Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Angewandte Geographie
Die Angewandte Geographie ist keine Teildisziplin des Fachbereichs Geographie, sondern – als angewandte Wissenschaft – eine ergebnisorientierte Arbeitsweise …
Inhalt3 Abschnitte
Grundidee und Arbeitsweise
Angewandte Geographie ist keine Teildisziplin der Geographie, sondern eine ergebnisorientierte Arbeitsweise einer angewandten Wissenschaft. Sie grenzt sich damit von theoretischer, klassifikatorischer und taxonomischer Geographie ab und ist vor allem der Regionalen (speziellen) Geographie zugeordnet.
Ihr Ziel ist, geographisches Wissen und geographische Fähigkeiten zur Lösung gesellschaftlicher raumbezogener Probleme zu nutzen. „Raumbezogen“ bedeutet dabei: Die Aufgaben hängen mit Orten, Regionen, räumlichen Strukturen oder deren Entwicklung zusammen. Anders als bei Fragen, die Geographen selbst für Forschung und Lehre stellen, bearbeitet die Angewandte Geographie Aufgaben, die von außen an die Geographie herangetragen werden.
Sie steht vor allem in Abgrenzung zu Universitätsgeographie und Schulgeographie. Zugleich beschreibt sie das berufliche Profil des Berufsgeographen: Geographinnen und Geographen verwerten ihr Fachwissen auch außerhalb der Universität praktisch. Bei dieser Arbeit werden die Grenzen zwischen Hochschule und Praxis fortlaufend überschritten. Die Aufgabenerfüllung ist eine Daueraufgabe: Konzepte und Maßnahmen müssen laufend rückgekoppelt und ihre Ergebnisse kontrolliert werden.
Aufgabenfelder und Berufspraxis
Gesellschaftliche Probleme sind hier Aufgaben, die sich der öffentlichen Hand oder der privaten Wirtschaft stellen. Beispiele für die Anwendung geographischen Wissens sind Kriminalgeographie und Raumplanung.
Wichtige Aufgabengebiete sind räumliche Planung und Entwicklung, Ver- und Entsorgung, Umweltberatung und Ökomanagement, Technogeographie und Risikoforschung, Verkehrs- und Mobilitätsforschung, Touristik und Freizeit sowie Statistik und Information.
Angewandte Geographen arbeiten im Öffentlichen Dienst, insbesondere in der Raumplanung. Im halböffentlichen Bereich gehören Interessenvertretungen, Ingenieurkonsulenten für Geographie und Sachverständige zu möglichen Tätigkeitsfeldern. In der Wirtschaft finden sich Einsatzmöglichkeiten etwa in Technischen Büros, im Verlagswesen und in der praktischen Kartographie, in Wirtschaftsförderung und Marktforschung, Entwicklungszusammenarbeit und Flüchtlingswesen sowie in Wirtschafts- und Politikberatung.
Entwicklung und Vertretungen
Zur Etablierung des Begriffs im deutschsprachigen Raum zu Beginn des 20. Jahrhunderts trug die Schriftenreihe „Angewandte Geographie. Hefte zur Verbreitung geographischer Kenntnisse in ihrer Beziehung zum Kultur- und Wirtschaftsleben“ bei. Sie erschien von 1902 bis 1921 in wechselnden Verlagen: Gebauer-Schwetschke in Halle an der Saale, Keller in Frankfurt am Main und Seidel in Wien. Insgesamt wurden 51 Bände veröffentlicht.
Zu den Interessenvertretungen zählen der Deutsche Verband für Angewandte Geographie, der die bei Springer Nature erscheinende Fachzeitschrift „Standort“ herausgibt, der Österreichische Verband für Angewandte Geographie (ÖVAG) als organisatorischer Teil der Österreichischen Geographischen Gesellschaft (ÖGG) sowie die Schweizerische Gesellschaft für angewandte Geographie.