingesetzt. Im Wirtschaftsunternehmen ist das Personalmanagement ihr wichtigster Anwendungsbereich.
Anreize im Personalmanagement
Positive Anreizsteuerung soll Interessen von Unternehmensführung und Beschäftigten verbinden. Für Unternehmen können sich Erfolge etwa in höherem Gewinn, Umsatzwachstum, Eigenkapitalrendite, mehr Vertragsabschlüssen oder Patentanmeldungen zeigen. Dadurch sollen Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit steigen.
Die Ausgestaltung muss sich an den Bedürfnissen der Mitarbeitenden orientieren, die in der Bedürfnispyramide nach Maslow dargestellt werden. Die wirtschaftliche Grundsicherung erfolgt normalerweise über Vergütung; in Ballungsräumen mit hohen Mieten können erschwinglicher Wohnraum oder finanzielle Ausgleichszahlungen zusätzliche Anreize sein. Sicherheit kann ein unbefristeter Arbeitsvertrag für gute Leistung sowie ein über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehender Arbeitsschutz, etwa psychologische Betreuung, bedeuten. Teambildende Maßnahmen fördern soziale Bedürfnisse und das Arbeitsklima. Wertschätzung kann durch Belobigung, Beförderung oder Prämien vermittelt werden. Zur Selbstverwirklichung tragen berufliche Weiterentwicklung, Fortbildungen und Freistellung während einer Fortbildung bei.
Wirkung und Grenzen von Anreizen
Die Wertigkeit eines Reizes wird Valenz genannt. Sie ist subjektiv, gilt also nicht für alle Menschen gleich und kann sich bei einer Person mit der Zeit verändern. Motivation bleibt nur erhalten, wenn die Belohnung zu den Bedürfnissen passt.
Intrinsische Motivation entsteht durch die Tätigkeit selbst und ihr Glücksgefühl, häufig bei kreativen Tätigkeiten. Anreizsteuerung löst sie nicht aus, kann sie aber verstärken. Extrinsische Motivation entsteht durch einen äußeren Anreiz, etwa wenn jemand eine Aufgabe übernimmt, um eine Beförderung oder Prämie zu erhalten.
Kritik richtet sich besonders gegen extrinsische Anreize. Sie können intrinsische Motivation verdrängen, vor allem wenn nur Mengen statt Qualität belohnt werden. Außerdem kann die Vorstellung entstehen, Menschen handelten nur als eigennützige Opportunisten.
Anreize können dem Ziel auch entgegenwirken: Prämien für jeden Fossilfund führten bei chinesischen Bauern dazu, Fossilien für mehrere Prämien zu zerbrechen und damit ihren Wert zu mindern. Eine Belohnung fürs Zimmeraufräumen kann dazu verleiten, wieder Unordnung zu schaffen. IBM bezahlte Programmierer nach geschriebenen Programmzeilen; dies förderte umfangreichere, teils nutzerunfreundlichere Programme. Kurzfristige Kennzahlen, etwa eine geforderte Zahl von Neukunden pro Quartal, können dazu führen, dass langfristig nicht gewinnbringende Kunden gewonnen werden. Unternehmerische Vorteile können zudem auf unethischer Ausbeutung beruhen, wenn Arbeits- und Sozialstandards im Exportland deutlich niedriger sind als im Importland.
Ökonomische Anreize für Umweltschutz
Knapper werdende Ressourcen und steigende Emissionen machen ökologischeres Verhalten erforderlich. Seit den 1980er Jahren gewinnt Anreizsteuerung in der Umweltpolitik an Bedeutung. Nach der Darstellung schafft die freie Marktwirtschaft zu wenig Anreize für ökologisches Verhalten, weil sie auf kurzfristigen Profit ausgerichtet ist, nachhaltige Ressourcennutzung nicht ausreichend berücksichtigt und negative Folgen für Dritte, etwa Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Abgase, nicht einbezieht. Deshalb soll der Staat mit ökonomischen Steuerungsinstrumenten eingreifen.
Subventionen können Umweltschutzprojekte und die Entwicklung erneuerbarer Energien fördern. Sie sind jedoch umstritten, weil sie den Wettbewerb beeinflussen, öffentliche Haushalte belasten und die Allgemeinheit statt der Verursacher zahlt. Dafür profitiert die Allgemeinheit von umweltorientiertem Verhalten. Fossile Brennstoffe werden gegenüber erneuerbaren Energien höher besteuert, damit Unternehmen auf ökologischere Alternativen umstellen. Beim Emissionsrechtehandel erhalten Firmen mit hoher CO_{2}-Emission staatlich zugeteilte Emissionsrechte. Wer diese überschreitet, wird bestraft; wer darunter bleibt, kann überschüssige Berechtigungen verkaufen.
Politik und Konsumverhalten
Politische Anreizsteuerung wirkt zwischen Staaten und innerhalb eines Staates. Im Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA, „Gemeinsamer umfassender Aktionsplan“) sagte der Iran zu, einen Großteil seiner Uran-Anreicherungszentrifugen zu entfernen. Im Gegenzug sollten Sanktionen reduziert werden; bei Nichteinhaltung sollten sie wieder aufgenommen werden. Der wirtschaftliche Anreiz für den Iran besteht darin, seine Konkurrenzfähigkeit wiederzuerlangen.
In der Agrarwirtschaft dienen Subventionen unter anderem der Sicherung des Lebensunterhalts von Landwirten, der Förderung ökologischen Landbaus und der Einhaltung von Umweltschutzrichtlinien; Ziel ist eine nachhaltige Nahrungsversorgung. In der Familienpolitik soll der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuungsplätze ab dem ersten Lebensjahr Familiengründungen erleichtern. Er gibt rechtliche und wirtschaftliche Sicherheit, da viele Familien auf das Einkommen beider Elternteile und damit auf Betreuung angewiesen sind.
Auch Konsumentscheidungen werden beeinflusst. Steuern auf gesundheitsschädliche Produkte sollen unerwünschten Konsum hemmen. Bei einer Schachtel mit 20 Zigaretten für 6,00 € beträgt die Tabaksteuer etwa 3,27 € und damit mehr als die Hälfte des Verkaufspreises; Ekelbilder auf Packungen sollen ebenfalls kritischeren Konsum fördern. Umgekehrt wird der Kauf von Elektroautos mit einer Prämie von 4000 € gefördert, weil sie teurer sind als vergleichbare Diesel- oder Benzinfahrzeuge und Kohlenstoffdioxid- sowie Stickoxidausstoß verringern sollen. Anreizsteuerung soll grundsätzlich Optionen nicht verbieten, sondern Verhalten fördern oder hemmen. Ein Prohibitivpreis wäre eine so hohe Steuer, dass faktisch keine Wahl mehr bleibt; diese Form wird in der freien Marktwirtschaft laut Artikel praktisch nicht angewendet. Unternehmen nutzen ebenfalls Sonderangebote wie „Nimm drei, zahle zwei“ und Rabattaktionen, um Käufe anzuregen.